Posts Tagged ‘Wasserkraft’

Schweizer Nationalpark: Vom totalen Schutz zu den Interessen von Wasserkraft, Forstwirtschaft, Jagd oder Tourismus

26. April 2022
Wandern im Schweizer Nationalpark.

Der Schweizer Nationalpark – nur Idylle?

Jemand schrieb Heidi: „Habe die Petition bereits unterschrieben. Für mich ist es schon ein Unding, dass überhaupt ein Kraftwerk im Nationalpark vorhanden ist und dann noch das Zollfreigebiet Livigno, welches massenhaft Motorverkehr durch den Nationalpark generiert und das auch nur wegen des Tunnels für das Kraftwerk. Ganz so eine Oase, wie er geschildert wird, ist der Nationalpark nicht, was nicht so überrascht, wenn man seine Entstehungsgeschichte und all die „faulen“ Kompromisse dazu kennt. Gut nachzulesen in «Wildnis schaffen» von ETH-Historiker Dr. Patrick Kupper.“

Das war der Anlass für Heidi, den folgenden Beitrag zu schreiben.

Vision: ohne menschlichen Einfluss

Naturforscher hatten die Idee eines Parks, der vor jedem menschlichen Einfluss geschützt weden sollte. Eine treibende Kraft war auch Prof. Carl Schröter, der an der Vorgängerorganisation der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ) lehrte und forschte. Er beschäftigte sich unter anderem mit Problemen der Land- und Forstwirtschaft zusammen mit Friedrich Gottfried Stebler, dem Gründer der landwirtschaftlichen Versuchsanstalt in Zürich. Er berichtete in der Neuen Zürcher Zeitung vom 2.11.1906 über die erste Sitzung der Naturschutzkommission und bemerkte über die Val S-charl das Folgende:

„Dieses Tal würde sich vortrefflich zu einem schweizerischen Nationalpark eignen, wo keine Axt und kein Schuss erklingen dürfte; es hat reiche Arven-, Lärchen- und Fichtenwälder, wilde Legföhrenbestände, eine schöne Alpenflora und, wenn man ein Stück des anstossenden Ofengebietes dazu nähme, ausgedehnte Bestände der hochstämmigen Bergföhre, in denen noch der Bär haust …“ Wildnis sollte wiederhergestellt werden.

Im «Bundesbeschluss betreffend einen Schweizerischen Nationalpark Unterengadin», den das eidgenössische Parlament im März 1914 guthiess, steht:

„Art. 1. Auf dem vertraglich näher bezeichneten Gebiete der Gemeinde Zernez wird ein schweizerischer Nationalpark errichtet, in dem die gesamte Tier- und Pflanzenwelt ganz ihrer freien natürlichen Entwicklung überlassen und vor jedem nicht im Zwecke des Nationalparkes liegenden menschlichen Einflüsse geschützt wird.

Der Nationalpark wird der wissenschaftlichen Beobachtung unterstellt.“

Der Mensch und seine Interessen

Im Laufe der Jahrzehnte gaben die strengen Bestimmungen und Beschränkungen immer wieder Anlass zu Diskussionen. Dem Anspruch des totalen Naturschutzes standen andere Interessen gegenüber, etwa Wasserkraft, Forstwirtschaft, Jagd oder Tourismus.

Manche Abstriche an der anfänglichen strikten Schutzidee mussten hingenommen werden. Der Mensch konnte nicht aus dem Park verbannt werden. Der Nationalpark musste sich ein Stück weit dem Wandel der Zeiten anpassen, durfte aber auch die ursprünglichen Grundsätze nicht aufgeben.

Dies war «ein schwieriger Balanceakt, der nicht immer gleich gut gelang», schreibt der Historiker Patrick Kupper in seinem Buch „Wildnis schaffen“. Es hätte wohl geholfen, die Grenze zwischen dem Park und seinem Umland nicht so scharf zu ziehen und den Nationalpark «als das anzuerkennen, was er im Grunde war: eine künstlich kreierte und aufrechterhaltene Wildnis».

Errichtung der Spöltalsperre

Robert Hainard schrieb in seinem Buch „Naturschutzgebiete der Schweiz“:

„Das hervorstechendste Ereignis der Geschichte des Parkes seit seiner Gründung ist zweifellos die Errichtung der Spöltalsperre, die 1962 begonnen und 1970 fertiggestellt wurde. Die Talsperre befindet sich zwar am Punt dell Gall, oberhalb des Parkes und das Kraftwerk unterhalb, aber das Verschwinden (eines grossen Teils) des Hauptbaches des Gebietes (sowie einiger anderer, die ebenfalls gefasst wurden) bedeutet eine wesentliche Verletzung der Unversehrtheit unseres grossen Gesamtschutzgebietes.

Ich will hier nicht auf die komplizierte Geschichte des Projektes eingehen, die abwechselnde Empörung und Resignation und den Schlusskampf, in den ich eng verwickelt war. Er endete am 6. und 7. Dezember 1958 mit der Abstimmung über den Antrag zum Schutz des Parkes und der Volksabstimmung über das Spöl-Abkommen (500 993 Ja für die Ratifizierung des Abkommens mit Italien und 165 556 Nein).

Wie es das tragische Geschick oft will, musste die Entscheidung 10 oder 20 Jahre vor dem Reifwerden des Problemes getroffen werden. Es ist wohl nicht allzu verwegen zu behaupten, dass das Ergebnis heute anders wäre.“

Die unerträglichen Forderungen des Fortschritts

Der Künstler und Naturforscher Robert Hainard hatte sich beim geplanten Spöl-Wasserkraftwerk im Schweizerischen Nationalpark auf die Seite der Gegner geschlagen. „Es wird ein Zeitpunkt kommen, an dem die Forderungen des Fortschritts für jeden unerträglich sein werden“, sagte er damals. Hainard war nicht gegen den technologischen Fortschritt (er fuhr mit einem 2 CV), aber er verachtete diejenigen, die „nach und nach unsere letzten wilden Ecken, ästhetische und wissenschaftliche Werte, Quellen der Freude und des moralischen Fortschritts, in wunderbar geradlinige und von allem Leben gesäuberte Kulturen und Kanäle verwandelten.“

Unfall 2013 im Vorzeigeprojekt

Mit dem Restwasser wird versucht, das Leben im Bach unterhalb der Staumauer zu gewährleisten. Doch dann fielen Messinstrumente aus. Die Engadiner Kraftwerke (EKW) merkten nicht, dass das Restwasser im Spöl versiegte. Parkwächter schlugen Alarm, worauf die EKW am Grunde der Staumauer Wasser abliessen. Dabei floss eine unkontrollierbare Menge Schlamm den Bach hinunter, bedeckte das Bachbett auf einer Länge von sechs Kilometern und Tausende Fische und andere Lebewesen verendeten. Fünf bis zehn Jahre werde es gehen, bis sich die Tierwelt wieder erhole, schätzte ein Wasserfachmann der Eawag, dem Wasserforschungsinstitut der ETH.

PCB-Teilsanierung genügt nicht

Bereits am 18.3.21 schrieben Pro Natura Graubünden, WWF Graubünden und Aqua Viva in einer gemeinsamen Medienmitteilung:

„Im Jahr 2016 sind bei Unterhaltsarbeiten an den Anlagen der Engadiner Kraftwerke AG (EKW) hochgiftige PCB in den Fluss Spöl im Schweizerischen Nationalpark gelangt. Dabei wurde dieser auf seiner gesamten Fliessstrecke bis zum Ausgleichsbecken Ova Spin verunreinigt. Algen, Moose, Fische und die Bachsedimente bis in eine Tiefe von 50 cm sind heute stark mit PCB belastet, das Wasser teilweise ebenfalls. Im vergangenen Herbst wurde im Nationalpark ein toter Uhu mit einer exorbitant hohen PCB-Belastung gefunden, was zeigt, dass das Gift bereits in die Nahrungskette der Wildtiere gelangt ist.“

Die drei Organisationen fordern eine möglichst vollständige Sanierung der PCB-Belastung sowohl im Spöl als auch in den Kraftwerksanlagen und legen Beschwerde ein gegen die Sanierungsverfügung des Kantons.

Petition unterschreiben!

Das Unglück ist geschehen, nun gilt es den Schaden sofort und gründlich zu sanieren, trotz Rechtsstreit betreffend Übernahme der Kosten.

Haben Sie die Petition an Bundesrätin Simonetta Sommaruga noch nicht unterschrieben? Hier geht’s zum Online-Formular, Name und E-Mail genügt!

Petition Keine halben Sachen im Schweizer Nationalpark! Saniert endlich den Spöl!

Les combats de Robert Hainard, écologiste avant l’heure. Le temps 28.12.20

Bilder Robert Hainard

Bundesbeschluss betreffend die Errichtung eines schweizerischen Nationalparkes im Unter-Engadin. Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft 3.4.14

Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Italienischen Republik über die Nutzbarmachung der Wasserkraft des Spöl. Abgeschlossen am 27. Mai 1957

Medieninformation ETHZ vom 14.3.12: «Wildnis schaffen – eine transnationale Geschichte des Schweizerischen Nationalparks», Patrick Kupper, Haupt-Verlag, 2012. ISBN 978-3-258-07719-2

Naturschutzgebiete der Schweiz. Robert Hainard, AVANTI-Verlag

Umweltgift PCB bedroht die Artenvielfalt im Nationalpark. Medienmitteilung Pro Natura Graubünden, WWF Graubünden und Aqua Viva 18.3.21

Künstlich fluten. Tagblatt 13.4.13

Petition „Keine halben Sachen im Schweizer Nationalpark! Saniert endlich den Spöl!“ Heidis Mist 20.4.22

Petition „Keine halben Sachen im Schweizer Nationalpark! Saniert endlich den Spöl!“ (2) Heidis Mist 21.4.22

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Wasserkraft ist keine umweltschonende Energiequelle

26. September 2021
Das Kleinkraftwerk Tasnan ist nur dank KEV rentabel, ist aber ein äusserst schädlicher Eingriff in das Gewässer und die Landschaft. Gemäss Planung der Bergbahnen Motta Naluns soll ein erheblicher Teil des für die Stromgewinnung gefassten Wassers für Beschneiung der Skipisten in Scuol verwendet werden.

Das Kleinkraftwerk Tasnan ist nur dank KEV rentabel, ist aber ein äusserst schädlicher Eingriff in das Gewässer und die Landschaft. Gemäss Planung der Bergbahnen Motta Naluns soll ein erheblicher Teil des für die Stromgewinnung gefassten Wassers für Beschneiung der Skipisten in Scuol verwendet werden.

National- und Ständerat sind sich einig, dass die erneuerbaren Energien zu fördern sind. Künftig sollen auch Windenergieanlagen sowie neue Kleinwasserkraftanlagen, Biogasanlagen, Geothermieanlagen und Photovoltaikanlagen ab 100 Kilowatt Investitionsbeiträge erhalten.

Investitionsbeiträge für neue Anlagen und Erweiterungen von Anlagen sollen gewährt werden, wenn die Vorgaben im Gewässerschutz und des Fischereigesetzes erfüllt sind, das fordert der Ständerat auf Antrag einer Minderheit um Roberto Zanetti (SP/SO), Zentralpräsident des Schweizerischen Fischerei-Verbands, mit 25 zu 14 Stimmen bei 3 Enthaltungen.

Nichts wissen wollte der Nationalrat von einer Verknüpfung der Einhaltung von Gewässerschutz- und Fischereigesetz als Voraussetzung für Investitionsbeihilfen beim Ausbau der Kleinwasserkraft. Bundesrätin Simonetta Sommaruga verwies zudem auf die Frist für die ökologische Sanierung der Wasserkraftwerke bis 2030. Der schlechte Vollzug der Umweltgesetze war der Ursprung von Heidis Mist. So lässt die Umsetzung der Gewässerschutzgesetzgebung auch bei den Restwassermengen auf sich warten. Ein Beispiel: Wägitaler Aa: Wo bleibt das Restwasser?

Stand der Restwassersanierung

Die Sanierungsfrist ist Ende 2012 abgelaufen, doch immer noch sind Sanierungen ausstehend, schreibt das Bundesamt für Umwelt (BAFU) auf der Seite „Restwasser“. Für den Vollzug der Sanierungen sind die Kantone zuständig. Sie erfüllen diese Aufgabe auf eigene Kosten. Gemäss Natur- und Heimatschutzgesetz (NHG) beteiligt sich der Bund an den Kosten der weitergehenden Sanierungsmassnahmen in inventarisierten Landschaften und Biotopen. Das BAFU unterstützt die Kantone bei der Sanierung ihrer Restwasserstrecken. Es erhebt regelmässig den Stand der Arbeiten und informiert über die Fortschritte.

Vier Jahre nach Ablauf der Sanierungsfrist waren noch viele Kraftwerke nicht saniert:

Bericht BAFU: Restwassersanierung nach Art. 80 ff. GSchG: Stand Ende 2018 und Entwicklung seit Ende 2016

Bericht BAFU: Restwassersanierung nach Art. 80 ff. GSchG: Stand Ende 2018 und Entwicklung seit Ende 2016

Weitere vier Jahre später sind immer noch längst nicht alle Wasserkraftwerke saniert:

Bericht BAFU: Restwassersanierung nach Art. 80 ff. GSchG: Stand Ende 2020 und Entwicklung seit Ende 2018

Bericht BAFU: Restwassersanierung nach Art. 80 ff. GSchG: Stand Ende 2020 und Entwicklung seit Ende 2018

Weshalb die Wasserkraft den Flüssen und damit dem Umweltschutz schadet

Der Wasserfachmann Siegfried Gendries schreibt in seinem Wasser-Blog:

„Seit 2005 findet jährlich am vierten Sonntag im September der Internationale Tag der Flüsse statt. Dieses Jahr fällt er auf den Tag der Bundestagswahl, den 26. September 2021. Der nachfolgende Beitrag widmet sich dem Thema „Behinderung der Flüsse durch Wasserkraftwerke“ und will damit eine Kehrseite der Energiewende thematisieren. Der Weg geht über Forschungsergebnisse zu den Folgen der Wasserkraftwerke für die aquatische Umwelt, die Eingriffe durch neue Dämme in China hin zu einem heimischen Beispiel, die Agger, und mündet in den Massnahmen der Nationalen Wasserstrategie.

Studie warnt vor Bedrohung von 260’000 Kilometern Fliessgewässer durch zukünftige Staudämme

Wasserkraftwerke liefern einen wichtigen Beitrag zur Energiewende in Deutschland und zu weltweiten Reduzierung der Treibhausgasemissionen. Wasserkraftwerke, die in Flüssen stehend Energie aus der fliessenden Welle erzeugen, haben auch negative Einflüsse auf die aquatische Umwelt. Durch ihre Bauform bilden sie so genannte Querbauwerke. So tragen sie massgeblich dazu bei, dass Bäche und Flüsse nicht mehr frei fliessen können.

Ein internationales ForscherInnen-Team, bestehend u.a. aus dem WWF und der Senckenberg-Gesellschaft hat die weltweite Beeinträchtigung von Flüssen durch geplante Staudämme dokumentiert. Sie kommen zu dem Schluss, dass Fliessgewässer von insgesamt mehr als 260’000 Kilometern Länge durch zukünftige Staudämme nicht mehr frei fliessen könnten – mit massiven Auswirkungen auf die einzigartige biologische Vielfalt und die vielfältigen Leistungen dieser Gewässer. Die Studie erscheint im Fachjournal Global Sustainability.

… Die Deutsche Nationale Wasserstrategie greift die Defizite auf und erkennt, das der Betrieb von Wasserkraftanlagen erheblich dazu beiträgt, dass die Bewirtschaftungsziele nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie in Deutschland noch nicht erreicht werden. Sie zeigt unter dem Titel „Wasserkraft gewässerschonend gestalten“ kurzfristigen Aktionen.“

Flüsse sind wichtig. Sie sind die „Arterien der Erde“. Probleme werden sehr oft sektoriell „gelöst“ bzw. es werden immer neue Zielkonflikte geschaffen. Lesen Sie hier weiter über Fakten, Strategien, Forderungen …: Weshalb die Wasserkraft den Flüssen und damit dem Umweltschutz schadet. Siegfried Gendries, Lebensraum Wasser – der Wasser-Blog

19.443 Parlamentarische Initiative: Erneuerbare Energien einheitlich fördern. Einmalvergütung auch für Biogas, Kleinwasserkraft, Wind und Geothermie

Restwasser, Bundesamt für Umwelt (BAFU)

Wägitaler Aa: Wo bleibt das Restwasser? Heidis Mist vom 22.6.14

Wägitaler Aa: Wo bleibt das Restwasser? (2). Heidis Mist vom 12.4.17

Wägitaler Aa: Restwasser saniert – aber wie! Heidis Mist vom 17.6.17

Weltwassertag 2014: Kleinkraftwerke ohne Ende. Heidis Mist vom 22.3.14

Ökostrom aus den letzten Bergbächen? Heidis Mist vom 12.5.11

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Vom Wert der Natur

28. April 2014

Wieviel ist dieser Baum wert?

Wieviel ist dieser Baum wert?

Es ist Mode, allem einen Wert in Franken, $ … zuzuordnen. Auch die Natur bleibt davor nicht verschont. TEEB (The Economics of Ecosystems and Biodiversity) ist eine Berichtsreihe, in welcher Fachleute den Wert der Natur angeben, d.h. Preise für unterschiedliche Ökosystem-Dienstleistungen nennen. Allerdings räumen die Autoren ein, dass ihre eigene Leistungsfähigkeit eine Grenze hat: „… Die Erfassung des Gesamtwertes der Natur und ihrer Dienstleistungen ist dabei allerdings nicht vorgesehen, denn das ist unmöglich: Ohne die Natur gäbe es kein Leben. Das bedeutet letztendlich, dass der Wert der Natur unendlich ist …“. Nicht fehlen darf in diesem „Unternehmen“ eine Bank, die Bank of Natural Capital mit „Stocks & Investments“.

Auch der Schweizer Bauernverband befasst sich mit dem Bewerten nicht-marktfähiger Güter und Leistungen, liess er doch die wichtigsten Studien, welche die Landwirtschaft betreffen, von Robert Huber, Flury-Giuliani GmbH (Agrar- und regionalökonomische Beratung), zusammentragen. Im Blog Agrarpolitik berichtet Huber Über den Wert der Schweizer Landwirtschaft, 15.4.14. Diese Studien seien methodisch sehr unterschiedlich, wiesen grosse Lücken auf und basierten auf vielen Annahmen, so dass kein umfassendes Bild der nicht-marktfähigen Güter und Leistungen der Landwirtschaft entstehe. Daher würden diese in der agrarpolitischen Diskussion nicht berücksichtigt. Huber meint: „… Mit Blick auf die kommende Abstimmung über die Initiative für Ernährungssicherheit, welche eine wichtige Weichenstellung für die Ausrichtung der zukünftigen Agrarpolitik darstellen dürfte, könnte eine wissenschaftlich abgestützte und in der Landwirtschaft verankerte Schätzung des Werts der nicht-marktfähigen Güter und Leistungen hingegen ein zentraler Orientierungspunkt sein.“

Die Bewertung der Natur hat aber ihre Tücken, wie George Monbiot (Heidis momentane Lieblingslektüre) in seinem Artikel vom 22.4.14 Reframing the Planet schrieb. Er beginnt wie folgt: „George Orwell warned that the logical end of mechanical progress is to reduce the human being to something resembling a brain in a bottle, Der Weg nach Wigan Pier, George Orwell, 1937. This is a story of how it happens.“

Was ist geschehen? Smithy Wood soll zerstört werden, ein alter Wald, der vor 800 Jahren den Mönchen der Kirkstead Abbey dazu gedient hatte, Holzkohle herzustellen. Was vor ein paar Monaten undenkbar gewesen wäre, das ist heute Realität. Bisher konnten Ökosysteme zerstört werden, wenn anderswo für „Ersatz“ gesorgt wurde, ausgenommen war einzig der Wald. Doch im Januar hat der Umweltminister, Owen Paterson, diese Einschränkung fallen gelassen, dies mit der Begründung, das ein entsprechender Fall sehr unwahrscheinlich sei. Doch schon ist eine Tankstelle in Smithy Wood geplant, 60’000 neue Bäume sollen anderswo die uralten Eichen … ersetzen. Solches Biodiversitäts-Business ist in England gang und gäbe, die entsprechende Verbandelung ist gross. Die Umwelt sei ein Teil der Wirtschaft und müsse in diese integriert werden damit keine Wachstum-Chancen verpasst würden, das sagt der Vorsitzende des Natural Capital Committee (NCC), Dieter Helm. Das NCC wurde als unabhängiges (?) Organ geschaffen, das die Regierung beim effizienten und nachhaltigen Bewirtschaften der Naturschätze beraten soll.

So wird der Wert von unersetzlichen Naturwundern mit dem Gewinnpotenzial von Menschenwerk verglichen. Dieser Trend ist in der Schweiz stark spürbar, z.B. Windkraft statt geschützte Landschaft, Wasserkraft statt Moorlandschaft von nationaler Bedeutung, Häuser statt Wiesen und Felder, Waldstadt statt Wald … Und vielleicht viel mehr Geld für die Landwirtschaft oder Maisfelder soweit das Auge reicht. Die menschliche Zerstörungswut ist ungebrochen.

So sähe die Landschaft im oberen Bild ohne Baum aus, retouchiert von Heidi

So sähe die Landschaft im oberen Bild ohne Baum aus, retouchiert von Heidi

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Heidi zum Weltwassertag 2013

22. März 2013

Wir verlagern die Produktion von Lebensmitteln und Gütern in Länder mit weniger strikten Gesetzen und verschmutzen dort die Gewässer.

Wir verlagern die Produktion von Lebensmitteln und Gütern in Länder mit weniger strikten Gesetzen und verschmutzen dort die Gewässer. Leserfoto aus China.

Der Tag des Wassers, so meint Heidi, soll zum Nachdenken anregen. Wie verschmutzen wir das Wasser? Zum Beispiel Reinigungsmittel, Körperpflege, Auswahl der Nahrungsmittel? Wieviel Wasser importieren wir in Form von Gütern? Welche exportierten Abfälle verschmutzen wo das Wasser? Jedes Jahr gelangen weltweit mehr als 6 Millionen Tonnen Plastikmüll in die Meere. Er gefährdet Seevögel, Fische und Meeressäuger: Ostsee-Fischer beklagen Müll im Meer, Proplanta 20.3.13 via Grünwolf. Welchen Einfluss auf unseren Lebensraum hat unser Energiehunger, etwa im Rahmen der gelockerten Umweltvorgaben für die Wasserkraftnutzung? Moorlandschaft darf überflutet werden, unter diesem Titel berichtete die NZZ über den Entscheid des Ständerats vom 19.3.13.

Karen McRae, eine kanadische Fotografin und Künstlerin, befasst sich in ihrem WordPress-Blog fast ausschliesslich mit Wasser. Sie hat zum Weltwassertag auf das Buch Ocean of Life von Callum Roberts, Professor an der University of York, aufmerksam gemacht. The New York Times schrieb darüber: „A Silent Spring for oceans, written by ‚the Rachel Carson of the fisch word‘.“, siehe World Water Day.

Der 22. März ist seit 1993 der Weltwassertag. Er wurde in der Agenda 21 der Vereinigten Nationen (UNO) vorgeschlagen. Die Generalversammlung der UNO hat das Jahr 2013 zum Internationalen Jahr der Zusammenarbeit im Bereich Wasser erklärt.

Am 20. Juni 2008 wurde in der Schweiz der Verein Wasser-Agenda 21 gegründet, ein Netz der Schweizer Wasserwirtschaft. Fachleute aus verschiedenen Bereichen mit unterschiedlichen Interessen diskutieren über wichtige Wasser-Themen, suchen Lösungen für Probleme und machen sich Gedanken über die Zukunft der Wasserwirtschaft. Zum Tag des Wassers 2013 hat die Wasser-Agenda 21 zusammen mit dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) in Bern eine Fachtagung organisiert: Wasser überwindet Grenzen – Beispiele und Chancen der Zusammenarbeit in der Schweiz. Vorgestellt werden gute Beispiele aus der Schweiz und aus der Entwicklungszusammenarbeit (Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA).

Internationales Jahr der Zusammenarbeit im Bereich Wasser, Schweizer Internetauftritt

Die Schweiz engagiert sich im UNO-Jahr der Zusammenarbeit im Wasserbereich, Medieninformation BAFU

Blick in die Zukunft mit einem Hauch von Nostalgie: schöne Landschaften, sauberes Wasser.

Blick in die Zukunft mit einem Hauch von Nostalgie: schöne Landschaften, sauberes Wasser.

22.3.13 HOME

Ökostrom aus den letzten Bergbächen?

12. Mai 2011

Steine

Vollzug der Restwassersanierung ein skandalöses Trauerspiel

Einst kochte Bundesrat Ogi am Fernsehen energieeffizient Eier als Startschuss zur Energiespar-Kampagne „Bravo plus“. Seither sind viele Alltagsgeräte, Autos, Produktionsprozesse usw. energieeffizienter geworden. Doch der technische Fortschritt beschert uns immer mehr dieser wenig-Energie-Fresser. Tatsache ist jedenfalls, dass der Stromkonsum weiter steigt. Womit wollen wir all die umweltfreundlichen Bequemlichkeitshelfer, Zeitvertreiber und Elektroautos füttern? Mit Strom aus AKWs? (Schweizer AKW müssen Sicherheit weiter verbessern, NZZ 5.5.11) „Weg von den AKWs!“ sagen heute auch die weniger mutigen Leute, während Ogi damals offenbar Mut für seinen Fernsehauftritt brauchte, Interview mit Alt Bundesart Ogi im Beobachter 2006. Der Strom soll sauber sein und natürlich, echter Öko-Strom von Sonne, Wind und Wasser. Zu Ogis Zeiten debattierten die Bundesräte über qualitatives Wachstum, heute ist klar: Das Wirtschaftswachstum kann nicht gross genug sein mit Blick auf China, Indien… Und für das Wachstum der Schweizer Bevölkerung ist gesorgt. Also muss Strom her, zu jedem Preis. Der Kanton Graubünden hat schon immer viel Geld verdient mit „Bergwasserstrom“, neuerdings auch mit Fotovoltaik. Der Endausbau der Wasserkraft ist nun das Ziel, d.h. die letzten fünf bis zehn Prozent der noch nicht verbauten Bäche und Flüsse stehen zur freien Verfügung, WWF Graubünden, Ausbaupläne, Wasserkraft-Projekte, auch sensible Wasserlandschaften sind bedroht.

20 Jahre hatten die Kantone Zeit, um ausreichende Restwassermengen sicherzustellen, mit Frist 2012. Vor allem in den Gebirgskantonen herrscht Vollzugsnotstand; der Zentralpräsident des Schweizerischen Fischerei-Verbands (SFV), Roland Seiler, nennt Graubünden und das Beispiel Misox. Mehr zum skandalösen Trauerspiel beim SFV Restwassermenge: Diktieren die Kraftwerke den Kantonen?. Die von der Bündner Kantonsregierung erlassene Sanierungsverfügung für das Misox sei vollkommen ungenügend und scheine praktisch von den Kraftwerkbetreibern diktiert worden zu sein. Der Fischerei-Verband Graubünden, WWF und Pro Natura befinden nächstens, ob sie den Entscheid des Bündner Verwaltungsgerichts an das Bundesgericht weiter ziehen.

Das Volk wählt die Regierung, profitiert vom Tourismus, von viel Geld aus Bern, so hat es wohl auch diese Regierung verdient. Die Bündner Regierung überlässt alle wichtigen Fragen den Gemeinden, kümmert sich wenig um eidgenössische Gesetzte, ausser es fliesst dadurch Geld in den Osten, sie unterstützte den Verkauf von Energie ins Ausland und zerstörte dafür den einzigartigen Föhrenwald bei Domat Ems, Rodungsbewilligung der Regierung GR. Der Vollzugsnotstand beim Gewässerschutz in der Landwirtschaft ist das Beispiel, das Heidi am besten kennt. Gewässersverschmutzung + kleine Restwassermengen = höhere Konzentration der Schadstoffe. Die Fristen für Massnahmen ignoriert der Kanton Graubünden grosszügig, nicht nur beim Restwasser, auch im Gewässerschutz/Landwirtschaft (Frist für die Anpassung der Hofdüngerlagerkapazität 2006 abgelaufen gemäss Gewässerschutzgesetz), Tierschutz (Anpassungsfrist 1991 abgelaufen) … Dafür können die BikerInnen hierzulande 20’000 Höhenmeter downhill in einem Tag fahren, mit Einsatz von Energie „natürlich“.

Der Kanton Graubünden macht bei Steuerreduktionen fröhlich mit, obwohl die Verwaltung viel Arbeitskraft nötig hätte, um endlich den Gesetzesvollzug voranzutreiben. Bundesgelder sind jederzeit willkommen, z.B. als vor Jahren der Naturpark Ela bewilligt und Geld für die Ausarbeitung eines Projekts gesprochen wurde, da reklamierte man bei den „betroffenen“ Gemeinden bereits, dass immer noch kein Geld in die Region fliesse, dass stattdessen unnötig Geld für Studien ausgegeben werde. Oder ein Sachbearbeiter einer gemeinnützigen Hilfsorganisation klagte Heidi, dass die Bündner immer nur die hohle Hand hinhielten, jetzt sei Schluss damit. Natürlich sind bei weitem nicht alle BündnerInnen so, aber die wenigsten wehren sich gegen Missstände und wählen bessere PolitikerInnen. Wo keine wehrhaften Leute sind, regieren Tyrannen, Geldmacher und Freche. Soll Graubünden die Gesetzte und Vorgaben einhalten, wo doch das Geld aus Bern trotzdem fliesst?

Heidi hat soeben den folgenden Link erhalte. Gut gibt’s die Fischer!

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Am Kraftwerk Diez (D) getötete Aale, Foto W.K.

„Grüner Strom“ aus Wasserkraft ist blutiger Strom, Bürgerinitiative, Verband Hessischer Sportfischer: „… Rot vom Blut der Abertausenden von Fischen, die tagtäglich an den Rechen und in den Turbinen der Wasserkraftwerke ihr Leben lassen müssen… Der Beitrag, den besonders die Klein-Wasserkraftwerke zum Klimaschutz leisteten, sei dagegen verschwindend gering. Sie seien eher profitable Abschreibungsobjekte denn „irgendwie Öko“.“

Was geschieht mit den toten Fischen? Werden die Überreste mit dem Wasser in die Bäche und Flüsse „entlassen“? Wo es doch gemäss Gewässerschutzgesetz, Art. 6, untersagt ist, Stoffe, die Wasser verunreinigen können, mittelbar oder unmittelbar in ein Gewässer einzubringen oder sie versickern zu lassen? Wer weiss eine Antwort?

Nachtrag 15.5.11. Ein Leser weiss Bescheid: „Solche Fischstückchen oder -Hacksteak, vielleicht noch ein Bisschen beweglich, werden natürlich gern von jederlei Fischfressern eingesammelt. Hecht, Barsch, Zander, Wels – wer auch immer – je nach Größe der Stücke bedienen sich sicher auch andere. Vögel sind ebenfalls Nutzniesser dieser Geschichte. Der Aal frisst gern Fisch, gern auch mal einen munteren Artgenossen – bis zu erstaunlicher Größe des Opfers, so dass es, wie generell in der Natur, an Bereinigern und Säuberern nicht fehlt.“ Heidi hat auch beim Verband Hessischer Fischer e.V., im Positionspapier Wasserkraft ist kein Ökostrom eine Antwort betreffend Schicksal der Fische gefunden und einen Link auf die Publikation Bestandesentwicklung des Aals (Anguilla anguilla) im Hochrhein. Bundesamt für Umwelt : „… Der Aalbestand im Hochrhein ist bei unveränderten Rahmenbedingungen mittelfristig gefährdet. Die Wiederaufnahme eines moderaten Aalbesatzes im Hochrhein mag mittelfristig aus fischereilicher Sicht einen gewissen Sinn machen, sie kann aber nichts zur Arterhaltung beitragen, solange das Problem der Turbinenmortalität bei den Kraftwerken nicht gelöst ist…“. Die Rhein-Zeitung (D) sprach mit dem Landesvorsitzenden von Bad Kreuznach, Heinz Günster, über die aktuelle Situation hinsichtlich der Auf- und Abstiegsmöglichkeiten für Wanderfische. Günster bedauert, dass die Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinien von 2015 auf 2027 verschoben wurde…, siehe Wasserkraft nutzen, aber Fische schonen, Rhein-Zeitung vom 20.10.10.

NZZ vom 14.5.11 Im Doubs sterben die Fische „…Schuld am Massensterben seien eine überdurchschnittliche Verschmutzung des Doubs sowie extreme Wasserstandsschwankungen, hervorgerufen durch den «brutalen Schwall-Sunk-Betrieb» dreier Wasserkraftwerke…“

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