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Kluft zwischen Forschungszielen und den Zielen einer nachhaltigen Entwicklung

15. November 2022
Dieser kurze Film begleitet den Abschlussbericht des Projekts und zeigt Mitglieder des Projektteams, die die wichtigsten Forschungsergebnisse und Empfehlungen erläutern, sowie Fallstudien aus Kenia, Argentinien und Indien. Strings Projekt.

Dieser kurze Film begleitet den Abschlussbericht des STRINGS-Projekts und zeigt Mitglieder des Projektteams, welche die wichtigsten Forschungsergebnisse und Empfehlungen erläutern, sowie Fallstudien aus Kenia, Argentinien und Indien.

Quelle: CHANGING DIRECTIONS. Steering science, technology and innovation towards the Sustainable Development Goals

Wissenschaft, Technologie und Innovation versagen bei der Bewältigung der weltweit dringendsten Herausforderungen im Bereich der Nachhaltigkeit, so die Schlussfolgerung aus einem 148-seitigen Bericht des STRINGS-Projekts.

Heidi hat kleine Ausschnitte des Berichts mithilfe von DeepL übersetzt.

Im Bericht „Changing Directions: Steering Science, Technology and Innovation towards the Sustainable Development Goals“ (Wissenschaft, Technologie und Innovation auf die Ziele für nachhaltige Entwicklung ausrichten) werden die Ergebnisse des Projekts „Steering Research and Innovation for Global Goals“ (STRINGS) vorgestellt. Dies ist eine gross angelegte globale Studie über die Übereinstimmung von Wissenschaft, Technologie und Innovation (STI) mit den Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs).

„Auch die Schweiz ist aufgefordert, die Ziele national umzusetzen. Auch sollen Anreize geschaffen werden, damit nichtstaatliche Akteure vermehrt einen aktiven Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten.“ So steht es auf der Homepage des Departements für Auswärtige Angelegenheiten (EDA).

Der STRINGS-Bericht hebt eine eklatante Diskrepanz zwischen STI und den SDGs hervor, warnt, dass diese Diskrepanz, wenn sie nicht behoben wird, den Fortschritt bei den SDGs untergraben wird, und gibt Empfehlungen, wie dieses Ungleichgewicht angegangen werden kann.

Entwicklungspfade für Wissenschaft, Technologie und Innovation…

Das Projekt STRINGS zeigt Entwicklungspfade auf für Wissenschaft, Technologie und Innovation, die den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung am besten entsprechen.

Ein Konsortium aus sieben führenden Universitäten, Forschungszentren und dem United Nations Development Programme (UNDP) arbeitet zusammen, um besser zu verstehen, auf welche Weise Wissenschaft, Technologie und Innovation zum Erreichen der Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (SDGs) in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen beitragen oder auch nicht. Das Projekt entwickelt einen integrativen Rahmen, um die komplexen Beziehungen zwischen der Forschung in Wissenschaft, Technologie und Innovation (STI) einerseits und den SDGs andererseits zu erfassen.

Grundlegende Änderungen nötig

Viel mehr Veröffentlichungen über Krebs (reiche Länder stärker betroffen) als zu Krankheiten wie Malaria, Tuberkulose oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen (ärmere Bevölkerungsschichtenbetroffen)

Zahlreicher sind die Veröffentlichungen über Krebs (reiche Länder sind stärker betroffen) als über Krankheiten wie Malaria, Tuberkulose oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen (ärmere Bevölkerungsschichten sind betroffen)

Die Überlegungen und Schlussfolgerungen, die sich aus dem Bericht ergeben, untermauern die Argumente, dass grundlegende Änderungen in den Wissenschaftssystemen und Institutionen nötig sind, einschliesslich derer der staatlichen Politik und Finanzierung, wenn echte Fortschritte erzielt werden sollen. Die Schlussfolgerungen der Studie verdienen ein gründliches Nachdenken in Wissenschaft und Politik.

Die Hauptprobleme

Folgende Probleme werden in der Studie aufgezeigt:

  • Ein Problem der Orientierungen
    Die meisten veröffentlichten Forschungsarbeiten (60-80%) und patentierten Erfindungen  (95%-98%) sind schlecht auf die SDGs abgestimmt.
  • Ein Problem der Ungleichheiten
    Länder mit hohem Einkommen (HICs) und Länder mit gehobenem mittleren Einkommen (UMICs) tragen unverhältnismässig stark zu dieser Unausgewogenheit bei: nur 30-40% der Forschung in den HICs und UMICs beziehen sich auf die SDGs. In Ländern mit niedrigem Einkommen (LICs) beziehen sich 60-80% der Forschung auf die SDGs, aber die Forschung in diesen Ländern macht nur 0,2% der weltweit durchgeführten Forschung aus. Da der Grossteil der globalen Forschung in den HICs erfolgt, ohne Zusammenarbeit mit Forschern in den LICs (wo die Herausforderungen der SDGs am grössten sind), ist die Chance gering, dass STI die kontextuellen Herausforderungen aufnehmen.
  • Ein Problem des Fokus
    Auch wenn die Mehrheit der Akteure soziale, politische und Basisinnovationen als entscheidend für die Verwirklichung der SDGs erachten, liegt die Unterstützung für diese Arten und Formen von Innovationen und die damit verbundene Forschung zu den komplexen sozialen Grundproblemen der Benachteiligung, Ungleichheit und Konflikten, weit hinter der Forschung und den Investitionen in „harte“ Technologien zurück.
  • Ein Problem der Wissenssilos
    Derzeit gibt es zu wenig Bemühungen, Forschung und Innovation über technische Interventionen mit Forschungsarbeiten zu kombinieren, die sich direkt mit komplexen sozialen Problemen befasst. Dies gilt obwohl es Hinweise darauf gibt, dass verschiedene Arten von STI divergierende Auswirkungen auf die SDG-Ziele haben, was zu Synergien und Spannungen führt.
  • Ein Problem der regionalen Unausgewogenheit
    Die Forschungsprioritäten der Länder sind oft nicht mit ihren wichtigsten SDG-Herausforderungen abgestimmt. Dies ist der Fall bei LIC-Ländern wie Indien (das der Forschung zu Hunger oder Gleichstellung der Geschlechter keine Priorität einräumt) sowie für die meisten HICs, einschliesslich der USA, die der Forschung zu den grossen ökologischen Herausforderungen, welche mit nicht nachhaltigen Konsum- und Produktionsmustern verbunden sind, keine Priorität einräumen. Weltweit wird die militärbezogene Forschung in der Regel stark finanziert, aber militärische Ziele kommen in den SDGs nicht vor.
  • Das Problem des Ausschlusses relevanter STI-Pfade
    Unterschiedliche Kontexte, Prioritäten, Werte und Interessen bedeuten, dass es viele mögliche STI-Wege zur Bewältigung spezifischer SDG-bezogener Herausforderungen gibt. Dennoch ist es nach wie vor so, dass ein einziger Weg in der Regel vorherrschend ist. Zum Beispiel, wenn es um das Ziel SDG 2 (Null Hunger) geht, könnte die Züchtung von neuem Saatgut in Labors gegenüber der Erhaltung und dem Austausch von Saatgut von einheimischen Pflanzensorten priorisiert werden. In ähnlicher Weise können geschlossene Formen der Wissenschaft gegenüber offenen wissenschaftlichen Praktiken bevorzugt werden, wenn es um vernachlässigte Krankheiten im Rahmen von SDG 3 (Gute Gesundheit und Wohlbefinden) geht.
  • Ein Problem der Daten
    Es gibt kaum systematische Erkenntnisse darüber, was genau mit STI-Investitionen unterstützt wird, wo und für welche Zwecke, und es gibt auch kaum Daten darüber, welches Wissen jenseits formaler F&E-Prozesse produziert und genutzt wird. Das Projekt STRINGS hat umfassende Datensätze und eingehende Fallstudien zusammengestellt, damit Entscheidungsträger ihre Optionen besser verstehen und gestalten können. Aber es sind auch grosse Investitionen erforderlich, um Daten über Wissens- und Innovationsinvestitionen und -produktion in allen Kontexten und Sektoren zu sammeln.

Anders denken über die Rolle der Wissenschaft und unsere nachhaltige Zukunft

Die Ziele für nachhaltige Entwicklung wurden 2015 einstimmig von den Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen verabschiedet. Sie sind eine Mischung aus spezifischen, miteinander verknüpften und etwas vagen Zielen. Wichtig ist, dass sie, im Gegensatz zu den früheren Millenniums-Entwicklungszielen, Verpflichtungen festgehalten wurden für Länder mit hohem Einkommen (HICs) sowie für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Doch jede Bewertung der Fortschritte bei den SDGs hat enttäuschende Ergebnisse gezeigt, selbst bei den Zielen Klimawandel, wo von Wissenschaft und Politik viel behauptet wurde.

Schon vor der formellen Verabschiedung der SDGs hat die Wissenschaft und Politik erkannt, dass die Ziele miteinander verwoben sind und dass es nicht ideal wäre, sie isoliert zu betrachten. Dennoch ist der Grossteil der Wissenschaftsfinanzierung weiterhin eng auf disziplinäre Silos konzentriert. Ausserdem sind die derzeitigen Finanzierungsmodelle und Anreize innerhalb der Institutionen der Wissenschaftsgemeinschaft, insbesondere in den HIC, wo die meisten Mittel für die Wissenschaft vorhanden sind, nicht unbedingt die Forschungsansätze und die damit verbundenen Ergebnisse, welche die Gesellschaft eindeutig braucht. Akademiker mögen behaupten, ihre Forschung sei direkt relevant für die SDGs, aber seit 2015 hat sich wenig geändert. Die allgegenwärtige Kultur der Bibliometrie, der Rankings und der Projektfinanzierung hat nicht abgenommen. Darüber hinaus ist der dominierende politische Fokus innerhalb der HIC-Politiker auf die direkten wirtschaftlichen Auswirkungen der Forschung, was der am meisten benötigten Forschung zuwiderläuft.

Was dringend benötigt wird, ist eine neue Reihe von Instrumenten die eine sinnvolle und nachvollziehbare Fokussierung auf umsetzbares Wissen fördern. Das bedeutet, die Probleme auf der Ebene der Gemeinschaft zu definieren und transdisziplinäre und systemische Ansätze für die Forschung zu entwickeln. Es bedeutet zu akzeptieren, dass die Endnutzer der Forschung, einschliesslich der Gemeinschaft, von Anfang an in die Mitgestaltung und Miterstellung von wissenschaftlich rigorosen und gesellschaftlich robusten Wissens einbezogen werden. Es bedeutet, dass wichtige Ergebnisse möglicherweise nicht in den Fachzeitschriften erscheinen, auf denen die akademische Industrie basiert. Die Naturwissenschaften müssen sinnvoller zusammenarbeiten mit den Sozial- und Geisteswissenschaften und in der Tat auch mit anderen Wissenssystemen.

Transdisziplinäre Forschung ist schwierig; sie unterscheidet sich im Ansatz von den traditionellen Forschungsparadigmen. Geldgeber, Institutionen, Akademien und andere müssen ihr Verständnis von Forschung anpassen, wenn es zu bedeutenden Fortschritten kommen soll. HIC Forschungsförderer müssen erkennen, dass es in ihrem Interesse ist, Forschung zu unterstützen und zu fördern, die von Experten in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen geleitet und geprägt wird, und die etwas gönnerhafte Haltung vermeiden, die allzu oft in der internationaltional ausgerichteten Forschung dominiert.

Dieser Abschlussbericht des STRINGS-Projekts ist eine sehr wertvolle Ergänzung zu anderen Argumenten, wie Unleashing Science und den Global Sustainable Development Reports, die das Missverhältnis zwischen dem Ort, an dem die wissenschaftliche Tätigkeit stattfindet, und den Bedürfnissen der Gesellschaft hervorheben. Sein Beitrag ist unverwechselbar. Er berichtet über eine besonders innovative bibliometrische Analyse, die durch eine Umfrage und illustrative Fallanalysen ergänzt wird. Die Reflektionen und die daraus resultierenden Überlegungen und Schlussfolgerungen untermauern die Argumente, dass grundlegende Änderungen in den Wissenschaftssystemen und -institutionen nötig sind, einschliesslich der staatlichen Politik und Finanzierung, wenn echte Fortschritte erzielt werden sollen. Der Bericht enthält viele aufschlussreiche und empirisch untermauerte Punkte, die dieses allgemeine Argument stützen.

Die Schlussfolgerungen des Berichts verdienen es, von Wissenschaft und Politik eingehend studiert zu werden.

Sir Peter Gluckman FRS FTWAS FISC
Präsident, Internationaler Wissenschaftsrat
Direktor, Koi Tū, das Zentrum für informierte Zukunft, Universität von Auckland

Professor Heide Hackmann FISC
Ehemalige Geschäftsführerin, Internationaler Wissenschaftsrat
Direktorin, Future Africa, Universität von Pretoria

CHANGING DIRECTIONS. Steering science, technology and innovation towards the Sustainable Development Goals

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Ziviler Ungehorsam von Wissenschaftlern hilft, dringende Klimaschutzmassnahmen zu fordern

29. August 2022

Quellen: Civil disobedience by scientists helps press for urgent climate action. Nature Climate Change 29.8.22. Scientists call on colleagues to protest climate crisis with civil disobedience. The Guardian 29.8.22

Die Zeit ist knapp, um eine lebenswerte und nachhaltige Zukunft zu sichern; doch die Untätigkeit der Regierungen, der Industrie und der Zivilgesellschaft stellt die Weichen für eine Erwärmung um 3,2°C, mit all den damit verbundenen kaskadenartigen und katastrophalen Folgen. Wann ist ziviler Ungehorsam von Wissenschaftlern in diesem Zusammenhang gerechtfertigt?

Die wissenschaftliche Gemeinschaft ist sich der düsteren Entwicklung, auf die die Erde zusteuert, sehr wohl bewusst; viele derjenigen, die sich mit dem Klimawandel beschäftigen, empfinden deshalb Angst, Trauer oder andere Arten von Leid. Die immer deutlicher werdenden Warnungen und die sich beschleunigenden Klimaauswirkungen stehen im Gegensatz zum anhaltenden Anstieg der weltweiten Emissionen. Einige Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass die Diskrepanz zwischen den Beweisen und dem Ausbleiben von Reaktionen einen Vertragsbruch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft darstellt. Andere verweisen auf mächtige Eigeninteressen und systemische Trägheit, die eine signifikante Emissionsreduzierung behindern.

Oscar Berglund, ein Politikwissenschaftler an der Universität von Bristol, der sich mit zivilem Ungehorsam und sozialen Bewegungen beschäftigt, sagte: „Was wir in dem Artikel sagen, ist, dass eine Beteiligung an dieser Art von Dingen die Botschaft verstärken kann, dass es sich um eine Krise handelt; dass dies anständige Menschen sind, die mehr als alle anderen wissen, wie tief wir in der Scheisse stecken, und die diese Art von Aktion unternehmen – gewaltfreie direkte Aktion, ziviler Ungehorsam.

Im Artikel steht: „Die weit verbreitete Vorstellung, dass die nüchterne Präsentation von Beweisen durch einen ‚ehrlichen Makler‘ gegenüber den Mächtigen die besten Interessen der Bevölkerungen durchsetzen wird, ist selbst keine neutrale Perspektive auf die Welt; sie ist stattdessen bequemerweise unbedrohlich für den Status quo und oft ziemlich naiv.

Wir müssen nicht nur die Klimakrise immer detaillierter dokumentieren, sondern auch darüber nachdenken, wie wir auf neue Art und Weise handeln können, um einen notwendigen und dringenden Wandel herbeizuführen.

Inzwischen sind wir längst an dem Punkt angelangt, an dem ziviler Ungehorsam von Wissenschaftlern gerechtfertigt ist.“

UNO-Ziele für nachhaltige Entwicklung: Die Schweiz im Schneckentempo

2. Juni 2022
UNO Agenda 2030, 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung

UNO Agenda 2030, 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung

Halbzeit bei der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung

2015 haben die UNO-Mitgliedsstaaten die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung verabschiedet. Wie sieht der Stand der Umsetzung in der Schweiz bei Halbzeit aus? Ist eine Pause angesagt oder braucht es mehr Tempo in der verbleibenden Zeit? In einer kleinen Interviewserie gehen Fachleute des Centre for Development and Environment (CDE) der Universität Bern diesen Fragen nach und beleuchten einige der Diskussionspunkte aus wissenschaftlicher Sicht.

Der Bundesrat hat Anfang Mai 2022 seinen zweiten Länderbericht zur Umsetzung der UNO-Ziele für nachhaltige Entwicklung publiziert. Das erste Interview führt Gaby Allheilig mit Christoph Bader, CDE-Wissenschaftler und Ökonom. Er hat den Bericht wissenschaftlich begleitet und sagt: «Er spricht zwar vieles an, zieht aber nicht den logischen Schluss, dass wir radikal etwas ändern müssen.»

Heidi hat Teile des Interviews herausgepickt, welche die Landwirtschaft betreffen:

Christoph Bader: „Man sagt nur, ob der Trend stimmt oder nicht, zeigt aber nicht auf, ob die Verbesserungen auch rasch genug bzw. in ausreichendem Mass stattfinden, damit wir die Ziele innert gebotener Frist erreichen. Wenn wir das Klimaziel des Bundes von netto Null Treibhausgasemissionen bis 2050 erreichen wollen, so muss der Trend sich auf dieses Ziel beziehen. Der Bericht aber verbucht die knapp 6 Prozent Treibhausgas-Reduktion in der Landwirtschaft, die wir in den letzten 20 Jahren erreicht haben, als positiv. Dabei ist völlig klar: Wenn wir in diesem Tempo weiterfahren, sind wir bis 2050 nirgends.“

Gaby Allheilig: „Können Sie diese Reportingpraxis noch an einem anderen Umweltziel festmachen?“

Christoph Bader: „Der Bundesrat hat sich zum Beispiel seit den 1990er Jahren wiederholt verschiedene Ziele zur Reduktion der Stickstoffemissionen gesetzt. Im Jahr 2000 belief sich die Stickstoffbilanz der Schweizer Landwirtschaft auf 100’000 Tonnen. Heute stehen wir bei rund 90’000 Tonnen. Wir sind also auch hier noch nirgends. Doch der Länderbericht ordnet das als «richtig unterwegs» ein. Das ist einfach ungenügend.“

Der aktuelle Länderbericht ist lediglich ein Bericht. Christoph Bader: „Die heissen Eisen hätte man letztes Jahr in der Strategie Nachhaltige Entwicklung 2030 anpacken müssen. Darin zeigt der Bund auf, welche Schwerpunkte er für die Umsetzung der Agenda 2030 setzen will. Heisse Eisen wurden da aber keine angefasst, obwohl sie von vielen – auch von uns – in der Vernehmlassung angesprochen worden waren. Dass praktisch nichts von all den Vorschlägen in die Strategie einfloss, ist nicht dem Länderbericht anzulasten.“

Lesen Sie das ganze Interview hier: «Wenn wir in diesem Tempo weiterfahren, sind wir bis 2050 nirgends». Centre for Development and Environment (CDE) der Universität Bern 31.5.22

Der Online-Länderbericht der Schweiz 2022

17 Ziele für nachhaltige Entwicklung

Do you know all 17 SDGs? United Nations, Department of Economic and Social Affairs Sustainable Development

2.6.22 HOME

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World Scientist against the war in Ukraine

2. März 2022

Scientists from the world’s leading universities condemn Russia’s criminal war against Ukraine.

The NRFU has collected links to the official position expressed by our colleagues around the world.

World scientists against the war in Ukraine. National Research Foundation of Ukraine (NRFU) 1.3.22

«Es handelt sich um einen historischen Bruch.». Eidgenössische Technische Hochschule Zürich 25.2.22

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Der Angriff der Zombie-Wissenschaft

29. Januar 2022
Copyright: Nautilus, Wissenschaftsmagazin

Copyright: Nautilus, Wissenschaftsmagazin

„Sie sehen aus wie wissenschaftliche Arbeiten. Aber sie verzerren und zerstören die Wissenschaft.“ Das hat Heidi gerade gelesen in einem Beitrag von Natalia Pasternak, Carlos Orsi, Aaron F. Mertz und Stuart Firestein im Wissenschaftsmagazin Nautilus, New York: The Attack of Zombie Science. Die Zombie-Wissenschaft boomt, findet viel Platz in den Medien und ist gefährlich, kann bisweilen tödlich sein. Heidi hat ein paar Zitate mithilfe von DeepL übersetzt.

Wenn wir darüber nachdenken, wie die Wissenschaft verzerrt wird, denken wir in der Regel an Begriffe, die im öffentlichen Diskurs weit verbreitet sind, wie Pseudowissenschaft und Junk Science. Praktiken wie Astrologie und Homöopathie sind in wissenschaftliche Konzepte und Fachausdrücke verpackt, die den methodischen Anforderungen der eigentlichen Wissenschaften nicht gerecht werden können. Während der COVID-19-Pandemie hatte die Pseudowissenschaft Hochkonjunktur. Bleichmittel? Bärengalle? Doch die Pandemie hat eine neuere, subtilere Form der Verzerrung ans Licht gebracht. Wir möchten der Wissenschaftsphilosophie demütig ein neues Konzept vorlegen: „Zombie-Wissenschaft“.

Wir betrachten die Zombie-Wissenschaft als geistlose Wissenschaft. Sie geht durch die Bewegungen der wissenschaftlichen Forschung, ohne eine wirkliche Forschungsfrage zu beantworten, sie folgt allen korrekten Methoden, aber sie strebt nicht danach, das Wissen auf dem Gebiet zu erweitern. Praktisch alle Informationen über Hydroxychloroquin während der Pandemie fallen in diese Kategorie, und zwar nicht nur die lebenden Toten, die in den Preprint-Repositories zu finden sind, sondern auch Arbeiten, die in Fachzeitschriften veröffentlicht wurden, die eigentlich von einem aufmerksamen Auge hätten entdeckt werden müssen. Schliesslich investieren die Zeitschriften ihren Ruf in jede Arbeit, die sie veröffentlichen wollen. Und jede Investition in nutzlose Wissenschaft ist ein Nettoverlust.

Zombie-Wissenschaft verleiht den Ergebnissen, die keine echten wissenschaftlichen Fragen beantworten, eine Aura der Glaubwürdigkeit.

… Als Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren sehen wir den Schaden, den ein System, das auf Produktivität und Quantität von Veröffentlichungen ausgerichtet ist, der Wissenschaft und der Art und Weise, wie die Wissenschaft von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, zufügt. Ein solches System neigt dazu, Zombie-Wissenschaft zu belohnen, und Forschungsgruppen gehen in diese Richtung, weil sie meinen, sich selbst erhalten zu müssen. Zombie-Wissenschaft, ob gut gemeint oder ein Versuch, das System zu umgehen, verschlingt Mittel und verleiht Ergebnissen, die keine echten wissenschaftlichen Fragen beantworten, eine Aura wissenschaftlicher Glaubwürdigkeit.

… Dieser Trend zur wertlosen Wissenschaft wurde durch das Rampenlicht der Medien, den politischen Druck und vermutlich den starken menschlichen Impuls, in einer Notsituation irgendetwas zu tun, noch verstärkt, selbst wenn es reiner Irrsinn ist. Auf diese Weise erhalten die Zombie-Wissenschaftler nicht nur die Anerkennung der Peer-Reviews, sondern auch den Eindruck der Öffentlichkeit, dass sie wichtige Arbeit leisten.

Die Zombie-Wissenschaft verschmutzt nicht nur die Wissenschaft und erzeugt Lärm; sie trägt auch zum Hype um Wunderheilungen und falsche Hoffnungen bei, die in der Presse landen.

… Die für die Zombie-Wissenschaft typische Schlussfolgerung lautet, dass weitere Studien erforderlich sind.

… Wie wir aus Horrorfilmen wissen, kann man einen Zombie nur töten, indem man sein Gehirn zerstört, bevor er unser Gehirn verschlingt. Das Gleiche gilt für die Zombie-Wissenschaft. Als Wissenschaftler, Wissenschaftskommunikatoren und Bürger müssen wir diese Verzerrung der Wissenschaft erkennen und ihre Methoden ins Visier nehmen, bevor sie eine weitere Chance hat, zu verzerren, zu schaden und zu töten.

Lesen Sie den vollständigen Artikel mit Beispielen hier: The Attack of Zombie Science. Natalia Pasternak, Carlos Orsi, Aaron F. Mertz, & Stuart Firestein, Nautilus 12.1.21

29.1.22 HOME

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Klima: Schauen Sie sich dieses Video von Renzo an!

16. September 2021
Renzo präsentiert in atemberaubendem Tempo Fakten zum Klimawandel und zur Untätigkeit der Politik.

Renzo präsentiert in atemberaubendem Tempo Fakten zum Klimawandel und zur Untätigkeit der Politik und ruft zum Handeln auf für die Kinder, Enkel, Urenkel … den Zeit bleibt wenig.

Renzo bezieht sich auf die Situation in Deutschland … für die Schweiz müssten einfach Namen und Orte ausgewechselt werden!

Zerstörung Teil 2: Klima-Katastrophe

Krise: Endgame, Renzo vom 4.9.21

Informationsquellen zum Video

16.9.21 HOME

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Eigenartig …

2. März 2021
Raupe auf einem mit Vlies verbauten Bergwanderweg.

Raupe auf einem mit Vlies verbauten Bergwanderweg.

Wirtschafts-Kommission will Beizen früher öffnen – und die Taskforce zum Schweigen bringen.  Watson vom 28.2.21

Die Wissenschaft braucht das richtige Gehör – und keinen Maulkorb. SRF vom 1.3.21

Rache gegen Hilfswerke. Infosperber vom 24.12.20

Parmelin verpasst ETH-Forschern Maulkorb. Blick vom 10.11.19

1.3.21 HOME

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Neue Pestizid-Anforderungswerte für Oberflächengewässer: Rechnen mit Heidi

1. März 2018

Gablers Wirtschaftslexikon über Grenzwerte in der Umweltpolitik: „… Die Festlegung eines Grenzwertes kann unterschiedlich normiert werden, bspw. als Anteil der Produktion oder der Abluft. Sie folgt naturwissenschaftlichen und ökonomischen Kriterien, unterliegt aber auch politischen Prozessen und damit dem Lobbyismus.“ Anforderungswerte sind Annahmen, also keine „wissenschaftlichen Erkenntnisse“.

Das Bundesamt für Umwelt will neue Pestizid-Anforderungswerte für Oberflächengewässer einführen. Die Vernehmlassung Gewässerschutzverordnung (GSchV) läuft bis 15.3.18; es bleibt also noch Zeit für die Erarbeitung von Stellungnahmen!

Betroffen sind 37 Pestizide. Vier Werte sind kleiner als der bisherige Wert, zwei bleiben wie bisher 0,1 µg/l, für 31 Pestizide sind höhere Werte vorgesehen. Der höchste Wert beträgt das 10’300-fache des bisherigen Grenzwerts.

Eines der Ziele für Oberflächengewässer gemäss GSchV ist, dass Stoffe, die natürlicherweise im Gewässer nicht vorkommen, nur in Konzentrationen nahe bei Null vorhanden sind! Das BAFU ist also grausig auf dem Holz- bzw. Lobbyweg. Das Wasser gehört allen, nicht nur den Wasserlebewesen! Wasser ist Leben – schmutziges Wasser gefährdet Leben.

Durchschnittlich 40 Wirkstoffe in Gewässerproben

Die Eawag hat in einem aufwendigen Screening in Wasserproben von Schweizer Fliessgewässern über 100 von 300 zugelassenen Wirkstoffen gefunden. Für 31 Substanzen wurde der Grenzwert der Gewässerschutzverordnung verletzt. Jede Probe enthielt im Durchschnitt 40 unterschiedliche Stoffe.

Rechenbeispiel: Künftig 727 mal mehr Pestizide in Gewässern erlaubt?

Heidi hat nun ausgerechnet wie hoch die Konzentration eines theoretischen Pestizid-Cocktails in Zukunft sein darf. Sie hat die 37 neuen (sogenannten risikobasierenden/für Wasserlebewesen) Anforderungswerte und drei allgemeine Werte von 0,1 µg/l zusammengezählt, d.h. total 40 Werte addiert; dies in Anlehnung an die von der Eawag in Gewässern gefundenen durchschnittlichen Zahl von Stoffen.

Wenn also diese 40 Pestizide in einem Gewässer in einer gerade noch erlaubten Konzentration vorkommen, dann macht dies total genau 2’906,96484 µg/l aus. Gemäss der heute gültigen Gewässerschutzverordnung wären maximal 40 x 0,1 µg/l zugelassen, also 4 µg/l. Wenn es nach dem Willen des BAFU geht, dann darf in einem Bach – wie dieses Rechenbeispiel zeigt – in Zukunft die 727-fache Konzentration an Pestiziden vorhanden sein, ohne dass die Kantone einen Finger rühren müssen. Der vielerorts nicht existente Vollzug ist somit schon fast gerettet. Und die Zulassungsbestimmungen? Müssen sie in Zukunft nicht verschärft werden? Potz Blitz und Tonner! Simsalabim!

Wert für das Neonicotinoid Thiamethoxam

Für Wild- und Honigbienen sind Neonicotinoide, eine Gruppe hochwirksamer Insektizide, eine Gefahr. Das hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) in einem aktuellen Bericht erneut klargestellt. Trotzdem will das BAFU den Wert des Neonicotinoids Thiamethoxam auf das 14-fache erhöhen; das Mittel schadet offenbar den Wasserorganismen nicht – da kann man doch! Die Bienen halten sich ja nicht im Bach auf, trinken höchsten daraus.

Heidis Vorschlag

Das Vorsorgeprinzip muss hochgehalten und das Ziel der GSchV respektiert werden. Weil Oberflächengewässer Menschen und Tieren als Trinkwasserquelle dienen, zur Bewässerung von Kulturpflanzen verwendet werden und sie das Grundwasser speisen, soll für alle Pestizide der allgemeine Anforderungswert von 0,1 µg/l gelten. Zusätzlich ist ein Summenwert von 0,5 µg/l einzuführen. Höchst schädliche Pestizide wie Chlorpyrifos und Cypermethrin sind aus dem Verkehr zu nehmen statt neue Anforderungswerte von 0,0044 bzw. 0,00044 µg/l festzuschreiben, denn – so meint Heidi – sie bewirken kaum etwas.

Grenzwert, Gablers Wirtschaftslexikon, Prof. Dr. Heinrich Holland

Wasser-Wissen nutzen!

29. Oktober 2017
Friedhof neben dem Haus der Familie Brontë in Haworth, West Yorkshire. Copyright: The Great British Channel.

Friedhof neben dem Haus der Familie Brontë in Haworth, West Yorkshire. Copyright: The Great British Channel.

Das Leben der Familie Brontë wird immer wieder beschrieben und verfilmt und die Bücher der drei Schwestern neu aufgelegt. So stammt etwa die letzte Verfilmung des Romans Jane Eyre von Charlotte Brontë aus dem Jahre 2011.

Der Film Brontë Country: The Story of Emily, Charlotte & Anne Brontë passt zu diesem düsteren Sonntag. Er wurde von The Great British Channel gedreht und unter „Bildung“ klassiert. Der Text wird langsam und deutlich gesprochen und ist daher leicht verständlich.

Das grosse Sterben

Für Heidi waren die Minuten 15:07 bis 18:25 besonders interessant. In Haworth, West Yorkshire, nahm die Bevölkerung während der Industriellen Revolution stark zu. Nicht nur die Angst vor Arbeitslosigkeit bedrückte die Menschen, sondern auch das grassierende Sterben von Tausenden von Menschen. 41 Prozent der Kinder starben vor dem 6. Altersjahr.

Das Problem wurde untersucht. 1850 fand man den Grund. Das Trinkwasser kam vom Hügel herunter und durchquerte den Friedhof. Mit steigender Zahl der Toten wurden diese raumsparender gelagert; man legte eine Leiche über die andere, obenauf kamen flache Grabsteine. Dadurch wurde die Verschmutzung des Trinkwassers noch verstärkt, denn das Regenwasser floss über die flachen Grabsteine weg, versickerte und nahm im Boden „Fäulnis“ und Krankheiten mit. Wer das Wasser nutzte, war den Krankheitserregern ausgesetzt. Besonders die Cholera breitete sich epidemisch aus.

Wissen füllt Bibliotheken und Server – Was nun?

Heute wissen wir viel mehr. Es ist so viel Wissen vorhanden, dass wir oft Mühe haben, Fakten zu finden oder zielführend einzusetzen. Wichtige Errungenschaften drohen uns zu entgleiten, wie die Antibiotika.

Wissenschaftler veröffentlichen Ihre Arbeiten bevorzugt in international renommierten Journals. Wie aber soll die Politik handeln? Dazu schweigen sich die Forschenden allzu oft aus oder präsentieren die Fakten ohne klar und deutlich darzulegen, was zu tun ist. Sie überlassen das Einschätzen der Lage den Unwissenden, welche die Zusammenhänge schwer durchschauen können und andere Interessen verfolgen.

Also weiter wursteln wie bisher? Oder mit Lösungen in die Zukunft blicken? Es kann eine Entscheidung über Leben und Tod sein, über Menschen, welche heute noch nicht geboren sind.

Was gelangt heute über Luft und Boden ins Trinkwasser?

Zum Beispiel ist es erlaubt, Pestizide in unmittelbarer Nähe von Trinkwasserfassungen (Grundwasserschutzzone S2) auf den Acker zu sprühen. Es gibt zwar eine kleine Liste mit dort verbotenen Pestiziden, aber diese Ausnahmen werden nicht kontrolliert. Und wer erstellt diese Liste? Das Bundesamt für Landwirtschaft!

Brontë Country: The Story of Emily, Charlotte & Anne Brontë, The Great British Channel, youtube 21.1.14

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29.10.17 HOME


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