USA: Gerichtlich erzwungenes Verbot von Chlorpyrifos

Medieninformation Pesticide Action Network Noth America vom 18.8.21 über das Verbot von Chlorpyrifos durch die EPA.

Medieninformation Pesticide Action Network Noth America vom 18.8.21 über das Verbot von Chlorpyrifos durch die EPA.

Medienmitteilung Pesticide Action Network North America vom 18.8.21:

WASHINGTON D.C. – Die Environmental Protection Agency (EPA) hat heute bekannt gegeben, dass sie alle Bewilligungen für die Verwendung von Chlorpyrifos in der Lebensmittelproduktion zurückzieht. Diese Ankündigung folgt der Anordnung des 9th Circuit Court vom Mai 2021, dass die Bewilligungen aller Verwendungen von Chlorpyrifos in der Lebensmittelproduktion, die nicht als sicher nachgewiesen werden können, zurückgezogen werden.

Kristin Schafer, Geschäftsführerin des Pestizid-Aktions-Netzwerks (PAN), gab als Reaktion auf die Entscheidung der EPA die folgende Erklärung ab:

„Gemeinsam mit Partnern im ganzen Land feiern wir diese Entscheidung, welche die Gesundheit von Millionen von Kindern, Landarbeitern und Familien in ländlichen Gebieten schützt – und die längst überfällig ist. Die wissenschaftlichen Belege für die Schädlichkeit dieser neurotoxischen Chemikalie sind seit Jahrzehnten eindeutig. Es bedurfte einer hartnäckigen Organisationsarbeit, einer Lobbyarbeit in den Parlamenten der Bundesstaaten und koordinierter rechtlicher Schritte, um die EPA endlich dazu zu zwingen, ihre Arbeit zu machen.

„Wir gehen davon aus, dass die heutigen Massnahmen auch zu einem Verbot des Einsatzes von Chlorpyrifos bei Nutzpflanzen führen werden, die als Futtermittel angebaut werden, und dass die EPA in den kommenden Monaten auch Massnahmen in Bezug auf alle anderen Verwendungszwecke von Chlorpyrifos (ausser für Lebensmittel) in Betracht ziehen wird. Wir fordern die Behörde auf, auch diese Verwendungen rasch zu verbieten, damit wir uns den 35 Ländern anschliessen können, die diese gefährliche Chemikalie bereits vollständig verboten haben.

„Wir hoffen, dass die heutige Entscheidung ein Zeichen dafür ist, dass diese Behörde Wissenschaft und Gerechtigkeit bei der Entscheidungsfindung über gefährliche Pestizide wieder in den Mittelpunkt stellt. Viel zu lange haben die Interessen der Pestizidindustrie Vorrang vor dem Schutz der Gesundheit von Kindern oder der Gesundheit derjenigen, die an der Front der industriellen Landwirtschaft stehen – Landarbeiter, Landwirte und Familien in ländlichen Gebieten. Es ist an der Zeit, dass sich das ändert.“

PAN und unsere Partner, darunter Wissenschaftler, Landarbeiter sowie kommunale und nationale Organisationen, setzen sich seit dem Jahr 2000 für ein bundesweites Verbot von Chlorpyrifos ein. Damals wurde die Verwendung im Haushalt verboten, weil bekannt war, dass die Exposition das sich entwickelnde Gehirn von Kindern schädigt. Im Jahr 2007 reichte PAN gemeinsam mit Partnern und dem Anwaltsteam von EarthJustice eine Petition bei der EPA ein, in der ein Verbot von chlorpyrifoshaltigen Produkten in der Landwirtschaft gefordert wurde. Erst 2015 schlug die EPA ein Chlorpyrifos-Verbot für Lebensmittel vor. Diese vorgesehene Bundesentscheidung wurde 2017 aufgehoben, eine Entscheidung, die PAN und unsere Partner 2018 erneut rechtlich anfochten. Daraufhin ordnete das Gericht im Mai 2021 an, dass alle Verwendungen von Chlorpyrifos in Lebensmitteln zu verbieten sind, sofern deren Unbedenklichkeit nicht erwiesen ist, worauf das heutige Verbot der Verwendung in Lebensmitteln folgte.

Als Reaktion auf die Verzögerung der Massnahmen auf Bundesebene im Jahr 2017 drängten die Befürworter auf Massnahmen zum Schutz von Kindern, Arbeitnehmern und Gemeinden auf staatlicher Ebene. Seit 2018 haben Hawai, Kalifornien, New York, Maryland und Maine alle Verwendungen von Chlorpyrifos verboten, und in mehreren anderen Bundesstaaten wurden ähnliche Massnahmen in die Wege geleitet.

EU und Schweiz, aber …

Trotz vieler Studien, welche die Schädlichkeit von Chlorpyrifos nachweisen, wurde dieser Wirkstoff in Europa erst gerade verboten: Aufbrauchfrist EU 16. April 2020, Schweiz 28. Mai 2021.

Syngenta exportierte 2018 37 Tonnen Profenophos (ein ähnlicher Wirkstoff) nach Brasilien. Seit 2021 ist der Export von Profenophos aus der Schweiz verboten.

Profenofos ist das in der Schweiz am häufigsten nachgewiesene, hierzulande verbotene Pestizid in Lebensmitteln. Dies hat eine Analyse von Public Eye aufgrund der detaillierten Daten des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) über Pestizidrückstände im Jahr 2017 gezeigt. Profenofos wurde in 41 Lebensmitteln nachgewiesen, vor allem in Gemüse sowie verschiedenen Früchten und Gewürzen aus Asien (Thailand, Vietnam, Indien und Sri Lanka).

Chlorpyrifos, Wikipedia

Profenophos, Wikipedia

In der Schweiz verbotenes Pestizid verschmutzt brasilianisches Trinkwasser. Public Eye vom 9.1.20

Nachruf Wirkstoff Chlorpyriphos. OhneGift vom 23.6.21

Eigentlich nichts Neues: Die schädliche Wirkung von Chlorpyrifos! Heidis Mist vom 17.11.18

Toxisches Chlorpyrifos: Neuer Anforderungswert löst das Problem nicht. Heidis Mist vom 13.2.18

Ein erster Schritt ist getan: Bund will schädliches Pestizid verbieten. Heidis Mist vom 12.6.19

Chlorpyrifos, Glyphosat, Paraquat: Thailand will sie verbieten. Heidis Mist vom 10.11.19

Amerikanisches Gericht ordnet Chlorpyrifos-Verbot an. Heidis Mist vom 31.8.18

19.8.21 HOME

Datenschutzerklärung

Schlagwörter: , , , , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.


%d Bloggern gefällt das: