Posts Tagged ‘Wasserversorgung’

UN-Menschenrecht auf sauberes Wasser: Theorie?

8. März 2017
Strassenbau: Erde wird in den Fluss geschwemmt.

Strassenbau: Erde wird in den Fluss geschwemmt. Copyright Astrid.

Dieser Artikel ist die Auflösung des Rätsel-Artikels Was ist das? Heidis Mist vom 7.3.17.

Jetzt ist Regenzeit in Indonesien. Das Flusswasser ist braun. Trinkwasser aus dem Unterlauf von Flüssen holen nur noch Notleidende; sie gehen dabei ein beträchtliches Gesundheitsrisiko ein. Meistens können die Flussanlieger das Wasser nicht einmal mehr zum Duschen brauchen, denn sie riskieren Hautausschläge! Viele Dörfer haben daher im Wald eigene Wasserversorgungen gebaut.

Das ist Wasser aus einer Trinkwasserfassung. Copyright Astrid.

Das ist Wasser aus einer Trinkwasserfassung. Copyright Astrid.

Das Wasser in der Schale stammt aus einer alten Wasserfassung mit Filter. Viele Jahre hat sie sauberes Wasser geliefert. So viel Dreck im Wasser, wie jetzt vorhanden ist, kann der Filter aber nicht zurückhalten! Schuld daran ist Erosion: Bearbeiten der Böden, Terrassierung, Anbau von Ölpalmen auf den steilen Hängen, Bau von Strassen. Über Pflanzenschutzmittel im Wasser gibt es kaum Daten.

Neue Palmölplantage. Copyright Astrid.

Neue Palmölplantage. Copyright Astrid.

Unser Hunger nach Palmöl hinterlässt in Indonesien drastische Spuren. Die Umweltzerstörung hält an. Die Plantagen „dringen“ in die Wälder vor und „kriechen“ die Berge hoch. Palmöl ist das zweitwichtigste Exportgut Indonesiens. Die traditionelle Agroforstwirtschaft war umweltverträglich.

Für den WWF ist Palmöl das kleinere Übel, denn Raps und Soja brauchen für die gleiche Erntemenge mehr Ackerfläche. Diese Argumentation ist nichts wert, sie bedeutet: Den Teufel mit dem Beelzebuben austreiben! Zu hinterfragen gilt es das Wachstums- und Mengenproblem! Braucht es all die vielen Produkte mit Palmöl überhaupt? Oder sind sie einfach billig? Und bringen Profit? Ist dies alles, was zählt?

Gefiltertes Trinkwasser nur in grösseren Städten

Hahnenwasser in einer indonesischen Stadt Ende Januar 2017.

Hahnenwasser in einer indonesischen Stadt Ende Januar 2017.

Was macht Astrid? Sie lässt das Wasser eine Zeitlang in einem Eimer stehen, damit die Schwebeteilchen sich setzen, schöpft dann sorgfältig das optisch saubere Wasser ab. Was ist sonst noch alles im Wasser drin? Das will Astrid lieber nicht wissen, wahrscheinlich Herbizide. Die reicheren Leute kaufen Flaschenwasser. So wird neben den Lebensmitteln auch immer mehr Trinkwasser importiert. Palmöl gegen Alpenwasser – ein Deal?

Filter gibt es nur in den grösseren Städten, die eine “Wasserversorgung” haben. Aber auch diese sind mit so viel Schmutz überfordert. Ende Januar beklagten sich Einwohner einer indonesischen Stadt über das Dreckwasser, das aus dem Wasserhahn floss. Die städtische Wasserversorgung hatte sie nicht informiert. Das Hahnenwasser sieht ähnlich aus wie jenes von Astrid.

Hohe Niederschläge – schlechte Wasserbewirtschaftung

Trotz hoher Niederschlagsmengen (Erosion!) mangelt es an einer sicheren Wasserversorgung und an Infrastrukturen. Nur die Hälfte der Bevölkerung ist einigermassen gut mit Wasser versorgt. Während auf dem Lande der Zugang zu Wasser besser wird, ist die Trinkwasserversorgung in Stadtgebieten ein immer grösser werdendes Problem.

Zahlreiche IndonesierInnen müssen selbst für ihr Wasser sorgen. In der Stadt heisst dies für viele, das Wasser zu überhöhten Preisen kaufen zu müssen. Wer das nicht kann, trinkt verschmutztes Wasser aus schlechten Quellen oder aus dem Fluss, wo auch Abwasser entsorgt wird, z.B. auch Quecksilber aus Goldminen: 1’000 Tonnen pro Jahr, entsprechend hoch ist auch die Quecksilber-Belastung der Fische, die der Bevölkerung als Nahrung dienen. Das Trinkwasser eines Drittels der Haushalte ist von schlechter Qualität.

Nachtrag 17.3.17: Astrid schreibt: „Das Wasser ist jetzt optisch etwas sauberer, dafür stinkt es faulig. Logisch mit dem organischen Material, das auch ins Wasserfassungsgebiet hinunter gespült wurde! Bei der Tropenhitze die hier herrscht, ist der Abbau viel schneller und intensiver als in weniger heissen Gebieten wie bei euch!“

Warga Sanggau Ngeluh Air PDAM Keruh, deliknews 27.1.17.

World’s most toxic places revealed: Indonesian gold mines and old Russian chemical manufacturing regions are among the most dangerous areas on earth, MailOnline, 15.11.13.

Hungry Neighbours? Indonesia’s Food Strategy and Water Security Future, Future Directions International, 11.11.13

Freihandelsgespräche in Davos – Heidi berichtet über Palmöl, Heidis Mist 22.1.17.

Oil palm plantations threaten water quality, Stanford scientists say. : „Indonesia pays a price for a lucrative crop used in many household products. Palm plantations damage freshwater streams that supply drinking water to millions of people.“ By Stanford Woods Institute for the Environment.

Water impact ignored in palm oil production: study, Eco-Buisiness, 16.7.14.

Expanding Oil Palm Cultivation in Indonesia: Changing Local Water Cycles Raises Risks of Droughts and Floods, Deutsches Institut für Entwicklungspolitik, Briefing Paper 1/2017.

8.3.17 HOME

Bedrohen CETA und TTIP das Wasser? Studie der Stadtwerke Karlsruhe klärt auf

17. Juni 2016
Ist das Menschenrecht auf Wasser gefährdet? Ein Brunnen in Chur GR.

Ist das Menschenrecht auf Wasser gefährdet? Ein Brunnen in Chur GR.

Die Stadtwerke Karlsruhe haben die möglichen Auswirkungen auf die Wasserversorgung der geplanten EU-Freihandels- und Investitionsabkommen mit Kanada (CETA) und den USA (TTIP) sowie des plurilateralen Dienstleistungsabkommen TISA untersucht. Folgende Punkte sind relevant:

  • CETA-Investitionsschutz
  • lückenhafte Ausnahmen für Wasserversogung in TTIP und CETA
  • Unklarheit hinsichtlich Konzessionsvergabe
  • mangelnder Schutz für das EU-Vorsorgeprinzip

Ausführliche Informationen: Daseinsvorsorge und Freihandelsabkommen, Stadtwerke Karlsruhe, 7.6.16

Siegfried Gendries von Lebensraum Wasser hat die Studie zusammengefasst; er war viele Jahre Leiter Marketing und  Kommunikation beim Wasserversorger RWW Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft mbH, Mülheim/R., Deutschland:
Bedrohen CETA und TTIP unser Wasser? Studie der Stadtwerke Karlsruhe klärt auf. 16.6.16

Auch wir SchweizerInnen sollten uns Gedanken über die künftige Wasserversorgung machen, denn in Bern wird eifrig verhandelt … man sieht dort schon die Schweizer Firmen (gibt es noch solche?) wie Dagobert Duck im Geld schwimmen.

17.6.16 HOME

Trinkwasser ist das Lebensmittel Nr. 1

14. Januar 2016

Der Schweizerische Verein des Gas- und Wasserfaches (SVGW) hat einen Internet-Auftritt www.trinkwasser.ch realisiert. Ziel der Website ist es, einerseits die Wasserversorger bei ihrer Informationspflicht zu unterstützen. Andererseits sollen die KonsumentInnen aus einer Quelle mehr über ihr eigenes Trinkwasser erfahren, wie auch allgemein über das wichtigste Lebensmittel.

Im allgemeinen Teil informiert die Site breit über Themen rund ums Trinkwasser, sei es Ressourcenschutz, Gesundheit oder Gewinnungsverfahren. Die Informationsmaterialien, zu denen auch leicht verständliche Kurzfilme zählen, sollen insbesondere Schulen unterstützen.

Es sind grafische Karten über den Nitratgehalt im Schweizer Trinkwasser oder über die Wasserhärte abrufbar. Martin Sager, Direktor des SVGW, sagt zum Zweck der neuen Website: „Wir informieren die Öffentlichkeit umfassend zum Trinkwasser und zeigen, dass die Wasserversorger nichts zu verstecken haben.“

Unterstützt wurde das Projekt durch den Bund, Kantone und Interessenverbände.

14.1.16 HOME

Hahnenwasser statt Pet-Flaschen

24. Januar 2012
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Das Geschäft mit dem Wasser blüht. Heidi trinkt am liebsten Hahnenwasser, das schmeckt ausgezeichnet, ist billig und umweltschonend.

Die Sendung 10 vor 10 des Schweizer Fernsehens berichtete am 23.1.12 über Nestlés grosse Geschäft mit dem Wasser. Der Lebensmittelkonzern kauft weltweit Wasserrechte und Quellgebiete. Anlass war die Erstaufführung des Dokumentarfilms Bottled Life von Urs Schnell an den Solothurner Filmtagen. Nestlés Mineralwasser-Geschäft in Kritik, 10 vor 10, Schweizer Fernsehen Videoportal.

Morgen, 25.1.12, beginnt in Davos das World Economic Forum (WEF) mit Rekordbeteiligung. Heidi hat das Programm des Open Forum Davos 2012 studiert, das an der Schweizerischen Alpinen Mittelschule Davos (SAMD) stattfindet, Eintritt frei, Simultanübersetzung Englisch/Deutsch. Die Veranstaltung vom Samstag, 28.1.12, von 12.30 bis 14.00, ist der weltweiten Verknappung des Wassers gewidmet: Wie hält man die Wasserversorgung am Fliessen? Gastredner sind u.a. Peter Brabeck, Präsident des Verwaltungsrates der Nestlé und Martin Dahinden, Direktor der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA). Die Vereinten Nationen (UN) haben 2002 deutlich gemacht, dass sauberes Wasser bereits ein Menschenrecht ist, Informationsplattform humanrights.ch. Peter Brabeck zweifelt an diesem Recht und verteidigt sein Geschäft mit dem Wasser, das ein Lebensmittel wie jedes andere sei.

Heidis Artikel zu diesem Thema: Wasser und PPP und Water makes Money – Weltwassertag

Der Film Flaschenwahn statt Wasserhahn zeigt auch die ungeheuren Gewässerverschmutzungen durch die Pet-Flaschen: Strände voller Kügelchen, von den Wellen zerkleinerte PET-Flaschen, die im Magen der Meerestiere und Vögel landen und diese töten.

Also trinken wir doch lieber Hahnenwasser und verlangen im Restaurant Hahnenwasser! In 113 Zürcher Gastronomiebetrieben gibt es Halbliter-Krüge mit Hahnenwasser zu 3 Franken, 1 Franken davon wird für Wasserprojekte in Entwicklungsländern gespendet. In einem Jahr sind 88’000 Franken in die Kasse von ZH2O Züriwasser geflossen. Wer macht mit? Restaurants quer durch das Angebot, auch das Baur au Lac ist auf der Liste von ZH2O aufgeführt; im Restaurant Rive Gauche gibt es tatsächlich Hahnenwasser. Auch das Clouds im Prime Tower, dem höchsten Gebäude der Schweiz, führt Hahnenwasser, gratis ist die einmalige Aussicht auf Zürich. Wo bleiben die Nachahmer im In- und Ausland?

Wasser bei den Vereinigten Nationen: Deutsche UNESCO-Kommission e.V.

24.1.2012 HOME

Direktzahlungs-Zahlen zum Jahresanfang

2. Januar 2011
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Bündner Bauern leben zu einem grossen Teil von Direktzahlungen des Bundes

Die Rechenzentren laufen auf Hochtouren, Bilanzen und Erfolgsrechnungen werden erstellt. Wie war das Jahr? Heidi hat auch gerechnet, mit Direktzahlungs-Zahlen aus dem Agrarbericht 2010 des Bundesamts für Landwirtschaft. Die Bündner Bauern erhalten im Durchschnitt für 21,6 Hektaren pro Betrieb Direktzahlungen und für 20 Raufutter verzehrende Nutztiere (Grossvieheinheiten), was etwa dem schweizerischen  Durchschnitt entspricht. 188,5 Millionen Franken Direktzahlungen fliessen in den Kanton Graubünden. Die Direktzahlungen pro Betrieb betragen im CH-Schnitt 51’992 Franken, im Kanton Graubünden 78’545, sie sind also 50% höher, vor allem bedingt durch die Tierhaltung unter erschwerenden Bedingungen. 44% der Schweizer Betriebe wurden 2009 kontrolliert, in Graubünden 72%. Ein Drittel der Direktzahlungs-Kürzungen betreffen den ökologischen Leistungsausweis (ÖLN), nur diese Zahlen wurden im Agrarbericht nach Kantonen aufgeschlüsselt. Diese Kürzungen in Prozent der Direktzahlungen betragen in Graubünden 0,033, im schweizerischen Durchschnitt 0,091, d.h. dreimal mehr. Die Kürzung pro fehlbarem Betrieb beträgt in GR 685 Franken, im CH-Schnitt 810.

Bei den Ausgaben des Bundes für die Grundlagenverbesserung, d.h. Wegebauten, Ökonomiegebäude für Raufutter verzehrende Tiere, Landumlegungen, Wasserversorgung usw. liegt Graubünden mit 17 Millionen Franken oder 20,5% der Gesamtausgaben (2009 18,5%) an der Spitze. Hinzu kommen die Investitionskredite des Kantons Graubünden von 24 Millionen.

Die grosse Unterstützung durch die Steuerzahlenden ist an Verpflichtungen geknüpft, deren Einhalten durch Kontrollen sichergestellt werden sollte. Über Kontrollen mehr in einem separaten Artikel.

2.1.11    HOME


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