Brasilien: Verkauf von CO2-Zertifikaten trotz Abholzung

26. Januar 2022
Video von Elias Ayrey, Fernerkundungsspezialist

Video von Elias Ayrey, Fernerkundungsspezialist: Carbon Review: FAILED Avoided Deforestation Project – Rio Preto / Jacundá (VCS 1503)

Der Glaube an die Rettung des Klimas durch den Verkauf von CO2-Zertifikaten ist gross, auch in der Schweiz. Doch es gibt eine nicht unbedeutende Anzahl von Projekten, welche wenig bis gar nichts bringen oder gar schlechter sind als das beliebte Nichtstun. Aber eben: Wirtschaftswachstum ist nach wie vor das höchste Ziel. Nur – es schadet langfristig besonders auch der Landwirtschaft.

Quelle: The Resex Rio Preto-Jacundá REDD+ Project in Brazil is still selling carbon offsets despite failing to stop deforestation. Chris Lang, REDD-Monitor 25.1.21

Übersetzt von Heidi mithilfe von DeepL.

Das RESEX RIO PRETO-JACUNDÁ REDD+ PROJECT (PDF) ist ein Projekt, das dem Verkauf von CO2-Zertifikaten dient. Es ist bei VERRA registriert, einer Organisation, welche „die Glaubwürdigkeit von Emissionsminderungsprojekten sicherstellt“. Das Projekt umfasst eine Fläche von 95’300 Hektar im brasilianischen Bundesstaat Rondônia.

Kontrolle mittels Fernerkundung

Elias Ayrey ist Fernerkundungswissenschaftler. Bis September 2021 arbeitete er für Pachama, ein in den USA ansässiges Unternehmen, das angibt, „Projekte aus der Ferne zu überprüfen und sicherzustellen, dass sie den internationalen Standards für Kohlenstoffgutschriften entsprechen“. Im Dezember 2021 begann Ayrey, Videos auf YouTube zu veröffentlichen. Seine Videos erklären, wie Fernerkundung funktioniert und wie Waldkohlenstoffprojekte funktionieren sollen. Vor ein paar Tagen stellte er ein Video über das Jacundá REDD-Projekt ein:

Carbon Review: FAILED Avoided Deforestation Project – Rio Preto / Jacundá (VCS 1503)

Ayrey sieht sich die Fernerkundungsdaten für das Projekt mit Google Earth an. Er beginnt mit einem Bild, das die Abholzung im Jahr 2012 zeigt, als das Projekt begann. „Offensichtlich handelt es sich um ein Gebiet, das unter starker Abholzung leidet“, stellt Ayrey fest.

Mindestens 10 % der Projektfläche abgeholzt

Zur Veranschaulichung der Entwaldungsrate seit Beginn des Projekts zeigt Ayrey ein Bild von Global Forest Watch, in dem die Entwaldung seit Beginn des Projekts orange und die Entwaldung vor 2012 blau eingefärbt ist:

Copyright: Global Forest Watch

Copyright: Global Forest Watch

Ayrey sagt: „Bis 2020 ist ein grosser Teil des Projekts abgeholzt worden. Und wenn wir die Zahlen tatsächlich berechnen, sind mindestens 10% des Projektgebiets abgeholzt worden. Und das ist ziemlich tragisch. Es scheint nicht gelungen zu sein, die Abholzung der Wälder zu stoppen.“

Verra gewährt einen „Freistellungsantrag“

Das letzte Verifizierungsaudit im Rahmen des Verra-Systems fand im Jahr 2015 statt – der Bericht wurde 2016 veröffentlicht. Nach den Regeln von Verra sollte das Projekt alle fünf Jahre geprüft werden.

Am 8.9.21 übermittelte Plínio Ribeiro, geschäftsführender Direktor von Biofílica Investimentos Ambientais SA (Projetvertreter), einen „Antrag auf Befreiung“ an Verra. Und am 30.9.21 antwortete Tanushree Bagh Mukherjee, Senior Program Manager bei Verra. Mukherjee gewährte Biofílica eine Ausnahmeregelung im Rahmen des Standards für Klima, Gemeinschaft und biologische Vielfalt „aufgrund eines Anstiegs der Pandemie des Coronavirus (COVID-19) in Brasilien“. Die Ausnahme gilt bis zum 31.1.22. Auf der Verra-Website wird nicht erwähnt, wann die nächste Verifizierung des Verified Carbon Standard stattfinden könnte.

Too big to fail?

Ayrey betrachtet dieses Problem aus der Sicht des Projektentwicklers. „Dies ist ein Megaprojekt, es ist buchstäblich zu gross, um zu scheitern. Wenn es scheitern würde, stünde es überall in den Zeitungen“.

Und er spekuliert, was als nächstes passieren könnte:

„Sie werden die Sache einfach nicht scheitern lassen. Welche Möglichkeiten hat der Projektentwickler also? In der Vergangenheit habe ich bei gescheiterten Projekten erlebt, dass sie ihre Grenzen neu gezogen haben. Vielleicht werden sie also bei der nächsten Überprüfung einfach die Projektgrenzen neu ziehen, so dass sie um die ganze neue Abholzung herumgehen und sie ausschliessen. Und dann findet ihr neues Projekt in einem kleineren Gebiet statt. Ja, das können die Leute machen, und sie setzen die Grenzen einfach neu fest, und sie erhalten dann Gutschriften für dieses kleine Gebiet, bis es abgeholzt wird. Dann werden die Grenzen wieder neu gezogen.

Eine andere beliebte Lösung für diese Art von Problemen ist, dass man alle zehn Jahre die Basislinie neu ziehen darf, also die Basislinie neu berechnen darf. Ich habe keinen Zweifel daran, dass die Basislinie nach oben gehen wird. Sie werden auf all die Abholzungen verweisen, die ausserhalb des Projekts stattgefunden haben, und sagen: „Unsere Basislinie war anfangs zu konservativ, deshalb wäre wirklich das Doppelte an Abholzung passiert. Daher sind uns eigentlich Gutschriften geschuldet. Auch wenn wir die Abholzung nicht gestoppt haben.‘ Sie werden behaupten, dass die doppelte Abholzung stattgefunden hätte, wenn es das Projekt nicht gegeben hätte, weshalb Sie uns weiterhin Gutschriften ausstellen müssen.

Verra wird niemals zugeben, dass das Projekt gescheitert ist und dass sie auf den Pufferpool zurückgreifen mussten. Ich glaube nicht, dass sie auf den Pufferpool zurückgreifen werden, wie ich schon sagte, ich denke, sie werden auf andere Weise betrügen. Aber Verra macht nicht klar, wann ein Projekt eine Art von Katastrophe erlitten hat.

Das Projekt muss Verra melden, wenn ein katastrophales Ereignis eingetreten ist. Ich weiss nicht, ob sie das getan haben, das ist alles streng geheim und nicht öffentlich. Aber es gibt keine Anreize für sie, tatsächlich zu melden, dass etwas passiert ist.

Das ist also die Situation bei diesem Projekt. Rio Preto / Jacundá. Kaufen Sie diese Kredite nicht! Sie sind immer noch auf dem Markt. Sie werden zu Höchstpreisen gehandelt. Und warum nicht? Weil sie das Satellitenbild von 2012 gezeigt haben, sie zeigen nicht das aktuelle Datum: die Katastrophe.“

The Resex Rio Preto-Jacundá REDD+ Project in Brazil is still selling carbon offsets despite failing to stop deforestation. Chris Lang, REDD-Monitor 25.1.21

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Weit weg von Gülle und Mist: Vorlesen!

25. Januar 2022
Jeden Abend las jetzt der Peter daheim ein Lied vor; so weit gehorchte er dem Heidi, weiter aber nicht, ein zweites unternahm er nie; die Grossmutter orderte ihn aber auch nie dazu auf.

Jeden Abend las jetzt der Peter daheim ein Lied vor; so weit gehorchte er dem Heidi, weiter aber nicht, ein zweites unternahm er nie; die Grossmutter forderte ihn aber auch nie dazu auf. Die Mutter Brigitte musste sich noch täglich wundern, dass der Peter dieses Ziel erreicht hatte. „Man kann sich doch nicht genug freuen, dass der Peterli das Lesen so schön erlernt hat; jetzt kann man gar nicht wissen, was noch aus ihm werden kann.“ Aus Heidi II von Johanna Spyri. Copyright 1946 by Gebr. Fretz AG, Zürich. Aquarell Martha Pfannenschmid.

Das Gesundheitsmagazin des Schweizer Fernsehens hat gerade vier Tipps zur besseren Dosierung der Bildschirmzeit am Handy kommuniziert. „Zu oft und lange am Smartphone? So lenken Sie ihre Aufmerksamkeit weg vom Monitor.“ Es ist zwar nicht so, dass ALLE ein Handy haben, wie heute oft die Meinung ist, so dass immer mehr nur noch übers Handy läuft, aber viele blicken tatsächlich mehr aufs Handy als auf Mitmenschen oder die Landschaft.

Heidi hat einen weiteren Vorschlag: Vorlesen; am Abend oder am Wochenende zuhause. Wählen Sie ein Buch, das der Mitbewohnerin/dem Mitbewohner, dem Kind oder Enkel gefällt, wo möglich nicht in der Muttersprache, so dass zusätzlich zum gemeinsamen Erlebnis ein Lerneffekt da ist. Keine Zeit zum Lesen? Heidis Erfahrung zeigt: Das Erstaunliche ist, dass man sie hat, wenn man will, und dass ein Buch in Kürze gelesen ist und man sich schon bald Nachschub verschaffen muss.

Viel Spass beim Lesen und Zuhören!

Vier Tipps zur besseren Dosierung der Bildschirmzeit. Puls, SRF 24.1.21

Johanna Spyri, Wikipedia

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Werbung: „AdeSectin ist seit mehr als 20 Jahren die Schweizer Lösung gegen Spinnen“

23. Januar 2022

Wasserspinne. Quelle: Film von Otto Hahn Geliebt und gefürchtet: Spinnen

Heidi liebt Spinnen!

Wikipedia: „Die Wasserspinne (Argyroneta aquatica) oder auch Silberspinne ist die einzige Spinnenart, die nicht an Land, sondern unter Wasser lebt. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von den Britischen Inseln im Westen bis nach Japan im Osten. Die Tiere bevorzugen saubere Seen oder langsam fliessende Gewässer. Da die Wasserqualität vielerorts durch Gülle und Pestizide aus der Landwirtschaft beeinträchtigt ist, ist der Bestand stark rückläufig. Sie steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten in der Kategorie Stark gefährdet.“

Geliebt und gefürchtet: Spinnen

Über zwei Jahre lag Otto Hahn mit der Kamera auf der Lauer und hat einheimische Spinnen in ihrem natürlichen Lebensraum beobachtet. Ihm gelangen faszinierende Aufnahmen von der Balz, der Paarung, der Brutpflege, der Häutung und vom Netzbau. Der Film zeigt die ausserordentlich grosse Formenvielfalt dieser Tiergruppe und belegt ihre bedeutende Rolle als Insektenfresser im Naturhaushalt.

Geliebt und gefürchtet: Spinnen. SWR, Planet Schule

AdeSectin tötet Spinnen

Werbung: „Sie kennen das Problem: Überall, wo sich Mücken und andere Insekten tummeln, weben Spinnen ihre klebrigen Netze. Vor allem Lichtquellen im Freien sind ein grosser Anziehungspunkt für Mücken und andere fliegende Insekten. Kaum sauber geputzt, ist schon wieder alles voller Spinnweben. Ein ewiges Ärgernis! Das muss nicht sein – einfach AdeSectin aufsprühen, und der Ärger ist vorbei.

… AdeSectin ist seit mehr als 20 Jahren die Schweizer Lösung gegen Spinnen …“

Delthametrin

Der Wirkstoff von AdeSectin ist das Insektizid Delthametrin, ein Nervengift aus der Gruppe der Pyrethroide. AdeSectin ist an vielen Orten erhältlich: Drogerien, Apotheken, Hauswartbedarf, Coopvitality, Galaxus, Landi, Online-Shops usw.

Wikipedia: „Als Pflanzenschutzmittel ist ein Deltamethrin-haltiges Präparat in Deutschland und Österreich beim Anbau von Getreide, Raps, Rüben und Kartoffeln sowie auf Wiesen gegen verschiedene „beißende“ Insekten zugelassen. In der Schweiz sind mehrere Präparate zugelassen, das Anwendungsspektrum ist noch etwas breiter und umfasst unter anderem auch die Verwendung gegen Borkenkäfer bei geschlagenem Holz.

Es fällt immer wieder auf, dass die Schweiz Pestizide „grosszügiger“ zulässt als die Nachbarländer und auch besonders schädliche später verbietet.

Was ist im Sicherheitsdatenblatt geschrieben?

Adesectin_Sicherheitsdatenblatt, PDF

Gefahrenhinswiese
H302: Gesundheitsschädlich bei Verschlucken.
H317: Kann allergische Hautreaktionen verursachen.
H410: Sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung.

Sicherheitshinweise
P102: Darf nicht in die Hände von Kindern gelangen.
P273: Freisetzung in die Umwelt vermeiden.
P280e: Schutzhandschuhe/Augenschutz tragen.
P301a: BEI VERSCHLUCKEN: Mund mit Wasser ausspülen und
reichlich Wasser nachtrinken.
P302a: BEI BERÜHRUNG MIT DER HAUT: sofort mit viel
Wasser abwaschen.
P305a: BEI BERÜHRUNG MIT DEN AUGEN: Sofort mit viel
Wasser, auch unter den Augenlidern, ausspülen.
P501: Inhalt/Behälter einer anerkannten Abfallentsorgungsanlage
zuführen.

Verpackungen < 125 ml
Achtung
H302: Gesundheitsschädlich bei Verschlucken.
H317: Kann allergische Hautreaktionen verursachen.
P101: Ist ärztlicher Rat erforderlich, Verpackung oder
Kennzeichnungsetikett bereithalten.
P102: Darf nicht in die Hände von Kindern gelangen.
P262: Nicht in die Augen, auf die Haut oder auf die Kleidung
gelangen lassen.

Erstaunlich ist daher das Werbe-Video aus welchem Heidi folgendes Bild kopiert hat:

Adesectin-Spritzen ohne Handschuhe. Quelle: Werbe-Film.

Adesectin-Spritzen ohne Handschuhe. Quelle: Werbe-Film.

 

"Hinterlassen Sie bei Ihren Besuchern einen perfekten Eindruck mit einem sauberen Haus ... Quelle: Werbefilm AdeSectin.

„Hinterlassen Sie bei Ihren Besuchern einen perfekten Eindruck mit einem sauberen Haus …“ Quelle: Werbefilm AdeSectin.

Deltamethrin, Wikipedia

Pflanzenschutzmittelverzeichnis, Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), Deltamethrin

AdeSectin – Langzeitschutz vor lästigen Spinnweben, Video. adesectin.ch

Spinnenphobie bei der Schweizerischen Südostbahn? Fausta Borsani, ohneGift 25.9.21

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Frühlingstraum …

22. Januar 2022

Frühlingstraum: Die Sonne wärmt, die Raupen kriechen aus den Verstecken hervor und bald zeigen sich Schmetterlinge in ihrer Pracht - wenn wir ihnen Sorge tragen.

Frühlingstraum: Die Sonne wärmt, die Raupen kriechen aus den Verstecken hervor und bald zeigen sich Schmetterlinge in ihrer Pracht – wenn wir ihnen Sorge tragen.

Heute fällt noch etwas Schnee. Ab 23.1.22 wird die Sonne scheinen, aber es ist kalt, doch normal für Januar. Leider im Flachland oft Nebel.

Daher träumen wir doch etwas vom Frühling, von den Schmetterlingen, den Vögeln und der Blumenpracht. Und – nicht vergessen – überlegen wir uns, was wir gegen das Sterben der Insekten, Futter für die Vögel, tun können. Es ist nicht einfach, aber gemeinsam schaffen wir es!

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Der Pestizidatlas 2022 ist erschienen!

21. Januar 2022

Pestizidatlas 2022, Seite 11.

Pestizideinsatz in Tonnen nach Kontinenten im Jahr 2019 und Veränderung seit 1999. Jährlich erleiden auf der ganzen Welt 385 Millionen Menschen eine Pestizidvergiftung. Für einige endet sie tödlich. Quelle: Pestizidatlas 2022, Seite 11.

Der PESTIZIDATLAS 2022 ist ein Kooperationsprojekt von Heinrich-Böll-Stiftung, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, PAN Germany und Le Monde Diplomatique. Er enthält Daten und Fakten zu Giften in der Landwirtschaft.

Hier ein Zitat, siehe Seite 10:

„Die eingesetzte Pestizidmenge steigt seit Jahrzehnten an: Zwischen 1990 und 2017 um etwa 80 Prozent. Das Zusammenspiel von Pestiziden, Dünger und technischem Fortschritt trug dazu bei, dass sich die landwirtschaftliche Produktion grundlegend verändert hat. Da Bäuerinnen und Bauern Krankheiten und Schädlinge nun durch Pestizide statt durch Fruchtfolgen und Fruchtkombinationen in Schach hielten, konnten sich enge Fruchtfolgen immer gleicher Kulturpflanzen etablieren. Das Ergebnis: Ohne Pestizide ist die heutige industrielle Landwirtschaft grossenteils nicht mehr vorstellbar.

Durch kapitalintensive Inputs stiegen in vielen Industrieländern seit den 1950er-Jahren die Erträge und damit das Angebot an landwirtschaftlichen Produkten deutlich schneller als die Nachfrage – was zu immer billigeren landwirtschaftlichen Produkten und schlechterem Einkommen für die Landwirtinnen und Landwirte führt. Parallel zum Pestizideinsatz intensivierte sich die wissenschaftliche Forschung. Immer mehr Erkenntnisse haben Fachleute darüber gewinnen können, wie sich Pestizide auf die menschliche Gesundheit auswirken und die Umwelt belasten können.

Heute liegt die jährlich ausgebrachte Pestizidmenge bei circa 4 Millionen Tonnen weltweit. Fast die Hälfte davon sind Herbizide, die gegen Unkräuter verwendet werden; knapp 30 Prozent sind Insektizide, die gegen schädliche Insekten wirken und etwa 17 Prozent sind Fungizide gegen Pilzbefall. Marktanalysen bezifferten den globalen Pestizid-Marktwert im Jahr 2019 auf fast 84,5 Milliarden USDollar. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate lag seit 2015 bei mehr als 4 Prozent – für die kommenden Jahre könnte sie steigen. Bis 2023 wird eine Wachstumsrate von 11,5 Prozent und damit ein Anstieg auf fast 130,7 Milliarden US-Dollar Marktwert prognostiziert.

Dieser deutliche Anstieg hängt auch mit der Klimakrise zusammen: Ein US-Forschungsteam der Universität von Seattle hat kalkuliert, dass pro Grad Erderwärmung die Ernteerträge von Reis, Mais und Weizen um 10 bis 25 Prozent sinken könnten. Die Gründe dafür sind vielfältig. So verändert der Klimawandel zum Beispiel Schädlingspopulationen und das Verhältnis von Schädlingen und Nützlingen. Hinzu kommt, dass die Widerstandskraft der Pflanzen gegen Schädlinge infolge von klimabedingtem Stress sinkt.“

Ein Kommentar aus Dänemark

Zitat Paul Holmbeck, EcoConsult, Political strategy, Policy innovation, IFOAM World Board Member, Climate & organic market initiatives, Aarhus, Midtjylland, Dänemark:

„Der Pestizideinsatz ist in Dänemark im vergangenen Jahr zurückgegangen – ein Grund dafür sind die Greenfees für den Pestizideinsatz, die je nach Toxizität immer höher sind. Auch hier sind viele Verbesserungen erforderlich – Verbot von mehr Pestiziden, mehr pestizidfreie (organische!) Zonen um Trinkwasser und Naturgebiete und weniger Verzichtserklärungen für die Nutzung. Und nicht zuletzt mehr Ökologischer Landbau überall!“

Pestizidatlas 2022

Pestizidatlas 2022 zeigt Gefahren chemischer Pflanzenschutzmittel. Pestizidatlas vorgestellt. Tagesschau 12.1.21

Scarry new world record for use of pesticides… OPTA – the Association of Organic Processing and Trade Companies in Europe 17.1.22

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Verschmutzung durch Chemikalien hat Belastungsgrenze der Erde überschritten

20. Januar 2022
Die Verschmutzung mit Chemikalien hat die Belastungsgrenze der Erde überschritten. Quelle: WIOM

Die Verschmutzung mit Chemikalien hat die Belastungsgrenze der Erde überschritten. Quelle: WIOM

Als Belastungsgrenzen der Erde oder planetare Grenzen werden ökologische Grenzen der Erde bezeichnet, deren Überschreiten die Stabilität des Ökosystems und die Lebensgrundlagen der Menschheit gefährdet. Von den heute diskutierten neun planetaren Grenzen sind bereits mehrere überschritten. Die Verschmutzung mit Chemikalien, Klimawandel und Bevölkerungswachstum werden heute als grösste Gefahren für die Menschen bezeichnet.

Zu den hauptsächlichen chemischen Verschmutzern gehören Plastik, Pestizide, synthetische Verbindungen, Insektizide, Antibiotika usw. Am bedenklichsten sei Plastik. Plastik wird überall gefunden. Etwa auf dem Mount Everest, im tiefsten Ozean und sogar in der oberen Athmosphäre. Seit 1950 nahm die Produktion von Chemikalien um das Fünfzigfache zu und – so die Voraussagen – wird sich bis 2050 verdreifachen.

Bis 2050 wird die Produktion von Chemikalien voraussichtlich auf das Dreifache von heute wachsen.

Bis 2050 wird die Produktion von Chemikalien voraussichtlich auf das Dreifache von heute wachsen.

Gegen die chemische Verschmutzung müssten wir genauso handeln wie gegen die Klimaerwärmung. Eine internationale wissenschaftliche Organisation wie The Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) für den Klimawandel müsse auch für die Verschmutzung mit Chemikalien geschaffen werden.

Der schmutzigste Fluss der Welt

The dirtiest river in the world: Indonesia's Citarum | DW Documentary

The dirtiest river in the world: Indonesia’s Citarum | DW Documentary

Der Citarum ist der längste und grösste Fluss in der indonesischen Provinz Jawa Barat. Taglich werden 20’000 Tonnen Abfall und 340’000 Tonnen Abwasser, besonders aus den 500 Textilfabriken, in den Fluss geleitet. Er wird von der Landwirtschaft genutzt, zum Fischen, für Reinigung und von der Industrie. Bauern klagen, dass der Ertrag massiv zurückgegangen ist. Die Regierung hat zwar ein Reinigungsprogramm begonnen, aber die Arbeiten gehen langsamer als erwartet voran.

Der Dokumentarfilm The dirtiest river in the world: Indonesia’s Citarum begleitet das indonesische Militär bei der Umsetzung eines millionenschweren Projekts, das darauf abzielt, den 270 Kilometer langen Flussabschnitt des Citarum wieder in einen ursprünglicheren Zustand zu versetzen. Der Film interviewt Fabrikbesitzer, die in die Zukunft der nachhaltigen Abfallwirtschaft investieren, und Umweltaktivisten, die gegen die illegale Verklappung von Industriechemikalien kämpfen.

The dirtiest river in the world: Indonesia’s Citarum | DW Documentary

Chemical pollution has surpassed the planetary boundary, says scientists. WION Climate Tracker

Planetare Grenzen, Wikipedia

The dirtiest river in the world: Indonesia’s Citarum | DW Documentary

Indonesia’s polluted river clean-up shows slow progress. Aljazeera 2.3.19

The Citarum – The world’s most polluted river | DW Documentary

Der schmutzigste Fluss der Welt. Tagesspiegel 3.3.18

Citarum, Wikipedia

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Viele Altlasten: Nun wieder einmal Schlagzeilen!

19. Januar 2022

Quelle: Bundesamt für Umwelt (BAFU)

Quelle: Bundesamt für Umwelt (BAFU)

In der Schweiz gibt es viele alte ungeschützte Deponien, oft neben Gewässern oder über dem Grundwasser. Je nachdem wurden dort mehr oder weniger giftige Stoffe entsorgt. Einige Deponien wurden saniert, z.T. mit viel Steuergeldern, denn die Verursacherfirmen gibt es nicht mehr oder sie wollen nicht zahlen. Weitere Deponien werden beobachtet und der Grossteil ist einfach da, irgendwo in der Landschaft!

Diese wilden Deponien von früher können eine Gefahr für unser Wasser sein und Böden für die landwirtschaftliche Produktion untauglich machen. Hinzu kommt der Bedarf an Flächen für neue Deponien, denn aus den Abwasserreinigungsanlagen fällt Klärschlamm an, aus den Kehrichtverbrennungsanlagen Schlacke. Diese Abfälle und jene aus Industriebetrieben müssen heute sicher entsorgt werden.

NaNa hat Heidi mit dem Betreff „Wahnsinn!“ eine Liste mit Links geschickt. Beim Bundesamt für Umwelt hat Heidi weitere Informationen gefunden. Der erste Link führt zum Tages-Anzeiger vom 16.1.21: „Entsorgung von Industriemüll – Tonnenweise Gift im Boden

Schweizweit schlummert an Dutzenden Standorten toxisches PCB in vergessenen Abfalldeponien. Das Beispiel La Pila zeigt, wie schwierig eine Sanierung und deren Finanzierung ist.

Idyllisch liegt das kleine Wäldchen in einer Schleife des Flusses Saane. Nur ein Bauzaun und eine Warntafel deuten darauf hin, dass hier giftige Stoffe lagern. Unweit der Kantonshauptstadt Freiburg, auf einer Fläche von zwei Fussballfeldern, liegt tonnenweise giftiger Abfall. Allein vom krebserregenden PCB wurden 31 Tonnen entsorgt. Seit 1973 lagert der Müll bis zu 20 Meter tief in der Erde und war schon bald vergessen.“

Ausführliche Informationen zu La Pila finden Sie hier: Assainir – La Pila – Sanieren: Qui va payer pour la Pila?

150 Millionen für Sanierung einer ehemaligen Freiburger Deponie. Nau.ch 22.12.21

Stand der Altlastenbearbeitung in der Schweiz

Quelle: Bundesamt für Umwelt (BAFU)

Die Kataster der belasteten Standorte von Bund und Kantonen sind fertiggestellt und im Internet abrufbar. Total bestehen rund 38‘000 belastete Standorte, wovon ca. 4’000 sanierungsbedürftig («Altlasten») sein dürften. Über 1’500 Altlasten sind bislang saniert worden.

Seit Ende der 90er-Jahre erstellen die Kantone sowie die Bundesstellen BAV, BAZL und VBS mit grossem Einsatz ihre Kataster der belasteten Standorte. Mittlerweile sind alle Kataster der belasteten Standorte fertiggestellt und online im Internet abrufbar.

Heidi hat die Deponie ihrer Kindheit an einem Bächlein nachgeschaut, wo es damals rauchte und stank und Ratten herumhuschten. Hier steht, was u.a. aufgrund von Abfällen einer chemischen Fabrik zu erwarten war (die Fabrik existiert schon seit Jahrzehnten nicht mehr, also braucht es Geld von uns):

Bearbeitungsstand Überwachung in Bearbeitung
Beurteilung Überwachungsbedarf

Grosse Altlastensanierungen: Acht Porträts

Seitdem vor über 20 Jahren die Verordnung über die Sanierung von belasteten Standorten in Kraft getreten ist, hat sich in der Schweiz viel getan: Alle belasteten Standorte wurden in Kataster aufgenommen, über 1’400 Standorte saniert, darunter einige grosse Deponien. Das BAFU unterstützt die Arbeit der Kantone finanziell über den VASA-Fonds, der mit Gebühren für das Entsorgen von Abfällen auf Deponien gespeist wird. Wir stellen hier acht Sanierungen vor, die aufgrund ihrer Komplexität und ihrer finanziellen Grösse einzigartig sind.

Altlasten. Bundesamt für Umwelt

Altlasten: Das Wichtigste in Kürze. Bundesamt für Umwelt

Umweltorganisationen warnen vor grösserer Gefahr von Lonza-Deponie. Nau.ch 9.12.21

VS: Gefahr von Lonza-Deponie grösser? Schweizer Bauer 9.12.21

Sanierung Deponie Kölliken kostet 990 Mio. Südostschweiz 16.5.13

Rückbau von Kernkraftwerken dauert Jahrzehnte. MDR.de 14.7.21

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Wenn boreale Wälder Kohlenstoff abgeben statt aufnehmen

18. Januar 2022

The Marcell Experimental Forest in northern Minnesota. Scientists are simulating different climates in these glass chambers to better understand how boreal forests will respond to rising temperatures. Oak Ridge National Laboratory / U.S. Department of Energy

The Marcell Experimental Forest in northern Minnesota. Scientists are simulating different climates in these glass chambers to better understand how boreal forests will respond to rising temperatures. Oak Ridge National Laboratory / U.S. Department of Energy

In den borealen Wäldern verfolgen Wissenschaftler die Folgen der Erwärmung.

Von Minnesota bis zu den Nordwest-Territorien untersuchen Forscher die dramatischen Veränderungen in den riesigen Wäldern des Nordens: auftauender Permafrost, ertrunkene Bäume, Methanfreisetzung, zunehmende Waldbrände und die langsame Transformation der Wälder von Kohlenstoffsenken zu Kohlenstoffemittenten.

Der Marcell Experimental Forest wurde 1962 eingerichtet, um die Ökologie und Hydrologie des borealen Waldes zu erforschen, der sich in Nordamerika vom Lake Superior im Norden der Vereinigten Staaten bis nach Nordkanada und Alaska erstreckt. Die borealen Wälder – das grösste Waldsystem der Welt mit riesigen kohlenstoffreichen Torfgebieten – erstrecken sich auch über Skandinavien und grosse Teile Russlands.

Torf ist teilweise verrottete Vegetation, die sich in den kalten, wassergesättigten und sauerstoffarmen Sümpfen und Mooren der borealen Zonen ansammelt. Mit der Erwärmung trocknet der Torf im Süden aus und taut im Norden, wo Bäume ertrinken und Flüsse und Seen durch den festen organischen Kohlenstoff, der sich im Wasser auflöst, braun werden. Dies führt zu einer massiven Freisetzung von Kohlenstoff in die Flüsse und Seen und in die Atmosphäre.

Angesichts der Tatsache, dass Moore doppelt so viel Kohlenstoff speichern wie alle Wälder der Welt, beobachten Klimawissenschaftler diese Veränderungen genau. Das torfreiche boreale Ökosystem mildert nicht nur Überschwemmungen, filtert Wasser und verlangsamt oder stoppt Waldbrände, sondern bietet auch Nistplätze für 1 bis 3 Milliarden Vögel, die von so weit her wie Argentinien nach Norden ziehen.

„Das boreale Ökosystem von Minnesota wird in den kommenden Jahrzehnten eher wie Kansas aussehen, wenn wir mit den Kohlenstoffemissionen so weitermachen wie bisher“, sagt Lee Frelich, der Direktor des Zentrums für Waldökologie an der Universität von Minnesota, der die Veränderungen in der Boundary Waters Canoe Wilderness im Norden Minnesotas seit mehr als 30 Jahren verfolgt.

Die zunehmende Zahl, das Ausmass und die Schwere der Waldbrände in den borealen Wäldern beschleunigen das Auftauen des Permafrosts, das bereits weit fortgeschritten ist. Dieses Tauwetter entwurzelt und überschwemmt grosse Waldbestände von Alaska ostwärts bis in den Yukon und die Nordwest-Territorien.

„Was wir hier sehen, vielleicht deutlicher als an jedem anderen Ort der Welt, ist ein Ökosystemwandel im Zeitraffer.“

Ein weiteres Problem im Zusammenhang mit der Überflutung ist die „Verbräunung“ von Seen, Flüssen und Bächen, die dadurch entsteht, dass sich fester organischer Kohlenstoff im schnell auftauenden Torf im Wasser löst. Wenn sich das harmlose anorganische Quecksilber aus dem Tauwasser an den Kohlenstoff bindet, können Mikroorganismen es in die hochgiftige anorganische Form des Methylquecksilbers umwandeln, wie eine Reihe von Studien belegen.

Eine wichtige Frage ist nun, ob das Auftauen des Permafrosts in den borealen Moorökosystemen ein langsames Phänomen ist, bei dem allmählich Treibhausgase freigesetzt werden, oder ob es sich um eine „Kohlenstoffbombe“ handelt, die riesige Kohlenstoffvorräte freisetzt.

In jedem Fall hat die Umgestaltung der borealen Wälder nicht nur Auswirkungen auf den Klimawandel, sondern auch auf die Wasserqualität und den Lebensraum für Wildtiere sowie auf Waldbrände, die voraussichtlich grösser werden und in kürzeren Abständen ausbrechen werden – all dies erschwert die Regeneration der borealen Wälder.

Lesen Sie den vollständigen Artikel hier: Across the Boreal Forest, Scientists Are Tracking Warming’s Toll. Yale Environment 360 vom 11.1.22

Methylquecksilberverbindungen, Wikipedia

Minamata-Krankheit, Wikipedia

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Plastik in der Landwirtschaft: The good, the bad and the ugly

17. Januar 2022

Quelle: Assessment of agricultural plastics and their sustainability: A call for action. FAO

Quelle: Assessment of agricultural plastics and their sustainability: A call for action. FAO

Der Bericht – „Assessment of agricultural plastics and their sustainability: a call for action“ – ist der erste globale Bericht dieser Art der FAO und enthält einige erschreckende Zahlen, wie die FAO am 7.12.21 meldete. Er ist ein Aufruf zum Handeln:

„Die Vermüllung der Meere macht Schlagzeilen, aber ein neuer Bericht der FAO legt nahe, dass die Plastikverschmutzung auch in unseren landwirtschaftlichen Böden allgegenwärtig ist.

Die Geissel der unansehnlichen Bilder von Plastikmüll, der unsere Strände und Ozeane verschmutzt, findet immer wieder grosse Aufmerksamkeit. Ein neuer Bericht der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) deutet jedoch darauf hin, dass die Böden, auf denen wir unsere Lebensmittel anbauen, mit weitaus grösseren Mengen an Plastikverschmutzung belastet sind, was eine noch grössere Gefahr für die Ernährungssicherheit, die Gesundheit der Menschen und die Umwelt sind.

Nach Angaben der Experten der Agentur werden in den landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten jedes Jahr 12,5 Millionen Tonnen Kunststoffprodukte verwendet. Weitere 37,3 Millionen Tonnen werden für Lebensmittelverpackungen gebraucht.

  • Die Sektoren Pflanzenbau und Viehzucht sind mit zusammen 10,2 Millionen Tonnen pro Jahr die grössten Verbraucher,
  • gefolgt von Fischerei und Aquakultur mit 2,1 Millionen Tonnen
  • und der Forstwirtschaft mit 0,2 Millionen Tonnen.

Schätzungen zufolge ist Asien mit fast der Hälfte des weltweiten Verbrauchs der grösste Kunststoffverbraucher in der landwirtschaftlichen Produktion, und da es keine praktikablen Alternativen gibt, wird die Nachfrage nach Kunststoffen in der Landwirtschaft weiter steigen.“

Heidi meint: „Plastik aus Wasser zu entfernen ist zwar teuer, aber irgendwie noch machbar, etwa für Trinkwasser. Aber Plastik aus dem Boden holen? Nicht wirklich möglich!“

Plastics in agrifood systems: The good, the bad and the ugly. FAO 7.12.21

FAO. 2021. Assessment of agricultural plastics and their sustainability – A call for action. Rome. https://doi.org/10.4060/cb7856en

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HADES – Hydrologischer Atlas der Schweiz

16. Januar 2022

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