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Vom Winde verweht: Pestizide in der Luft im Vinschgau

13. März 2019
Weidenden Kühen neben Obstplantage im Obervinschgau.

Weidenden Kühen neben Obstplantage im Obervinschgau.

Jeder zehnte Apfel in Europa kommt aus Südtirol. Diese intensive Obstwirtschaft ist nur möglich, weil in den Plantagen sehr häufig mit Pestiziden gespritzt wird. Weil die Wirkstoffe vom Wind durch die Luft verbreitet werden, gibt es am Ort grosse Konflikte um den Einsatz der Gifte. Welche Stoffe wann und wie weit durch die Luft verbreitet werden, zeigt die Untersuchung des Umweltinstituts München „Vom Winde verweht“.

Die wichtigsten Ergebnisse sind:

  • Es gibt im Vinschgau von Mitte März bis mindestens Ende August eine Dauerbelastung mit Pestiziden. Für Menschen und Umwelt gibt es in dieser Zeit keine Pause.
  • Einige der Gifte werden sogar kilometerweit durch die Luft transportiert. Zwölf der Wirkstoffe fand das Umweltinstitut auch in einem Garten in Mals, also innerhalb einer geschlossenen Ortschaft. Darunter sind gesundheitsschädliche Mittel, die Krebs und Allergien auslösen können oder die Fruchtbarkeit schädigen. Und sogar auf über 1600 Höhenmeter in einem Seitental wurden noch sechs Wirkstoffe gefunden. Darunter ist das Insektengift Imidacloprid, bei dem weniger als vier Nanogramm ausreichen, um eine Biene zu töten.
  • Es befinden sich immer unterschiedliche Mittel gleichzeitig in der Luft, die sich in ihrer Wirkung gegenseitig beeinflussen können. Ein Beispiel für diesen Cocktaileffekt ist das Insektengift Thiacloprid, das zu den Neonicotinoiden zählt. Wenn es mit bestimmten Fungiziden (Ergosterol-Biosynthese-Inhibitoren) kombiniert wird, ist es für Honigbienen um mehrere Dutzend Mal giftiger als alleine. In einer Bio-Apfelplantage wurden im Mai sowohl Thiacloprid als auch zwei dieser Fungizide gefunden. In der selben Probe waren noch acht weitere Mittel.

Kritik am eropäischen Zulassungsverfahren

Das Umweltinstitut München stellt zudem grosse Mängel am europäischen Zulassungsverfahren fest.

  • Das europäische Zulassungsverfahren ignoriert den Cocktaileffekt und die Dauerbelastung. Es ist fixiert auf die Bewertung von Einzelstoffen in einem wissenschaftlich einfach zu fassenden Rahmen. Das ist unrealistisch, denn de facto sind Mensch und Umwelt einer Vielzahl von Schadstoffen aus unterschiedlichen Quellen zugleich ausgesetzt.
  • Die europäischen Behörden vernachlässigen die Verbreitung von Pestiziden durch die Luft. Bei den vier der sechs Wirkstoffe, die das Umweltinstitut an allen vier Standorten gefunden haben, geht die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) davon aus, dass diese nach der Anwendung allenfalls in vernachlässigbaren Mengen in die Luft übergehen und in der Atmosphäre unter dem Einfluss von Sonnenlicht schnell zerfallen. Beim fünften akzeptierte die Behörde Auskünfte der Herstellerfirma, wonach der Stoff nicht volatil ist, als ausreichend für eine Zulassung.
  • Es gibt kein systematisches Monitoring von Pestiziden in der Luft. Weder in Deutschland, noch in Italien oder Österreich gibt es staatliche Programme zur Messung von Pestizid-Wirkstoffen in der Luft. Infolgedessen gibt es keine offiziellen Daten zu den Problemen.
  • Technische Massnahmen reichen nicht aus, um Abdrift zu verhindern. Gerade in Südtirol hat die konventionelle Landwirtschaft in den letzten Jahren immer wieder auf Kritik reagiert und eine Lösung des Problems durch technische Massnahmen versprochen. Die Schäden für Bio-Betriebe und Gefahren für Umwelt, Anwohnerinnen und Anwohner sowie Urlaubsgäste enstehen jedoch weiterhin. Der Staat lässt sie im Regen stehen.

Die einzige Möglichkeit, die Verbreitung von Pestiziden durch die Luft zu verhindern, ist es, keine Pestizide zu verwenden.

Im schweizerischen Münstertal ist man besorgt

Das Vinschgau grenzt an den schweizerischen Nationalpark Biosfera Val Müstair und ist Teil des Unesco Biosphärenreservats Engiadina Val Müstair. Die Landwirtschaft ist zu 80% biologisch. Im Münstertal ist man besorgt über die Messungen des Umweltinstituts München. Der Geschäftsführer des Naturparks Biosfera Val Müstair, David Spinnler, informierte das Amt für Natur und Umwelt (ANU) Graubünden und stellte die Frage, ob man solche Messungen nicht auch in der Val Müstair machen sollte. Quelle: Südostschweiz.

Bild an einer Hauswand in Mals/Südtirol. Der Bürgermeister von Mals, Ulrich Veith, ist verantwortlich für die Gesundheit der Bevölkerung.

Bild an einer Hauswand in Mals/Südtirol. Der Bürgermeister von Mals, Ulrich Veith, ist verantwortlich für die Gesundheit der Bevölkerung. Er sagt: «Es gibt hier nur einen sinnvollen Grenzwert und der ist null.»

Vom Winde verweht: Pestizide in der Luft im Vinschgau, Umweltinstitut München e.V.

Bei unseren Nachbarn liegt etwas in der Luft, Fadrina Hofmann, Südostschweiz vom 12.3.18

Wenn Pestizide daneben gehen, Vision Landwirtschaft vom 21.2.19

Pestizid-Reduktionsplan Schweiz, Vision Landwirtschaft vom 1.5.16, 27 Organisationen tragen die Stossrichtung des Pestizid-Reduktionsplans mit.

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Was hat Captan auf Bio-Parzellen zu tun?

2. Dezember 2018
Im Heu von Alexander Agethle, Bio-Bauer im Vinschgau (Südtirol), ist das Fungizid Captan nachgewiesen worden. Er ist längst nicht der Einzige, der ein solches Problem hat. Die Familie Agethle hat gerade eine bedeutende Auszeichnung erhalten: Eine der angebotenen Bio-Käsesorten wurde zum besten Weichkäse Italiens gekürt.

Im Heu von Alexander Agethle, Bio-Bauer im Vinschgau (Südtirol), ist das Fungizid Captan nachgewiesen worden. Er ist längst nicht der Einzige, der ein solches Problem hat. Die Familie Agethle hat gerade eine bedeutende Auszeichnung erhalten: Eine der angebotenen Bio-Käsesorten wurde zum besten Weichkäse Italiens gekürt.

Abdrift ist für viele Biobauern ein Problem. Besonders von hochwachsenden Kulturen wie Obstanlagen und Rebbergen gelangen Pestizide leicht auf benachbarte Parzellen. Ausgerechnet diese Pflanzen müssen aber besonders häufig gespritzt werden. Wenn es zudem windig ist, dann können Pestizide über grosse Distanzen verbreitet werden. Talwind etwa trägt Abdrift in höhere Lagen und kann dort die Flora und Fauna massiv schädigen.

Noch schlimmer ist es, wenn Pestizide per Helikopter gespritzt werden, was in der Schweiz erlaubt ist. Die vorgeschriebenen Pufferstreifen wurden 2016 sogar verkleinert. Es ist kein Trost, wenn gleichzeitig für Bio neu explizit Abstandsvorschriften eingeführt wurden.

Das Nichteinhalten von Pufferstreifen ist ein weiteres Problem, das noch nicht in der Politik angekommen ist.

Agrarbericht 2016, Bundesamt für Landwirtschaft.

Agrarbericht 2016, Bundesamt für Landwirtschaft.

Abdrift auf Kinderspielplätze

In der Gemeinde Mals im Südtirol (I) wurden Kinderspielplätze auf die Anwesenheit von Pestiziden untersucht. Es heisst – wie so häufig – die Analysenwerte seien unter dem Grenzwert. Doch der Malser Gemeindepräsident vertritt die Ansicht, dass für Spielplätze Nulltoleranz der richtige Ansatz ist.

Abdrift von Intensivobstanlagen trifft viele

Zu lesen auf salto, 21.11.18, im Zusammenhang mit Captan-Abdrift auf die Parzellen der Vinschgauer Bio-Bauern Ägidius Wellenzohn und Alexander Agethle: „Der Abdriftschutz von Pestiziden auf benachbarte Grundstücke ist nicht möglich. Und: Alle Menschen, die in der unmittelbaren Nähe von Intensivobstanlagen leben – und das dürften zwischen einem Viertel und einem Drittel der SüdtirolerInnen sein – sind im Laufe des Jahres vielfachen Pestizideinträgen ausgesetzt. Wenn sie einen Garten haben und Obst oder Gemüse daraus konsumieren, ist davon auszugehen, dass sie immer wieder mit Pestizidmengen jenseits der gesetzlich festgelegten Grenzwerte belastet werden.

… Wenn man mit konventionell wirtschaftenden Bauern diskutiert, postulieren diese stets das Recht, dass sie selber bestimmen wollen, wie sie wirtschaften. Sie räumen aber auch sofort ein, dass die Nachbargrundstücke natürlich nicht belastet werden dürfen. Sie wissen aber wohl selbst am besten, dass das einfach nicht funktioniert …“

Vom Wert der Zusammenarbeit

Zusammenarbeit ist für Alexander Agethle wichtig. Zitat aus Dolomitenstadt.at: „Die Gefahr ist ja, als Kleiner alles alleine schaffen zu wollen und am Ende nichts davon richtig zu machen“, findet Agethle. Oder aber, dass man in Südtirol plötzlich abhängig von internationalen Konzernen ist: „Ich wollte einfach nicht bei diesem Spiel mitmachen, seine männlichen Kälber wenige Tage nach der Geburt nach Polen zu schicken, dort zwei Jahre lang billig mästen zu lassen und nach einem langen Transport wieder bei uns in Italien zu schlachten“, erklärt Agethle. „Nur, damit man dem Kunden suggerieren kann, es handele sich da um ein regionales Produkt.“

Captan am Bio-Baum, Captan im Bio-Heu, salto vom 21.11.18

Ausgezeichneter Käse: Der beste Weichkäse Italiens kommt aus dem Vinschgau. Es ist der Arunda von der Hofkäserei Englhorn aus Mals.

Hofkäserei Englhorn: Der Wert von gutem Käse. Im oberen Vinschgau prägt Bauer Alexander Agethle mit seinen Ideen eine ganze Region. Dolomitenstadt.at vom 13.9.18

Englhorn, Familie Agethle, seit weit über 200 Jahren im Besitz der Familie Agethle.

Treffpunkt – Mals – geplatztes Wunder?  Rai Südtirol vom 20.11.2018

Informationen zu „Rückstände“ von BIOSUISSE

Heidis zehn Artikel über Helikoptersprühflüge

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Ein Wochenende mit Pro Natura GR in Mals!

3. September 2018

Einladung Pro Natura Graubünden

Auf dem Wochenendausflug ins Obervinschgau tauchen wir ein in die Geschichte der ersten pestizidfreien Gemeinde Europas. Wir lassen uns vom Engagement dieses Dorfes, welches zum «Wunder von Mals» geführt hat, inspirieren.

Lokale Akteure begleiten uns am Samstag zu den drei Bio-Höfen (Sockerhof, Hof von Günther Wallnöfer und Bauernladen Pobitzer). Das Abendessen findet gemeinsam mit dem Bürgermeister von Mals (Ulrich Veith), VertreterInnen des Promotorenkomitees (Johannes Fragner Unterpertinger) und der aktiven Frauengruppe Hollawint (Martina Hellrigl) statt. Am Sonntag lernen wir auf einer geführten Kulturwanderung die Umgebung kennen, besuchen einen Schaugarten sowie das Kloster und die Weingärten Marienberg.

Leitung: Armin Bernhard, Bürgergenossenschaft Obervinschgau

Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung bis zum Dienstag, 25. September 2018, an pronatura-gr@pronatura.ch oder telefonisch unter 081 252 40 39.

Datum: Samstag, 13.10.2018 08:15 – Sonntag, 14.10.2018 20:10
Ort: Mals, Südtirol
Adresse / Treffpunkt: Bahnhof Landquart, Gleis 8, 8:15 Uhr
Kosten: Fr. 111.00 (für Pro-Natura-Mitglied 100.00).
Anreise, Hotelübernachtung (EUR 50 bis 70 im DZ inkl. Frühstück, Aufpreis für Einzelbelegung) und Verpflegung werden individuell bezahlt.

Wochenendausflug nach Mals im Südtirol, der ersten pestizidfreien Gemeinde Europas. Pro Natura Graubünden

Flyer Wochenendexkursion Pro Natura GR nach Mals Italien.

Heidi freut sich und meint: „Identitätskarte oder Pass nicht vergessen!“

Filmvorführung organisieren

Wenn Sie nicht teilnehmen können, dann organisieren Sie vielleicht eine Filmvorführung des „Wunder von Mals“? Alle bis jetzt festgelegten Termine der Kino-Tour findet man hier: http://wundervonmals.com/kino-termine/. Wer den Film selber zeigen will oder eine Idee für ein Programmkino in seiner Nähe hat, schreibe gleich eine Nachricht an: ALEXANDER SCHIEBEL, info@wunderwerkstatt.film, Stephanstraße 8, D-04103 Leipzig. Mobile: +49-171-288-78-34, Office: +49-341-9999-27-99. Web: wunderwerkstatt.film

Das „Wunder von Mals“ morgen, 4.09.2018, im Solarkino Nomatark im Schützenmattpark, Basel, Schweiz | Beginn 20:00.

Der Malser Weg, Informationen und Blog zum „Wunder von Mals“

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Teilsegen der EU für „Malser Weg“

27. Mai 2016
Herausgeber ist Hans Perting. Copyright Hans Perting Buchwerkstatt

Herausgeber ist Hans Perting. Copyright Hans Perting Buchwerkstatt

Der EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Vytenis Andriukaitis, hat eine Anfrage von PAN-Italia und PAN-Europa offiziell beantwortet. Danach besteht die Möglichkeit, dass Staaten, Regionen oder Gemeinden zusätzliche Pestizid-Regelungen einführen können. Voraussetzung ist, dass die Regeln z.B. verhältnismässig und notwendig sind. Der Kommissar weist etwa auf den Schutz der Gesundheit der Bürger und den Schutz der Biodiversität hin.

Der Bürgermeister der pestizidfreien Gemeinde Mals, Ulrich Veith, ist für den Schutze der Gesundheit laut staatlicher Gesetzgebung zuständig. Er sieht sich in der bisherigen Vorgehensweise bestätigt. Veith bezieht sich auf die möglichen Gesundheitsrisiken, welche von gewissen Pflanzenschutzmitteln ausgehen können. Zudem mache der Wind rund um Mals samt Thermik das abdriftfreie Ausbringen von Pestiziden unmöglich. „Die Malser haben einen wichtigen Trend in Landwirtschaft und Gesundheit früh erkannt.“ PAN-Europe.

Heidi vermisst ähnliche Töne aus den Berner Amtstuben. In der Schweiz geht halt alles etwas länger, besonders wenn es sich um lukrative Geschäfte wie Pestizide handelt und starke Lobbyisten wie der Schweizer Bauernverband. Ob dies ändert, falls Syngenta an China verkauft wird? Es besteht im Moment wenig Hoffnung, aber der Druck von unten steigt.

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