Posts Tagged ‘Tierhaltung’

Kreislauf der Krankheitskeime

23. März 2012
DSC02806_Montreux_Fischer

Fischen in Montreux am Genfersee. Krankheitserreger können über Gewässer ins Trinkwasser und Bewässerungswasser gelangen.

ZDF Abendteuer Wissen berichtete am 12.11.08 über bedrohliche Erreger in der Kanalisation: Zeitbombe Trinkwasser. Mit einer Medieninformation informierten WissenschaftlerInnen des Schweizer Wasserforschungsinstituts Eawag gestern über antibiotikaresistente Keime, die mit dem Siedlungsabwasser, speziell mit dem Abwasser aus Spitälern in den Genfersee gelangen, Antibiotikaresistenzen auf dem Vormarsch.“… Für Nadine Czekalski, welche im Rahmen ihrer Dissertation den Hauptteil der Untersuchungen gemacht hat, sind die Befunde «kein Grund zur Panik». 3 km neben der Einleitung des Kläranlagenablaufs in den See liegt eine grössere Trinkwasserfassung. In Sedimentproben aus der Nähe dieser Fassung haben die Forscher zwar Multiresistenzen nachweisen können, jedoch nicht im dortigen Seewasser. Ausserdem wird das Seewasser aufbereitet, bevor es ins Leitungsnetz von Lausanne eingespeist wird. Czekalski und Bürgmann sind sich jedoch einig, dass Vorsorge angebracht ist. Immerhin werden rund 15% der Schweizer Abwässer nach ihrer Reinigung direkt in Seen eingeleitet…“ Und wie viele fliessen ungereinigt direkt in Bäche und Seen? Auch heute noch! Wie viel Abwasser und Gülle aus der Landwirtschaft?

In der Schweiz wird vermehrt bewässert, einerseits weil die Folien- und Gewächshaus-Produktion stark zugenommen hat, andererseits, weil es aufgrund der Klimaerwärmung im Sommer trockener ist als früher. Das Bewässerungswasser wird zum Teil direkt den Flüssen entzogen. Enthält das Wasser Krankheitserreger wie EHEC oder Antibiotika-resistente Krankheitserreger aus der Tierhaltung oder dem Abwasser aus Spitälern oder von kranken Leuten, so gelangen diese auf die Kulturen und in den Boden, womit der „Kreislauf“ geschlossen ist. Da helfen auch die vom Bundesamt für Gesundheit als sicher deklarierten Hygieneempfehlungen in der Küche nichts. Übrigens, gestern war der Weltwassertag, Tagesschau Weltwassertag: Wasser sparen – Nahrung sichern.

Nachtrag 7.9.12: Bodenbakterien geben Resistenzen weiter, Spiegel online Wissenschaft
The Shared Antibiotic Resistome of Soil Bacteria and Human Pathogens, Science

23.3.12 HOME

Antibiotika-resistente Keime auf Fleisch

21. März 2012
DSC00276_Spinat

Gesunde Ernährung? Viel Gemüse und Früchte, wenig Fleisch, Salz, Zucker, Fett und Alkohol

Keime auf Fleisch? Nichts Neues! Antibiotika-resistente Keime auf Fleisch? Ebenfalls nichts Neues! Heidi hat in ihrem Artikel vom 6.12.11 Nur Schweizer Poulet und Truthahn kaufen! einen Beitrag von BUND zum Thema verlinkt: Antibiotika in der Massentierhaltung. Gestern haben viele Leute Antibiotika-resistente Keime auf Poulet gesucht und sind, wie die Tages-Statistik zeigt, bei Heidi gelandet. Deshalb hat auch sie diese Suchbegriffe gegoogelt und ist, einmal mehr, beim Kassensturz gelandet; Gefährliche Keime auf Schweizer Poulets heisst das Video. Wie üblich bei solchen Problemen, schieben Fachleute den Schwarzen Peter den KonsumentInnen zu: Bei richtiger Küchenhygiene kein Problem, heisst die Lösung. Es würden nur dann Antibiotika eingesetzt, wenn unbedingt nötig und vom Tierarzt verschrieben, aber man werde der Angelegenheit vermehrt Beachtung schenken. All dies ist nichts Neues! Paul Roberts hat in seinem Buch The End of Food (siehe Heidis Lieblingslinks) die Welternährungslage eindrücklich beschrieben: Grosskonzerne, Grossverteiler, Preisdruck, industrielle Produktion, mangelnde Lebensmittelsicherheit, staatliche Ämter durch Interessenvertreter besetzt, Rücksichtlosigkeit usw. Interessenvertreter schreiben Gesetze, Interessenvertreter sorgen dafür, dass diese nicht eingehalten werden. Und was passiert mir Antibiotika-resistenten Keimen, die ins Freiland gelangen, ins Wasser etwa?

Die Produkte müssen nicht sauber sein, nein, die KonsumentInnen sind in erster Linie verantwortlich für die Lebensmittelhygiene. Heidi stellt sich Eltern vor, die gestresst und müde von der Arbeit das Nachtessen zubereiten. Das kleinste Kind schreit erbarmungslos nach Zuneigung, erhält zwischendurch eine Streicheleinheit mit ungewaschenen Händen. Das grössere will beim Kochen helfen und schneidet den Salat mit dem Fleischmesser … und schon sind die Antibiotika-resistenten Keime „verteilt“. Selber schuld! Was, wenn es unsere HelferInnen für niedere Arbeiten sind, die AusländerInnen? Lesen und verstehen sie die Hygieneempfehlungen des Bundesamts für Gesundheit? Zehn Stück sind es, in Deutsch, Französisch und Italienisch … da fehlen zahlreiche Sprachen. Heidi hat von deren Existenz erst heute erfahren. Acht davon behandeln Probleme mit Fleisch, z.B. Fondue Chinoise, Grillieren, Poulet, Sushi. Und wie steht es in den Restaurants, Besenbeizen und Catering bei Hochbetrieb? Heidis Sofortipp: viel Gemüse und Früchte essen, vegetarische Tage einschalten und Label-Fleisch kaufen, z.B. KAGfreiland. Das hilft auch dem Klima. Wenn wir alle handeln, dann fällt es weniger auf, dass unsere Entscheidungsträger träge sind.

Bereits am 7.3.12 eröffnete die Rundschau des Schweizer Fernsehens zum gleichen Thema eine dreiteilige Serie, Antibiotika: Neue Gefahren aus der Landwirtschaft. 21.3.12 Teil 2: Ohne Rücksicht auf Folgen. 28.3.12 Teil 3: Antibiotika im Stall: „Unter dem Druck, möglichst kostengünstig zu produzieren, setzen Schweizer Landwirte tonnenweise Antibiotika ein. Völlig unnötig, denn es ginge auch mit weniger. Ein konventioneller Bauer und ein Schweinemäster zeigen, wie sie mit einfachen Massnahmen den Antibiotika-Einsatz minimieren können.“ Die Tagesschau vom 21.3.12 nahm das Thema ebenfalls auf: Der ganz normale Antibiotika-Wahnsinn in Schweizer Ställen.

21.3.12 HOME


%d Bloggern gefällt das: