Posts Tagged ‘Universität für Bodenkultur Wien’

Wie moderne Lebensmittel ihre Nährstoffe zurückgewinnen können

7. Mai 2022
Heidis Spinat

Heidis Spinat

Rachel Lovell schrieb für BBC einen aufschlussreichen Beitrag über unser Ernährungssystem: How modern food can regain its nutrients. Heidi hat daraus ein paar Abschnitte mithilfe von DeepL übersetzt. Wenn Sie Zeit haben, lesen Sie den ganzen wichtigen Beitrag auf Englisch.

Die Grundnahrungsmittel im Supermarkt sind grösser, saftiger und attraktiver geworden. Aber ihr Nährstoffgehalt hat damit nicht Schritt gehalten. Um die gesündesten Lebensmittel anzubauen, müssen wir erst einmal verstehen, was wir in sie hineinstecken.

Geringerer Nährwert seit 1950

Der Nährwert einiger beliebter Gemüsesorten, von Spargel bis Spinat, ist seit 1950 erheblich gesunken. Eine US-Studie aus dem Jahr 2004 ergab, dass der Gehalt an wichtigen Nährstoffen in einigen Gartenkulturen um bis zu 38% niedriger ist als noch Mitte des 20. Jahrhundert. Im Durchschnitt der 43 untersuchten Gemüsearten sank der Kalziumgehalt um 16%, der Eisengehalt um 15% und der Phosphorgehalt um 9%. Bei den Vitaminen Riboflavin und Ascorbinsäure war ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen, während der Proteingehalt leicht zurückging. Ähnliche Rückgänge wurden auch bei den Nährstoffen in Weizen beobachtet. Was ist passiert?

Während die Grüne Revolution dazu beitrug, den Hunger in der Welt zu bekämpfen, haben wir es heute mit einem globalen Lebensmittelsystem zu tun, das in einigen Fällen darauf ausgelegt ist, Kalorien und kosmetische Perfektion zu liefern, aber nicht unbedingt Nährstoffe. Dies trägt zu einem Phänomen bei, das als „versteckter Hunger“ bekannt ist: Die Menschen fühlen sich satt, sind aber möglicherweise nicht gesund, weil ihr Essen viele Kalorien, aber wenig Nährstoffe enthält. Es mag zunächst widersinnig klingen, aber übergewichtige Menschen können einen Nährstoffmangel aufweisen. Kann man also die Nährstoffqualität unserer Lebensmittel wiederherstellen?

Bodengesundheit fördern

Forschungsresultate deuten darauf hin, dass je mehr Pilze und Mikroben im Boden aktiv sind, desto besser können die Nährstoffe in die Pflanzen und in unsere Lebensmittel gelangen. Mit anderen Worten: Ein Boden, in dem es von Pilzen und Bakterien nur so wimmelt, ist besser in der Lage, Nährstoffe in eine Form aufzuspalten, welche die Pflanzen leichter aufnehmen können.

Der Einfluss von Mykorrhizapilzen ist so gross, dass er kommerziell genutzt wird, um die Produktivität von Pflanzen zu verbessern. Wenn dieses kommerziell hergestellte Pulver zur Beschichtung von Wurzeln oder Saatgut verwendet wird, haben die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Ernteerträge einige Landwirte dazu veranlasst, diese bemerkenswerten Pilze künstlichen Agrochemikalien vorzuziehen.

Der US-amerikanische Landwirt Cory Atley bewirtschaftet 8’000 Hektar Mais- und Sojabohnenanbaufläche in Ohio und hat den Einsatz von Inokulanzien getestet: „Wir versuchen wirklich, uns auf die Bodengesundheit zu konzentrieren, und wenn man den Aspekt der Bodengesundheit in den Griff bekommt, wird sich das auf die Pflanzengesundheit auswirken. Wir verwenden immer noch synthetischen Dünger, aber immer weniger, etwa 25% weniger. Wir versuchen, mehr von dem aufzubrechen, was bereits in unserem Boden vorhanden ist, anstatt dem Boden ständig mehr hinzuzufügen.“

Landwirte für Nährstoffertrag bezahlen

Was wir brauchen, ist ein Lebensmittelproduktionssystem, das den Nährstoffgehalt von Lebensmitteln überwacht und allgemein vergleichbar macht, und ein Handelsmodell, das den Nährstoffgehalt über alles andere stellt. „Die Landwirte müssen für den tatsächlichen Nährstoffertrag bezahlt werden, nicht nur für die Masse der Produkte. Das derzeitige Modell, bei dem pro Tonne Getreide bezahlt wird, ist aus Sicht der menschlichen Gesundheit nicht sinnvoll“, sagt McGrath, Professor für Boden- und Pflanzenwissenschaften bei Rothamsted Research in England.

Der Beitrag schliesst mit dem Hinweis, dass Zusammenhänge zwischen Ernährung und Landwirtschaft komplex sind und vieles noch nicht vollständig verstanden ist. Es brauche noch mehr Forschung. Aber angesichts von mehr als zwei Milliarden Menschen weltweit, die von Mikronährstoffmangel betroffen sind, könnte die Verfolgung der Spur der Nährstoffe sehr viel Gutes bewirken.

Weitere Verluste in der Lebensmittelindustrie

Heidi meint: „Zusätzlich zu diesem Verlust gehen bei der Herstellung von verarbeiten Lebensmittel weitere Nährstoffe verloren, z.B. Backwaren. Heidi kauft Getreidekörner und mahlt sie unmittelbar vor dem Brotbacken. Solches Brot ist aromatischer und nährstoffreicher. Wenn die nährstoffreichen Keimlinge in einer industriellen Mühle auch vermahlen würden, dann wäre das Mehl nicht lange haltbar.“

Mykorrhiza in der Schweiz

Etwa 80% aller Landpflanzen können mit arbuskulären Mykorrhiza-Pilzen in Symbiose leben und so z.B.  ihre Versorgung mit Phosphor sichern. Das ist besonders wichtig, da weltweit die Phosphorvorräte am Versiegen sind.

Im Schweizer Biolandbau sind Mkorrhiza längst ein Thema, genauso wie die Bodengesundheit. Das ist wichtig, da keine Mineraldünger eingesetzt werden dürfen. Auf der Hilfsmittelliste 2022 für den biologischen Landbau in der Schweiz sind drei Mykorrhiza-Produkte aufgeführt.

Ein Anwendungsbeispiel zeigt das Forschungsinstitut für Biologischen Anbau (FiBL): Vielerorts sind Hochstammobstbäume im besten Ertragsalter mit abgestorbenen Ästen und Trieben, wenig Zuwachs oder abgehende Bäume anzutreffen. Die Ursachen sind vielfältig. Eine oberflächliche Düngung ist für Bäume oft wenig zielführend. 2018 wurden in einem Versuch mit einem Bodenrevitalisierungsgerät spezifische Mykorrhiza-Pilzsporen und Bakterienstämme zugeführt, kombiniert mit einer physikalischen Bodenlockerung durch Einpumpen von Luft in den Wurzelraum der Bäume. Mit der Erhöhung der Artenvielfalt an Mykorrhizen und Bakterien, welche sich gegenseitig positiv beeinflussen, soll die Nährstoffverfügbarkeit erhöht und das Wurzelwachstum verbessert werden.

Andermatt Biocontrol, der Schweizer Pionier im biologischen Pflanzenschutz, schreibt über die Wirkungsweise von Lalrise Max, einem Produkt, das keimfähige Sporen von Arbuskulären Mykorrhiza-Pilzen enthält: Mykorrhiza-Pilze (Glomus intraradices) gehen mit der Pflanzenwurzel eine symbiotische Beziehung ein. Dies ermöglicht eine bessere Erschliessung der Nährstoffe und des Wassers im Boden und beeinflusst die Bodenstruktur. Der positive Einfluss auf das Pflanzenwachstum ist vor allem bei mehrjährigen Kulturen sichtbar. Die stressbedingte Schwächung von Kulturpflanzen an Extremstandorten kann deutlich reduziert werden.

Schweizerischen Sammlung von Mykorrhizapilzen

Das Interesse an diesen Pilzen hat von Seiten der Forschung sowie der Industrie und der Öffentlichkeit in den letzten Jahren stark zugenommen. Aus diesem Grund ist die landwirtschaftliche Forschungsanstalt Agroscope am Aufbau einer schweizerischen Sammlung von Mykorrhizapilzen, um Anwender, Produzenten und Forscher mit verschiedensten Mykorrhizapilzen bedienen zu können.

Das Agroscope-Service-Center für Mykorrhizapilze bietet eine Reihe von Dienstleistungen an:

  1. Bestimmung der Mykorrhiza-Arten und der Sporendichten
  2. Qualitätskontrolle von kommerziellem Mykorrhiza-Inokulum
  3. Bestimmung des Wurzelbesiedlungsgrads und des Infektionspotentials der Kulturpflanzen mit Mykorrhizapilzen.
  4. Verkauf von Mykorrhizainokulur

Die landwirtschaftliche Beratungszentrale Agridea hat ein Merkblatt über Mykorrhiza herausgegeben: Bauer sucht Pilz – Eine fruchtbare Beziehung. Die Bedeutung der Mykorrhizapilze für die Landwirtschaft verstehen – Massnahmen zur Förderung kennenlernen.

HobbygärtnerInnen setzen ebenfalls Mykorrhiza-Pilze ein.

Mykorrhiza in Deutschland und Österreich

Auch in Deutschland und Österreich werden Mykorrhizapilze erforscht. Die Resultate sind erfolgversprechend. Ein Beispiel: 2014 konnten Wissenschaftler der Universität für Bodenkunde Wien (BOKU) eher per Zufall einen Zusammenhang zwischen dem Befall von Blattläusen und dem Vorhandensein von Regenwürmern nachweisen. Blattläuse stehen demnach in funktioneller Beziehung zu Regenwürmern im Boden. Die Forscher sehen dabei auch einen Zusammenhang mit den Mykorrhizapilzen, wobei die Pflanze als eine Art Vermittler zwischen der Ober- und Unterwelt fungiert.

How modern food can regain its nutrients. Rachel Lovell, BBC

Die Geschichte vom aromatischen Brot. Heidis Mist 26.5.21

Landwirtschaft mit der Natur. Regenerative Landwirtschaft Diese Bauern produzieren ohne Pestizide. Netz Natur vom 10.12.20

Baumrevitalisierung mit Mykorrhizapilzen und Bakterien. BIOaktuell 24.6.19

Soziales Netzwerk im Boden. Medienmitteilung Agroscope 3.12.9

Schweizerische Sammlung für Arbuskuläre Mykorrhizapilze (SAF). Agroscope

Faszination Regenwurm. Bodenfruchtbarkeitsfonds

Symbiose sorgt für Phosphor – Ein Pilz wirft pflanzliche Protonenpumpe an. Pflanzenforschung.de 4.6.14

Frühling ??????? ??????? ??????? ??????? ??????? ??????? ??????? ??????? ??????? ?

Dear Scientist and Friend in Kyiv. While the war continues in your country, the first daffodils are blooming in some places here. There are meadows full of gentian and daffodils. I wish you peace. Heidi

Dear Scientist and Friend in Kyiv. While the war continues in your country, the first daffodils are blooming in some places here. There are meadows full of gentian and daffodils. I wish you peace. Heidi

7.5.22 HOME

Datenschutzerklärung

Menschenrecht auf ungiftige Nahrungsproduktion

9. Juni 2021
Übersetzt von Heidi

Übersetzt von Heidi

Zitat aus Daily Poison, Pesticides – an Underestimated Danger, Springer. Johann G. Zaller, Institut für Zoologie, Universität für Bodenkultur Wien, BOKU. ISBN 978-3-030-50529-5
eBook: ISBN 978-3-030-50530-1

Unser täglich Gift, Pestizide – die unterschätzte Gefahr, Deuticke Verlag. Johann G. Zaller, Institut für Zoologie, Universität für Bodenkultur Wien, BOKU. ISBN 978-3-552-06367-9 / E-Book ISBN 978-3-552-06374-7

9.6.21 HOME

Datenschutzerklärung

Kinderspielplätze ganzjährig mit Agrargiften belastet

25. März 2021

Medienmitteilung von PAN Europe:

Am 13. Juni stimmen die SchweizerInnen über die Zukunft ihrer Landwirtschaft ab. Eine kürzlich veröffentlichte wissenschaftliche Studie zeigt die Notwendigkeit einer Schweizer Landwirtschaft ohne den Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden.

Bozen/Bologna/Brüssel/Hamburg/Wien – Die aktuelle Studie, veröffentlicht im Journal of Environmental Sciences Europe, ist weltweit eine der wenigen, die Abdrift von Agrargiften auf öffentlichen Plätzen untersuchte. Das Forscherteam aus Österreich (Universität für Bodenkultur/Wien), der Schweiz (Pesticide Action Network Europe), Italien (Ramazzini Institut in Bologna) und Deutschland (Pesticide Action Network Germany) bestätigt darin eine ganzjährige Pestizidbelastung von 96% der untersuchten Orte, darunter hauptsächlich Spielplätze.

Auf den untersuchten Plätzen wurden insgesamt 32 verschiedene Substanzen mit überwiegend hormonaktiver Wirkung aus der Agrarwirtschaft nachgewiesen. Der Co-Autor und Projektleiter Koen Hertoge (PAN Europe) sieht in der Studie einen elementaren Beitrag für mehr Sachlichkeit in der Abdrift-Diskussion, wie sie auch von der Politik gefordert wird: “Wir liefern wissenschaftliche Beweise dafür, dass Abdrift ein ernstzunehmendes Thema ist, das nicht ignoriert werden darf“.

In ihrer ersten Studie zur Abdrift hat das Forscherteam bereits das hohe Risiko einer Nicht-Zielflächen Kontamination beschrieben: „Überall dort, wo Agrarflächen und Wohngebiete eng verwoben sind, wie es im Wallis oder dem Schweizer Mittelland der Fall ist, kommt es laufend zur Kontaminierung von Nicht-Zielflächen,“ erläutert Caroline Linhart. „Diese Nicht-Zielflächen sind vor allem auch Privatgärten und biologische Anbauflächen,“ ergänzt Hertoge, „wodurch es nicht nur durch Abdrift bzw. Wind zum Kontakt mit den nachgewiesenen Agrargiften kommen kann, sondern auch über die Nahrungsaufnahme oder das Trinkwasser.“

In ihrer aktuell zweiten Studie, stellten die Forscher nun eine ganzjährige Mehrfachbelastung der öffentlichen Plätze mit Agrargiften fest. „Die Resultate der Studie weisen auf eine chronische Exposition der Bevölkerung hin, denn die Pestizidrückstände sind das ganze Jahr über auf den öffentlichen Plätzen nachzuweisen. Zusätzlich müssen wir davon ausgehen, dass diese Belastung bereits über Jahrzehnte besteht“, sagt Caroline Linhart. Die überwiegende Anzahl (76 %) der nachgewiesenen Stoffe zählt zu den hormonell aktiven Substanzen, auch EDCs genannt (Endocrine Disruptive Chemicals), für die eine klassische Dosis-Wirkungs-Beziehung nicht gilt: ihre Wirkung kann schon in geringsten Mengen schädlich sein, indem sie in den Hormonhaushalt eingreifen und somit zur Entwicklung von Krebsarten, Unfruchtbarkeit, Entwicklungsstörungen und Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes beitragen.

Laut Johann Zaller, Professor an der Wiener Universität für Bodenkultur und Autor des Buches „Unser täglich Gift“ zeigen die vorliegenden Ergebnisse, „dass es den Pestizid-Anwendern offenbar nicht gelingt, die Spritzgifte auf die dafür vorgesehenen Flächen zu begrenzen.“

Die StudienautorInnen sehen dringenden Handlungsbedarf zur Verminderung der Pestizidrückstände um die Gesundheit der Bevölkerung, insbesondere der Kinder, zu schützen. „Das Ziel sollte daher eine Landwirtschaft ohne Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden sein, so wie es die Schweizer Pestizidinitiative fordert“, erklären die ForscherInnen.

Die Schweizer Bevölkerung kann bereits am 13. Juni einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Landwirtschaft liefern, denn eine sichere und gesunde Ernährung und Lebensweise ist nur durch eine pestizidfreie Landwirtschaft möglich.

Link Studie

„Year-round pesticide contamination of public sites near intensively managed agricultural areas in South Tyrol“ – Journal Environmental Sciences Europe

https://enveurope.springeropen.com/articles/10.1186/s12302-020-00446-y

25.3.21 HOME

Datenschutzerklärung

Daily Poison – ein Buch von Johann G. Zaller

2. Februar 2021

Johann G. Zaller, der Autor des Buches Unser täglich Gift (2018) hat ein weiteres Buch veröffentlicht: Daily Poison. Pesticides – an Underestimated Danger. Es ist sowohl gedruckt wie elektronisch erhältlich. Das Buch ist in englischer Sprache verfasst, aber verständlich formuliert, so dass auch Laien den Text verstehen können. Für Leute, welche Probleme mit dem Englischen haben, empfiehlt Heidi den DeepL-Übersetzer. Die nachfolgenden Zitate sind im Buch in englischer Sprache.

Daily Poison basiert auf dem deutschen populärwissenschaftlichen Buch „Unser täglich Gift“. Obwohl das deutsche Buch bereits internationale Themen anspricht, hat Zaller den Umfang der englischen Version erweitert und die Referenzen mit relevanten Studien aktualisiert. Alle Aussagen im Text sind durch wissenschaftliche Studien belegt.

Zumutbare Wahrheit

Einleitend zitiert Zaller Ingeborg Bachmann: „Die Wahrheit ist für Menschen zumutbar.“

Vorwort von Zaller: „Warum ein Buch über Pestizide schreiben? Nach Ansicht der Befürworter einer pestizidbasierten Landwirtschaft gehören Pestizide zu den am besten untersuchten Substanzen der Welt, die gezielt gegen Unkräuter, Schädlinge oder Krankheiten wirken und nach Erfüllung ihrer Aufgabe in unschädliche Stoffe abgebaut werden. Sollten dennoch Spuren von Pestiziden in Lebensmitteln, in der Umwelt oder im menschlichen Körper nachgewiesen werden, so liegt dies in erster Linie an den verbesserten Analysemethoden. Normalerweise werden wir Verbraucher damit beruhigt, dass die Rückstände von Pestiziden in Lebensmitteln immer unter den gesetzlichen Grenzwerten liegen. Ausserdem kennt jeder den jahrhundertealten Grundsatz, wonach nur die Dosis das Gift macht, und man kann sogar an übermässigem Wasserkonsum sterben! Folglich gilt jeder, der sich gegen den Einsatz von Pestiziden ausspricht, als verträumter Umweltschützer, der die Realität der modernen Lebensmittelproduktion verleugnet und damit den Hungertod von Millionen von Menschen riskiert.

Soweit die grobe Skizze der öffentlichen Darstellung zum Thema Pestizide. Mit diesem Buch möchte ich diese und andere Aussagen über Pestizide beleuchten und den Wahrheitsgehalt der oben genannten Aussagen hinterfragen. Dies scheint wichtiger denn je, besonders in unserer Zeit der allgegenwärtigen Beeinflussung der Politik durch diverse Interessengruppen, Fake News und alternative Fakten.“

Weshalb dieses Buch?

Zaller: „Folgende Aspekte haben mich veranlasst, dieses Buch zu schreiben:

  • Die Kontamination selbst von Neugeborenen mit Spuren von Pestiziden in ihrem Körper.
  • Die Parkinson-Krankheit ist eine anerkannte Berufskrankheit für Winzer in Frankreich.
  • Die stetige Erhöhung der gesetzlichen Grenzwerte für Pestizidbelastungen und -rückstände in den letzten Jahren.
  • Die Untauglichkeit des viel gebrauchten Paracelsus-Zitats „Die Dosis macht das Gift“ für viele moderne synthetische Pestizide.
  • Die vielen Pestizidfälschungen mit unbekannten Inhaltsstoffen, die in einigen Ländern bis zu 25% ausmachen (UNEP 2018).
  • Agrochemieunternehmen zahlen mehrere Millionen Euro an Entschädigung an italienische Winzer, weil die Behandlung mit einem empfohlenen Pestizid-Produkt zu kompletten Ernteausfällen führte.
  • Giftmülldeponien der agrochemischen Industrie sind tickende Zeitbomben, besonders im Falle von Naturkatastrophen.
  • Wissenschaftler, die sich kritisch mit Pestiziden auseinandersetzen, werden schnell in Internetforen denunziert mit dem Ziel, ihre Integrität zu untergraben?

Niemand kann ernsthaft sagen wie sich die weit über 100’000 Chemikalien auf unsere Gesundheit und die Natur auswirken, da ihre Nebenwirkungen nur unzureichend erforscht sind.“

Aufklärung in drei Kapiteln

Das Buch umfasst gut 300 Seiten in drei Kapiteln. Jedes ist mit zahlreichen Literaturlisten versehen. Es sind 22 Seiten für das erste Kapitel, 20 für das zweite und 11 für das dritte. Ein Index am Schluss erleichtert das Auffinden von bestimmten Daten.

Zaller: „Der erste Teil von Daily Poison beginnt mit einer Darstellung der Problematik des Pestizideinsatzes, den eingesetzten Mengen und Einsatzorte der Pestizide.

Der zweite Teil gibt einen Einblick in die alltägliche wissenschaftliche Erforschung von Pestizidwirkungen und deren Ergebnisse. Ausserdem wird erörtert, wie wissenschaftliche Ergebnisse verbreitet und in der Öffentlichkeit aufgenommen werden. Wenn Sie sich nun fragen, wie wir die Weltbevölkerung ohne moderne pestizidintensive Landwirtschaft ernähren können, dann sind Sie offenbar auf die Marketingmaschinerie der Agrarlobbyisten hereingefallen!

Der dritte Teil zeigt, dass die pestizidintensive Landwirtschaft tatsächlich ein nicht nachhaltiges Geschäftsmodell ist, das enorme Kosten für unsere Volkswirtschaften und Gesellschaften verursacht. Die vermeintlichen Vorteile bei den Ernteerträgen überwiegen dies keineswegs. Glücklicherweise gibt es viele praktikable Alternativkonzepte, die ohne synthetische Pestizide auskommen, und selbst Vertreter der konventionellen Landwirtschaft geben zu, dass es möglich wäre, die Hälfte der Pestizide einzusparen, ohne Ertragseinbussen zu verursachen.“

Daily Poison endet mit einem Ausblick. Zaller fasst zusammen, was für eine Transformation der pestizidintensiven Landwirtschaft dringend notwendig ist und was die Politik dazu beitragen muss.

Wer ist Johann G. Zaller?

Johann G. Zaller ist Ökologe an der Universität für Bodenkultur in Wien, Sein Team erforschen seit vielen Jahren Chemikalien und deren Auswirkungen auf die Umwelt.

2.2.21 HOME

Datenschutzerklärung

Synthetische Pestizide: 7 Veranstaltungen und 1 Buch

28. August 2020

Synthetische Pestizide – Fluch oder Segen?

Am Mittwoch, 2. September beginnt die Veranstaltungsreihe „Synthetische Pestizide – Fluch oder Segen?“ der Bio‑Stiftung Schweiz.

In sechs grösseren Städten der Deutschschweiz wird zwischen September und November 2020 je eine Abendveranstaltung durchgeführt, welche für die Öffentlichkeit frei und kostenlos zugänglich ist. An jeder Veranstaltung hält ein Experte einen Vortrag über die Wirkung von synthetischen Pestiziden auf uns und unsere Umwelt.

Alle Veranstaltungen werden professionell gefilmt und der Öffentlichkeit über unsere Website kostenlos und langfristig zur Verfügung gestellt. Damit wollen wir gewährleisten, dass die Informationen über den eigentlichen Anlass hinaus erhalten bleiben und von Interessierten und für andere Kampagnen der weltweiten Antipestizidbewegung genutzt werden können.

Wie synthetische Pestizide unsere Lebensmittelversorgung bedrohen

Felix Prinz zu Löwenstein, Präsident Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW)

Felix Prinz zu Löwenstein, Präsident Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW)

Mit dem Einsatz von synthetischen Pestiziden führen wir Stoffe in Ökosysteme ein, die ihnen fremd sind. Dies führt zwar kurzfristig zu höheren Erträgen, mittelfristig jedoch zu Instabilität und gefährdet längerfristig unsere Lebensmittelversorgung als Ganzes. Wenn wir so weitermachen wie bisher, wird das System kollabieren – und zwar früher als uns lieb ist. Wie es uns gelingt stabile Ökosysteme zu schaffen, dies zeigt Dr. Felix Prinz zu Löwenstein in seinem Vortrag.

Datum: Mittwoch, 2. September 2020
Beginn: 19:30 Uhr (Einlass ab 19 Uhr), Eintritt frei
Wo: Hombergerhaus, Ebnatstrasse 86, 8200 Schaffhausen

Referent: Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Präsident Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW)
Podiumsgäste: Herman Lutke Schipholt, biologisch-dynamischer Landwirt, Randenhof, und Ruedi Vögele, Bio-Bauer, Gemeindepräsident Neunkirch
Moderation: Mathias Forster, Geschäftsführer und Stiftungsrat Bio-Stiftung Schweiz

Die Nebenwirkungen von synthetischen Pestiziden

Johann Zaller, Professor an der Universität für Bodenkultur Wien

Johann Zaller, Professor an der Universität für Bodenkultur Wien

Dass synthetische Pestizide wirken, bezweifelt niemand. Was an der einen Stelle zum gewünschten Erfolg führt, bringt an der anderen Stelle jedoch unerwünschte Nebenwirkungen. «Es ist heutzutage praktisch unmöglich, nicht mit den Rückständen von Pestiziden in Berührung zu kommen», sagt Prof. Dr. Zaller von der Wiener Universität für Bodenkultur. Darüber, dass synthetische Pestizide nicht so gut getestet sind, wie immer vorgegeben wird, und von deren Wirkung auf Boden, Wasser, Pflanzen, Tiere, Menschen, Umwelt und Klima spricht Prof. Dr. Johann Zaller in seinem Vortrag.

Referent: Prof. Dr. Johann Zaller, Universität für Bodenkultur Wien
Podiumsgäste: Martin Bossard, Leiter Politik Bio Suisse und
Regina Fuhrer-Wyss, Präsidentin Kleinbauernvereinigung
Moderation: Mathias Forster, Geschäftsführer und Stiftungsrat Bio-Stiftung Schweiz

Adresse: Kulturpark, Saal EG, Pfingstweidstrasse 16, 8005 Zürich
Anfahrtsbeschreibung PDF

Übersicht über alle Vorträge

Eine Übersicht über alle Daten, Orte und Referierenden (Dr. Christian Stamm, Tobias Bandel, Martin Ott, Dr. Hans-Rudolf Herren) finden Sie hier: Synthetische Pestizide – Fluch oder Segen?

Neues Buch: Das Gift und wir

Sie finden sich überall: im Trinkwasser, im Gemüse, im Obst, im Getreide, in der Milch, im Bier – in vielen unserer Lebensmittel. Und in uns selbst: im Gewebe, im Urin, in der Muttermilch. Überall da, wo sie nicht hingehören und nicht hingelangen sollen, finden wir die giftigen Hinterlassenschaften der industrialisierten Landwirtschaft, die Rückstände der synthetischen Pestizide. Ihr weltweiter Einsatz ist zu einem gewaltigen Vernichtungsfeldzug geworden, der vielen Pflanzen und Tieren auf dem Land das Überleben unmöglich gemacht hat. Es ist höchste Zeit, das Gift von den Äckern zu verbannen und wieder mit der Natur und dem Leben zusammenzuarbeiten. Dieses Buch zeigt auf, wie die synthetischen Pestizide zur Bedrohung wurden und wie es ohne sie weiter gehen kann und muss.

Die Autoren sind über 30 renommierte Expertinnen und Experten aus aller Welt; unter anderem Prof. Dr. Vandana Shiva, Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Dr. Peter Clausing und André Leu.

Das Gift und wir ist ab 21.9.20 erhältlich.

Public Hearing synthetische Pestizide und Gesundheit

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos. Das Public Hearing wird zweisprachig – Deutsch und Französisch – geführt. Eine Simultanübersetzung wird angeboten.

Informationen zu den Referierenden, ExpertInnen und zur Moderatorin finden Sie auf der Programmseite von Leben statt Gift.

Datum: Montag, 12. Oktober 2020
Beginn: 13:00 Uhr – Eintreffen der Gäste zu Kaffee und Kuchen
Wo: Zentrum Paul Klee, Monument im Fruchtland 3, 3006 Bern

13:30 Uhr Begrüssung und Referate von

Prof. Dr. Charles Sultan, Université de Montpellier (F):
Pestizidbelastung – gesundheitliche, wirtschaftliche und ethische Aspekte

Dr. Laurence Huc, Institut national de la recherche agronomique et environnement de Toulouse (F):
Pestizide und Krebserkrankungen

Dr. Anton Safer, Universität Heidelberg (D):
Pestizide und neurologische Erkrankungen

15.00 Uhr – Pause

15.30 Uhr – Anwendung der Erkenntnisse aus den wissenschaftlichen Referaten auf den Schweizer Kontext sowie Fragen aus dem Publikum

Roman Wiget, Seeländische Wasserversorgung (SWG)

Dr. med. Jérôme Tschudi, pensionierter Chirurg

Antoinette Gilson, Fondation Future 3

Sébastien Tronchet, Vereinigung für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide

17.00 Uhr – Ende der Veranstaltung

28.8.20 HOME

Datenschutzerklärung

Sonderpublikation zu synthetischen Pestiziden

12. Dezember 2019

Magazin 2/2019 Bodenfruchtbarkeitsfonds, Seite 22. Copyright: Johann G. Zaller, BOKU Wien

Magazin 2/2019 Bodenfruchtbarkeitsfonds, Seite 22. Copyright: Johann G. Zaller, BOKU Wien

Magazin Bodenfruchtbarkeitsfonds 2/2019: „Niemals zuvor in der Menschheitsgeschichte wurden todbringende Substanzen in solchen Mengen weltweit auf den Böden verteilt. Die Folgen sind schwer bis überhaupt nicht abzuschätzen. Der Einsatz von synthetischen Pestiziden ist ein Thema mit vielen Unbekannten, erheblichen existenzgefährdenden Risiken und einer Menge ungeklärter Verantwortungs- und Haftungsfragen.“

Anfang 2020 wird die Bio-Stiftung Schweiz eine Sonderpublikation zu diesem Thema herausgeben. Sie möchte damit zur Bewusstseinsbildung beitragen. Dabei ist für sie wichtig, dass sehr viele Aspekte aus unterschiedlichen Perspektiven beschrieben werden, damit ein möglichst umfassender Überblick möglich wird.

In etwa dreissig Beiträgen kommen ExpertenInnen zu Wort. Sie berichten von ihren Forschungsergebnissen, von ihren Zukunftsvisionen und die Praktiker von ihren Erfahrungen mit einer landwirtschaftlichen Produktion, die ohne synthetische Pestizide auskommt.

In ihrem neuesten Magazin veröffentlichte die Stiftung vorab Auszüge aus den Beiträgen von Prof. Johann Zaller (Universität für Bodenkultur Wien), Urs Brändli (Präsident Bio Suisse), Roland Lenz (Bio-Winzer der Jahre 2015 und 2018) und Claudia Daniel (Forschungsinstitut für Biologischen Landbau FiBL Schweiz). Damit möchte die Stiftung das Interesse der LeserInnen wecken, diese aber auch dazu motivieren, die Sonderpublikation im Voraus zu bestellen.

Fazit von Prof. Johann G. Zaller, Universität für Bodenkultur Wien

Prof. Johann G. Zaller, Universität für Bodenkultur Wien

Prof. Johann G. Zaller, Universität für Bodenkultur Wien

„Zaghaft werden mittlerweile auch von der Politik die negativen Auswirkungen des Pestizideinsatzes erkannt. In zahlreichen Ländern, so auch der Schweiz, wurden Aktionspläne zur Verringerung von Pestizidrisiken verabschiedet.

Ein beliebtes Motto von Landwirtschaft und Agrochemieindustrie ist dabei immer, dass ohnehin nur «so wenig wie möglich, so viel wie nötig» an Pestiziden eingesetzt werden. Ganz ernst gemeint scheint das aber nicht zu sein, da Herbizide in der konventionellen Landwirtschaft noch immer eingesetzt werden, obwohl die biologische Landwirtschaft erfolgreich zeigt, dass es sehr wohl ohne Herbizide geht.

Fest steht, dass insgesamt noch zu wenig zum Schutz unserer Umwelt und Gesundheit vor Pestiziden getan wird. Letztendlich braucht es den politischen Willen und Mut, die Interessen und Machtbeziehungen, die die pestizidintensive Landwirtschaft fördern, kritisch zu hinterfragen …“

Unterstützen Sie die Bio-Stiftung Schweiz!

Bio-Stiftung Schweiz: „Hilfreich wäre auch, wenn Sie gleich mehrere Ausgaben bestellen und sie später an Freunde, Bekannte, Kunden oder Mitarbeiter verschenken würden. Denn dadurch können Sie das Projekt unterstützen, mit ermöglichen und zu seiner Finanzierung und Verbreitung beitragen. Auch Spenden, Schenkungen und Legate für unsere Aktivitäten für fruchtbare Böden und eine pestizidfreie Welt sind herzlich willkommen, darauf sind wir als operative Initiativstiftung angewiesen, da wir nicht mit einem grösseren Vermögen ausgestattet sind. Die Transformation der weltweiten Ernährungssysteme hin zu einer Ökologischen Landwirtschaft lässt sich nur mit vereinten Kräften schaffen.“

Bestellung ab Dezember 2019 an info@bio-stiftung.ch.

Johann G. Zaller ist Professor für Ökologie an der Universität für Bodenkultur Wien und Verfasser des Buches Unser täglich Gift.

Magazin 2/2019, Bodenfruchtbarkeitsfonds c/o Bio-Stiftung Schweiz

Bodenfruchtbarkeitsfonds

Bio-Stiftung Schweiz

Hamburger Hafen: Drehscheibe für gefälschte Pestizide, Heidis Mist 5.9.18


%d Bloggern gefällt das: