Freihandesgespräche in Davos – Heidi berichtet über Palmöl

22. Januar 2017
Lintang blickt auf das Land, das bis vor Kurzem ihren Eltern gehörte. Copyright: Astrid.

Lintang blickt auf das Land, das bis vor Kurzem ihren Eltern gehörte. Copyright: Astrid.

Alpöhi: „Heidi! Wo bist du? Der Pöstler hat einen Brief aus Indonesien gebracht.“

Heidi: „Hier in der Küche!“

Heidi reisst den Umschlag auf und liest dem Alpöhi vor, was Astrid geschrieben hat:

Den Boden haben sie uns einfach weggenommen, denn wir haben keine verbrieften Landrechte. Nur die Nutz-Bäume, welche wir gepflanzt hatten, wurden mit umgerechnet fünf Franken pro Baum entschädigt. Das Land gehört jetzt offiziell dem Staat. Dieser erteilt „Bewirtschaftungsbewilligungen“. Schon wurden Ölpalmen angepflanzt. Ich schicke dir ein Foto mit Lintang und den neuen Plantagen.

In anderen Gebieten sind die ebenen Flächen bereits mit Ölpalmen bepflanzt. Weil der Anbau auf Torfböden nicht besonders wirtschaftlich ist und man dort v.a. die Bäume herausnehmen wollte, werden jetzt die Hügel mit Bulldozern terrassiert.

Die meisten Nachbarn sind froh, dass sie bald wieder Arbeit und Bargeld haben werden, denn die Preise für Kautschuk und andere Produkte, welche wir früher in Agro-Forstwirtschaft angebaut hatten, waren Jahr für Jahr gesunken.“

Der Alpöhi und Heidi schauen sich wortlos an. Heidi legt den Brief beiseite und knetet energisch den Zopfteig, der auf dem Küchentisch liegt. Mehl und Butter hat der Alpöhi am frühen Morgen im Dorfladen gekauft.

WEF: Schneider-Ammann bespricht Freihandelsabkommen

Links: Indonesisches Dorf. Vielfältige Landwirtschaft mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kapok" target="_blank">Kapok</a>, verschiedenen Bananenarten, einigen Unterarten des ertragreichen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jackfruchtbaum" target="_blank">Jackfruchtbaums</a>, im Überfluss Papaya, Gemüse usw. Überschüssige Jackfrüchte werden dem Vieh verfüttert.<br /> Rechts: Palmöl-Plantage auf enteignetem Land. Pestizide gelangen durch Abschwemmung, Abdrift und Erosion in den Fluss und verschmutzen das Trinkwasser der Einheimischen. Copyright: Vecker.

Links: Indonesisches Dorf. Vielfältige Landwirtschaft mit Kapok, verschiedenen Bananenarten, einigen Unterarten des ertragreichen Jackfruchtbaums, im Überfluss Papaya, Gemüse usw. Überschüssige Jackfrüchte werden dem Vieh verfüttert.
Rechts: Palmöl-Plantage auf enteignetem Land. Pestizide gelangen durch Abschwemmung, Abdrift und Erosion in den Fluss und verschmutzen das Trinkwasser der Einheimischen. Copyright: Vecker.

Schneider-Ammann nutzte das World Economic Forum (WEF) für Gespräche mit Handelspartner in der Hoffnung auf den Abschluss von Freihandelsabkommen. Er traf sich am Mittwoch mit seinem malaysischen Kollegen. Die NZZ schrieb am 19.1.17: „Der heikelste Punkt bleibt auch nach sieben Verhandlungsrunden das Palmöl – aus ökologischen Gründen, aber auch weil die Schweizer Rapsproduzenten die Konkurrenz fürchten.“ Heidi meint: „Nicht nur aus ökologischen Gründen!“

Seit 1950: le Parfait – Original

Aus der Werbung: "Wer kennt ihn nicht, diesen kultigen Brotaufstrich, der 1950 in Freiburg erfunden wurde?..."

Aus der Werbung: „Wer kennt ihn nicht, diesen kultigen Brotaufstrich, der 1950 in Freiburg erfunden wurde?…“

Heidi hat im Nestlé Shop nachgeschaut. Die Zutaten sind vorbildlich aufgeführt; le Parfait Original enthält auch Palmkernfett (aus zertifiziertem Anbau). War Palmkernfett 1950 schon drin? Oder ist das „Original“ nicht ganz „original“? Heidi hat am 4.1.17 den Nestlé-Mediendienst angefragt, aber bis heute noch keine Antwort erhalten. Geduld!

Nestlé kauft Palm- und Palmkernöl und verkauft den Leuten dort, wo das Wasser durch Anbau und Produktion verschmutzt wird, sauberes Trinkwasser.

Palmöl ist nur ein Beispiel

Palmöl kommt stärker unter Druck, foodaktuell.ch, 16.1.17.

Heidis Artikel über Palmöl

Soap maker finds cleaner way to fight Southeast Asia wildfires, NIKKEI Asan Review, 2.1.17

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Alle blicken nach Davos – Heidi hat die Elbe im Visier

20. Januar 2017
Der Containerriese "Indian Ocean" lief Anfang Februar 2016 in der Elbe auf Grund. Copyright: Dr. Ludwig Tent, Wedel D, Osmerus' Blog, Lebendige Bäche und Flüsse.

Der Containerriese „Indian Ocean“ lief Anfang Februar 2016 in der Elbe auf Grund. Copyright: Dr. Ludwig Tent, Wedel D, Osmerus‘ Blog, Lebendige Bäche und Flüsse.

Sie reden von Handel, Nachhaltigkeit, Wachstum, Gerechtigkeit, Wohlstand, Globalisierung … 800 Medienleute sind am World Economic Forum (WEF) in Davos, um Ideen und Händel der Mächtigen in die Welt hinaus zu tragen, CUMINAIVEL Nr 5 vom 17.1.17. Derweil befasst sich Heidi mit der Elbe, der es dreckig geht, nicht nur weil ein Frachter diese Woche wieder einmal den Durchgang zum Hamburger Hafen versperrt hatte.

Elbvertiefung für Containerschiffe – tote Elbe

Am Grund der Elbe gibt es im Sommer kaum noch Sauerstoff für das Wasserleben, somit ist auch der Fischaufstieg unterbunden. Schuld daran ist, dass die Fahrrinne immer stärker vertieft wird für die immer grösser werdenden Containerschiffe, welche Waren aus aller Welt anliefern bzw. abtransportieren. Regelmässig wird Sediment ausgebaggert und mitsamt dem Dreck (Mineralöl, Altlasten) in der Nordsee verklappt.

Mit der Elbvertiefung wollen die Behörden den Hamburger Hafen wettbewerbsfähig erhalten. Bereits heute müssen jährlich 15 Millionen Kubikmeter Schlamm ausgebaggert werden, nach der Vertiefung von heute 13,50 m Tiefe auf bis zu 15,30 m sollen es sogar 18 Millionen sein. Elbvertiefung, Bund.

Auch das Naturschutzgebiet Allwördener Aussendeich (Wikipedia) ist von der Vertiefung betroffen. Ein Eilantrag des BUND Niedersachsen gegen die vorgezogenen Baumassnahmen an der Unterelbe war nicht erfolgreich: Das Oberverwaltungsgericht Schleswig lehnte den Antrag des BUND ab: Unter anderem seien in diesem Fall die Belange des Naturschutzes gegenüber wirtschaftlichen Erwägungen völlig untergeordnet.

Elvertiefung bringt nicht, was sie verspricht

Kleine Sturmflut am 25.12.2016; zur Zeit ganz schnell bei recht geringem Abfluss und Ostwind Unterschreitungen des Tideniedrigwassers. <a href="http://www.pegelonline.wsv.de/webservices/zeitreihe/visualisierung?parameter=WASSERSTAND%20ROHDATEN&amp;pegelnummer=5950090&amp;ansicht=einzeln" target="_blank">Pegel Online</a>.

Kleine Sturmflut am 25.12.2016; zur Zeit ganz schnell bei recht geringem Abfluss und Ostwind Unterschreitungen des Tideniedrigwassers. Pegel Online.

Die Elbvertiefungen haben erhebliches Absinken des Tidenierigwassers bewirkt, also nicht die Vertiefung als vollen Gewinn gebracht. Statt wie vor einem Jahrhundert bei 1,50 m Differenz zwischen Tideniedrig- und -hochwasser, sind es jetzt um die 3,60 m. Das heisst, das Wasser muss in gegebener Zeit 2 m mehr hochpumpen und 2 m mehr als früher ablaufen; dies entspricht einer Verschärfung der Strömungsgeschwindigkeit.
Aktueller hydrometeorologischer Zustand im Elbegebiet.

Der Wirtschaft legt man keine Zwänge an!

Wenn eine Würstchenbude oder sonst Bewegliches am Ufer der Elbe ein Stück weit durch die Gegend gespült wird, dann ist dies ein Zeichen dafür, dass vermutlich ein Schiff mit übersetzter Geschwindigkeit vorbei gefahren ist und hohe Wellen geworfen hat. Selten haben Politiker es gewagt, die Frage nach Überwachung zu stellen. Solch „unverschämtes“ Nachfragen wird ganz schnell zum Verstummen gebracht. Die grosse Wirtschaft geht vor. Auch ohne Raserei leidet das Ufer der Elbe unter Erosion durch den Wellenschlag der grossen Schiffe, auch der Kreuzfahrtriesen.

Baggern ohne Ende – Kosten ohne Ende. Regionales Bündnis gegen Elbvertiefung.

Baggern ohne Ende – Kosten ohne Ende. Regionales Bündnis gegen Elbvertiefung.

Da kann auch die Elbharmonie keine Harmonie zwischen Wirtschaft und Natur herstellen.
Elbphilharmonie 2017: Das Eröffnungskonzert (Teil 1) | NDR, 11.1.17.
Elbphilharmonie 2017: Das Eröffnungskonzert (Teil 2) | NDR, 11.1.17.

Die Elbe ist „nur“ ein Beispiel. Mit unserem Konsum- und Abstimmungsverhalten können wir etwas verändern.

Wahr-Schau zur geplanten Elbvertiefung: Dokumentation von Wissenschaftlern und Zeitzeugen – Ein Diskussionsbeitrag –, Kersin Hintz, Taschenbuch, 25.4.14.

Wir brauchen keine Elbvertiefung, Zusammenschluss von betroffenen Bürgern.

Elbe kaputt – drüber Schwerölbrand in der Luft, drauf Traumschiffe, drin kein Sauerstoff. Osmerus‘ Blog, 15.u.14.

Januar 2017 – Sonnenstrand Wittenbergen, Elbe. Osmerus‘ Blog, 7.1.17.

Forum Tideelbe: so werden die Ergebnisse des „Forum Strombau- und Sedimentmanagement Tideelbe“ auf die lange Bank geschoben! Förderkreis Medienmitteilung »Rettet die Elbe« eV vom 6.12.16.

Elbvertiefung – Bagger schaffen Fakten, Bund.

Schlick-Problem: Hoffnung für Hamburg, NDR 9.2.16.

Havarierter Frachter in Hamburg angekommen, NDR vom 18.1.17.

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Schadstoffe: Verhalten im Wasser und Boden anders als im Labor

17. Januar 2017
Verschiedene Schadstoffe in Gewässertypen, Böden und Untergründe: Im multidisziplinären Sonderforschungsbereich CAMPOS werden Ausbreitung und Abbau von Schadstoffen in vielseitigen Landschaften samt wechselwirkenden Prozessen untersucht. Copyright: Uni Tübingen.

Verschiedene Schadstoffe in Gewässertypen, Böden und Untergründe: Im multidisziplinären Sonderforschungsbereich CAMPOS werden Ausbreitung und Abbau von Schadstoffen in vielseitigen Landschaften samt wechselwirkenden Prozessen untersucht. Copyright: Uni Tübingen.

Während Schadstoffe wie organische Verbindungen, z.B. Pflanzenschutzmittel, unter Laborbedingungen relativ schnell abgebaut werden, ist die Situation in der Natur ganz anders. Hier bleiben die Schadstoffe oft unerwartet lange erhalten. Grund dafür sind hochkomplexe Wechselwirkungen zwischen Schadstoffen, Gewässern, Böden, Pflanzen und Gestein.

Nitrate, Herbizide, organische Verbindungen oder Mikroschadstoffe aus Arzneimitteln und Kosmetika gelangen in Fliessgewässer, Grundwasser und in den Boden. Wie derartige Schadstoffe unsere Landschaften tatsächlich langfristig belasten und verändern werden, untersuchen jetzt Wissenschaftler im neuen multidisziplinären Forschungsverbund im Rahmen des Sonderforschungsbereiches CAMPOS.

Beteiligt sind die Universitäten Tübingen, Hohenheim und Stuttgart sowie zwei Helmholtz-Zentren: Das Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt in München und das Umweltforschungszentrum in Leipzig. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert den Sonderforschungsbereich für vier Jahre mit 9,5 Mio. Euro.

Schadstoffe in Wasser & Boden: Uni Hohenheim beteiligt sich an neuem Sonderforschungsbereich, Medieninformation Universität Tübingen vom 11.1.17

Informationens zum Projekt CAMPOS

17.1.17 HOME

Fräulein Brehms Tierleben: Lumbricus terrestris – der Regenwurm

14. Januar 2017
Fräulein Editha Filmine Brehm alias Barbara Geiger ist neugierig. Sie erforscht grosse Tiere und stellt auch kleine, wie den Regenwurm, ins Rampenlicht. Copyright: Karsten Bartel.

Fräulein Editha Filmine Brehm alias Barbara Geiger ist neugierig. Sie erforscht grosse Tiere und stellt auch kleine, wie den Regenwurm, ins Rampenlicht. Copyright: Karsten Bartel.

Fräulein Brehm über Regenwurmkot: „Hat eine leicht mineralische Note mit einem würzigen Abgang. Also wirklich, das ist das Beste, was man kriegen kann. – A-Klasse! Und es ist doch so eine wunderbare Überraschung, dass man Erde zelebriert wie Wein. Bodenkundler machen das tatsächlich, um etwas über die Qualität des Bodens zu erfahren. Das greife ich in meinem Stück über Regenwürmer natürlich auf.“ Nicht nur mit Kuriositäten überrascht Fräulein Brehm ihr Theater-Publikum, nein, auch mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Fräulein Brehms Tierleben ist das einzige Theater der Welt für heimische gefährdete Tierarten. Artgerechte Unterhaltung, nicht nur für Erwachsene… Und sie möchte etwas verändern.

Wissen aus dem Elfenbeinturm zum Publikum bringen

Dank Erfolg wächst das Fräulein Brehm Ensemble. Copyright: Karsten Bartel.

Dank Erfolg wächst das Fräulein Brehm Ensemble. Copyright: Karsten Bartel.

An einem Theaterstück arbeitet Barbara Geiger sechs bis neun Monate. Sie besucht Museen, geht mit Forschenden auf Feldexkursion, holt die neuesten Ergebnisse direkt bei Wissenschaftlern und beschafft sich Originalpublikationen. Ein Theaterstück von Barbara Geiger ist nur zur Hälfte „fertig“, d.h. als Spieltext niedergeschrieben, hinzu kommen Hintergrundinformationen, damit die Schauspielerinnen Fragen beantworten können, denn sie legt grossen Wert auf das Gespräch mit den Zuschauern.

Wenn Wissenschaftler einen Vortrag halten, dann richten sie sich meist an eine kleine Gruppe von SpezialistInnen. So verstaubt viel Wertvolles in den Archiven. Gerber bringt es in verständlicher Form an die Öffentlichkeit. Sie ist für alle da. Darüber freuen sich auch die Forschenden.

Von Shakespeare zum Tierforscher Alfred Brehm

Gerber studierte in London Schauspiel und wirkte in Stücken von Shakespeare mit. Darauf folgten Konzept-, Regie- und Schauspielarbeiten in Deutschland, und sie inszenierte Piccassos Frauen. Dann verliebte sie sich in den deutschen Zoologen Alfred Brehm (19. Jahrhundert). Wann immer es passt, zitiere sie ihn, denn ihr gefällt seine Sprache.

Lumbricus terrestris – Der Regenwurm – König von Edaphon

Der König von Edaphon. Copyright: Karsten Bartel.

Der König von Edaphon. Copyright: Karsten Bartel.

Der Regenwurm gehört zum Repertoire von Fräulein Brehms Tierleben. So präsentiert Barbara Geiger ihr Stück über den Regenwurm:

„Ein altes Sprichwort lautet: Der liebe Gott weiss, wie man fruchtbare Erde macht und hat das Geheimnis den Regenwürmern anvertraut. Was König Regenwurm und sein Hofstaat alles anstellen, das wissen Eingeweihte recht gut. In einer Handvoll fruchtbarer Erde stecken mehr Lebewesen, als es Menschen auf der Welt gibt. Fräulein Brehm macht den Bewohnern des Edaphons den Hof, weiss das unsichtbare Leben unter der Erdoberfläche sichtbar zu machen, wie es Homo sapiens so noch nicht kennt!“

Thema Nummer eins ist die Landwirtschaft

Fräulein Brehm alias Ina Gercke. Copyright: Karsten Bartel.

Fräulein Brehm alias Ina Gercke. Copyright: Karsten Bartel.

Gerber spielte in Indien vor 300 Bio-Bauern: „Und es war ein Sich-Erkennen und Respektieren. Die haben erkannt, dass ich ihre Sorgen wegen Monsanto ernst nehme. Es geht mir darum, deren Seelen zu pflegen und zu stärken. Im Publikum waren auch zwei konventionelle Bauern. Die sind danach zu mir gekommen. Anscheinend konnte ich ihnen den letzten Schubser geben, damit sie sich vom Monsanto-Mistzeug abwenden. Das macht mich unfassbar stolz. Nun plane ich mit Navdanya, dem Verband indischer Öko-Bauern, eine Tournee durch Indien von Dorf zu Dorf.

Die Landwirtschaft ist Thema Nummer eins bei allen Tierarten. Monokulturen, Zerschneidung der Landschaft, Überdüngung der Meere. Das ist alles miteinander verbunden. Und deswegen ist es die Landwirtschaft, die was rocken kann, die die Verhältnisse verbessert oder nicht. Und deshalb muss die Lösung die ökologische Landwirtschaft sein. Da kann der konventionelle Bauernverband noch so schimpfen. Es ist so. Punkt.“*

Fräulein Brehm erklärt den Regenwurm an einer Konferenz in Indien, Video 8:41

Fräulein Brehms Tierleben

Fräulein Brehm alias Deborah Klein. Copyright: Karsten Bartel.

Fräulein Brehm alias Deborah Klein. Copyright: Karsten Bartel.

2008 entstand die Idee, das unerschöpfliche zehnbändige Werk Alfred E. Brehms ins 21. Jahrhundert zu transportieren, mitsamt der Brehmschen Passion für Tiere egal welcher Gestalt und Form. Barbara Geiger kreierte Fräulein Brehms Tierleben und ist verantwortlich für Recherche und Umsetzung der Reihe als Autorin und Regisseurin. 2011 gründete sie zusammen mit Stephan Lux die Stiftung Fräulein Brehms Tierleben gGmbH.

Barbara Geiger: „Die wissenschaftlichen Erkenntnisse müssen hinaus in die Welt.“ Zunächst nahm sie sich die in Deutschland vorkommenden oder möglicherweise irgendwann wieder vorkommenden Beutegreifer Wolf, Luchs, Bär und Wildkatze vor. Ab 2015 wurde das Leben, Werden und Sein migrierender Tierarten erforscht: Rauchschwalbe, Nachtigall und Star. Nach den Zugvögeln und einem Intermezzo mit den Ameisen geht es weiter mit vom Aussterben bedrohten Haustierrassen.

Für 2017 sind bisher Veranstaltungen geplant in Berlin, Freiburg, Nürnberg, Miesbach, Holzkirchen, Essen, Kainsdorf/Österreich, siehe Spielplan. Manchmal gastiert Fräulein Brehm auf internationalen Kongressen. In Freiburg ist das Fräulein Brehm einmal im Monat, das ist nicht weit von der Schweiz entfernt und in St. Gallen ist sie jedes Jahr, siehe Museumsnacht Naturmuseum.

Fräulein Editha Filmine Brehm stellt sich vor

Fräulein Brehms Tierleben, Barbara Geiger und Dr. Michael Apel, Leiter Museum Mensch und Natur, München, vimeo.

Fräulein Brehms Tierleben, SWR Fernsehen, Natürlich! 26.4.16.

Weil Fräulein Brehm Erfolg hat, arbeiten bereits weitere Fräuleins für Barbara Geiger. Sie selbst hat somit mehr Zeit für Neues.

Auszeichnungen Boden und Biodiversität

Fräulein Brehm alias Daniela Zaehl. Copyright: Karsten Bartel.

Fräulein Brehm alias Daniela Zaehl. Copyright: Karsten Bartel.

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt verlieh Gerber für das Regenwurm-Theaterstück im Dezember 2015 einen Sonderpreis im bundesweiten Wettbewerb BodenWertSchätzen: „Wir brauchen intakte Böden für den Klimaschutz, die Artenvielfalt und eine gute Ernährung dringender denn je.“ Professor Günther Bachmann, Rat für nachhaltige Entwicklung (RNE). Den ausgezeichneten Projekten gelinge es, mit Kreativität und Engagement die oft unterschätzte Ressource Boden aufzuwerten und interessant zu machen.

Unter anderem hat Gerber auch einen Preis von den Vereinten Nationen erhalten für ihren Einsatz zugunsten der biologischen Vielfalt, dies im Rahmen der UN-Dekade Biodiversität 2011 bis 2020.

Links

Frollein Brehm in search for the barn swallow – Hirundo rustica, youtube

Fräulein Brehms Tierleben Canis lupus – Der Wolf in Forst, Stadtfernsehen Forst

Lumbricus terrestris – Der Regenwurm – König der Tiere, Fräulein Brehms Tierleben

* Alfred inspiriert mich, Interview mit Barbara Geiger in Schrot und Korn, 9/2016.

Brehms Tierleben online, Projekt Gutenberg-DE, Spiegel online.

Brehms Tierleben, Wikipedia

14.1.16 HOME

 

Unterschied zwischen Mastrind und Mensch?

8. Januar 2017

antibiotika_tier_menschk

Vielleicht denken Sie: „Welch blöde Frage!“ Doch wenn es um den Einsatz von Antibiotika geht, dann macht sie Sinn. Das Lebensziel von Mastrindern ist der Tod. Nach etwa 15 Monaten werden sie geschlachtet. Das Leben von Weiderindern dauert ein paar Monate länger, also sagen wir grosszügig, dass diese Tiere nach 1,5 Jahren tot sind, und das Fleisch auf „unserem“ Teller liegt.

Die Lebenserwartung eines frisch geborenen Menschen beträgt heute 83 Jahre. Das Lebensziel ist Leben in all seinen Facetten. Die Lebenszeit von Menschen ist also 55-mal länger als jene eines Mastrinds. Soll man durch den Einsatz von Antibiotika, besonders Reserve-Antibiotika, Menschenleben gefährden? Und ihre Lebensqualität und das -ziel? Oder besser schleunigst Haltungsformen ändern und mindestens die Reserve-Antibiotika in der Tiermedizin verbieten?

Nationale Antibiotika-Strategie erst am Anfang

Wenn es um so wichtige Themen wie die Reduktion des Antibiotika-Einsatzes geht, dann pressiert es dem Bundesrat nicht. Sofort handelt er aber etwa, wenn an einem gottverlassenen Ort oder in irgendeiner S-Bahn kein Handy-Empfang besteht. Der Schlussbericht des Nationalen Forschungsprogramms Nr. 49 Antibiotika-Resistenz liegt jetzt schon seit zehn Jahren vor. Eine Nationale Antibiotika-Strategie wurde erst am 18.11.15 der Öffentlichkeit vorgestellt. Beim Handeln ist man ganz am Anfang.

Die Behörden sammeln z.B. Daten, um herauszufinden wo und wofür Antibiotika in der Tiermedizin eingesetzt werden. Jeder Bauer könne dann sehen, wo er im Vergleich zum (zu hohen!) Durchschnitt stehe. Hoffnung auf Eigenverantwortung? Ein schöner Schritt wäre schon gemacht, wenn die Behörden beim Vollzug des Tierschutzgesetztes besser hinschauten, meint Heidi. Das wäre der Gesundheit zahlreicher Nutztiere förderlich.

Antibiotika-Strategie von Bauern …

Es gibt aber auch Bauern, die schon längst eine Antibiotika-Strategie in der Rindviehmast umsetzen: Abtränken der Tiere auf dem Geburtshof! Heidi kennt einen Bündner Bauern, der nur abgetränkte Tiere kauft. Diese Strategie wird auch im Projekt Schwere Ochsen des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) verfolgt. Dadurch wird der Krankheitsdruck gesenkt.

Max über Antibiotika

Max hat einen Kommentar zu Heidis Artikel Milchqualität und Rohmilchkäse haben ihren Antibiotika-Preis geschrieben. Weil er es auf den Punkt bringt – Le voilà!

Antibiotika im Tierstall – ein Risiko für den Menschen
Sendung SRF 15.11.16 https://goo.gl/I5R8ko

Der Antibiotika-Verbrauch bei Tieren nimmt seit Jahren ab. Einzige Ausnahme: Reserve-Antibiotika, die Spitäler benötigen sie, wenn alle anderen Medikamente versagen. Dadurch können für Menschen gefährliche Resistenzen entstehen. Die radikale Forderung: ein Verbot der Notfall-Präparate in der Tiermast.

« Wenn wir diese Medikamente in der Tiermast schon einsetzen, können sie bei unseren Patienten nicht mehr eingesetzt werden. »

Andreas Widmer
Spitalhygieniker Universitätsspital Basel

Tierärztin Corinne Bähler ist gegen ein Verbot von kritischen Antibiotika… « Aus Sicht der Tiere und der Veterinärmedizin möchte ich sicher nicht, dass man diese Medikamente nicht mehr für Tiere brauchen darf.»

Webpage Corinne Bähler https://goo.gl/ZtOIao

„…Mit ihrem Partner zusammen bewirtschaftet sie einen Pachtbetrieb mit 250 Munis für die Rindfleischproduktion. Das Wohlbefinden der Tiere und deren Bedürfnisse während ihres relativ kurzen Lebens stehen an erster Stelle…“

Fazit: (Kurzes) Schlachtviehleben an erster Stelle, vor Menschenleben? Ist das die menschenverachtende Horrorwelt dieses Vorstandsmitglieds der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte? Mir fehlen die Worte.

Heidi bekam einen Wutanfall als sie die Aussage von Corinne Bähler in der Kassensturz-Sendung hörte – damals als ihr ein ebenfalls Entsetzter den Link geschickt hatte! Danke, Max, dass du mich daran erinnert hast.

Heidis Artikel zum Stichwort Antibiotika

8.1.17 HOME

Milchqualität und Rohmilchkäse haben ihren Antibiotika-Preis

2. Januar 2017
Der Durchschnitt beträgt 7 mg/daily PCU, Schweiz: 15 mg/daily PCU; Understanding PCU: https://www.gov.uk/government/publications/understanding-the-mgpcu-calculation-used-for-antibiotic-monitoring-in-food-producing-animals (intramammär heisst In der Milchdrüse)

Der Durchschnitt beträgt 7 mg/daily PCU, Schweiz: 15 mg/daily PCU; Understanding PCU: https://www.gov.uk/government/publications/understanding-the-mgpcu-calculation-used-for-antibiotic-monitoring-in-food-producing-animals; (intramammär heisst In der Milchdrüse)

Excel-Datei dieser Grafik herunterladen, z.B. zum Berechnen des Durchschnitts.

Wie ein Weihnachtsgeschenk lag der Agrarbericht 2016 am 22.12.16 in Heidis Briefkasten. Das Werk umfasst gut 450 Seiten und ist aufschlussreich, auch wenn die Agrarpolitik ein Buch mit wesentlich mehr als sieben Siegeln ist. Druck- und Online-Version haben je ihre besonderen Vorteile. So kann man in der Online-Version des Agrarberichts 2016 die Excel-Dateien, welche den Grafiken zugrunde liegen, herunterladen und bei Bedarf daraus eigene Grafiken erstellen und so einzelne Aspekte ins Licht rücken oder den Durchschnitt ausrechnen.

Vielen Dank allen Beteiligten für die enorme Arbeit.
Vollständiger Agrarbericht 2016 Druck- oder Online-Version

Wo anfangen? Heidi hat zufällig die Seite 156 aufgeschlagen. Interessant!

Medikamente und antibiotikaresistente Keime gelangen über Hofdünger, Abwasser und Staub in die Gewässer, in den Boden und auch in die Luft. Was sie dort bewirken ist weitgehend unbekannt. Was man aber weiss ist, dass gemäss der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit 700’000 Menschen an den Folgen von Antibiotikaresistenz sterben (Deutschland 6’000); verursacht durch Human- und Tiermedizin.

Die Grafik zeigt, dass die Schweizer Bauern für Euterbehandlungen mehr als die doppelte Menge Antibiotika einsetzten als jene in den 26 Vergleichsländer. Nur zwei Länder, nämlich Zypern und Litauen, verwenden mehr. Hier ein Auszug aus dem Text.

Die Anforderungen an die Milchqualität und der Antibiotikaeinsatz für Euterbehandlungen sind in der Schweiz hoch

Die Eutergesundheit ist ein zentraler Aspekt in der Milchviehhaltung. In der Schweiz sind die Anforderungen an die Qualität der Milch sehr hoch, auch weil für wichtige Käsesorten Rohmilch verwendet wird. Ein Kriterium ist dabei die Zellzahl, die in der Schweiz verglichen mit dem Ausland tief ist (90 000-135 000 Zellen/ml/Monat) [14; 15]. Gleichzeitig werden in der Schweiz besonders häufig Antibiotika zur Euterbehandlung eingesetzt …

… Über die Jahre blieb die Häufigkeit dieser Behandlungen gleich.

14. TSM Treuhand GmbH., 2011 Beilage zur Jahresstatistik Milchmarkt 2010 Mehrjahresvergleich ab 2000

15. Sundrum, A., 2010: Eutergesundheitsstatus auf der Betriebsebene – Stand und Perspektiven aus systemischer Sicht. Berichte über Landwirtschaft 88, 299–32

Ausführlicher Bericht: Einsatz von Tierarzneimitteln, Agrarbericht 2016, Seite 156

Strategie gegen Antibiotikaresistenzen

Die nationale Strategie gegen Antibiotikaresistenzen (StAR) ist erst angelaufen. Das Erheben von Daten wird ausgebaut. Im Rahmen des Agrar-Umweltmonitorings (AUM) werden zwar Daten zu Tierarzneimitteln erhoben, doch statistisch gesicherte sind bisher nur zu Milchviehbetrieben vorhanden.

Pauschale Informationen über die StAR siehe Seite 73 des Agrarberichts Strategie gegen Antibiotikaresistenzen

Rohmilchkäse

Rohmilchkäse sind z.B. Emmentaler AOP, Gruyère AOP, Sbrinz AOP oder Tête de Moine AOP, Agrarbericht 2016, Seite 71

Käse aus hitzebehandelter Milch schnitt hygienisch besser ab als Rohmilchkäse, Medienmitteilung, Verband der KantonschemikerInnen der Schweiz, 8.6.15:

„Die Schweizer Lebensmittelkontrollen prüften die Hygiene von 560 verschiedenen Käsen. Untersucht wurden aus Kuh-, Schaf- und Ziegenmilch hergestellte Weich-, Halbhart- und Hartkäse. Rund 91% erfüllten die gesetzlichen Anforderungen. Käse aus Rohmilch schnitt im Vergleich zu Käsen aus hitzebehandelter Milch deutlich schlechter ab.“

2.1.16 HOME

Frisch und klar ins Jahr 2017!

31. Dezember 2016
Heidi wünscht Ihnen viel Erfolg beim Verwirklichen von Träumen und die drei Gs: Gesundheit, Glück, Gelassenheit.

Heidi wünscht Ihnen viel Erfolg beim Verwirklichen von Träumen und die drei Gs: Gesundheit, Glück, Gelassenheit.

1.1.17 HOME

Jahresschlusspunkt: Pater Agatho Elsener, Gründervater des Biolandbaus in Indonesien

27. Dezember 2016
Pater Agatho Elsener am Schreibtisch. Copyright BSB-Agatho.com.

Pater Agatho Elsener am Schreibtisch. Copyright BSB-Agatho.com.

In der ganzen Welt bekannt ist das Swiss Army Knife der Firma Victorinox, welche 1884 von der Familie Elsener als Messerschmiedwerkstatt gegründet worden war und heute in der 4. Generation geführt wird. Aber wer kennt Adolf Elsener? Geboren wurde er am 13.7.1932 in Ibach SZ.

Adolf war ein schweigsamer Mensch. Beim Eintritt in den Kapuzinerorden nahm er den Namen Agatho an. Nach der Legende trug Agatho, ein sizilianischer Mönch, drei Jahre lang einen Stein im Mund, um schweigen zu lernen; von 678 bis 681 war er Papst.

Borneo: Landwirtschaft mit wenig Hilfsmittel

Nach dem Theologiestudium und der Priesterweihe wurde Agatho 1960 als Missionar nach Borneo entsandt. In der indonesischen Provinz West Kalimantan leitete er Yayasan (Stiftung) Sehat (gesund) in Sanggau Kapuas und baute einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Beratungsdienst auf. Sein Prinzip: Möglichst wenig Hilfsmittel einsetzen, keine chemischen Dünger und Pestizide. Auch galt für ihn Alle müssen helfen, also auch die Internatsschüler; diese arbeiteten nach der Schule auf dem Landwirtschaftsbetrieb und bezahlten so einen Teil der Kost und Logis. Agathos Mitbrüder und die Obrigkeit kritisierten diese Erziehungsmethode.

Das Land, das er kaufte, war für die landwirtschaftliche Nutzung wertlos. Der Boden war sauer und sandig. Darauf wuchsen nur wenige Pflanzen wie Farne und Stauden. Agatho liess die Grenzen mit Feuerschneisen sichern, damit die Buschfeuer in der Trockenzeit nicht auf das Land der Stiftung übergriffen. Mit Gras und Viehhaltung wurde die Bodenfruchtbarkeit verbessert.

Obwohl Agatho schweigsam war, konnte er seinen Leuten sehr gut und ausführlich erklären wie man z.B. eine Terrasse an einem Hang anlegt, damit sie auch bei starkem Regen nicht weg geschwemmt wird. Die Terrassen wurden mit Kompost und Mist gedüngt, sodass dort Reis, Gemüse, Pfeffer und Ananas gediehen.

Versuche der Stiftung Yayasan Sehat in Sanggau Kapuas mit lokalen Reissorten. Diese Sorten wurden aber damals von der Regierung nicht unterstützt. Die Bauern erhielten nur für Hochertragssorten Kredite. Auf den sauren Böden wuchsen jedoch die vom Internationalen Reisforschungsinstitut (IRRI) gezüchteten Sorten nicht oder nur mit hohem Dünger- und Pestizid-Einsatz. Copyright: Astrid.

Versuche der Stiftung Yayasan Sehat in Sanggau Kapuas mit lokalen Reissorten. Diese Sorten wurden aber damals von der Regierung nicht unterstützt. Die Bauern erhielten nur für Hochertragssorten Kredite. Auf den sauren Böden wuchsen jedoch die vom Internationalen Reisforschungsinstitut (IRRI) gezüchteten Sorten nicht oder nur mit hohem Dünger- und Pestizid-Einsatz. Copyright: Astrid.

Auf nachhaltige Landwirtschaft folgt Palmöl-Boom

Nachhaltige Landwirtschaft für die Selbstversorgung und für den Markt (Kautschuk) gab es schon früher. Diese Bemühungen wurden durch Agatho und seine Leute sowie Regierungsstellen unterstützt. Mit zwei bis drei Hektaren Land könnte eine Familie gut leben. Die Verbesserungen werden heute nicht nur in Kalimantan, sondern auch in ganz Borneo und Sumatra durch den Palmöl-Boom zunichte gemacht.

Eine Stärkung der eigenständigen Bauern in einer so extremen Oligarchie wie Indonesien wäre besonders wichtig. Ein paar wenige Oligarchen beherrschen Medien und Parteien (Pathways to a people’s president, Jeffrey A. Winters, Inside Indonesia, 22.1.12).

 Projekt Agroforstwirtschaft mit italienischem Entwicklungshelfer. Copyright: Astrid.

Projekt Agroforstwirtschaft mit italienischem Entwicklungshelfer. Copyright: Astrid.

Agatho führt Biolandbau in Indonesien ein

Nach 20 Jahren in Kalamantan übernahm Agatho 1982 ein Projekt in Cisarua, Bogor, auf Java, nur zwei Stunden von der Hauptstadt Indonesiens Jakarta entfernt. Welch ein Wechsel! Fast alles wächst auf den fruchtbaren Vulkanböden, und das Klima ist kühler.

Die in Indonesien von Suharto in den 1960er Jahren eingeführte Grüne Revolution brachte zwar Selbstversorgung mit Reis, aber auch Bodenzerstörung, Gewässerverschmutzung durch Pflanzenschutzmittel und Dünger, Erosion, Gesundheitsproblemen und Abhängigkeit der Bauern von Agrochemikalien.

Pater Agatho erkannte die Probleme und suchte nach Lösungen. Er fand sie im Biolandbau, den er in Indonesien einführte. 1984 gründete er die Organisation Bina Sarana Bakti (BSB) –  The organic Way … All in Harmony. Sie bietet Schulung im Biolandbau für Organisationen und Bauern und betreibt Forschung.

Als Hobby-Botaniker machte er ausgezeichnete Pflanzenfotos und lieferte Herbar-Examplare z.B. an das National Herbarium Netherland.

Das Agatho-Label. Copyright: Ist.

Das Agatho-Label. Copyright: Ist.

Bioland Indonesien?

„Agatho“ wurde zu einem bekannten Label für biologische Landwirtschaft in Indonesien und im asiatischen Raum bis nach Australien.

Indonesien möchte weltweit ein Hauptproduzent von Bio-Produkten werden. Dieses Ziel liegt zwar noch in weiter Ferne, wird aber von der Politik unterstützt. Das Departement für Landwirtschaft lancierte 2001 das ”Go Organic 2010” Programm und richtete ein Kompetenzzentrum für Biolandbau ein.

Aus gesundheitlichen Gründen kehrte Pater Agatho 2011 in die Schweiz zurück. Am 26.8.16 starb er im Kapuzinerkloster Schwyz.

Pater Agatho betrachtet mit kritischem Blick die Gemüsepflanzung. Copyright: Ist.

Pater Agatho betrachtet mit kritischem Blick die Gemüsepflanzung. Copyright: Ist.

Diese Geschichte zeigt exemplarisch, was ein einzelner engagierter Mensch bewirken kann, wenn er Lösungen erarbeitet und präsentiert und die Mitmenschen von seinen Ideen überzeugen kann.

Die liebenswürdige Art von Pater Agatho hat zum Erfolg beigetragen. Entsprechend gewürdigt wird auch sein Leben anlässlich seines Todes. Ein Zeichen dafür, dass sein Werk weiterlebt.

In Memoriam Pater Agatho Elsener OFMCap: Yang Benar Pertanian Organis, bukan Organik (1), Romo Amandus Ambot OFMCap, Sesawi.net, 31.8.16.

In Memoriam: Pater Agatho Elsener OFMCap, Fransiskan Kapusin Provinsi Pontianak (2), Mathias Hariyadi, Sesawi.net, 31.8.16.

Indonesia Organic, Linking the People who will Change Indonesia

Lessons learned from Organic Farming in West Java and North Sumatra, Siti JAHROH, Department of Agribusiness (Dept of Agb), Faculty of Economics and Management (FEM), Bogor Agricultural University (BAU), Indonesia, ISDA 2010, Montpellier, June 28-30, 2010.

Yayasan Bina Sarana Bakti, Film über die Arbeit von BSB: Unterricht, Mischkulturen usw., auf Indonesisch, aber die Bilder sprechen für sich, youtube

The Easy Sell of Organics – Jakarta Globe, Indonesia Organic, 7.7.10

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Hans Rudolf Herren: Genügend und gesunde Nahrung für alle

21. Dezember 2016
Biovision hat ein vielfältiges Bauern-Informationsprogramm entwickelt, mit dem die LandwirtInnen mit lokal relevantem Wissen versorgt werden. Sie erhalten konkrete und praxisnahe Anleitungen zur Verbesserung der Erträge mit nachhaltigen Methoden. Im Bild The Organic Farmer Radio-Reporter John Cheburet, Kenia. Copyright: Peter Lüthi, Biovision

Biovision hat ein vielfältiges Bauern-Informationsprogramm entwickelt, mit dem die LandwirtInnen mit lokal relevantem Wissen versorgt werden. Sie erhalten konkrete und praxisnahe Anleitungen zur Verbesserung der Erträge mit nachhaltigen Methoden. Im Bild The Organic Farmer Radio-Reporter John Cheburet, Kenia. Copyright: Peter Lüthi, Biovision

Heidi: Wenn Sie jetzt keine Zeit haben, diesen langen Artikel zu lesen, dann beachten Sie bitte mindestens den letzten Absatz „Heidis Geschenk“. Vielen Dank!

Hans Rudolf Herren: „In einer Zeit, die geprägt ist von aggressivem Nationalismus, Profitgier, Intoleranz, wirtschaftlicher Unsicherheit und der Schwächung internationaler Institutionen mag eine Vision, deren Realisierung Weitsicht, weltweite Kooperation und die Bereitschaft zur Suffizienz erfordert, utopisch erscheinen. Doch wenn man an eine Sache glaubt, kann man Berge versetzen.“

Vision – Biovision

Die Vision: Eine Welt mit genügend und gesunder Nahrung für alle, produziert von gesunden Menschen in einer gesunden Umwelt.

Die Akteure: „… dafür braucht es uns alle. Helfen Sie mit! Danke.“

Die Institution: Mit dem Preisgeld des Welternährungspreises, den Herren 1995 als erster Schweizer erhielt, gründete er die Stiftung Biovision. Sie ist weltweit aktiv. Als einzige Schweizer Nichtregierungsorganisation (NGO) hat Biovision beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC) einen generellen konsultativen Status.

In der Schweiz leistet Biovision z.B. mit der Wander-Ausstellung CLEVER seit Jahren Aufklärungsarbeit für nachhaltigen Konsum.

Vom Bauernsohn zum international gefragten Agrarexperten

Hans Rudolf Herren, Co-Präsident Weltlandwirtschaftsrat. Copyright: Peter Lüthi, Biovision.

Hans Rudolf Herren, Co-Präsident Weltlandwirtschaftsrat. Copyright: Peter Lüthi, Biovision.

Hans Rudolf Herren ist ein Bauernsohn. Sein Vater verwaltete die Domaine des Barges der Tabakdynastie Burger Söhne im Unterwallis. Mit hochgiftigen Insektizide und Fungiziden ist er aufgewachsen. Nachdem er die Walliser Landwirtschaftsschule Châteauneuf besucht und an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich (ETHZ) Agraringenieur studiert hatte, schlug er mit seiner Dissertation beim Pionier der biologischen Schädlingsbekämpfung, Prof. Vittorio Delucchi, einen anderen Weg ein: Einsatz von natürlichen Feinden gegen schädliche Insekten statt Insektizide.

Herren und sein Team verhinderten eine grosse Hungersnot, indem sie mit ihrer Forschung zeigten, wie die in ganz Afrika grassierende Maniok-Schmierlaus mit Wespen und Marienkäfern erfolgreich bekämpft werden kann, ohne Chemie und für den Bauern kostenlos. Das war der Anfang einer Erfolgsgeschichte.

Von 1979 an wirkte Herren u.a. am Institute for Insect Physiology and Ecology (ICIPE) in Nairobi, dem er bis 2005 als Direktor vorstand. Seit 2005 ist er Präsident und CEO des Millennium Institutes in Arlington, Virginia (USA), das Politiker in über 40 Nationen bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen berät.

Mehr über seine Arbeit und die Preise, die er erhalten hat, auf Wikipedia.

Das Ernährungssystem der Erde ändern!

Die Erfahrung und das erworbene Wissen brachten Herren zur Einsicht, dass die Landwirtschaft, ja, das ganze Ernährungssystem der Erde grundlegend gewandelt werden muss. Sein hochgestecktes Ziel lautet:

Eine Welt ohne Hunger und Elend, in der alle Menschen gleiche Rechte geniessen, in Frieden miteinander und im Einklang mit der Natur leben. Die Grenzen, die unser Planet setzt, werden respektiert, Gewalt und Krieg geächtet. Die Bedürfnisse der kommenden Generationen stehen zuoberst auf der politischen Agenda, die natürlichen Lebensgrundlagen werden für sie regeneriert und bewahrt. Die Energieversorgung basiert zu 100% auf erneuerbaren Energieträgern.

So ernähren wir die Welt

In seinem Buch So ernähren wir die Welt beschreibt und analysiert Herren die Probleme, nennt Zahlen und zeigt Lösungen auf. Er versteht es, einfach und verständlich zu schreiben. Seine Vorschläge sind klar.

1. Hunger im Überfluss

Der Titel des ersten Kapitels deutet Probleme an: „Insgesamt isst heute etwa jeder zweite Mensch zu wenig, zu viel oder das Falsche … Ein Nahrungssystem, das einerseits zu viel und andererseits zu wenig gesunde und zugängliche Nahrung auf den Tisch bringt, kann kein Modell für die Zukunft sein…“ Ein paar Stichwörter: Verschwendung, zu viel Fleisch, zu arm für eine ausreichende Ernährung und das scheinbare Paradox: Nahrung ist zu billig.

2. Bedrohte Ressourcen

Unter den folgenden Untertiteln geht Herren auf die bedrohten Ressourcen ein und nennt Zahlen: Agrarland degradiert, Land Grabbing, Wassermangel, schwindende Biodiversität, Pestizide in der Umwelt und
Treibhausgase aus der Landwirtschaft.

Zum Beispiel 20% der Ackerflächen der Welt werden heute bewässert und 70% des globalen Süsswasserverbrauchs gehen auf das Konto der Landwirtschaft. Wasser wird zunehmend eine knappe Ressource der Nahrungsmittelproduktion.

3. Risiken des Klimawandels

Den Klimawandel und seine Folgen spricht Herren kurz an und schildert dann die fatalen Auswirkungen für Afrika. Ein kürzlich veröffentlichter Bericht der auf Risikoanalysen spezialisierten britischen Firma Maplecroft zeigt, dass Afrika die grösste Last trägt, obschon dieser Kontinent kaum an den Ursachen des Klimawandels beteiligt ist. Für 32 Länder wird ein extrem hohes Risiko für massive Schäden infolge des Klimawandels genannt. So gut wie alle befinden sich in Afrika und Südasien, siehe Climate Change and Environmental Risk Atlas 2015.

4. Die Vision

Diversität statt Uniformität ist Herrens Ansatz für eine ökologische Landwirtschaft. Darunter versteht er nicht nur die Arten- und Sortenvielfalt auf Betriebsebene, sondern auch die Diversität der Anbausysteme. Agrarökologie umfasst eine Vielfalt von landwirtschaftlichen Methoden, die an die jeweiligen lokalen Bedingungen angepasst sind und lokal weiterentwickelt werden. Gemeinsam ist diesen Systemen der Grundsatz der ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Nachhaltigkeit. Herren beschreibt Punkt für Punkt welche Landwirtschaft ihm vorschwebt.

5. Wie erreichen wir unser Ziel?

Es brauche einen fundamentalen Kurswechsel in der Landwirtschaftspolitik und eine Neuorientierung der Agrarforschung zur Verwirklichung seiner Vision. Die Gelder, welche wir für die Transformation des Ernährungssystems einsetzten, verhinderten aber viel höhere Kosten für die kommenden Generationen: Es sind Investitionen in die Zukunft.

Der Kurswechsel bedinge eine grundlegende Neuausrichtung der Agrarforschung und -technik. Herren formuliert für die Forschung wichtige neue Fragen. „Dazu benötigen wir rund um den Erdball Tausende von Institutionen wie das Schweizer Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL). Es gibt nicht die moderne Landwirtschaft auf der Welt, sondern viele verschiedene.“

Herren schlägt auch einen besseren Informationsaustausch vor: „Wissen ist die einzige Ressource, die wächst, wenn man sie mit anderen teilt. Und sie muss wachsen … “ Der Wissenstransfer dürfe keine Einbahnstrasse sein: „Es gilt zu gewährleisten, dass das traditionelle und lokale Wissen, das ebenfalls für Innovationen genutzt werden kann, in die Agrarforschung einfliesst. Neue Partnerschaften zwischen Bauern, Forschern und Agrartechnikern können dies zum Vorteil aller gewährleisten.“

Im Folgenden sind die von Herren besprochenen Themen aufgeführt; die Titel allein schon deuten die Richtung an:

Auf Kleinbetriebe setzen
Faire Produzentenpreise
Ländliche Infrastruktur ausbauen
Position der Bäuerinnen stärken
Ökologischer Landbau
Landwirtschaftsböden schützen und regenerieren
Auf Pestizide verzichten
Wasser sparen
Biodiversität fördern
Landwirtschaftlicher Klimaschutz
Multifunktionalität
Verschwendung bekämpfen
Fairer Welthandel
Ernährungssouveränität
Neuausrichtung von Forschung und Technik
Wissen generieren und tauschen
Gentechnik bringt es nicht
Green Economy Report.

6. Neuer Lebensstil

Ein global nachhaltiges, Ressourcen schonendes und gesunde Nahrung anbietendes Ernährungssystem sei nicht nur die Aufgabe der BäuerInnen. Politik und Wirtschaft, besonders aber die KonsumentInnen seien gefordert, ihren Lebensstil zu ändern. Sie müssten etwa den Appetit auf Fleisch zügeln. Die chinesische Führung z.B. hat sich zum Ziel gesetzt, den Fleischkonsum im Land zu halbieren, d.h. auf 27 kg pro Jahr zu senken (Schweiz 51 kg).

Alles andere als nachhaltig sei auch unser Mobilitätsverhalten, welches sich unmittelbar auf die Welternährung auswirke, wenn auf Ackerböden Pflanzen für den Tank angebaut werden. Und wir sollten am Boden bleiben: „Jet-Set ist von gestern, wer seiner Zeit voraus sein will, bleibt am Boden …“

7. Weltagrarbericht und die Folgen

Die Weltbank und die Vereinten Nationen initiierten den Weltagrarbericht 2008, welcher den Titel Landwirtschaft am Scheideweg trägt. 400 Wissenschaftler aus der ganzen Welt arbeiteten über vier Jahren lang daran, Herren war Ko-Vorsitzender des Berichts. Darin wurde klar ein neues Paradigma gefordert: Wir können die Welt nur nachhaltig ernähren, wenn wir uns auf agrarökologische Methoden besinnen und mit der Natur und nicht gegen sie arbeiten. 58 Nationen unterzeichneten den Bericht, darunter auch die Schweiz, aber die Umsetzung der Vorschläge hat noch nirgends stattgefunden. (Kapitel 2. Bedrohte Ressourcen).

Nicht alle waren ob dem Bericht und dessen Botschaften erbaut, denn eine ökologische Landwirtschaft ist kein guter Kunde für Agrarkonzerne, die ihr Geld mit dem Verkauf von Saatgut für Hochertragssorten, Dünger und Pestiziden verdienen. Doch in vielen Ländern wird der Weltagrarbericht sehr ernst genommen. So lancierte etwa die Afrikanische Union eine Initiative zur Einführung der biologischen Landwirtschaft; sie wird bisher in acht Ländern umgesetzt.

Die UN-Welthandels- und Entwicklungskonferenz (UNCTAD) hat den Weltagrarbericht von Anfang an unterstützt. Wirkung entfaltet hat der Bericht auch bei der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und der UNO-Generalversammlung im September 2015 sowie der Weltbank und dem Internationalen Institut für Ernährungspolitik (IFPRI).

Herrens Vision in der Praxis

Im zweiten Teil des Buches bespricht Herren verschiedene Projekte. Dieser Teil ist reich an Schwarzweiss-Fotos. Die Titel weisen auf den Erfolg der angewandten Methoden hin und regen zum Lesen an, z.B. Die Mango weint nicht mehr, Der heilige Berg grünt wieder, Ziel: 100% Bio (Bhutan) …

Weiter wie bisher ist keine Option.

Dieser Satz steht irgendwo im Buch. In Anbetracht der heutigen Beeinträchtigung der Lebensgrundlagen durch die Landbewirtschaftung ist eine Agrarwende zwingend. Das Buch gibt viele Anregungen und zeigt Lösungen auf für eine Landwirtschaft, welche nicht nur als „nachhaltig“ bezeichnet wird, sondern es auch wirklich ist.

So ernähren wir die Welt, Hans Rudolf Herren, Verlag rüffer & rub, Reihe „rüffer & rub visionär“

Vom Funken zum Feuer

Anne Rüffer, Verlegerin: „Den Funken einer Idee, einer Hoffnung, einer Vision weiterzutragen und damit ein Feuer des persönlichen Engagements zu entzünden, das ist die Absicht, die wir mit unserer neuen Reihe – wir nennen sie »rüffer & rub visionär« – verfolgen.“
Verlag rüffer & rub

Heidis Geschenk

Möchten Sie, liebe Leserin, lieber Leser, das ganze Buch lesen? Dann schreiben Sie Heidi an nachfolgende Adresse. Sie wird Ihnen ein Exemplar gratis zustellen; mit Obergrenze bei sehr sehr vielen Anfragen, dann würde das Los entscheiden. E-Mail: heidismist at bluewin.ch

Zu viel oder zu wenig Wasser: Damit haben die Kleinbauern in Subsahara-Afrika je länger, je mehr zu kämpfen. Regenmangel und Trockenzeiten können mit Wassertanks besser überstanden werden. Copyright: Peter Lüthi, Biovision.

Zu viel oder zu wenig Wasser: Damit haben die Kleinbauern in Subsahara-Afrika je länger, je mehr zu kämpfen. Regenmangel und Trockenzeiten können mit Wassertanks besser überstanden werden. Copyright: Peter Lüthi, Biovision.

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Pufferstreifen: Schlafen die Behörden allesamt?

19. Dezember 2016
Kontrolle von Pufferstreifen durch Pro Natura und WWF im Kanton Neuenburg: Der vom Gesetze geforderte 3 m breite Pufferstreifen für Dünger zum Schutze des Gewässers fehlt. Copyright Pro Natura/WWF NE.

Kontrolle von Pufferstreifen durch Pro Natura und WWF im Kanton Neuenburg: Der vom Gesetze geforderte 3 m breite Pufferstreifen für Dünger zum Schutze des Gewässers fehlt. Copyright Pro Natura/WWF NE.

Seit Jahren dokumentieren Pro Natura, WWF, Private und Heidis Mist … zu kleine oder gar fehlende Pufferstreifen an Gewässern, Hecken, Waldrändern, Naturschutzgebieten usw. Auch landwirtschaftliche Kontrolleure beklagen sich über diesen Missstand. Doch was geschieht? Nichts, nichts, nichts, nichts, einfach nichts! Weder bei den Kantonen, die dafür verantwortlich sind, noch bei den Gemeinden, denen solche Aufgaben gerne delegiert werden, noch beim Bund, welcher die Oberaufsicht hat.

Das neueste Beispiel stammt aus dem Kanton Neuenburg. Pro Natura und WWF haben zwischen März und Mai 1047 Pufferstreifen kontrolliert. 41% oder 47,5 km entsprachen nicht den Vorgaben der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (ChemRRV). Die Einhaltung der Pufferstreifen ist gemäss Direktzahlungsverordnung (DZV) Voraussetzung für den Bezug von Direktzahlungen. Mit anderen Worten: Die systematischen Widerhandlungen gegen Gesetze sind auch als Betrug zu bezeichnen. Betrogen werden jene, welche die Direktzahlungen berappen: wir Steuerzahlende. Uns gaukelt man Ökologie vor.

Es ist Aufgabe der Behörden, Gesetzte durchzusetzen!

Ausführliche Informationen:
Contrôle des bordures tampons/Canton de Neuchâtel, Pro Natura/WWF NE

Heidis Artikel über Pufferstreifen

 

Gülle bis an den Waldrand! Copyright Pro Natura/WWF NE

Gülle bis an den Waldrand! Copyright Pro Natura/WWF NE

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