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Alpkäse – Naturprodukt ohne Wenn und Aber? (Leserbriefe)

15. August 2015
Das sehr giftige Alpenkreuzkraut muss konsequent eliminiert werden, z.B. Ausreissen oder Einzelstockbehandlung mit Herbizid. Auf keinen Fall darf es versamen. Copyright R.H.

Das sehr giftige Alpenkreuzkraut muss konsequent eliminiert werden, z.B. Ausreissen oder Einzelstockbehandlung mit Herbizid. Auf keinen Fall darf es versamen. Copyright R.H.

Eine standortgemässe Nutzung beugt der Verunkrautung von Wiesen und Weiden vor, desgleichen regelmässige Weidepflege. In der Regel ist das Eindämmen von Unkräutern mechanisch möglich (mähen, ausstechen, ausreissen …). Einzelstockbehandlung mit Herbiziden ist erlaubt (Sonderregelung für Ökowiesen), ausser Biolandbau. Für eine flächige Behandlung (Neusaat einer Naturwiese) braucht es eine Bewilligung.
  1. Brief eines Bauernsohns: Ich war diesen Sommer auf dem Walenstadtberg und bin den Alp- und Kulturweg zum Obersäss der Alp Schrina hochgelaufen. Dabei bin ich an einem Feld mit Alpenblacken – wir sagen dem im Bündnerland „Blacktäwuoscht“ vorbeigekommen. Dieser ist auf der Homepage der Alp Schrina zu sehen. Nun musste ich beim Wandern feststellen, dass die Blacken grossflächig (ich würde mal sagen ein halbes Fussballfeld) mit Herbizid bekämpft worden waren. So wie die Blacken sich ringelten, nehme ich an, dass ein Wuchsstoffherbizide für zweikeimblättrige Pflanzen eingesetzt wurde.
    Und das gerade am Kulturweg …
    Ich mochte gar kein Foto davon machen …
    Es ist ein Ort an dem neben den Blacken sonst nicht viel wächst. Ich bezweifle jedoch, dass das Blackenspritzen an so einem Ort überhaupt etwas nützt, da es ein typischer Blacktäwuoscht ist, wo seit Jahrzehnten das Vieh liegt und danach auch die Bedürfnisse verrichtet. Entsprechend ist natürlich auch der Boden lokal überdüngt.
    Früher hatte man diese Blacken ausgestochen und für die Schweine eingesotten.
    Die gelben Enzian-Pflanzen auf den Weiden wurden zudem grossflächig mit der Sense abgeschnitten …
  2. R.H.: Ich war im Mai in Amden. Beim Arvenbühl machte ich Fotos vom blumenprächtigen Flachmoor, weiter oben auf einer Alp auch von Herbizid-Anwendungen gegen Blacken. Auf einer Alp sahen wir grosse Flächen des giftigen Alpenkreuzkrauts, diese waren aber nicht behandelt!!!

    Flachmoor Arvenbühl Amden. Copyright R.H.

    Flachmoor Arvenbühl Amden. Copyright R.H.

  3. Herbert B.: In den letzten Wochen habe ich vielerorts Landwirte oder deren Familienangehörige beim Blackenspritzen gesehen. Als Folge des trockenen Wetters sind extrem viele Pflanzen am Aufstengeln. Das erste Emd konnte innert Rekordzeit eingebraucht werden, und die Bauern haben Zeit, sich den Blacken zu widmen, obwohl der Zeitpunkt nicht günstig ist.
    Vielen Bauern ist es wichtig, dass die Berufskollegen sehen, dass sie etwas gegen die Blacken machen, auch wenn’s nur im Moment etwas nützt!!!???
    (Bemerkung Heidi: Herbizid-Behandlungen im Sommer wirken schlecht und können den Klee schädigen.)

 

Herbizid gegen Blacke, Alp bei Amden. Copyright R.H.

Herbizid gegen Blacke, Alp bei Amden. Copyright R.H.

 

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Alpkäse – Naturprodukt ohne Wenn und Aber?

19. Juli 2015
Unkrautbekämpfung mit einem selektiven Herbizid auf einer Alp. Das ist ein "überflüssiger" Gifteinsatz, denn eine angepasster Nutzung und Weidepflege sind nachhaltig im ursprünglichen Sinn dieses Unworts.

Unkrautbekämpfung mit einem selektiven Herbizid auf einer Alp. Das ist ein „überflüssiger“ Gifteinsatz, denn eine angepasster Nutzung und Weidepflege sind nachhaltig im ursprünglichen Sinn dieses Unworts.

Kurz bevor Milchkühe auf eine Alpweide getrieben wurden, nahm ein Leser das obige Foto von der Wirkung eines selektiven Herbizids auf. Seine Frage an Heidi: „Gibt es Studien über Herbizid-Rückstände in der Milch, respektive in Milch-Produkten oder Fleisch? Den blöden Spruch ‚ist wie Bio‚ mag ich nicht mehr hören. Ich kaufe nur noch Alpkäse, der auf Bioalpen hergestellt wurde, also ohne Herbizide! Unerwünschte Pflanzen auf einer Alp können problemlos mit der Sense oder dem Motormäher unter Kontrolle gehalten werden. Sogar Brennnesseln werden mit Herbiziden abgespritzt, dabei ist das eine wertvolle Futterpflanze und wird vom Vieh gerne gefressen, wenn sie angewelkt oder trocken sind!“

Vorerst sei festgehalten, dass eine Wartefrist einzuhalten ist. Für die Beweidung mit Milchkühen sind das drei Wochen bei Einzelpflanzenbehandlung mit z.B. Ally Tabs, siehe Ally Tabs im Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Landwirtschaft.

Heidi kennt keine Studien über Rückstände in Milch und Käse. Schlagzeilen aber macht immer wieder Muttermilch, die mit Umweltgiften verschmutzt ist. Das wahrscheinlich krebserregende Herbizid Glyphosat wurde in Deutschland in Muttermilch nachgewiesen, siehe Herbizid in der der Muttermilch? Badische Zeitung vom 27.6.15. Auch wenn auf Alpen die verspritzte Herbizid-Menge in der Regel klein sein dürfte, zeigt die Studie, dass solche Gifte in die Milch gelangen können.

Grenzwerte haben die Schweizer Behörden keine eigenen festgelegt, sondern die Verordnung des EDI über Fremd- und Inhaltsstoffe in Lebensmitteln verweist für den Wirkstoff von Ally Tabs, also für Metsulfuron-methyl, auf die EU-Gesetzgebung; dort findet man den Grenzwert für Fleisch und Milch von 0,01 mg/kg.

Willi Gut, Lehrer und Berater am Landwirtschaftliches Bildungs- und Beratungszentrum (LBBZ) Schluechthof Zug schreibt im Merkblatt Blacken im April und September bekämpfen: „…Eine sichere Bekämpfung ist immer noch das Ausstechen mit dem Blackeneisen, falls die Wurzeln 15 cm tief ausgestochen werden. In tieferen Schichten hat die Blackenwurzel keine Knospen mehr. Zudem hat man bei der biologischen Bekämpfungsvariante keine Wartefristen einzuhalten…“

Daniel Siegenthaler erklärt wie er das Adlerfarn bekämpft. Aus dem Film "Von Älplern für Älpler" - Extensive Bewirtschaftung lohnt sich, Forschungsprogramm AlpFUTUR. Copyright: Patricia Fry.

Daniel Siegenthaler erklärt wie er das Adlerfarn bekämpft. Aus dem Film „Von Älplern für Älpler“ – Extensive Bewirtschaftung lohnt sich, Forschungsprogramm AlpFUTUR. Copyright: Patricia Fry.

Zur Bewirtschaftung einer Alp ist viel Know-how nötig. Im Rahmen des Forschungsprogramms AlpFUTUR sind drei Kurzfilme zur Bewirtschaftung und Pflege von Sömmerungsweiden entstanden. Die Filme sind auf Youtube und als DVD mit deutschen, französischen, italienischen und englischen Untertiteln erhältlich. Im Film „Von Älplern für Älpler“ – Extensive Bewirtschaftung lohnt sich ist auch die Unkrautbekämpfung ein Thema: *Wehret den Anfängen! …“, sagt der Bauer und erklärt wie er das macht. Unkrautbekämpfung darf nicht isoliert betrachtet werden, die ganze Bewirtschaftung muss stimmen. Man lernt auch die positive Rolle der Brennesseln auf Alpweiden kennen. Der 17-minütige Film zeigt wie die Familie Siegenthaler (Alp Windbruch, Schangnau BE) ihren Bergbetrieb nachhaltig führt und Freude daran hat. Freude, die ansteckt.

Unkrautprobleme sind ein Zeichen für vernachlässigte Weidepflege oder Bewirtschaftungsfehler. Spätestens mit den neuen höheren Alpungsbeiträgen ist es möglich, jemanden für die mechanische Unkrautbekämpfung anzustellen. Lägerfluren vor Ställen hingegen sind „normal“. Früher wurden die Blackenblätter auf Alpen mit Milchproduktion sogar in Fässern siliert und später im Sommer, wenn nicht mehr so viel Schotte anfiel, den Schweinen verfüttert.

Copyright: Walter Dietl

Copyright: Walter Dietl

Wenn es um Alpweiden geht, dann kommt man nicht um den Top-Spezialisten herum. Darum zum Schluss noch ein Link zu Alpweide – Ihre Pflege und Nutzung, Walter Dietl, Zalp.

Pflanzenwelt der Wiesen und Alpweiden, Homepage von Walter Dietl mit Hinweis auf die 4. Auflage seines erfolgreichen Buches „Wiesen- und Alpenpflanzen“.

Heidi meint: „Die Berglandwirte erhalten immer mehr Direktzahlungen. Es wäre an der Zeit, den Einsatz von Herbiziden auf Alpen zu verbieten.“ Der Alpöhi nickt zustimmend.

19.7.15 HOME


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