Posts Tagged ‘Weizen’

Die verwöhnte Gesellschaft im Jammertal

27. April 2022
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Fleisch- und Milchprodukte exportieren statt die Produktion senken?

14. Januar 2022
Quelle: Agrarbericht 2021, Landwirtschaftlicher Aussenhandel

Quelle: Agrarbericht 2021, Landwirtschaftlicher Aussenhandel

Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 12.1.22 sein Interesse bekräftigt, mit Russland im Bereich der Landwirtschaft enger zusammenzuarbeiten. Das meldet er in einer Medienmitteilung. Mit der Unterzeichnung einer nicht rechtsverbindlichen Absichtserklärung wollen die Schweiz und Russland ihre Zusammenarbeit im Agrarbereich ausbauen.

Russland ist nach der EU, den USA, dem UK, Japan und Kanada der sechsgrösste Exportmarkt für Agrarprodukte aus der Schweiz.  Die Ausfuhren von landwirtschaftlichen Produkten nach Russland belaufen sich auf etwa 250 Millionen Franken pro Jahr.

Die Absichtserklärung umfasst drei Themenschwerpunkte:

  • bilateraler Handel
  • die Zusammenarbeit im Pflanzengesundheitsbereich sowie
  • im Veterinärwesen.

Dabei werde einerseits der bilaterale Handel mit landwirtschaftlichen Gütern thematisiert, andererseits soll ein vermehrter Austausch zu den gesetzlichen Grundlagen und Zulassungsbedingungen für landwirtschaftliche Produkte in beiden Ländern stattfinden.

Mit der Absichtserklärung biete sich der Schweiz auch ein Instrument, andere Themen besser anzusprechen wie die Exportzulassung von neuen Betrieben im Milch- und Fleischbereich sowie der Schutz von geographischen Herkunftsangaben.

Russische Landwirtschaft – grüne Agrarprodukte

Russland stieg 2020 erstmals zum Nettoexporteur von landwirtschaftlichen Produkten und Lebensmitteln auf. Exportschlager waren vor allem Weizen, Schweinefleisch sowie Fette und Öle. Im Jahr 2020 verdrängte Russland Brasilien aus den TOP-5 der weltweit grössten Schweinefleischhersteller. Die Produktion stieg im Vergleich zum Vorjahr um 8,9 Prozent. Da der Inlandsmarkt gesättigt ist, wollen Russlands Fleischerzeuger verstärkt exportieren.

Die Aufsichtsbehörde Rosselchosnadsor untersagte Mitte Mai 2021 vorübergehend die Importe von Futtermitteln und Zusatzstoffen aus Deutschland. Grund hierfür seien mehrfache Fälle von nicht deklarierten gentechnisch veränderten Inhaltsstoffen. Der Grund dafür liegt in den neuen Regelungen der Regierung zum Anbau sogenannter grüner Produkte. Am 1.3.22 tritt ein Gesetz über grüne Agrarprodukte in Kraft. Hersteller dürfen keine Gentechnik verwenden, müssen Umweltauflagen einhalten und recycelbare oder biologisch abbaubare Verpackungen verwenden.

Grösster Milcherzeugen will wachsen

Ekoniva, Russlands grösster Milcherzeuger, möchte 2021 die Rohmilchproduktion um ein Fünftel auf 1,2 Millionen Tonnen steigern. Die Holding des deutschstämmigen Landwirts Stefan Dürr, die mittlerweile 40 Milchfarmen mit 105’000 Milchkühen umfasst, setzt verstärkt auf den Export von Milch und Milchprodukten nach China. Mit Stand 1.9.19 bewirtschaftete sein russisches Unternehmen Ekoniva mit 13’000 Angestellten 589’850 Hektar Land in der Oblast Woronesch. Der Viehbestand umfasst 170’712 Rinder, darunter 82’765 Milchkühe, die täglich 2’133 Tonnen Milch produzieren. Ekoniva ist des Weiteren Marktführer im Landmaschinenhandel.

Die Schweizer Top Export- und Import-Produkte

Der Handelsbilanzüberschuss fällt bei Kaffee, Tabak und Pflanzenextrakten besonders hoch aus, beträgt 2 Milliarden Franken. Dagegen ist der Importüberschuss von Früchten, Gemüse und lebenden Pflanzen mit 3 Milliarden Franken hoch.

Was bedeutet das?

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Grossverteiler geben sich gerne „grün“ oder gar „klimaneutral“, aber man darf nicht genau hinschauen!

Was hinter der engeren Zusammenarbeit mit Russland steckt, das wissen wir (noch) nicht so genau. Klar ist, dass die Versorgung mit Milch- und Fleischprodukten sowie deren Subventionierung hoch sind, hingegen viele Bereiche des Pflanzenbaus darben, ausser etwa der Anbau von Zuckerrüben, der besonders lukrativ ist für die Bauern.

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, dass wir den Konsum von Fleisch und Milchprodukten stark reduzieren müssten (Gesundheit, Klima, Umwelt). Aber die Rahmenbedingungen für die Produktion zeigen nicht in diese Richtung … man will wohl eher den Export fördern.

Der zwar sinkende, aber immer noch enorme Konsum von Fleisch- und Milchprodukten der Schweizer Bevökerung hat seine Wurzeln in der verfehlten Agrarpolitik. Zusätzlich wird er angeheizt durch die von uns subventionierte Werbung sowie die Aktionen des Detailhandels.

Die Schweiz und Russland wollen den Austausch im Agrarbereich intensivieren. Medieninformation Bundesrat 12.1.22

Agrarbericht 2021, Landwirtschaftlicher Aussenhandel

Russische Landwirtschaft fährt 2021 reiche Ernte ein. GTAI, Germany Trade and Invest

Stefan Dürr, Wikipedia

Russland, Wikipedia

Bedeutung von Verkaufsaktionen im Schweizer Fleischmarkt. Bundesamt für Landwirtschaft 18.11.21

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Ausrede: „Man kann eben nicht überall Ackerbau betreiben!“

16. August 2021
Maisfelder für Viehfutter auf ebenem fruchtbarem Talboden.

Maisfelder für Viehfutter auf ebenem fruchtbarem Talboden.

Es ist sinnvoll, dort Viehwirtschaft zu betreiben, wo Ackerbau aus topografischen oder klimatischen Gründen nicht möglich ist und keine Erosionsgefahr besteht. Häufig wird, wenn es um die Rechtfertigung der hohen Fleisch- und Milchproduktion geht, auf diese Grenzen der Produktion hingewiesen. Aber in der Schweiz werden viele Fruchtfolgeflächen für die Viehwirtschaft missbraucht, sei es für den Anbau von Mais, Kraftfutter oder als Weide, selbst in klimatischen Gunstlagen wie dem Rheintal.

Hier wächst in der Bergzone III Zuckermais für die menschliche Ernährung.

In der Bergzone III wächst Zuckermais für die menschliche Ernährung. Früher haben hier die Bergbauern ebene Flächen für den Anbau von Kartoffeln, Getreide und Gemüse genutzt … früher!

1987 wurde die Genossenschaft Gran Alpin gegründet, um den ökologischen Bergackerbau in den Bergtälern Graubündens zu fördern. 1996 erfolgte dann die Umstellung auf den kontrolliert biologischen Anbau (Bio-Suisse Knospe). Heute produzieren neunzig Bio-Betriebe etwa 500 Tonnen Weizen, Roggen, Speisegerste, Braugerste, Dinkel (Urdinkelsorten), Nackthafer und Buchweizen.

1987 wurde die Genossenschaft Gran Alpin gegründet, um den ökologischen Bergackerbau in den Bergtälern Graubündens zu fördern. Heute produzieren neunzig Bio-Betriebe etwa 500 Tonnen Weizen, Roggen, Speisegerste, Braugerste, Dinkel (Urdinkelsorten), Nackthafer und Buchweizen.

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Bedrohung durch Unkraut heute grösser als je zuvor in der Geschichte der Menschheit

21. Mai 2021
Copyright: Rothamsted Research

Copyright: Rothamsted Research

Ein Langzeitexperiment von Rothamsted Research zeigt, dass Klima, Pflanzenhöhe, Düngemittel und Herbizidresistenz Schuld sind am grössten Unkrautproblem, das die Menschen je hatte.

Rothamsted Research ist ein weltweit führendes, gemeinnütziges Forschungszentrum, das sich auf strategische Agrarwissenschaft zum Nutzen von Landwirten und der Gesellschaft weltweit konzentriert.

Nutzpflanzen sind heute anfälliger für Unkräuter als vor der Einführung von Herbiziden. Eine neue Studie zeigt, dass dies eine noch nie dagewesene Bedrohung für unsere Ernährungssicherheit darstellen.

Anhand von Daten aus dem weltweit am längsten laufenden Versuch, dem Rothamsted Broadbalk Weizenversuch (seit 1843) in Hertfordshire, fanden die Forscher heraus, dass auf Parzellen, auf denen noch nie Herbizide eingesetzt wurden, die Ertragsverluste durch Unkräuter seit den 1960er Jahren kontinuierlich zugenommen haben. In den ersten zehn Jahren des Datensatzes ging weniger als ein Drittel der Ernte durch Unkräuter verloren, doch zwischen 2005 und 2014 stieg dieser Anteil auf mehr als die Hälfte.

Das Team von Rothamsted Research, das die Studie durchgeführt hat, führt dies darauf zurück, dass Unkräuter in einem sich erwärmenden Klima besser gedeihen als Nutzpflanzen, gepaart mit einer Verschiebung hin zu kürzeren Nutzpflanzensorten, die von den höheren Unkräutern beschattet werden.

Und genau wie unsere Nutzpflanzen haben auch viele Unkrautarten in diesem Zeitraum vom erhöhten Einsatz von Stickstoffdünger profitiert.

Darüber hinaus hat mehr als ein halbes Jahrhundert konsequenter chemischer Spritzungen zum Aufkommen von herbizidresistenten Unkräutern geführt, was unsere Fähigkeit bedroht, die seit den 1960er Jahren erzielten Produktivitätsgewinne bei den Nutzpflanzen zu halten.

Herbizide haben Unkrautproblem vergrössert

Der Hauptautor, Jonathan Storkey, sagte: „Die Verringerung der Ertragsverluste durch Unkräuter wird aufgrund der Entwicklung von Herbizidresistenzen immer schwieriger, und wir können uns nicht mehr allein auf Herbizide verlassen, um der zunehmenden Bedrohung durch Unkräuter zu begegnen. Wenn wir die durch Unkräuter verlorenen Erträge in den ersten zehn Jahren des Datensatzes vergleichen, ‚raubten‘ Unkräuter im Durchschnitt 32 Prozent des Ertrags, verglichen mit 54 Prozent in den letzten zehn Jahren der Daten.

Unsere Ergebnisse zeigen, dass Unkräuter heute eine grössere inhärente Bedrohung für die Pflanzenproduktion darstellen als vor dem Aufkommen von Herbiziden und dass integrierte, nachhaltige Lösungen für das Unkrautmanagement dringend erforderlich sind, um das hohe Ertragspotenzial moderner Pflanzensorten zu halten.“

Moderne Sorten und Stickstoff

Neben den immer grösser werdenden Verlusten durch Unkräuter zeigte die Analyse der Daten, dass Unkräuter auch die Weizenerträge auf Parzellen mit höheren Stickstoffdüngergaben proportional stärker reduzierten. Auf vergleichbaren Parzellen, auf denen Unkräuter mit Chemikalien bekämpft wurden, wurden höhere Weizenerträge erzielt, wenn mehr Stickstoffdünger zugeführt wurde – was bedeutet, dass Herbizide auf den ertragreichsten Weizenfeldern am vorteilhaftesten sind.

Moderne Sorten mit hohem Düngemitteleinsatz sind daher anfälliger für höhere Ertragsverluste, wenn Herbizidresistenzen zu einem grösseren Problem werden.

Erfahrungen seit 1843 …

Die Broadbalk-Winterweizenversuche wurden 1843 angelegt, um verschiedene Mengen und Kombinationen von anorganischen Düngemitteln im Vergleich zu Hofdünger auf die Weizenerträge zu vergleichen.

Seit Mitte der 1960er Jahre wurden in einigen Parzellen Herbizide eingesetzt, in anderen nicht. Das Team untersuchte Daten ab 1969 – etwa zu Beginn der so genannten „Grünen Revolution“, als ertragreichere Weizensorten und ein erhöhter Einsatz von Stickstoffdünger weltweit zur Norm wurden. Wie ihre Daten jedoch deutlich zeigen, wurden diese globalen Ertragssteigerungen nur durch einen gleichzeitigen Anstieg des Einsatzes von Pestiziden möglich gemacht.

In den Parzellen wurden insgesamt 41 Unkrautarten festgestellt, wobei die Haupt-„Rache“ der Landwirte, das Schwarze Rispengras, allgegenwärtig war – und besonders häufig auf Parzellen mit hohen Düngergaben auftrat.

Neben der zunehmenden Herbizidresistenz hat auch die Einführung kürzerer Pflanzensorten – die mehr Nährstoffe in das Korn und nicht in den Stängel bringen – zu erhöhten Ertragseinbussen geführt, da die zierlichen Pflanzen oft von viel grösseren Unkräutern verdrängt werden.

Infolgedessen, so Jonathan Storkey, „ist es wahrscheinlich, dass Pflanzenzüchter in Zukunft sowohl Eigenschaften berücksichtigen müssen, die Ertragsverluste durch Unkraut reduzieren, als auch solche, die das Ertragspotenzial optimieren“.

Klimawandel begünstigt Unkräuter

Der letzte Faktor, der für die Zunahme des Unkrautdrucks verantwortlich ist, ist der Klimawandel. Zwischen 1969 und 2014 sind die durchschnittlichen Lufttemperaturen, die am meteorologischen Standort in der Nähe des Broadbalk-Experiments gemessen wurden, kontinuierlich gestiegen. Über die Hauptwachstumszeit für Unkräuter in Grossbritannien gerechnet, sind die Durchschnittstemperaturen stetig gestiegen und liegen jetzt etwa 2°C höher als 1969. Da das Wachstum der Unkräuter stärker auf wärmere Temperaturen reagiert als das der Pflanzen, hat dies den Unkräutern einen Wettbewerbsvorteil verschafft.

Jonathan Storkey sagte: „Management und Klimawandel haben in den letzten 45 Jahren zusammen die Bedrohung durch Unkräuter erhöht. Wenn wir uns nicht mehr auf Herbizide verlassen können, könnte man argumentieren, dass die Situation in Bezug auf den Unkrautdruck heute schlimmer ist als vor ihrer weit verbreiteten Einführung in den 1960er Jahren. Unsere Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, Unkrautbekämpfungsstrategien zu diversifizieren, indem Herbizide durch nicht-chemische Optionen ergänzt werden, einschliesslich der Erhöhung der Pflanzenkonkurrenz und der Unterbrechung der Lebenszyklen von Unkräutern durch Brachen oder vielfältigere Anbaufolgen.“

INCREASING WEED THREAT NOW GREATER THAN ANY POINT IN HUMAN HISTORY. Rothamsted Research, 23.3.21

Agricultural intensification and climate change have increased the threat from weeds. Global Change Biology, 23.3.21. https://doi.org/10.1111/gcb.15585

Quelle: Johann G. Zaller, Twitter

21.5.21 HOME

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Pflanzenzüchtung: Dezimieren, dann wiederbeleben

29. Juli 2017
Vor dem Ersten Weltkrieg importierte die Schweiz den grössten Teil des Brotgetreides, was gegen Kriegsende zu einer eigentlichen Lebensmittelnot führte. Demzufolge legten die landwirtschaftlichen Forschungsanstalten die Prioritäten mehr und mehr auf den Ackerbau, Fragen der Tierhaltung traten in den Hintergrund. Die Züchtung gewann an Bedeutung.

Vor dem Ersten Weltkrieg importierte die Schweiz den grössten Teil des Brotgetreides, was gegen Kriegsende zu einer eigentlichen Lebensmittelnot führte. Demzufolge legten die landwirtschaftlichen Forschungsanstalten die Prioritäten mehr und mehr auf den Ackerbau, Fragen der Tierhaltung traten in den Hintergrund. Die Züchtung gewann an Bedeutung.

Von den zahlreichen Restrukturierungen der landwirtschaftlichen Forschungsanstalten war die Pflanzenzüchtung besonders stark betroffen, obwohl resistente Sorten Voraussetzung für einen umweltschonenden Anbau sind. Es fehlte den Entscheidungsträgern an Weitsicht. Nun soll die Züchtung „revitalisiert“ werden: Wer essen will, muss züchten, Interview des Landwirtschaftlichen Informationsdienstes mit Eva Reinhard, stellvertretende Direktorin des Bundesamts für Landwirtschaft vom 27.7.17. Bezahlt werden solche Fehlplanungen durch die Steuerzahlenden.

Zitat aus „Schweizer Qualitätskorn fürs tägliche Brot“, AGRARForschung 10 (8): 334, 2003:
„Der Ertrag war in der Schweiz immer nur ein zweitrangiges Züchtungsziel. Auch heute noch haben Schweizer Weizensorten im internationalen Vergleich eine besonders gute Krankheitsresistenz bei gleichzeitiger besonders hoher Backqualität … Mit der Überproduktion und der zunehmenden Ökologisierung des Ackerbaus zeigen auch die benachbarten Länder ein verstärktes Interesse an den Schweizer Sorten.“

Den Sparmassnahmen war das Dinkel-Zuchtprogramm geopfert worden. Die Getreidezüchtung wurde massiv geschwächt. Wissen und internationale Beziehungen gingen dabei verloren.

Heidi hofft, dass das geplante Swiss Plant Breeding Center SPBC mit mehr Weitsicht betrieben wird als die Restrukturierungen.

29.7.17 HOME

 


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