Toxisches Chlorpyrifos: Neuer Anforderungswert löst das Problem nicht

13. Februar 2018

Super – könnte man meinen – endlich ein viel niedriger Anforderungswert für Chlorpyrifos in Oberflächengewässern! Doch soll man ein Pestizid explizit in der Gewässerschutzverordnung (GSchV) verankern, das in der Umwelt und somit auch in unserem Essen nun wirklich nichts zu suchen hat?

USA vor der Ära Trump wollte Verbot

Das amerikanische Umweltamt (EPA) verbot das Insektizid Chlorpyrifos vor 17 Jahren für den Gebrauch im Haus. Aufgrund einer Neubewertung für die Anwendung in der Landwirtschaft im Jahre 2015 empfahl das EPA ein allgemeines Verbot für dieses neurotoxische Mittel, das u.a. die Entwicklung des Gehirns von Kindern im Mutterleib schädigt. Doch soweit sollte es nicht kommen, denn Präsident Trump setzte den industriefreundlichen Scott Pruitt als EPA-Chef ein.

Die Gefahr für den Menschen ist aber nicht die einzige. Das EPA untersuchte auch die ökologischen Risiken und erstellte eine Liste der von Chlorpyrifos geschädigten Pflanzen, Vögel, Fische, Säugetiere und andere nicht Zielorganismen. Die Liste ist lang. Sie umfasst 1’778 Arten.

Aufnahme in die Stockholm Konvention?

Chlorpyrifos ist langlebig, reichert sich in Lebewesen an und die Abdriftgefahr ist hoch. Es ist daher nicht erstaunlich, dass es sogar in der Arktis vorkommt. Die Europäische Lebensmittelagentur EFSA bewertete Chlorpyrofos 2012 neu mit dem Fazit: erheblich giftiger als ursprünglich angenommen. Die EFSA forderte daher eine strengere internationale Regulierung und die Aufnahme in die Stockholm Konvention. Das Stockholmer Übereinkommen über persistente organische Schadstoffe ist eine Übereinkunft über völkerrechtlich bindende Verbots- und Beschränkungsmassnahmen für bestimmte langlebige organische Schadstoffe.

In der Schweiz für viele Kulturen bewilligt

Kartoffeln, Erdbeeren, Himbeeren, Reben, Karotten, Radies, Zwiebeln usw. dürfen mit Chlorpyrifos behandelt werden. Für die meisten Kulturen gilt ein Abstand zu Gewässern von 50 m. Wieso für Raps nur ein solcher von 20 m gefordert wird, das leuchtet Heidi nicht ein. Weil die Bauern das so wollen? Zudem: „Reduktion der Distanz aufgrund von Drift und Ausnahmen gemäss den Weisungen des BLW.“

Nicht nur für Gewässerorganismen ist das Insektizid gefährlich, sondern auch für Bienen. „Darf nicht mit blühenden oder Honigtau aufweisenden Pflanzen (z.B. Kulturen, Einsaaten, Unkräutern, Nachbarkulturen, Hecken) in Kontakt kommen.“ Wie soll dies in der Praxis realisiert werden, wo doch die Abdriftgefahr so hoch ist und daher ein Abstand zu Gewässern von 50 m eingehalten werden muss?

Chlorpyrifos-Granulat ist für sehr viele Kulturen gegen Bodenschädlinge zugelassen Unter „Auflagen und Bermerkungen heisst es: „Im Hausgarten: Beim Ausbringen des Mittels und in den folgenden 48 Stunden bei erneutem Kontakt mit den behandelten Kulturen mindestens Schutzhandschuhe, langärmliges Hemd und lange Hose tragen.“ Wie sieht das wohl in der Praxis aus? Und halten sich Haus- und Wildtiere daran?

BAFU schlägt neuen Anforderungswert vor

Bis zum 13.3.18 läuft die Vernehmlassung der Gewässerschutzverordnung mit den neuen Anforderungswerten für Oberflächengewässer, welche das Bundesamt für Umwelt (BAFU) vorschlägt. Chlorpyrifos gehört zu den wenigen Pestiziden, bei denen der Anforderungswert nicht erhöht, sondern gesenkt wird, und zwar von 0,1 µg/l auf 0,0044 µg/l bzw. 0,00046 µg/l für chronische Belastung. Auch hier sehr genaue Werte, welche wissenschaftliche Präzision vortäuschen.

Chlorpyrifos verbieten!

Was soll ein so giftiges Pestizid in der Umwelt und auf unseren Lebensmitteln? Heidi meint: „Man muss es verbieten!“

 

Verordnung des UVEK über die Änderung von Anhang 2 Ziffer 11 Absatz 3 der Gewässerschutzverordnung (GSchV)

What We Know About Chlorpyrifos, The Pesticide The EPA Thinks Is Bad But Won’t Ban, Emily Willingham, Forbes, 31.3.17

Crowdfunding „Synthetische Pestizide:Stopp“ noch 3 Tage!

12. Februar 2018
Aktueller Stand Crowdfunding Volksinitiative "Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide"

Aktueller Stand Crowdfunding Volksinitiative „Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide“

Ein Brief von Future 3.0 „Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide“ ist soeben eingetroffen:

In 3 Tagen läuft das Crowdfunding ab und es fehlen noch 6’000.- damit wir unser Budget abschliessen können. Wir brauchen Ihre Hilfe.

In der ganzen Schweiz sind Unterschriftensammler am Werk – das ist super! Bis 11.2.18 wurden 80’229 gesammelt.

Das Komitee ist zuversichtlich. Dennoch müssen wir unbedingt am Ball bleiben!

  • Helft mit beim Crowdfunding (heute bei 19’303.- von 25’000 .-Fr.), damit wir es schaffen, unser Budgetziel zu erreichen!
  • Sendet möglichst viele Unterschriften an
    Future3
    Cerisier 9
    1588 Cudrefin
  • Teilt das Crowdfunding über die sozialen Netzwerke

Wir brauchen Eure Hilfe HEUTE, für eine Sache, für welche sich die Mühe lohnt.

80’229 Unterschriften sind bereits eingegangen.

Spenden Sie einen Betrag via unser Crowdfunding

Sehen Sie den Stand der Unterschriften

Unterschreiben Sie! Hier ist der Interschriftenbogen in Deutsch und hier ist der französische. Bitte einreichen bis 29.3.18. Die Sammelfrist läuft bis 29.5.28.

Heidi wünscht viel Erfolg beim Sammeln von Geld und Unterschriften!

12.2.18 HOME

Pestizidfreier öffentlicher Raum – in der Schweiz noch ein Traum

12. Februar 2018
In Luxemburg ist der öffentliche Raum seit 1.1.16 aufgrund einer gesetzlichen Regelung pestizidfrei. Foto: Ëmweltberodung Lëtzebuerg

In Luxemburg ist der öffentliche Raum seit 1.1.16 aufgrund einer gesetzlichen Regelung pestizidfrei. Foto: Ëmweltberodung Lëtzebuerg

Luxemburg

Luxemburger Wort, 13.1.16: „Die Auswirkungen und Risiken von Schädlingsbekämpfungsmitteln auf die Umwelt und die Gesundheit sind längst bekannt. Sie gelangen durch Auswaschung und Versickern in den Boden, in Gewässer, Flüsse und Seen. Immer wieder wird die industrielle Landwirtschaft, die mit dem Einsatz von Dünger und Pestiziden wie dem umstrittenen Glyphosat Schäden anrichtet, gerügt. Am 1.1.16 trat in Luxemburg das Verbot von Pflanzenschutzmitteln auf öffentlichen Flächen in Kraft. Insbesondere die Gemeinden und die Strassenbauverwaltung sind nun dazu verpflichtet, bei der Bekämpfung von Unkraut auf chemische Substanzen zu verzichten.“

Deutschland

Bund: „Pestizidfreie Kommunen: Es tut sich was. Städte und Gemeinden setzen Pestizide häufig ein, um Strassen, Wege sowie Spiel- und Sportplätze frei von Kräutern und Gräsern zu halten … Die Pestizide gelangen dann oft in Gewässer oder die Kläranlage. Das muss nicht sein! Bisher haben sich rund 160 Städte und Gemeinden entschieden, ihre Grünflächen ohne Pestizide oder mindestens ohne Glyphosat zu bewirtschaften.“

Frankreich

In Frankreich sind Pestizide seit 1.1.17 im öffentlichen Raum verboten, ab 2019 auch für private Liegenschaften. Greenpeace schrieb einige Jahre lang Gemeinden an, bis  heute sind es 10% der 33’212 französischen Gemeinden. Nur 6% gaben an, die öffentlichen Flächen „Usage habituel“ zu behandeln. 68% waren bereits vor dem Verbot ganz oder teilweise Pestizid-frei. La carte de France des villes et villages sans pesticides.

Schweiz

Antwort des Bundesrates auf die Interpellation 14.3429 von Bourgeois Jacques vom 11.6.14. Fliessgewässer durch Pestizide belastet: „… Weil die eingesetzten Mengen an Pflanzenschutzmitteln in Baumschulen, Privatgärten, Sportanlagen und auf Industriearealen sehr viel kleiner sind als in der Landwirtschaft (s. Bafu/BLW 2008: „Umweltziele Landwirtschaft“, Seite 124), spielen sie bei der Gewässerbelastung insgesamt eine untergeordnete Rolle …“

Seit Herbst 2015 schreiben die Freiwilligen der Greenpeace Regionalgruppen die Gemeinden der Kantone Vaud, Genève und Zürich an mit der Frage, ob und auf welche Weise sie Pestizide einsetzen. Der Fragebogen behandelt vor allem die Verwendung von Glyphosat, einem Herbizid, welches von der Internationalen Agentur für Krebsforschung IARC als “möglicherweise karzinogen” eingestuft wurde. Meine Pestizid-freie Gemeinde.

Auch wenn die Bauern den Hauptteil der Pestizid-Verschmutzungen verursachen, wäre es an der Zeit, dass die Schweiz den ausländischen Beispielen folgen würde. Dies umso mehr als Gemeindeangestellte oft die Gesetze nicht kennen und Pestizide auch auf Plätzen und an Strassen einsetzen. Herbizide auf/an Strassen, Heidis Mist.

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Stellenausschreibung Projektleitung „Pestizidreduktion in der Praxis“

11. Februar 2018

 

Projekt «Pestizidfreie Schweizer Landwirtschaft» ist lanciert

Dass es ohne Pestizide geht, halten viele noch für eine Utopie. Hunderte von Bäuerinnen und Bauern in der Schweiz und weltweit beweisen jedoch täglich, dass auch ohne regelmässigen Gifteinsatz eine wirtschaftliche, produktive Landwirtschaft möglich ist. Einer pestizidbefreiten Schweizer Landwirtschaft zum Durchbruch zu verhelfen ist das ehrgeizige Ziel eines neuen Projektes von Vision Landwirtschaft. Eine grosse Zahl an Organisationen aus den Bereichen Landwirtschaft, Umwelt, Gesundheit und Konsum stehen hinter dieser Vision.

Lesen Sie hier weiter!

Stellenausschreibung Projektleitung

Vision Landwirtschaft sucht eine initiative, fachlich versierte Persönlichkeit im Bereich Pestizide und Landwirtschaft.

Sie haben einen landwirtschaftlichen Hintergrund, mindestens 5 Jahre Berufserfahrung, sind zielorientiertes und selbständiges Arbeiten gewohnt, kennen die Landwirtschaft und den Pestizideinsatz aus eigener Erfahrung und sind sich den Umgang mit Bauern und anderen Anspruchsgruppen (z.B. Handel und Behörden) gewohnt.

Anstellungsgrad: 50 bis 100% nach Vereinbarung

Arbeitsort: Hof Litzibuch, 8966 Oberwil-Lieli und – nach Vereinbarung – extern.

Das Arbeitsgebiet betrifft den Themenbereich Pestizide. Sie engagieren sich im Projekt «Pestizidfreie Schweizer Landwirtschaft» dafür, dass die Ziele des Pestizid-Reduktionsplans Schweiz von Vision Landwirtschaft realisiert werden.

Ihre Arbeit setzt sich insbesondere aus folgenden Tätigkeiten zusammen:

  • Initiierung, fachliche Unterstützung und Vernetzung von Praxisprojekten (z.B. pestizidfreie Obst- und Gemüseproduktion, pestizidfreie Regionen u.a.)
  • Landwirtschaftliche Beratung
  • Organisation von Fachanlässen
  • Informationsarbeit

Bei allen Tätigkeiten ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Team des Projektes – dem Geschäftsleiter von Vision Landwirtschaft und der Projektleiterin Projekt «Pestizidfreie Schweizer Landwirtschaft» – sowie die Vernetzung mit zielverwandten Organisationen zentral.

Das Projekt ist auf 3 Jahre angelegt (2018 bis 2020). Es ist eingebettet in ein vernetztes Umfeld zwischen Politik, Behörden, Produzentenorganisationen und anderen NGO’s, öffentlicher Meinung, Medien, Agrarindustrie, Praktiker, Forschung und Beratung. Es ist unumgänglich, flexibel und situativ auf die sich zeigenden Möglichkeiten zu reagieren.

Der Arbeitsumfang ist für drei Jahre sichergestellt (Projektfinanzierung). Für eine darüber hinaus gehende, unbefristete Anstellung wird die Akquise von jeweils der Hälfte des eigenen Arbeitsvolumens erwartet.

Stellenantritt nach Vereinbarung.

Bewerbung und weitere Auskünfte:
Andreas Bosshard, Geschäftsführer Vision Landwirtschaft,
sekretariat@visionlandwirtschaft.ch 

056-641 11 55

11.2.18 HOME

AktivistInnen gegen Plastikmüll an den Traumküsten von Cornwall

11. Februar 2018
Rachel Yates setzt weniger auf Politiker, sondern auf die nächste Generation. Sie informiert in Schulen. Zum Beispiel in dieser Schule wurden acht Umweltbotschafterinnen ausgewählt (im Bild eine davon). Sie werden den anderen klar machen wie solglos sie sind und dass sie die Welt damit töten. Quelle: Video ARD 1.

Rachel Yates setzt weniger auf Politiker, sondern auf die nächste Generation. Sie informiert in Schulen. Zum Beispiel in dieser Schule wurden acht Umweltbotschafterinnen ausgewählt (im Bild eine davon). Sie werden den anderen klar machen wie solglos sie sind und dass sie die Welt damit töten. Quelle: Video ARD 1.

Rachel Yates macht es wütend, weil all der Müll an der Küste von Cornwall auch ein Symptom dafür ist, wie die Gesellschaft in den letzten Jahren aus dem Ruder gelaufen ist: „In der Art wie achtlos wir miteinander umgehen, wie wir konsumieren, wie wir unser Leben führen.“ Sie ist allein in den Kampf gezogen. Allein gegen den Plastikmüll. Allein gegen … Doch inzwischen machen viele mit: Die Surfer, Shops, die Verwaltung … Nun ist Penzance die erste Ortschaft Grossbritanniens, die den Status „Plastik-frei“ innehat, was zwar nicht wörtlich zu nehmen ist, aber v.a. der Wegwerfmentalität wird Grenzen gesetzt.

Wenn die Behörden nichts gegen Missstände unternehmen, dann müssen „AktivistInnen“ einspringen und die Bevölkerung mobilisieren. Plastik gefährdet die Wasser- und Bodenlebewesen, die Oberfläche „sammelt“ Giftstoffe wie Pestizide und Bakterien, auch Krankheitserreger. Plastik ist nicht nur ein ästhetisches Problem.

Cornwall kämpft gegen Plastikmüll, ARD 1, 8.2.18

Penzance wins first plastic-free status award to help clean up beaches. The Guardian, 5.12.17

Die 6 R’s: refuse, reduce, reuse, recycle, rot, remove, Michèle von stadt-land-gnuss.ch, 5.2.18

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Neu: 4’700-facher Anforderungswert im Bach für ein mobiles Pestizid

9. Februar 2018

Bentazon wird als Kontaktherbizid gegen zweikeimblättrige Unkräuter verwendet. Die Pflanzen nehmen es über Blatt und Spross auf. Bentazon hemmt die Photosynthese. Im Boden wird das Herbizid zwar rasch abgebaut, aber es ist sehr mobil und gefährdet somit das Grundwasser (Wikipedia). Vorsorglich verbot das Bundesamt für Landwirtschaft daher die Anwendung von Bentazon in der Grundwasserschutzzone S2, siehe Anwendungsverbote für Pflanzenschutzmittel in den Grundwasserschutzzonen S2 bzw. S2 und Sh.

Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat jetzt für Oberflächengewässer einen neuen Anforderungswert in die Vernehmlassung geschickt. Er ist 4’700-fach höher als der bisherige allgemeine Wert von 0,1 µg/l, nämlich 470 µg/l bzw. 270 µg/l für chronische Belastung. Dies ist erstaunlich! Oberflächengewässer werden als Trinkwasser genutzt; für Trinkwasser gilt ein Anforderungswert von 0,1 µg/l, und zwar auch für Bentazon.

Das Oekotoxzentrum hat Bentazon im Detail evaluiert und sieht für das Leben in den Gewässern und im Hinblick auf eine Anreicherung keine Gefahr, weshalb der hohe Anforderungswert gerechtfertigt sei.

Neuer Anforderungswert im Widerspruch mit der Gewässerschutzgesetzgebung

In der Gewässerschutzverordnung (GSchV) sind die ökologischen Ziele für oberirdische Gewässer formuliert: Die Wasserqualität soll so beschaffen sein, dass Stoffe, die Gewässer verunreinigen können und die durch menschliche Tätigkeit ins Wasser gelangen, im Gewässer nur in nahe bei Null liegenden Konzentrationen vorhanden sind, wenn sie dort natürlicherweise nicht vorkommen. Bentazon kommt natürlicherweise nicht in Gewässern vor.

Oberflächengewässer sind im steten Austausch mit dem Grundwasser, weshalb Substanzen wie Pestizide leicht ins Grundwasser gelangen können, besonders wenn sie so mobil sind wie Bentazon. Auch für das Grundwasser, unsere wichtigste Trinkwasserquelle, gilt ein Anforderungswert von 0,1 µg/l.

Im Gewässerschutzgesetz (GSchG) ist das Reinheitsgebot verankert. Art. 6 Grundsatz schreibt Folgendes vor:

  1. Es ist untersagt, Stoffe, die Wasser verunreinigen können, mittelbar oder unmittelbar in ein Gewässer einzubringen oder sie versickern zu lassen.
  2. Es ist auch untersagt, solche Stoffe ausserhalb eines Gewässers abzulagern oder auszubringen, sofern dadurch die konkrete Gefahr einer Verunreinigung des Wassers entsteht.

Der vorgeschlagene Anforderungswert ist im Widerspruch mit den in der GSchV festgesetzten Zielen und den Geboten des GSchG.

Bentazon in Österreich verboten

In Österreich ist das umstrittene Herbizid verboten. Das Lebensministerium stützt sich auf die Einschätzung zahlreicher Experten, welche auf Probleme im Zusammenhang mit einer möglichen Grundwasserkontamination aufmerksam machen, und zwar auch bei korrekter Anwendung. Aufgrund dieses Sachverhaltes wurde seitens der dafür zuständigen Behörde, dem Bundesamt für Ernährungssicherheit, entschieden, die Zulassung des letzten noch zugelassenen Pflanzenschutzmittels mit dem Wirkstoff Bentazon (Handelsbezeichnung „Artett“), von Amts wegen aufzuheben.

Bentazon in der EU

In der EU macht man sich Sorgen über die Verschmutzung des Grund- und Trinkwassers mit dem mobilen Bentazon, dessen Bewilligung am 30.6.18 abläuft. Zwar möchte die EU-Kommission diese bis 2032 verlängern, doch das EU-Parlament lehnte die Wiederzulassung von Bentazon ab, obwohl die EFSA die Substanz als unbedenklich eingestuft hatte.

Die Europaabgeordneten warnen dagegen vor Bentazon im Grundwasser, wo es im Vereinigten Königreich am häufigsten nachgewiesen wurde. Zudem führen die Abgeordneten mögliche Risiken auf die Embryonalentwicklung bei Ratten an. Vor der Wiederzulassung müssten diese Bedenken geklärt werden.

Aktuelle Klassifikation in der EU Pestizid-Datenbank:

  • Gesundheitsschädlich beim Verschlucken (H302)
  • kann allergische Hautreaktionen verursachen (H317)
  • verursacht schwere Augenreizung (H319)
  • schädlich für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung (H412)

Im Oktober 2014 senkte die EU den Bentazon-Grenzwert für einige Lebensmittel.

EU-Parlament lehnt Wiederzulassung des Herbizidwirkstoffs Bentazon ab, Österr. Arbeitsgemeinschaft für integrierten Pflanzenschutz, 23.11.16

Erfolg: wassergefährdendes Pestizid „Bentazon“ nach jahrelangen Bemühungen aus dem Verkehr gezogen! OÖ. Umweltlandesrat will strengere Zulassungsverfahren und eine drastische Verringerung der derzeit hunderten verschiedenen Pestizide

9.2.18 HOME

Die täglichen Lügen: prophylaktischer Antibiotikaeinsatz beim Tier

8. Februar 2018
Quelle: Sachgemässer Antibiotikaeinsatz, Massnahmen im Bereich Tier, Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen.

Quelle: Sachgemässer Antibiotikaeinsatz, Massnahmen im Bereich Tier, Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen.

Bauern und Vertreter der chemischen Industrie behaupten immer wieder, dass der prophylaktische Antibiotikaeinsatz verboten sei. Das stimmt nicht, er wurde nur eingeschränkt, d.h. keine Abgabe auf Vorrat für den prophylaktischen Einsatz!

Die Bauern dürfen auch weiterhin für die Behandlung von Tieren einen Vorrat an Antibiotika im Schränkchen haben. Für Reserve-Antibiotika gelten lediglich Einschränkungen.

Verordnung über die Tierarzneimittel (Tierarzneimittelverordnung, TAMV),
Anhang 5, Abs. 2, a bis c. Antimikrobielle Wirkstoffe, die nicht auf Vorrat abgegeben werden dürfen:

TAMV, Art. 11; Menge der verschriebenen oder abgegebenen Tierarzneimittel

Zitat aus Bemerkungen zur Checkliste Betriebsbesuch gemäss Anhang 1 TAMV, BLV: „Hingegen müssen Restmengen kritischer Antibiotika zur Entsorgung an den Tierarzt zurückgegeben werden, falls sie nicht für eine aktuelle Indikation verschrieben werden, da sie nicht auf Vorrat gelagert werden dürfen. Ebenso dürfen keine Antibiotika zur Prophylaxe im Vorrat sein.“

Heidi meint: „Das Finden der verschiedenen Vorschriften und Dokumente ist relativ mühsam und es gibt wie üblich zahlreiche Ausnahmen. Wie funktioniert der Vollzug?“


Sachgemässer Antibiotikaeinsatz, Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV).

Verschreibung, Abgabe und Anwendung, BLV

Antibiotika, BLV

Fachgerechter Umgang mit Tierarzneimitteln, BLV

Antibiotika-Resistenz-Problem: Taten sind gefragt! Heidis Mist vom 7.2.18

UNSERE GELIEBTE HEILIGE KUH, Heidis Mist vom 6.2.18

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Antibiotika-Resistenz-Problem: Taten sind gefragt!

7. Februar 2018
Wenn die Kälber auf dem Geburtshof bleiben dürfen und Auslauf ins Freie haben, dann sind sie weniger krankheitsanfällig und brauchen kaum Antibiotika.

Wenn die Kälber auf dem Geburtshof bleiben dürfen und Auslauf ins Freie haben, dann sind sie weniger krankheitsanfällig und brauchen kaum Antibiotika.

Das Antibiotika-Problem ist schon lange bekannt. Zum Beispiel das Nationale Forschungsprogramm «Antibiotika-Resistenz» (NFP 49) wurde nach fünf Jahren im Juni 2006 abgeschlossen mit u.a. folgenden Schlussfolgerungen:

“…Ergebnisse zeigten, dass in der Tiermast eingesetzte Sulphonamide (SA) durch das Ausbringen der Gülle in vergleichbar hoher Konzentration wie Herbizide ins Erdreich gelangen und dort mehrere Wochen oder Monate persistieren. Darüber hinaus wurde nachgewiesen, dass das Erdreich ein beträchtliches Reservoir für Resistenzgene darstellt…

…Antibiotikaresistenz ist in ständiger Evolution und muss mit einer Vielzahl von multidisziplinär entwickelten Strategien bekämpft werden…”

Franziska Herren, Initiantin der Trinkwasser-Initiative, macht seit fünf Jahren auf das die Probleme mit Antibiotika aufmerksam und Heidi schrieb am 23.3.12 den Artikel Kreislauf der Krankheitskeime mit Verweis auf eine Eawag-Studie Genfersee (Abwasser) sowie einen Science-Beitrag über den Austausch von Resistenzen mit Bodenorganismen.

Es scheint Heidi, dass sich die Bevölkerung Sorgen macht, die zuständigen Ämter aber wenig unternehmen.

Ein paar neuere Links:

Folgenden Link hat Heidi von „w p“ erhalten, siehe auch Kommentar zu UNSERE GELIEBTE HEILIGE KUH… –  A game of chicken: how Indian poultry farming is creating global superbugs. The Bureau of Investigative Journalism, 30.1.18.

Aus Deutschland eingetroffen:
Wie gefährlich sind resistente Keime? Tageschau vom 6.2.18

Gefährliche Keime in Gewässern entdeckt. Tagesschau vom 6.2.18

und aus der Schweiz:
Auf der Spur der Superkeime, NDR vom 6.2.18

ANTIBIOTIKARESISTENZEN IM TRINKWASSER? Helmut Bürgmann, Eawag, Abteilung Oberflächengewässer und Stefanie Imminger, Universität Wien, Departement für Mikrobiologie und Ökosystemforschung, Division Mikrobielle Ökologie. Aqua & Gas Nr. 10, 2017

Gewässerschutz versagt. Multiresistente Keime in Bächen, aber GroKo will Verbraucher zahlen lassen. Lebensraum Wasser/Der Wasser-Blog, Siegfried Gendries, 7.2.18

Heidis Artikel mit Verweis auf Antibiotika

7.2.18 HOME

UNSERE GELIEBTE HEILIGE KUH

6. Februar 2018

Danke NaNa für diese interessante Datensammlung und den Cartoon!

Die im Bericht Umweltziele Landwirtschaft (BAFU/BLW 2008) festgelegten Ziele zeigten auf, dass gerade im Bereich der landwirtschaftlichen Stickstoffemissionen teilweise beträchtliche Lücken zwischen den gesetzlich festgehaltenen Umweltzielen und der Ist-Situation bestehen. Beim Ammoniak beispielsweise, müssten die Emissionen aus der Landwirtschaft von gegenwärtig rund 48 kt N (Kupper et al. 2009) auf 25 kt N (BAFU/BLW 2008) annähernd halbiert werden, damit eine substanziell schädigende Wirkung in sensiblen Ökosystemen
verhindert werden kann. Auch bei den Zielsetzungen für die nationale Nitratfraktion ist die Lücke beträchtlich.

Quelle: Entwicklung der landwirtschaftlichen Stickstoff-Emissionen bis im Jahr 2020. Simon Peter, Institute for Environmental Decisions IED, ETH Zürich, Agrarforschung Schweiz 2(4): 162-169, 2011

Die Schweizer Landwirtschaft gibt jährlich 211 Mio. Franken für Dünger aus. Das entspricht 3,3 Prozent der Gesamtausgaben für landwirtschaftliche Vorleistungen. Der Gesamtmarkt in der Schweiz umfasst rund 240‘000 Tonnen pro Jahr, in Deutschland 2,4 Mio. Tonnen.

Quelle: Dünger bis zu 31% teurer als in Deutschland. Schweizerbauer vom 1.2.18

Agrarumweltindikatoren (AUI), Agrarbericht 2017, Bundesamt für Landwirtschaft.

Agrarumweltindikatoren (AUI), Agrarbericht 2017, Bundesamt für Landwirtschaft.

Ergänzung von Heidi

Soeben von PAN Germany eingetroffen:

TV-Tipp: Heute 21:15 Uhr NDR Fernsehen

Auf der Spur der Superkeime

Dienstag, 6. Februar 2018, 21:15 bis 21:45 Uhr
Donnerstag, 8. Februar 2018, 02:15 bis 02:45 Uhr

NDR Fernsehen, Panorama – die Reporter

NDR Reporter haben Gewässerproben aus Niedersachsen auf antibiotikaresistente Keime untersuchen lassen. Überall wurden sie fündig. Das Umweltbundesamt fordert Konsequenzen.

Gefährliche Keime in Bächen, Flüssen und Seen, NDR.

Pflanzenschutzmittel: Kosten sie uns mehr als sie nützen? Heidis Mist vom 23.3.16

6.2.17 HOME

Direktor Papiliorama: „Wir können der Welt den Weg weisen.“

5. Februar 2018
Video der Volksinitiative "Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide". Copyright Future 3.0

Video der Volksinitiative „Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide“. Copyright Future 3.0

Heidi hat einen Brief erhalten von Caspar Bijleveld, dem Direktor des Papilioramas in Kerzers:

Liebe Freunde und Kollegen aus allen Ecken und Nischen

Pestizid-Cocktails findet man heute überall im Boden, im Wasser und schliesslich in unserem Körper. Nebst der Gefährlichkeit für uns, unsere Bauern und unsere Kinder, ist die Biodiversität überall voll am Abstürzen: 75% der Biomasse der Insekten (Bindeglieder zwischen Boden, Pflanzen und allen anderen Lebewesen) sind in den letzten 20 Jahren verschwunden. Unsere Flüsse besitzen kaum mehr Fische, weil die Jungfische keine Nahrung mehr finden. Unsere Bauern sind in der mit diesen synthetischen Pestiziden verbundenen industriellen Landwirtschaft gefangen und werden ohne unsere Hilfe nicht davon wegkommen.

Die Intiative Future 3.0 schlägt vor, die Schweiz mit einer Übergangsphase von 10 Jahren von den synthetischen Pestiziden zu befreien. Es ist absolut machbar. Siehe www.future3.ch

Wir haben 74’246 Unterschriften gesammelt nur dank dem guten Willen von tausenden von Leuten in der Schweiz. Wir müssen bis Ende März noch ungefähr 40’000 Unterschriften sammeln, um sicher zu sein, dass wir die benötigten 100’000 gültigen Unterschriften beieinander haben. Es ist absolut machbar, aber wir brauchen dringend Ihre Hilfe! Sie können uns auf zwei einfache Arten unterstützen.

  • Diese Nachricht mit beigelegten PDFs an alle Ihre Kontakte schicken
    Folgende Instruktionen mitgeben:
    – PDF drucken
    Unterschreiben und von anderen Personen unterschreiben lassen
    In einem Couvert an die angegebene Adresse schicken
    – Botschaft an alle Ihre Bekannten weiterleiten
    Achtung: NUR EINE POSTLEITZAHL PRO BLATT. Nur SchweizerInnen, welche über 18 Jahre alt sind, dürfen unterschreiben.
  • Eine Spende machen:
    Wir haben Teams von jungen Leuten, die für uns Unterschriften sammeln. Wir unterstützen sie mit 1 Franken pro Unterschrift. Wir brauchen noch zusätzliche finanzielle Mittel. Beteiligen Sie sich am Crowdfunding-Projekt von Future 3.0
    https://wemakeit.com/projects/stop-synthetic-pesticides

Merci vielmals im Voraus! Eine andere Schweiz ist möglich; wir können der Welt den richtigen Weg zeigen!

Für das Initiativkomitee

Caspar Bijleveld

Wenn Sie, liebe Leserin, lieber Leser, die Initiative noch nicht unterschrieben haben, hier ist der Interschriftenbogen in Deutsch und hier ist der französische. Bitte einreichen bis 29.3.18. Die Sammelfrist läuft bis 29.5.28.

Das Crowdfounding läuft noch 10 Tage, bereits haben 129 Personen Future 3.0 unterstützt mit 15’308 Franken. 25’000 Franken sind das Ziel. Es fehlen noch 9’692. Machen Sie mit!

Schweizerische Fischer-Zeitung 2/18, soeben eingetroffen:

Der Schweizerische Fischerei-Verband SFV unterstützt zwei Pestizid-Volksinitiativen. «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung» wurde am 18. Januar 2018 mit 114 420 Unterschriften bei der Bundeskanzlei eingereicht. «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» hingegen braucht dringend Unterschriften. Information dazu unter nachfolgendem Link. Unterschriftbogen per Post bis Ende März 2018 schicken an:

Schweizerischer Fischerei-Verband,
Wankdorffeldstrasse 102,
Postfach 371, 3000 Bern 22

Pestizide: An die «Säcke»! Jeder Fischereiverein sammelt Unterschriften!

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