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Kluft zwischen Forschungszielen und den Zielen einer nachhaltigen Entwicklung

15. November 2022
Dieser kurze Film begleitet den Abschlussbericht des Projekts und zeigt Mitglieder des Projektteams, die die wichtigsten Forschungsergebnisse und Empfehlungen erläutern, sowie Fallstudien aus Kenia, Argentinien und Indien. Strings Projekt.

Dieser kurze Film begleitet den Abschlussbericht des STRINGS-Projekts und zeigt Mitglieder des Projektteams, welche die wichtigsten Forschungsergebnisse und Empfehlungen erläutern, sowie Fallstudien aus Kenia, Argentinien und Indien.

Quelle: CHANGING DIRECTIONS. Steering science, technology and innovation towards the Sustainable Development Goals

Wissenschaft, Technologie und Innovation versagen bei der Bewältigung der weltweit dringendsten Herausforderungen im Bereich der Nachhaltigkeit, so die Schlussfolgerung aus einem 148-seitigen Bericht des STRINGS-Projekts.

Heidi hat kleine Ausschnitte des Berichts mithilfe von DeepL übersetzt.

Im Bericht „Changing Directions: Steering Science, Technology and Innovation towards the Sustainable Development Goals“ (Wissenschaft, Technologie und Innovation auf die Ziele für nachhaltige Entwicklung ausrichten) werden die Ergebnisse des Projekts „Steering Research and Innovation for Global Goals“ (STRINGS) vorgestellt. Dies ist eine gross angelegte globale Studie über die Übereinstimmung von Wissenschaft, Technologie und Innovation (STI) mit den Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs).

„Auch die Schweiz ist aufgefordert, die Ziele national umzusetzen. Auch sollen Anreize geschaffen werden, damit nichtstaatliche Akteure vermehrt einen aktiven Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten.“ So steht es auf der Homepage des Departements für Auswärtige Angelegenheiten (EDA).

Der STRINGS-Bericht hebt eine eklatante Diskrepanz zwischen STI und den SDGs hervor, warnt, dass diese Diskrepanz, wenn sie nicht behoben wird, den Fortschritt bei den SDGs untergraben wird, und gibt Empfehlungen, wie dieses Ungleichgewicht angegangen werden kann.

Entwicklungspfade für Wissenschaft, Technologie und Innovation…

Das Projekt STRINGS zeigt Entwicklungspfade auf für Wissenschaft, Technologie und Innovation, die den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung am besten entsprechen.

Ein Konsortium aus sieben führenden Universitäten, Forschungszentren und dem United Nations Development Programme (UNDP) arbeitet zusammen, um besser zu verstehen, auf welche Weise Wissenschaft, Technologie und Innovation zum Erreichen der Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (SDGs) in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen beitragen oder auch nicht. Das Projekt entwickelt einen integrativen Rahmen, um die komplexen Beziehungen zwischen der Forschung in Wissenschaft, Technologie und Innovation (STI) einerseits und den SDGs andererseits zu erfassen.

Grundlegende Änderungen nötig

Viel mehr Veröffentlichungen über Krebs (reiche Länder stärker betroffen) als zu Krankheiten wie Malaria, Tuberkulose oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen (ärmere Bevölkerungsschichtenbetroffen)

Zahlreicher sind die Veröffentlichungen über Krebs (reiche Länder sind stärker betroffen) als über Krankheiten wie Malaria, Tuberkulose oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen (ärmere Bevölkerungsschichten sind betroffen)

Die Überlegungen und Schlussfolgerungen, die sich aus dem Bericht ergeben, untermauern die Argumente, dass grundlegende Änderungen in den Wissenschaftssystemen und Institutionen nötig sind, einschliesslich derer der staatlichen Politik und Finanzierung, wenn echte Fortschritte erzielt werden sollen. Die Schlussfolgerungen der Studie verdienen ein gründliches Nachdenken in Wissenschaft und Politik.

Die Hauptprobleme

Folgende Probleme werden in der Studie aufgezeigt:

  • Ein Problem der Orientierungen
    Die meisten veröffentlichten Forschungsarbeiten (60-80%) und patentierten Erfindungen  (95%-98%) sind schlecht auf die SDGs abgestimmt.
  • Ein Problem der Ungleichheiten
    Länder mit hohem Einkommen (HICs) und Länder mit gehobenem mittleren Einkommen (UMICs) tragen unverhältnismässig stark zu dieser Unausgewogenheit bei: nur 30-40% der Forschung in den HICs und UMICs beziehen sich auf die SDGs. In Ländern mit niedrigem Einkommen (LICs) beziehen sich 60-80% der Forschung auf die SDGs, aber die Forschung in diesen Ländern macht nur 0,2% der weltweit durchgeführten Forschung aus. Da der Grossteil der globalen Forschung in den HICs erfolgt, ohne Zusammenarbeit mit Forschern in den LICs (wo die Herausforderungen der SDGs am grössten sind), ist die Chance gering, dass STI die kontextuellen Herausforderungen aufnehmen.
  • Ein Problem des Fokus
    Auch wenn die Mehrheit der Akteure soziale, politische und Basisinnovationen als entscheidend für die Verwirklichung der SDGs erachten, liegt die Unterstützung für diese Arten und Formen von Innovationen und die damit verbundene Forschung zu den komplexen sozialen Grundproblemen der Benachteiligung, Ungleichheit und Konflikten, weit hinter der Forschung und den Investitionen in „harte“ Technologien zurück.
  • Ein Problem der Wissenssilos
    Derzeit gibt es zu wenig Bemühungen, Forschung und Innovation über technische Interventionen mit Forschungsarbeiten zu kombinieren, die sich direkt mit komplexen sozialen Problemen befasst. Dies gilt obwohl es Hinweise darauf gibt, dass verschiedene Arten von STI divergierende Auswirkungen auf die SDG-Ziele haben, was zu Synergien und Spannungen führt.
  • Ein Problem der regionalen Unausgewogenheit
    Die Forschungsprioritäten der Länder sind oft nicht mit ihren wichtigsten SDG-Herausforderungen abgestimmt. Dies ist der Fall bei LIC-Ländern wie Indien (das der Forschung zu Hunger oder Gleichstellung der Geschlechter keine Priorität einräumt) sowie für die meisten HICs, einschliesslich der USA, die der Forschung zu den grossen ökologischen Herausforderungen, welche mit nicht nachhaltigen Konsum- und Produktionsmustern verbunden sind, keine Priorität einräumen. Weltweit wird die militärbezogene Forschung in der Regel stark finanziert, aber militärische Ziele kommen in den SDGs nicht vor.
  • Das Problem des Ausschlusses relevanter STI-Pfade
    Unterschiedliche Kontexte, Prioritäten, Werte und Interessen bedeuten, dass es viele mögliche STI-Wege zur Bewältigung spezifischer SDG-bezogener Herausforderungen gibt. Dennoch ist es nach wie vor so, dass ein einziger Weg in der Regel vorherrschend ist. Zum Beispiel, wenn es um das Ziel SDG 2 (Null Hunger) geht, könnte die Züchtung von neuem Saatgut in Labors gegenüber der Erhaltung und dem Austausch von Saatgut von einheimischen Pflanzensorten priorisiert werden. In ähnlicher Weise können geschlossene Formen der Wissenschaft gegenüber offenen wissenschaftlichen Praktiken bevorzugt werden, wenn es um vernachlässigte Krankheiten im Rahmen von SDG 3 (Gute Gesundheit und Wohlbefinden) geht.
  • Ein Problem der Daten
    Es gibt kaum systematische Erkenntnisse darüber, was genau mit STI-Investitionen unterstützt wird, wo und für welche Zwecke, und es gibt auch kaum Daten darüber, welches Wissen jenseits formaler F&E-Prozesse produziert und genutzt wird. Das Projekt STRINGS hat umfassende Datensätze und eingehende Fallstudien zusammengestellt, damit Entscheidungsträger ihre Optionen besser verstehen und gestalten können. Aber es sind auch grosse Investitionen erforderlich, um Daten über Wissens- und Innovationsinvestitionen und -produktion in allen Kontexten und Sektoren zu sammeln.

Anders denken über die Rolle der Wissenschaft und unsere nachhaltige Zukunft

Die Ziele für nachhaltige Entwicklung wurden 2015 einstimmig von den Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen verabschiedet. Sie sind eine Mischung aus spezifischen, miteinander verknüpften und etwas vagen Zielen. Wichtig ist, dass sie, im Gegensatz zu den früheren Millenniums-Entwicklungszielen, Verpflichtungen festgehalten wurden für Länder mit hohem Einkommen (HICs) sowie für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Doch jede Bewertung der Fortschritte bei den SDGs hat enttäuschende Ergebnisse gezeigt, selbst bei den Zielen Klimawandel, wo von Wissenschaft und Politik viel behauptet wurde.

Schon vor der formellen Verabschiedung der SDGs hat die Wissenschaft und Politik erkannt, dass die Ziele miteinander verwoben sind und dass es nicht ideal wäre, sie isoliert zu betrachten. Dennoch ist der Grossteil der Wissenschaftsfinanzierung weiterhin eng auf disziplinäre Silos konzentriert. Ausserdem sind die derzeitigen Finanzierungsmodelle und Anreize innerhalb der Institutionen der Wissenschaftsgemeinschaft, insbesondere in den HIC, wo die meisten Mittel für die Wissenschaft vorhanden sind, nicht unbedingt die Forschungsansätze und die damit verbundenen Ergebnisse, welche die Gesellschaft eindeutig braucht. Akademiker mögen behaupten, ihre Forschung sei direkt relevant für die SDGs, aber seit 2015 hat sich wenig geändert. Die allgegenwärtige Kultur der Bibliometrie, der Rankings und der Projektfinanzierung hat nicht abgenommen. Darüber hinaus ist der dominierende politische Fokus innerhalb der HIC-Politiker auf die direkten wirtschaftlichen Auswirkungen der Forschung, was der am meisten benötigten Forschung zuwiderläuft.

Was dringend benötigt wird, ist eine neue Reihe von Instrumenten die eine sinnvolle und nachvollziehbare Fokussierung auf umsetzbares Wissen fördern. Das bedeutet, die Probleme auf der Ebene der Gemeinschaft zu definieren und transdisziplinäre und systemische Ansätze für die Forschung zu entwickeln. Es bedeutet zu akzeptieren, dass die Endnutzer der Forschung, einschliesslich der Gemeinschaft, von Anfang an in die Mitgestaltung und Miterstellung von wissenschaftlich rigorosen und gesellschaftlich robusten Wissens einbezogen werden. Es bedeutet, dass wichtige Ergebnisse möglicherweise nicht in den Fachzeitschriften erscheinen, auf denen die akademische Industrie basiert. Die Naturwissenschaften müssen sinnvoller zusammenarbeiten mit den Sozial- und Geisteswissenschaften und in der Tat auch mit anderen Wissenssystemen.

Transdisziplinäre Forschung ist schwierig; sie unterscheidet sich im Ansatz von den traditionellen Forschungsparadigmen. Geldgeber, Institutionen, Akademien und andere müssen ihr Verständnis von Forschung anpassen, wenn es zu bedeutenden Fortschritten kommen soll. HIC Forschungsförderer müssen erkennen, dass es in ihrem Interesse ist, Forschung zu unterstützen und zu fördern, die von Experten in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen geleitet und geprägt wird, und die etwas gönnerhafte Haltung vermeiden, die allzu oft in der internationaltional ausgerichteten Forschung dominiert.

Dieser Abschlussbericht des STRINGS-Projekts ist eine sehr wertvolle Ergänzung zu anderen Argumenten, wie Unleashing Science und den Global Sustainable Development Reports, die das Missverhältnis zwischen dem Ort, an dem die wissenschaftliche Tätigkeit stattfindet, und den Bedürfnissen der Gesellschaft hervorheben. Sein Beitrag ist unverwechselbar. Er berichtet über eine besonders innovative bibliometrische Analyse, die durch eine Umfrage und illustrative Fallanalysen ergänzt wird. Die Reflektionen und die daraus resultierenden Überlegungen und Schlussfolgerungen untermauern die Argumente, dass grundlegende Änderungen in den Wissenschaftssystemen und -institutionen nötig sind, einschliesslich der staatlichen Politik und Finanzierung, wenn echte Fortschritte erzielt werden sollen. Der Bericht enthält viele aufschlussreiche und empirisch untermauerte Punkte, die dieses allgemeine Argument stützen.

Die Schlussfolgerungen des Berichts verdienen es, von Wissenschaft und Politik eingehend studiert zu werden.

Sir Peter Gluckman FRS FTWAS FISC
Präsident, Internationaler Wissenschaftsrat
Direktor, Koi Tū, das Zentrum für informierte Zukunft, Universität von Auckland

Professor Heide Hackmann FISC
Ehemalige Geschäftsführerin, Internationaler Wissenschaftsrat
Direktorin, Future Africa, Universität von Pretoria

CHANGING DIRECTIONS. Steering science, technology and innovation towards the Sustainable Development Goals

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Adventskalender: Nachhaltige Entwicklung 2017

4. Dezember 2017

Diesen Adventskalender dürfen Sie nicht verpassen! „Tägliches Wissensquiz & nachhaltige Geschenke“. Idee und Umsetzung des Adventskalenders von GAMMARUS Umweltkommunikation.

Hingewiesen wird auf die Agenda 2030, diese steht für eine neue Entwicklungs- und Nachhaltigkeitsagenda, welche im September 2015 von der Staatengemeinschaft verabschiedet wurde. Kernbestandteil sind die Ziele für eine nachhaltige Entwicklung («Sustainable Development Goals», SDGs). Die «Sustainable Development Goals» sollen zur globalen Entwicklung beitragen und menschliches Wohlergehen fördern, ohne dabei natürliche Ressourcen zu übernutzen oder zu zerstören.

Danke, liebe Leserin, für den Hinweis.

Adventskalender: Nachhaltige Entwicklung 2017

4.12.17 HOME


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