Gewässerschutzprojekte: Sind sie nachhaltig? (1)

20. Juni 2015
Grundwasserschutz Birrfeld: Acker oder Wiese ist hier die Frage.

Grundwasserschutz Birrfeld: Acker oder Wiese ist hier die Frage.

Das Nitrat-Projekt Birrfeld AG macht zur Zeit Schlagzeilen, siehe Im Birrfeld braucht man bald neue Wasserquellen, SRF 10.6.15. Je nach BerichterstatterIn ist die regionale Wasserversorgung REWA schuld an der Misere, denn sie bezahle nicht mehr, oder der Kanton. Bezahlen wofür? Damit die Bauern die Flächen im Zuströmbereich der Trinkwasserfassung weniger intensiv bewirtschaften. Ziel der Massnahmen (Winterbegrünung, mehr Wiese statt Acker …) ist ein tieferer Nitratgehalt im Grundwasser als vor Projektbeginn damit das Grundwasser als Trinkwasser nutzbar ist. Im Birrfeld sind 801 Hektaren betroffen.

Verschwiegen wird, dass die REWA die Trinkwasserfassung sowieso aufgeben muss, und zwar nicht (nur) wegen des intensiven Acker- und Gemüsebaus, sondern wegen der Zivilisation: Die zur sicheren Trinkwasserversorgung nötige bakterielle Schutzzone kommt mit dem Dorfgebiet in Konflikt.

Weiter wird gerne verschwiegen, dass es sich dabei um ein so genanntes “Gewässerschutzprojekt” gemäss Art. 62a des Gewässerschutzgesetzes (GSchG) handelt. Seit 2002 zahlen wir Jahr für Jahr etwa 300’000 Franken “Ökologische Direktzahlungen” für die Massnahmen zur Senkung des Nitratgehalts im Trinkwasser der betroffenen Gemeinden, siehe Agrarbericht 2014, Seite 182, Projektdauer 2002-2014. Die projektierten Gesamtkosten bis 2013 belaufen sich auf 4,2 Millionen Franken, siehe Agrarbericht 2012, Seite 181. Der Kanton Aargau will das Projekt im Rahmen von Sparmassnahmen nicht mehr weiterführen. Der Bund übernahm 75% der Kosten, Kanton und Gemeinden je die Hälfte des Rests. Zu den direkten Projektkosten kommen Verwaltungskosten beim Bund und beim Kanton hinzu.

Ende einer Erfolgsgeschichte

Betroffen von den Sparmassnahmen sind auch die Aargauer Nitratprojekte Baldingen (2004-2015, total 592’200 Franken projektierte Gesamtkosten/pGk), Wohlenschwil (2001-2013, total 703’396 Franken pGk) und Klingnau (2007-2013, 486’600 Franken pGk), siehe Agrarbericht 2012, Seite 181.

In Wohlenschwil lag der Nitratgehalt vor Projektbeginn bei 53 mg/l Nitrat. Dank der Einschränkungs-Massnahmen (auf freiwilliger Basis), für welche die Bauern bezahlt wurden, sank er innerhalb von ein paar Jahren auf 25 mg/l Nitrat, siehe Nitrat: Die Erfolgsgeschichte von Wohlenschwil, BAFU 24.6.3. Der rasche Erfolg zeigt, dass beim Einstellen der Massnahmen das Grundwasser entsprechend rasch wieder verschmutzt sein wird, nicht nur mit Nitrat, vermutlich auch mit Pestiziden.

Ein gut informierter Aargauer Fachmann erklärte Heidi, dass mit dem Ende des Geldsegens aus Bern der Nitratgehalt im Grundwasser in den vier Aargauer Nitratprojekt-Gebieten rasch wieder ansteigen werde. Es handle sich um gutes Ackerland, welches die Bauern entsprechend nutzen möchten, d.h. ohne Abgeltung bewirtschaften die Bauern die Flächen wie vor Beginn der Projekte. Die Gemeinden seien nicht in der Lage, die Kosten zum Schutz des Grundwassers allein zu tragen.

Wunsch und Wirklichkeit

“… Es ist nicht die Absicht des Bundes, die getroffenen Massnahmen nach Ablauf der Vertragsdauer als entschädigungslose Anforderung an die Bewirtschaftung der Flächen im Projektgebiet (PG) zu deklarieren. Es ist jedoch im Interesse des Bundes und der Kantone, eine dauerhafte Lösung für die Sanierung der Trinkwasserfassungen zu suchen, die auch ohne Abgeltungen weitergeführt wird, wie z.B. mit Meliorationen oder dauerhaften Betriebsumstellungen …”, siehe Projekte nach Artikel 62a GSchG, Nitratprojekte, 4.2 Dauer der Sanierungsprojekte, Bundesamt für Landwirtschaft, Bundesamt für Umwelt, Bundesamt für Gesundheit, 11.12.13

Was haben die Aargauer Nitrat-Projekte gebracht? Weniger Nitrat im Trinkwasser während (über den Daumen gepeilt) einem Jahrzehnt.

Effizienz

“Die Effizienz einer Massnahme ergibt sich aus dem Vergleich der eingesetzten Mittel mit der damit erzielten Wirkung. Hinter der Forderung nach Effizienz steht die grundsätzliche Überlegung, dass die knappen öffentlichen Mittel haushälterisch einzusetzen sind. Dieser Grundsatz trifft im vorliegenden Fall der Projekte nach Art. 62a GSchG jedoch nur eingeschränkt zu, weil die Mittel nicht wirklich knapp sind, sondern als Teil der ökologisch begründeten Direktzahlungen quasi unbeschränkt verfügbar sind, wenn Kantone geeignete Projekte einreichen.”, siehe Evaluation von Projekten nach Art. 62a Gewässerschutzgesetz zuhanden der AG Nitrat, Dezember 2010.

Das Grundwasser hat ein grosses Problem

Niemand sieht die einzelnen Verschmutzer, und ein nationales Konzept zur Lösung des Nitrat-Problems gibt es nicht. Im Ackerbaugebiet liegt die Nitrat-Konzentration an 50% der Messstellen bei mehr als 25 mg/l, dem Anforderungswert gemäss Gewässerschutzverordnung GSchV, Kernindikator Nitrat im Grundwasser, BAFU. Es besteht dringender Handlungsbedarf, meint Heidi!

20.6.15 HOME

 

Gewässerverschmutzung: Vom Wert der Strafe

15. Juni 2015
Etwas verloren in der neuen Umgebung hüpft die junge Kohlmeise auf dem Kiesweg umher. Heidi wird dafür sorgen, dass sie sauberes Wasser trinken kann.

Etwas verloren in der neuen Umgebung hüpft die junge Kohlmeise auf dem Kiesweg umher. Heidi wird dafür sorgen, dass sie sauberes Wasser trinken kann.

Heidi hat einen Brief von Herrn Sesemann aus Frankfurt erhalten; auf sein Urteil legt sie grossen Wert: “Ja, manchmal braucht es einen langen Atem – wir wissen das beide nur allzu gut/schlecht. Wenn du zwischendurch “wahrscheinlich”, “vermutlich” usw. schreibst, statt die nackte Wahrheit, dann finde ich dies richtig und vernünftig. Gerne drohen Delinquenten mit einer Ehrverletzungsklage. Selbst wenn eine solche keine Aussicht auf Erfolg hat, lästig ist sie allemal.”

Auch in Deutschland wurde früher Abwasser häufig illegal über die Regenkanalisation in Bäche geleitet, erzählt Herr Sesemann: “Erst als ein Staatsanwalt einen Bürgermeister als “Eigentümer” der Regenkanalisation vor Gericht brachte, begann der Gewässerschutz; erst jetzt verfolgte man Gewässerverschmutzer, speziell jene, die Abwässer über die Regenkanalisation einleiteten. Schlagartig setzte das Bereinigen dieser so genannten “Goldenen Kanäle” ein. – Zum Glück ist das lange her. Dass Du weiter hinter dem Milchzimmerabwasser herlaufen musst, ist schon krass. Möge das mal das richtige Ende finden.” Das hofft Heidi auch.

Im Weiteren berichtet Herr Sesemann von seinen Geschäftsreisen, richtet einen Gruss von Klara aus, erzählt von Sebastian, der voller Begeisterung Heidi vorschlägt, einen Gewässerschutz-Krimi zu schreiben … und das Erstaunlichste: Fräulein Rottenmeier würde als Krimi-Lektorin gerne Heidis Deutsch verbessern. Eigentlich bleibt nur noch das Problem ZEIT zu lösen.

15.6.15 HOME

Der Boden – nur ein Hauch Erdgeschichte

27. Mai 2015
Tausende von Jahren vergehen bis aus Stein Boden wird ... eine dünne Schicht Erde nur, die uns ernährt ...

Tausende von Jahren vergehen bis aus Stein Boden wird … eine dünne Schicht Erde nur, die uns ernährt …

... wenn ein starker Wind über ein nacktes Feld hinweg bläst, trägt er oft Erde mit - wohin? Pflanzen und Mykorrhiza-Pilze schützen. Copyright V. Graf, SLF, Plants and mycorrhizal fungi in wind erosion control<br />  http://www.slf.ch/ueber/organisation/oekologie/gebirgsoekosysteme/projekte/Schutzwirkung_Pflanzen/index_EN ...

… wenn ein starker Wind über ein nacktes Feld hinweg bläst, trägt er oft Erde mit – wohin? Pflanzen und Mykorrhiza-Pilze schützen. Copyright V. Graf, SLF, Plants and mycorrhizal fungi in wind erosion control
http://www.slf.ch/ueber/organisation/oekologie/gebirgsoekosysteme/projekte/Schutzwirkung_Pflanzen/index_EN

... Wenn ein Gewitterregen auf den Boden nieder prasselt, schwemmt das Wasser kostbare Erde, Dünger und Pflanzenschutzmittel vom Feld; so geht laufend Boden verloren, und oft werden Gewässer verschmutzt. Copyright Volker Prashun, Agroscope, https://picasaweb.google.com/106794471444272716353/32ErosionFolgenOffsiteGewasser#5308305906817119650 ...

… Wenn ein Gewitterregen auf den Boden nieder prasselt, schwemmt das Wasser kostbare Erde, Dünger und Pflanzenschutzmittel vom Feld; so geht laufend Boden verloren, und oft werden Gewässer verschmutzt. Copyright Volker Prashun, Agroscope, https://picasaweb.google.com/106794471444272716353/32ErosionFolgenOffsiteGewasser#5308305906817119650

... Schwere Maschinen verdichten den Boden. Die Lebewesen im Boden leiden an Sauerstoffmangel oder sterben. Hingegen bilden Bakterien mehr Lachgas, was die Klimaerwärmung fördert. Gehemmt ist die Grundwasserbildung, entsprechend mehr Niederschlagswasser fliesst oberflächlich ab und kann Gewässer verschmutzen ...

… Schwere Maschinen verdichten den Boden. Die Lebewesen im Boden leiden an Sauerstoffmangel oder sterben. Hingegen bilden Bakterien mehr Lachgas, was die Klimaerwärmung fördert. Gehemmt ist die Grundwasserbildung, entsprechend mehr Niederschlagswasser fliesst oberflächlich ab und kann Gewässer verschmutzen …

... Viel fruchtbarer Boden wird überflutet zum Stillen des unersättlichen Hungers nach Energie: 7 Dämme stauen das Wasser des Mekongs für die Produktion von Strom, 31 weitere sind geplant. Die Fischerei im Mekong ist gleichermassen gefährdet wie der Reisanbau im fruchtbaren Mekong-Delta; 60 Millionen Menschen sind davon abhängig. Photo David Guttenfelder, National Geographic, Harnessing the Mekong, May 2015 http://ngm.nationalgeographic.com/2015/05/mekong-dams/nijhuis-text ...

… Viel fruchtbarer Boden wird überflutet zum Stillen des unersättlichen Hungers nach Energie: 7 Dämme stauen das Wasser des Mekongs für die Produktion von Strom, 31 weitere sind geplant. Die Fischerei im Mekong ist gleichermassen gefährdet wie der Reisanbau im fruchtbaren Mekong-Delta; 60 Millionen Menschen sind davon abhängig. Photo David Guttenfelder, National Geographic, Harnessing the Mekong, May 2015 http://ngm.nationalgeographic.com/2015/05/mekong-dams/nijhuis-text

... Häuser verdrängen Felder, Abfall gelangt in den Boden. Copyright Martin X. ...

… Häuser verdrängen Felder, Abfall gelangt in den Boden. Copyright Martin X. …

... Bauern spritzen Pflanzenschutzmittel auf den Boden; diese sickern in den Boden. Was Pestizide im Boden bewirken, das ist ein grosses Rätsel. Erst ein kleiner Teil der Bodenbewohner ist bekannt, noch weniger kennt man die Wirkung auf sie ...

… Bauern spritzen Pflanzenschutzmittel auf den Boden; diese sickern in den Boden. Was Pestizide im Boden bewirken, das ist ein grosses Rätsel. Erst ein kleiner Teil der Bodenbewohner ist bekannt, noch weniger kennt man die Wirkung auf sie …

Meist trennen uns nur wenige Dezimeter Erde vom Hunger. Es ist höchste Zeit, dass wir mehr für den Schutz des Bodens tun. Bodenzerstörung “passiert” nicht nur in fernen Ländern (von denen wir Nahrungsmittel importieren), sondern vor unserer Haustür.

Der Nationalrat und die Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Ständerats (Kommissionsbericht vom 30.3.15) haben bereits einem Nationalen Kompetenzzentrum Boden zugestimmt. Heidi hofft, dass der Ständerat nächste Woche, d.h. am 4.6.15, ebenfalls JA sagt zur Motion von Nationalrat Müller-Altermatt. Der Geissenpeter wird dem Almöhi noch helfen, Briefe an Mitglieder des Ständerats zu schicken, das hat er wenigstens Heidi versprochen.

Möchten Sie einen Blick in den Boden werfen? Theoretisch ist dies mit nachfolgendem Link möglich, doch es ist noch viel Forschungsarbeit nötig, damit wir besser verstehen, was in den sehr unterschiedlichen Böden der Schweiz so alles läuft und wie wir sie schützen können. Kommen Sie mit Heidi zum Lift, der Sie hinunter in die Welt der Bodenlebewesen befördert!
Bodenreise, Produktion Lernetz für das Bundesamt für Umwelt, Boden

Boden: Gut gibt’s den König von Thailand

Nachtrag: Der Ständerat hat am 4.6.15 JA gesagt zum Nationalen Kompetenzzentrum Boden, 19 JA, 15 NEIN, 5 Enthaltungen, siehe Wortprotokoll im Amtlichen Bulletin.

27.5.15 HOME

Pestizide: Verlorene Zeit, verlorenes Geld

25. Mai 2015
Vor dem Hauptsitz von Monsanto (für die Region Europa, Afrika und den Mittleren Osten) in Morges VD demonstrierten am Samstag 1600 Personen.  Weitere Demonstrationen fanden in Basel und Bern statt. Copyright PANSWISS. http://panswiss.org/

Vor dem Hauptsitz von Monsanto (für die Region Europa, Afrika und den Mittleren Osten) in Morges VD demonstrierten am Samstag 1600 Personen. Weitere Demonstrationen fanden in Basel und Bern statt. Copyright PANSWISS. http://panswiss.org/

Die Geschichte wiederholt sich: Ein neues Gift gegen Unkraut oder Schädlinge, Hurra! Die Daten sind super, kaum Nebenwirkungen bei korrekter Anwendung, baut sich schnell ab, klammert sich im Boden an Tonmineralien, wird nicht ausgewaschen … Nach Jahren oder Jahrzehnten kommen Zweifel auf. Es wird geforscht: Ach, es schädigt die Krebslein im Bach! Nicht so schlimm, das sieht niemand, und es braucht “richtige” Beweise … Ein einmal bewilligtes Pflanzenschutzmittel ist nicht so leicht wieder aus der Welt zu schaffen. Der Erfinder und Produzent droht mit Klage, die Bauern jammern …

30 Polizisten schützten das Monsanto-Areal. Copyright PANSWISS.

30 Polizisten schützten das Monsanto-Areal. Copyright PANSWISS.

Ämter und Regierungen warten ab oder ziehen gar falsche Schlüsse aus Studien, wie das Beispiel der Schädigung von Bienen durch Neonicotinoide in Grossbritannien zeigt. Die Forscherin Helen Thompson der Food and Environment Research Agency (Fera) sah (fälschlicherweise oder eher absichtlich?) keine klare Beziehung zwischen Pestizidrückständen und Gesundheit der Bienen; sie hat inzwischen von der Fera zu Syngenta gewechselt! UK drew wrong conclusion from its neonicotinoids study, scientist says, The Guardian, 26.3.15.

Mit Musik gegen Gift. Copyright PANSWISS.

Mit Musik gegen Gift. Copyright PANSWISS.

Der Wunsch der Bevölkerung nach Pestizide-freien Produkten und sauberem Wasser wächst, siehe z.B. Petition Gesundes sauberes Wasser für alle. Angesichts der aktuellen Lage und des drohenden Verbots von Glyphosat hat die chemische Industrie ihre Werbung ausgebaut und eine Informationsplattform aufgeschalten: Pflanzenschützer.ch geht online! 29.4.15. Sie wird von scienceindustries betrieben, dem Wirtschaftsverband Chemie Pharma Biotech. Der neueste Artikel: Glyphosat: keine Belege für schädliche Gesundheitsauswirkungen in der Praxis, 19.5.15.

Coop hat Glyphosat bereits aus dem Sortiment genommen, Migros wird in den nächsten Tagen dasselbe tun, siehe Glyphosat: Die Branche reagiert schneller als der Bund, SRF vom 19.5.15. Die Landi verkauft zwar weiterhin Produkte mit Glyphosat, wird sie aber langfristig ebenfalls aus dem Sortiment nehmen. Einmal mehr zeigt sich, dass Zeitzeichen von Nicht-Regierungsstellen gesetzt werden.

Gut bewachte Demonstrantinnen. Copyright PANSWISS.

Gut bewachte Demonstrantinnen. Copyright PANSWISS.

Wie würde unsere Landwirtschaft heute aussehen, wenn konsequent für eine gewässer-, boden- luft-, fauna- und menschenschonende Produktion geforscht worden wäre? Und zwar in der Industrie gleichermassen wie in den von uns Steuerzahlenden finanzierten Institutionen? Viel umweltfreundlicher, meint Heidi, und wir hätten Zeit und Geld gespart. Eigentlich ist die heute weit verbreitete Produktionsweise mit Pestiziden unverständlich, denn die schädlichen Auswirkungen waren schon vor vielen Jahrzehnten bekannt, die mögliche Resistenzbildung gar schon im 19. Jahrhundert (in den USA 1908, siehe San Jose scale > Management, Washington State University).

Organisationen und Private fordern eine Reduktion des Pestizid-Einsatzes, doch der Widerstand ist gross. Was tun? Hartnäckig eine Pestizid-Wende fordern! Nicht nur einen vagen Reduktionsplan.

No comment! Copyright PANSWISS

No comment! Copyright PANSWISS

25.5.15 HOME

Der vielfältige Garten der Michelle Obama

22. Mai 2015
Michelle Obamas Gartenplan Frühling 2011  aus dem Buch  American Grown. Copyright M. Obama/Penguin Random House LLC.

Michelle Obamas Gartenplan Frühling 2011 aus dem Buch American Grown. Copyright M. Obama/Penguin Random House LLC.

Am 15.4.15 eröffnete Michelle Obama die siebte Saison ihres Küchengartens beim Weissen Haus; sie pflanzte mit Schulkindern Gemüsesetzlinge. Gardenista präsentierte zehn ihrer Gartenideen: 10 Garden Ideas to Steal from Michelle Obama.

Die First Lady setzt ein eindrückliches Zeichen für gesunde Ernährung. In ihrem Garten ist auch Platz für Blumen und Blütenpflanzen, welche Bienen, Vögel, Schmetterlinge … anziehen, sowie Seidenpflanzen, welche dem Monarchfalter als Futterpflanze dienen, denn sein Bestand hat drastisch abgenommen.

In ihrem Buch American Grown erzählt Michelle Obama die Geschichte des Gartens, zeigt wie man kompostiert und kocht (Rezepte). Sie präsentiert auch frühere Gärten beim Weissen Haus (Roosevelt und Jefferson) und Gemeinschaftsgärten in den USA.

Was könnte der Bundesrat tun?

Vor dem Bundeshaus in Bern gibt es keinen Rasen, der sich in einen vorbildlichen Garten umwandeln liesse, nur Stein. Doch der Bundesrat könnte die Agrarpolitik nach gesundheitlichen und ökologischen Aspekten ausrichten, statt nach den Wünschen der Bauern. Eine Utopie?

Was können wir tun?

Eine wirklich neue Agrarpolitik fordern. Selber Gemüse und Früchte anbauen, auch wenn es nur ein paar Kübel auf dem Balkon sind, im Quartier oder Hinterhof Rasen in fruchtende und blühende Inseln verwandeln und regionale Vertragslandwirtschaft unterstützen.

Regionale Vertragslandwirtschaft für Bauern und KonsumentInnen!

Die regionale Vertragslandwirtschaft hat ihren Ursprung in Japan. Erste Wurzeln getrieben hat sie in der Westschweiz 1978; mittlerweile gibt es dort 35 Betriebe und in der Deutschschweiz 13. Und es könnten mehr werden …

Drei Frauen haben im Herbst 2013 die CSA-Kooperationsstelle lanciert (Community Supported Agriculture); sie sind auch Mitbegründerinnen der Gemüsekooperative ortoloco in Dietikon. “Dahinter stehen der Wille zu mehr Selbstbestimmung bei der Nahrungsmittelproduktion und der Wunsch nach einer wirklich nachhaltigen Landwirtschaft.” Ein erster CSA-Lehrgang war ein grosser Erfolg, siehe Gemeinsam säen und ernten, Schweizer Bauer 2.5.2015.

Viele Impulse scheinen aus der Westschweiz zu kommen. So hat etwa die Stadt Lausanne bisher 12 Quartiergärten eingerichtet, Les plantages lausannois.

Verband regionale Vertragslandwirtschaft (RVL)

Handbuch der Regionalen Vertragslandwirtschaft, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW)

FRACP. Fédération romande d’agriculture contractuelle de proximité

Pflanze deinen subversiven Garten! Heidis Mist 30.3.13

Von der Stadt Lausanne unterstützter Quartiergarten.

Von der Stadt Lausanne unterstützter Quartiergarten.

Pflanzenvielfalt im Quartiergarten Cerisier.

Pflanzenvielfalt im Quartiergarten Cerisier.

22.5.15 HOME

Jubiläum: 5 Jahre Heidis Mist

15. Mai 2015
Jahr für Jahr liegt Mist monatelang ungedeckt am Wanderweg, welcher von Landquart durch die Rohan-Schanze nach Malans führt. Was würde wohl Henri Duc de Rohan dazu sagen, “der gute Herzog”, der die Burgundertraube in die Bündner Herrschaft gebracht hatte? https://heidismist.wordpress.com/2010/06/01/rohan-schanze-neu-entdeckt/

Jahr für Jahr liegt Mist monatelang ungedeckt am Wanderweg, welcher von Landquart durch die Rohan-Schanze nach Malans führt. Was würde wohl Henri Duc de Rohan dazu sagen, “der gute Herzog”, der die Burgundertraube in die Bündner Herrschaft gebracht hatte? https://heidismist.wordpress.com/2010/06/01/rohan-schanze-neu-entdeckt/

Im Frühling 2010 informierte Heidi den zuständigen Beamten des Amts für Natur und Umwelt in Chur über die mehr als 20 riesigen Misthaufen, welche auf nur 2 km2 Fläche im Gewässerschutzbereich rund um Maienfeld im Feld lagen. Die Bauern hatten den Mist zum Teil schon vor Monaten dorthin gebracht, vom Stall direkt aufs Feld. Ungedeckt lag er da, der Witterung ausgesetzt, und die Haufen wurden immer länger. Doch der Beamte sah keinen Handlungsbedarf, verwies stattdessen auf die (nicht gesetzeskonforme) Bündner Wegleitung. Am 7.3.10 – es blies ein eisiger Wind, die Kamera verweigerte immer wieder ihren Dienst – fotografierte Heidi die Misthaufen und schickte die Fotos nach Chur. Erfolglos!

Nach einer langen Trockenperiode begann es wie aus Kübeln zu regnen. Tropfen hämmerten auf Blech … und Heidi “hörte” quasi Nitrat ins Grundwasser tropfen. Kurz entschlossen setzte sie sich an den Computer, richtete innert eines Tages einen WordPress-Blog ein, nannte ihn Heidis Mist und schrieb den ersten Artikel Miststöcke im Heidiland. Das war am 15.5.10. Was sie damals noch nicht wusste, das ist: Das Lagern von Mist im Feld hat im Churer Rheintal (usw.) Tradition, und nicht alle Bauern bauen einen Stall UND eine Mistplatte.

Was als kurzzeitiges Engagement gedacht war, ist zu einer regelrechten Daueraufgabe geworden: Der Schutz des Wassers vor Verschmutzungen. Heidi ist nicht die Einzige, die sich dafür einsetzt, aber es braucht viele MitstreiterInnen.

Wer näher hinschaut, merkt schnell, dass der Gewässerschutz in der Landwirtschaft keine einfache Aufgabe ist. Verantwortung wird wie eine heisse Kartoffel herumgereicht bzw. auf Hierarchie-Stufen hinunter geschoben, welche oft weder gewillt, noch kompetent sind, die Aufgaben anzupacken, und auch nicht über die nötigen Ressourcen verfügen. Da und dort werden handlungswillige Beamte zurückgepfiffen, entlassen oder so schikaniert, dass sie das Handtuch werfen. Da und dort helfen Beamte den Bauern beim Gewässerverschmutzen. Es wird viel geredet, geforscht und geschrieben, doch es mangelt am Willen vieler EntscheidungsträgerInnen, den Vollzug der (gar nicht so schlechten) Gesetze einzufordern bzw. neue Gesetze zu schaffen, wenn die Umstände dies erfordern.

SSieben Wochen nach dem ersten Foto sah der Mist in der Rohan-Schanze ziemlich verwaschen aus. Pilze haben einen guten Nährboden gefunden.

Sieben Wochen nach dem ersten Foto sah der Mist in der Rohan-Schanze ziemlich verwaschen aus. Pilze haben einen guten Nährboden gefunden.

Es ist eben schon so, dass diejenigen, die wir dafür bezahlen (Steuergelder), damit sie uns schützen, im Lobbying-Sumpf stecken, “Nettigkeiten” austauschen, bestenfalls zanken, Gewinnträchtigeres anpacken, sich auf die nächste Wahl vorbereiten, statt Probleme wahrzunehmen und zu lösen. Erst wenn der Druck von unten zu stark wird, organisieren sie mit grossem Brimborium endlose Debatten und versprechen das Blaue vom Himmel, obwohl sie oft genug nicht gewillt sind, dem Blauen auch zum Durchbruch zu verhelfen.

Wenn es um das Wasser geht, meint Heidi, dann muss das Ziel sein: So sauber wie nur möglich. Vorbeugender Gewässerschutz ist zentral. Grenzwerte sind ein verführerischer Zauberstab für Nicht-Handlungs-Willige. Sie pochen auf den Grenzwerten, die (noch) nicht erreicht sind, obwohl Grenzwerte mehr auf Annahmen basieren, denn auf fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Sie werden immer wieder gerade dann erhöht, wenn sie oft überschritten werden. Unter den Tisch gewischt wird, dass über die Wirkung von Giftmischungen überhaupt keine verlässlichen Daten vorhanden sind; entsprechende Forschung würde Unsummen kosten.

Das Grundwasser ist ein träges System, falls es einmal grossräumig arg verschmutzt sein sollte, dann wird die Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser schwierig. Und die Flüsse im Wasserschloss Europas? Man stelle sich vor: Die Konzentration vieler Stoffe im Wasser knapp unter dem Grenzwert. Was würden unsere Nachbarn sagen, welche das Wasser “übernehmen” müssen?

Weil es viele Leute braucht, die sich um den Gewässerschutz kümmern, wird Heidi auch nach dem heutigen Jubiläumstag weitermachen, damit auch in Zukunft 40% des Schweizer Trinkwassers ohne jede Aufbereitung direkt aus dem Grundwasser ins Leitungsnetz eingespeist werden können und es den Lebewesen in den Bächen wohl ist.

Heidi dankt ihren Leserinnen und Lesern für die Treue und Motivation und WordPress für die Unterstützung und Gratulation. Übrigens, die Abo-Zahl ist im vergangenen Jahr um 39,5% gestiegen: Prost (mit sauberem Hahnenwasser)!

Der Mist liegt heute noch in der Rohan-Schanze, d.h. seit mindestens neun Wochen. Wie lange noch?

Der Mist liegt heute noch in der Rohan-Schanze, d.h. seit mindestens neun Wochen. Wie lange noch?

15.5.15 HOME

Pestizide Grundwasserschutzzone S2: Vorschlag Graubünden

11. Mai 2015
In der Gewässerschutz-Verordnung verankerte Ziele für das Grundwasser: Theorie und Praxis  klaffen auseinander. Wer kümmert sich um den Vollzug? Jedenfalls nicht jene Bundesämter, die wir eigentlich dafür bezahlen, dass sie uns schützen.

In der Gewässerschutz-Verordnung verankerte Ziele für das Grundwasser: Theorie und Praxis klaffen auseinander. Wer kümmert sich um den Vollzug? Jedenfalls nicht jene Bundesämter, die wir eigentlich dafür bezahlen, dass sie uns schützen.

Heidi schreibt häufig über Missstände in der Bündner Landwirtschaft. Vielleicht ist es wieder einmal an der Zeit, Positives aus Graubünden zu berichten. Ein Leser schrieb letzte Woche: “Offenbar gibt es neben Dir noch ein paar weitere Vernünftige in GR.” Gemeint ist damit das Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit (ALT). Hier der vollständige Text auf der Internetseite des ALT, Rubrik Lebensmittelsicherheit > Produktkontrollen:

Atrazin in Grundwasser

09.07.2014

Im Mai 2014 liess das Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit wiederholt Grundwässer auf Verunreinigungen durch Spritzmittel (Pflanzenschutzmittel) im Interkantonalen Labor Schaffhausen untersuchen. Im Durchschnitt weisen bis zu 80% der Messstellen in von Ackerbau und Siedlungen dominierten Einzugsgebieten Pflanzenschutzmittel auf.

In Graubünden wurden 22 Grundwasserpumpwerke beprobt. An elf Messstellen (50%) konnten bis zu drei Substanzen, und zwar Spuren von Triazinherbiziden, Metolachlor und 2,6-Dichlorbenzamid, dem Abbauprodukt von Dichlobenil, nachgewiesen werden. Die Konzentrationen erreichten hingegen nicht mehr als ein Zehntel des gesetzlich festgelegten Toleranzwertes für organische Pestizide und deren relevante Metabolite, Abbau- und Reaktionsprodukte.

Die Proben widerspiegeln die Ergebnisse der letzten Jahre einer insgesamt geringfügigen Belastung unserer Grundwässer. Allerdings spricht der Nachweis des Herbizids Atrazin und dessen Abbauprodukts Desethylatrazin in zehn von elf Messstellen für die unerwünschte Persistenz dieser Stoffe in der Umwelt und deren langsame aber stete Infiltration ins Grundwasser. In der Schweiz ist Atrazin deshalb seit dem Jahr 2008 nicht mehr zugelassen. Bis Ende 2011 durfte Atrazin allerdings noch eingesetzt werden. Der Wirkstoff wurde vorwiegend im Maisanbau verwendet.

Zusätzlich zu einem Verbot von Atrazin sind weitere Massnahmen zum Schutz der Grundwässer vor Pflanzenschutzmitteln erforderlich. Zu diesen Massnahmen gehört beispielsweise ein Verbot für deren Ausbringung in Risikozonen wie den Grundwasserschutzzonen S2.

Atrazin in Grundwasser, Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit, Kanton Graubünden

Dichlobenil: Einmal mehr zeigt sich, dass in der Schweiz Pestizide zugelassen sind, welche im nachbarlichen Ausland verboten sind. Wikipedia: “In Deutschland und Österreich ist kein Pflanzenschutzmittel mit diesem Wirkstoff erhältlich, in der Schweiz sind dagegen zahlreiche Dichlobenil-Präparate für die Verwendung beim Anbau von Ziergehölzen und in forstlichen Pflanzgärten zugelassen.”

Atrazin ist noch immer jenes Pflanzenschutzmittel, das die Kasse der Syngenta in vielen Ländern heftig klingeln lässt. Syngenta will die kranke Cashcow weitermelken, Adi’s Agro-Blog, Mai 2012. “Die Anwendung von Atrazin ist in Deutschland und Österreich seit dem Jahr 2001 verboten. Atrazin wird jedoch in der Schweiz – vor allem im Maisanbau – weiterhin eingeschränkt verwendet.” heisst es in einem Papier der Bodenseekonferenz (ohne Datum). Diese Meldung ist zwar überholt, aber bis vor gut drei Jahren durfte Atrazin in der Schweiz verwendet werden, d.h. drei Jahre nach dem (späten) Verkaufsverbot.

Metolachlor ist für Wasserorganismen sehr giftig (Wikipedia).

Die Schweizer Pestizid-Gesetzgebung als Vorbild? Wohl kaum!

11.5.15 HOME

PUUREWASSER: Meine Pestizidquelle

6. Mai 2015
Kleingedruckter Plakattext in grösserer Schrift:  Das Puurewasser wird direkt bei der pestizidangereicherten Wasserfassung gewonnen. Pestizide sind lebenswichtig. Sie bekämpfen allerlei Getier in Ihrem Körper sowie körpereigenes Unkraut. 500 ml Puurewasser decken Ihren täglichen Pestizidbedarf. Puurewasser ist eines der wenigen pestizidhaltigen Lebensmittel und deswegen unverzichtbar für den Bauernhaushalt. Copyright: saldo und Ruedi Widmer

Kleingedruckter Plakattext in grösserer Schrift: Das Puurewasser wird direkt bei der pestizidangereicherten Wasserfassung gewonnen. Pestizide sind lebenswichtig. Sie bekämpfen allerlei Getier in Ihrem Körper sowie körpereigenes Unkraut. 500 ml Puurewasser decken Ihren täglichen Pestizidbedarf. Puurewasser ist eines der wenigen pestizidhaltigen Lebensmittel und deswegen unverzichtbar für den Bauernhaushalt. Copyright: saldo und Ruedi Widmer

Hier geht’s zum Cartoon in höherer Auflösung.

Das Echo auf den saldo-Artikel und -Cartoon über den (erlaubten) Pestizid-Einsatz in der Grundwasserschutzzone S2 war gross und das Lob für die Autoren unüberhörbar; so las Heidi in Mails oder hörte am Telefon: fantastisch, super, prägnant aber sachlich … Daher hat sich Heidi um die Veröffentlichungsrechte für den Cartoon bemüht. Mit Erfolg. Sowohl der Cartoonist Ruedi Widmer wie auch saldo haben zugestimmt. Herzlichen Dank an beide!

Widmer zeichnete diesen Cartoon passend zum Artikel von Eric Breitinger Bauern gegen sauberes Trinkwasser in saldo 08/2015 vom 29. April 2015 (kostet drei Franken). Heidi berichtete darüber: Wer hat das Recht, unser Trinkwasser zu verschmutzen?

Jemand schrieb Heidi: “Persönlich bin ich der Meinung, dass solche karikaturistischen Zuspitzungen vermehrt notwendig sind, um den Leuten die Gefährdung des Wassers bewusst zu machen. Dass wir beim Wasser nur sehr beschränkt auf Bundesbern, insbesondere den Bundesrat, zählen können, finde ich bedauerlich.”

Vielleicht wollen Sie, liebe Leserin, lieber Leser, kurz entschlossen saldo abonnieren? Hier geht’s zum Abonnement.

6.5.15 HOME

Wer hat das Recht, unser Trinkwasser zu verschmutzen?

3. Mai 2015
Die Qualität des Trinkwassers geht uns alle etwas an.

Die Qualität des Trinkwassers geht uns alle etwas an.

Eigentlich liegt es auf der Hand, dass niemand unser Trinkwasser verschmutzen darf. Unfälle, Unwetter und Missgeschicke der Menschen beeinträchtigen oft genug die Wasserqualität. Das Vorsorgeprinzip ist also oberstes Gebot oder, besser gesagt, sollte es sein. Ein krasser Verstoss gegen diese Sorgfaltspflicht ist das Recht der Bauern, Pestizide bis unmittelbar an die Trinkwasserfassungen spritzen zu dürfen.

Heidi freut sich immer wieder darüber, wenn auch andere Leute ihre Meinung teilen: Der Einsatz von Pestiziden in der Grundwasserschutzzone S2 soll endlich wieder verboten werden. Neuestes Beispiel ist der Artikel Pestizide: Bauern gegen sauberes Trinkwasser von Eric Breitinger im saldo 08/2015 vom 29. April 2015. Der vollständige Artikel kostet CHF 3.00; der Einsatz ist es wert. Wir sollen schlucken, was wenige Prozent der Bevölkerung uns verordnen. Unglaublich! Höchste Zeit also, dass wir handeln und unser Recht auf sauberes Wasser einfordern. Wo? Beim Bundesamt für Landwirtschaft, bei NationalrätInnen, bei StänderätInnen, beim Bundesamt für Umwelt

Bundesrat gewichtet Freiheit der Bauern höher als Trinkwasserqualität
Grundwasserschutzzonen: Wer weiss Bescheid?

3.5.15 HOME

Verpackungen: Lassen wir uns verführen?

24. April 2015
15 verschiedene Reissorten bietet die traditionelle Kolonialwarenhandlung Schwarzenbach in Zürich auf kleinstem Raum an. Copyright Schwarzenbach.

15 verschiedene Reissorten bietet die traditionelle Kolonialwarenhandlung Schwarzenbach in Zürich auf kleinstem Raum an. Copyright Schwarzenbach.

Eine Papiertüte mit köstlichen Lebensmittel füllen lassen, das kann man seit 1864 bei H. Schwarzenbach im Zürcher Niederdorf an der Münstergasse 19. Ein einst “normales” Verkaufskonzept wurde im Rahmen des Massenverkaufs bei Grossverteilern aufgegeben; meist lässt man die KundInnen nur noch bei verderblichen Produkten, wie Gemüse und Früchten, im Offenverkauf “selber nehmen”, was Verkaufspersonal spart und den unterschiedlichen Mengenbedürfnissen der Kunden Rechnung trägt. Der Offenverkauf wird von umweltbewussten ZeitgenossInnen wieder aufgenommen, etwa von Patrick Honauer, Bachser Märt, Kalkbreite Zürich, Verpackung? Nein Danke! Schweizer Familie, März 2015.

Der Offenverkauf schafft eine Beziehung zum Lebensmittel. Heute zahlen wir viel Geld für immer mehr Verpackung und Marketing. Man verkauft uns “Marken”, wo wir doch eigentlich tadellose Lebensmittel nachfragen. Doch diese Verführung ist nicht harmlos, denn aus den Verpackungen gelangen oft Schadstoffe in die Lebensmittel, verunreinigen sie. Eigentlich hat man keine Ahnung, welche Zusatzstoffe langfristig gesundheitsschädigend sind. Nicht umsonst bemüht sich die Bio-Branche um möglichst schadstofffreie und umweltschonende Verpackungen, siehe Best Practice, Verpackungsbeispiele für Bio Suisse Produkte, eine Studie des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL).

Wissenschaftler haben zum Studium des Problems der gesundheitsschädigenden Verpackungen das Food Packaging Forum (FPF) mit Sitz in Zürich gegründet. Dem Newsletter vom 23.4.15 hat Heidi einen Link zu einem Film von France 5 entnommen: Emballages: le grand déballage, vom 25.3.15. Das Verpackungsproblem wird aus den verschiedensten Perspektiven gezeigt.

Der Film zeigt auch Lösungen für den lebensmittel- und umweltverschmutzenden Verpackungswahn auf. Jane Muncke, wissenschaftliche Direktorin des FPF, fordert strengere Vorschriften sowie eine Einschränkung auf etwa fünf Plastikmaterialien, die gut untersucht sind und als unbedenklich befunden wurden. Auf die Vielfalt der Stoffe, denen wir über die Verpackungen ausgesetzt sind, macht der Toxikologe Thomas Backhaus, Universität Göteborg, aufmerksam. Wie sagt doch Heidi immer Die Mischung macht das Gift: Pestizide, Verpackungsgifte, Luftschadstoffe … Im Film hat auch Konrad Grob, Kantonales Labor Zürich, einen Auftritt: Migration von Schadstoffen aus Recycling-Karton. Ein aufschlussreicher Film, leider durch zahlreiche Werbeblöcke unterbrochen.

Frankreich scheint das Problem ernsthafter anzupacken als die Schweiz, z.B. Bisphenol A ist ab Juli 2015 verboten, siehe Lebensmittelverpackungen: Wir müssen handeln!, Heidis Mist vom 11.10.14. Die französische Bio-Branche kämpft aktiv gegen Überverpackung: Biocoop und Satoriz (eine 20-jährige Kette mit 28 Läden).

Zufall oder nicht? Titel einer Sendung von RTS, A bon entendeur vom 27.3.12 Poubelles: le grand déballage! Thema dieses Films ist in erster Linie das Abfall-Mengenproblem.

Was wollen wir essen? Marken oder tadellose Lebensmittel?

Nachtrag 27.4.15: Patrick Honauer meldete heute, dass der Bachser Märt, daran ist, das Konzept weiter zu verfeinern und per Sommer in allen Läden umzusetzen. Und eine Leserin aus der Westschweiz schrieb: “Ahhh ce magasin de la Kalkbreite je le connais:-) Il y avait d’ailleurs des superbes fromages!!!”

24.4.15 HOME


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