Das Ende der Maya: Wasserknappheit kann Kulturen zerstören

25. August 2016
Warum wurden nach der "klassischen Periode" keine Maya-Tempel mehr gebaut? Copyright: Thomas Oudega

Warum wurden nach der „klassischen Periode“ keine Maya-Tempel mehr gebaut? Copyright: Thomas Oudega

An der Technischen Universität (TU) Wien werden Rechenmodelle entwickelt, in denen gesellschaftliche und hydrologische Effekte analysiert werden. Das bringt nicht nur Einblicke in alte Kulturen, sondern auch in unsere eigene Zukunft.

Niedergang der Maya

Innert kurzer Zeit erlebte die blühende Hochkultur der Maya einen Einbruch. Der Grund ist bis heute umstritten, eine mögliche Erklärung liefern nun Modellrechnungen der TU Wien: Die Bewässerungstechnik, die den Maya in Dürrezeiten oft wichtige Dienste geleistet hat, könnte die Gesellschaft verwundbarer gegenüber grossen Katastrophen gemacht haben.

Daraus könnten wir für unsere Zeit wichtige Schlüsse ziehen: Man muss mit natürlichen Ressourcen sorgsam umgehen – wenn technische Massnahmen bloss die oberflächlichen Symptome einer Ressourcenknappheit bekämpft, ohne dass man das Verhalten anpasst, wird die Gesellschaft verwundbar.

Ein neues Forschungsgebiet: Die Sozio-Hydrologie

Linda Kuil, Dissertantin von Prof. Günter Blöschl, TU Wien: „Das Wasser beeinflusst die Gesellschaft und die Gesellschaft beeinflusst das Wasser. Der Vorrat an Wasser bestimmt, wie viel Nahrung zur Verfügung steht, und beeinflusst somit das Bevölkerungswachstum. Umgekehrt wird bei einer Bevölkerungszunahme auch in den natürlichen Wasserkreislauf eingegriffen – etwa durch den Bau von Wasserreservoirs.“

An der TU Wien versucht man, die Wechselwirkungen zwischen Soziologie und Hydrologie in mathematische Modelle zu fassen, z.B. Zusammenhang zwischen Wasserknappheiten in jüngerer Vergangenheit und dem gesellschaftlichen Willen, neue Wasserreservoirs zu bauen. So entstand das Forschungsgebiet der Sozio-Hydrologie.

Fluch und Segen der Wasserreservoirs

Das Modell zeigt, dass Wasserreservoirs tatsächlich helfen, kleinere Dürreperioden gut zu überstehen. Während die Maya-Bevölkerung in der Simulationsrechnung ohne Reservoirs nach einer Dürre zurückgeht, kann sie mit geeigneten Wasservorräten immer noch weiterwachsen. Das macht aber die Population in bestimmten Fällen verwundbar: Das Verhalten bleibt gleich, der Wasserbedarf pro Kopf wird nicht gesenkt, aber die Bevölkerung wächst weiter. Kommt es dann abermals zu einer Dürre, kann das zu schlimmen Konsequenzen führen – mit einem Populationseinbruch, der dramatischer ist, als er ohne Wasserreservoirs gewesen wäre.

Bewusst mit Ressourcen umgehen

Ob Wasserknappheit der Grund für den Niedergang der Maya war, wird sich wohl nie eindeutig klären lassen. Es ist eine Möglichkeit unter anderen, zeigt aber, wie verwundbar eine technisierte Gesellschaft sein kann.

Linda Kuil: „Wenn man es mit knappen Ressourcen zu tun hat, dann sind die scheinbar einfachsten Lösungen nicht immer die besten. Man muss das Verhalten ändern, man muss die Abhängigkeit der Gesellschaft von dieser Ressource überdenken und den Verbrauch reduzieren – sonst kann es trotz kluger technischer Lösungen passieren, dass die Gesellschaft nicht sicherer, sondern im Gegenteil immer katastrophenanfälliger wird.“

Das Ende der Maya: Wasserknappheit kann Kulturen zerstören, Technische Universität Wien, 23.8.16

Conceptualizing socio-hydrological drought processes: The case of the Maya collapse, AN AGU JOURNAL, Online Library Willey, 16.8.16

25.8.16 HOME

Aktiv unsere Zukunft gestalten – durch eine vielfältige Agrikultur

20. August 2016
Wie und wo sollen unsere Lebensmittel produziert werden?

Wie und wo sollen unsere Lebensmittel produziert werden?

Ein politisch und konfessionell neutraler gemeinnütziger Verein, der keiner Interessengruppe verpflichtet ist, lädt ein zu einem Vortrag, einer Podiumsdiskussion und informellen Gesprächen. Es ist agrarinfo. Der Verein stützt sich auf ein breites Netz von grossen und kleinen Organisationen, die sich für Menschen, Umwelt, Boden, Luft und Wald einsetzen. Die Vision von agrarinfo:

  • Gesunde Böden geben gesunde Lebensmittel und gesundes Wasser.
  • Lokale Verarbeitung und Versorgung erlauben die Kontrolle der Wertschöpfungskette.

Die Veranstaltung trägt den Titel Aktiv unsere Zukunft gestalten – durch eine vielfältige Agrikultur. Sie findet statt am Samstag, 27.8.16, auf dem Biohof im Fondli, Spreitenbacherstrasse 35 in 8953 Dietikon ZH.

Programm

Lokale Kreisläufe fördern die Wirtschaft, die soziale Vernetzung und das Gemeinwohl. Das zeigen Geschäftsmodelle wie die Regionalwert AG, der Bachsermärt, Vertragslandwirtschaftsprojekte, Gemeinschaftsgärten. Sie bieten bewussten Konsumenten interessante Alternativen.

Wie wollen und können wir unsere Zukunft mitgestalten?

10.30 Begrüssung durch Samuel Spahn uniterre und Christine Hürlimann agrarinfo
10.45 Vortrag von Christian Hiss, Initiant und CEO der Regionalwert AG, Deutschland.
Regionale und ökologische Entwicklung in der Region. Mit dem Kauf der Aktien übernehmen BürgerInnen Mitverantwortung für ihre Region, entlang der Wertschöpfungskette vom Feld bis auf den Tisch. Die Zielmarke ist die wirtschaftlich profitable Ernährungssouveränität der Bevölkerung in überschaubaren regionalen Wirtschaftsräumen.
11.50 Podiumsdiskussion zur Frage „Wie könnte eine zukunftsfähige Gestaltung einer regionalen Land- und Ernährungswirtschaft aussehen?“
Moderation: Adrian Krebs, Chefredaktor Bauern Zeitung
Teilnehmer:
Martin Brugger, Stv. Leiter Dept. Wirtschaft Bildung und Internationales beim Schweizer Bauernverband
Reto Cadotsch, Agronom und Landwirt, Pionier der Vertragslandwirtschaft
Patrick Honauer, u.a. Gründer BachserMärt und greenabout (no waste let’s taste)
13.00 Einfaches Mittagessen (regional-biologisch), Unkostenbeitrag 12 Franken
14.00 Hofführung

Eintritt: frei. Anmeldung erwünscht und Rückfragen willkommen an zukunft@agrarinfo.ch

Anreise: bitte wenn möglich die öffentlichen Verkehrsmittel benützen. Ab Bahnhof Dietikon mit Bus Nr. 303 Richtung Spreitenbach bis Haltestelle ASP. Von dort ein paar hundert Meter zurück und beim Wegweiser rechts einbiegen, siehe Infos Hof im Fondli.

Interessierte Privatpersonen und in diesem Bereich tätige Organisationen sind herzlich willkommen. agrarinfo freut sich auf einen regen Austausch und Inspiration.

Flyer der Veranstaltung

Verpackungen reduzieren

Die Schweiz gehört zu den Ländern, welche am meisten Abfälle verursachen. Viele Lebensmittel sind in den Läden von Patrick Honauer (BachserMärt) im Offenverkauf erhältlich. Dies reduziert die Umweltbelastung. Solche Läden gibt es auch in Berlin, Wien, Barcelona… Nun ist der Trend in den USA angekommen.

Meist ist es umgekehrt. So verursachen die Kaffeebecher von Starbucks, Caffe Nero und Costa in Grossbritannien grosse Abfallberge, denn das versprochene Recycling funktioniert nicht. Es sind alles leere Versprechungen. Handfeste Tatsache ist aber, dass täglich sieben Millionen Becher als Abfall anfallen.

A Whole New Kind Of Grocery Store Is Coming To The U.S., Zero-waste retailers imagine a world with much less garbage. The Huffington Post 7.5.16

Viewpoint: The waste mountain of coffee cups, BBC 27.7.16

Verpackungen: Lassen wir uns verführen? Heidis Mist 24.4.15

20.8.16 HOME

 

Bauern fordern: Kein Gewässerraum für 80% der Bäche

19. August 2016
Der Faulbaum wird auch Wunderbaum genannt. Kann er die häufigsten Gewässer in der Schweiz schützen? Wir alle müssen ihm dabei helfen und gegen die neueste Attacke auf die Gewässerschutzverordnung protestieren.

Der Faulbaum wird auch Wunderbaum genannt. Kann er die häufigsten Gewässer in der Schweiz schützen? Wir alle müssen ihm dabei helfen und gegen die neueste Attacke auf die Gewässerschutzverordnung protestieren.

Die Bauern verlangen, verlangen, verlangen … und meist erhalten sie das, was sie verlangen, etwa keine Kürzungen bei den Direktzahlungen, obwohl der Bund fast überall sparen muss.

Jetzt verlangt der Zentralschweizer Bauernbund, dass alle Gewässer mit einer Gerinnesohle von zwei Metern Breite und kleiner zu den „sehr kleinen Gewässer“ zählen (Bauernzeitung, Ausgabe Zentralschweiz und Aargau von heute 19.8.16). Für diese müssen die Kantone gemäss Vernehmlassung Gewässerschutzverordnung (GSchV) keinen Gewässerraum ausscheiden. In der Schweiz sind 80% der Gewässer davon betroffen.

Bereits bei der letzten Revision der GSchV und der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung wurde der Gewässerschutz vermindert, indem die Messung der Pufferstreifen ab Uferlinie statt ab Böschungsoberkante (international üblich) eingeführt wurde. Wenn nun Behörden und Parlament einmal mehr dem Wunsch der Bauern folgen, dann sind die meisten Flüsse und Bäche massiv schlechter geschützt als vor der Volksinitiative des Schweizerischen Fischerei-Verbands „Lebendiges Wasser“. Das wäre ein grosser volkswirtschaftlicher Irrtum, den wir Steuerzahlende in Zukunft berappen müssten. Schon heute sind viele dieser Bäche und Flüsse stark verschmutzt, v.a. durch Dünger und Pestizide aus der Landwirtschaft.

Dies ist ein Aufruf an alle LeserInnen zum Handeln, Eingabeschluss Vernehmlassung 15.9.16. Hier die Adresse:

Bundesamt für Umwelt, Sektion Politische Geschäfte, 3003 Bern.
Wenn möglich elektronisch als PDF- und Word-Dokument übermitteln an
polg@bafu.admin.ch

Vernehmlassungen UVEK

Weitere Verwässerung des Gewässerschutzes verhindern! Heidis Mist 27.7.16

Der Acker rückt näher an den Bach, Heidis Mist 29.5.13

Mit dem Wasser macht man keine Kompromisse!, Heidis Mist 11.6.13

„Harmonisierte“ Pufferstreifen an Gewässern, Heidis Mist 25.5.14

19.8.16 HOME

Korrigendum zu „Dänemark will erstes 100% Bio-Land der Welt werden“

13. August 2016

Geschätzte Abonnentinnen und Abonnenten

Etwas leichtsinnig hat Heidi einen Titel der netzfrauen übernommen, nämlich „Dänemark will erstes 100% Bio-Land der Welt werden“. Das stimmt so nicht! Dänemark will den Bio-Landbau und -Konsum stark fördern, den Anbau verdoppeln. Der Inhalt des Artikels hat Heidi direkt dem Bio-Aktionsplan des Ministeriums für Lebensmittel, Landwirtschaft und Fischerei entnommen; er entspricht den Dänischen Zielen.

Ein Leser hat Heidi auf den Fehler und dessen Ursprung aufmerksam gemacht. Danke! Er meint, dass diese Information der Bio-Landwirtschaft schade, wo doch Dänemark sehr viel mehr Dünger importiere als die Schweiz. Hier der Fehler:

EDITOR’S NOTE – 11th January 2015: In the original posting of this article we made some mistakes. Our original posting claimed the new farming plans would make Denmark 100% organic – this was incorrect and has since been amended. Wording ‘entire country’ has also been amended to rectify this mistake and a new line explaining that the plan is to ‚double the country’s organically cultivated areas‘ has been added.

The Great Danish Plan to Become More Organic, Fine Dining Lovers, 16.7.15

Heidi hat den Titel des Artikels geändert und einen Link zum Beitrag von Fine Dining Lovers angebracht. Der alte Titel ist wohl ein bisschen zu schön, um wahr zu sein. Also hat die Schweiz immer noch eine Chance, erstes Bio-Land der Welt zu werden?!

Bitte, liebe Leser und Leserinnen, entschuldigt den Fehler.

13.8.16 HOME

Dänemark fördert Bio-Landbau und -Konsum

12. August 2016
Organic Action Plan for Denmark, Working together for more organics. Copyright: Ministry for Food, Agriculture and Fisheries.

Organic Action Plan for Denmark, Working together for more organics. Copyright: Ministry for Food, Agriculture and Fisheries.

Während die Schweiz an einem Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln werkelt, hat Dänemark seit Januar 2015 einen Bio-Aktionsplan. Längst haben weitsichtige Bauern, Organisationen und Politiker Dänemark zu einem weltweit führenden Land für Bio-Landbau und -Produkte gemacht.

Ziel ist es, die Bio-Anbaufläche bis 2020 zu verdoppeln (Basis 2007). Bei der Umstellung auf Bio sollen jene Betriebe, welche im Besitze der Öffentlichkeit sind, führend sein. Weiter fördert Dänemark die Verwendung von Bioprodukten durch die KonsumentInnen.

Bio-Wissen soll in Schulen und in der landwirtschaftlichen Ausbildung vermittelt werden und Forschung und Export sind zu stärken. Dänemark will die Bio-Produktion und den Konsum von biologischen Produkten zum Wohle der Umwelt, der Natur, des Tierwohls und künftiger Generationen fördern.

Organic Action Plan for Denmark, Working together for more organics, Minister for Food, Agriculture and Fisheries, Januar 2015

The Great Danish Plan to Become More Organic, Fine Dining Lovers, 16.7.15

TOLL! Dänemark Will Erstes 100%-Bio-Land Der Welt Werden – Amazing Denmark Is Set To Become World’s First 100% Organic Country, netzfrauen, 28.7.16

Pestizide: Vorbild Dänemark, Heidis Mist vom 23.8.13

12.8.16 HOME

Qualität der St.Galler Bäche ist oft ungenügend

9. August 2016
Vera Leib vom Amt für Umwelt und Energie des Kantons St. Gallen in einem sehr kleinen Gewässer. Copyright AFU.

Vera Leib vom Amt für Umwelt und Energie des Kantons St. Gallen in einem sehr kleinen Gewässer. Copyright AFU.

Die Auswertung der mehrjährigen Messreihe des Amtes für Umwelt und Energie (AFU) zeigt erhebliche Mängel bei der Qualität der kleinen Fliessgewässer im Kanton St.Gallen. Von den 50 untersuchten Bächen erfüllen nur gerade 15 die Anforderungen der eidgenössischen Gewässerschutzverordnung; das sind 30%. Die Ursachen und Folgen sind vielfältig. Die Gewässerbiologin Vera Leib vom AFU erläutert die Situation in einem Video.

Lebensadern „Kleine Gewässer“

Seit dem Jahr 2011 untersucht das AFU des Kantons St.Gallen routinemässig die Gewässerqualität ausgewählter kleiner Bäche. Nach fünf Jahren wurden die Ergebnisse ausgewertet. Sie bestätigen die wenig erfreuliche Situation, die schon in früheren Kampagnen festgestellt wurde.

Abwasser, Abschwemmung von Landwirtschafts- und Verkehrsflächen

Die Ursachen für die Gewässerbelastung sind vielfältig und meistens wirken mehrere Belastungsquellen auf das gleiche Gewässer ein. Einzelne Bäche waren so stark mit Bakterien bewachsen, dass sich ein sogenannter Abwasserpilz bildete. Ursache für diese Art der Belastung ist oft ungenügend gereinigtes Abwasser, das direkt in die Gewässer eingeleitet wird. Auch Abschwemmungen von Landwirtschafts- oder Verkehrsflächen belasten kleine Bäche stark.

Lebensraum für kleine Wasserlebewesen

Kleine Fliessgewässer sind wichtige Lebensräume für zahlreiche kleine Wasserlebewesen wie Köcher– oder Steinfliegenlarven und Bachflohkrebse. Auch Grosskrebse, insbesondere der Steinkrebs, und zahlreiche Fische, die hier laichen und aufwachsen, sind auf gesunde Bäche angewiesen. Im Gegensatz zu grösseren Flüssen reagieren Bäche mit ihrer geringen Wassermenge sensibler auf Verschmutzungen oder auf häufig und rasch wechselnde Wasserstände. Gleichzeitig sind intakte Seitenbäche unabdingbar für eine rasche Wiederbesiedlung durch Gewässertiere, wenn es im Hauptgewässer zu Störungen oder Ausfällen gekommen ist.

Verbesserung erfordert viel Detailarbeit

Oft ist es schwierig, die Ursachen für einen schlechten Zustand zu finden, da verschiedene Belastungsquellen in Frage kommen. Diese müssen individuell gesucht und beurteilt werden. Wo immer möglich, leitet das AFU Massnahmen ein. Um die Gewässerqualität der kleinen Fliessgewässer nachhaltig zu verbessern, sind viel Detailarbeit und Geduld gefragt.

Weitere Informationen: Qualität der St. Galler Bäche ist oft ungenügend, Vera Leib, Amtes für Umwelt und Energie AFU, 4.6.16

9.8.16 HOME

Bäche und Flüsse: Keines der 3 Entwicklungsziele erreicht!

4. August 2016
Ergebnisse der Nationalen Beobachtung Oberflächenwasserqualität (NAWA).

Ergebnisse der Nationalen Beobachtung Oberflächenwasserqualität (NAWA).

Das Bundesamts für Umwelt (BAFU) informierte am 14.7.16 an einer Medienkonferenz und in einer Medienmitteilung über den (schlechten) Zustand der oberirdischen Gewässer. Wasserqualität: Wie geht es den Bächen und Flüssen in der Schweiz? Das ist der Titel einer sehenswerten animierten Bildgeschichte des BAFU zum Zustand der Fliessgewässer (NAWA). Im Video sind die Zusammenhänge anschaulich erklärt. Auszug:

„… Bis jetzt haben wir noch keines der drei Entwicklungsziele erreicht, die im Leitbild Fliessgewässer formuliert wurden. Es besteht also weiterhin Handlungsbedarf, um den Gewässerraum zu sichern, die Wasserführung zu verbessern und die Wasserqualität zu steigern…“

Wie geht es den Bächen und Flüssen in der Schweiz? BAFU, youtube 14.7.16.

4.8.16 HOME

Grüsse aus S-chanf und Zuoz – Mit Mist

3. August 2016
S-chanf: Alle in S-chanf fotografierten Misthaufen befinden sich auf der rechten Seite des Inns. Copyright Theo.

S-chanf: Alle in S-chanf fotografierten Misthaufen befinden sich auf der rechten Seite des Inns. Copyright Theo.

Liebe Heidi

Manuela hat mich gebeten, dir meine Misthaufen-Fotos zu schicken. Ich sende dir die Original-Files. Du kannst sie selber für das Web verkleinern. Mehr nach den Ferien!

Grüsse aus dem Engadin

Theo und der Velo-Club

Nachtrag: Heidi hat vergessen zu erwähnen, dass beim Mist in Zuoz vermutlich links neben dem Misthaufen ein weiterer Container steht. Diese Behälter sind nicht dicht, Regen-/Sickerwasser fliesst aus dem Container in den Boden.

Grüsse aus Zuoz im Engadin – mit Mist, Heidis Mist 31.7.16

Drei Misthaufen (und Siloballen), im Hintergrund der Inn und das Dorf S-chanf. Copyright Theo.

Drei Misthaufen (und Siloballen), im Hintergrund der Inn und das Dorf S-chanf. Copyright Theo.

Das ist der fünfte Misthaufen! In der Bildmitte, hinter den Bäumen. Copyright Theo.

Das ist der fünfte Misthaufen! In der Bildmitte, hinter den Bäumen. Copyright Theo.

Kleiner Pferdemisthaufen bei der Brücke von S-chanf. Reiten und Biken sind hier beliebt, siehe im Hintergrund zwei Autos mit Velos. Copyright Theo.

Kleiner Pferdemisthaufen bei der Brücke von S-chanf. Reiten und Biken sind hier beliebt, siehe im Hintergrund zwei Autos mit Velos. Copyright Theo.

Hier noch ein Misthaufen in Zuoz. Er liegt bei einem Hof mit Fotovoltaik auf dem Scheunendach und Biogasanlage. Links davon ist ein (undichter) Container mit Mist hinter dem Gebüsch. Manuela hat wenig flussabwärts das Bild mit dem Mist-Container gemacht. Das hast du ja schon veröffentlicht. Im Hintergrund der Golfplatz und drei grosse Hallen. Copyright Theo.

Hier noch ein Misthaufen in Zuoz. Er liegt bei einem Hof mit Fotovoltaik auf dem Scheunendach und Biogasanlage. Links davon ist ein (undichter) Container mit Mist hinter dem Gebüsch. Manuela hat wenig flussabwärts das Bild mit dem Mist-Container gemacht. Das hast du ja schon veröffentlicht. Im Hintergrund der Golfplatz und drei grosse Hallen. Copyright Theo.

3.8.16 HOME

Grüsse aus Zuoz im Engadin – mit Mist

31. Juli 2016
Blauer Himmel, grüner Inn, alter Silo, Siloballen, Mist-Container in Zuoz. Von der Fussgängerbrücke aus aufgenommen. Copyright Manuela R.

Blauer Himmel, grüner Inn, alter Silo, Siloballen, Mist-Container in Zuoz. Von der Fussgängerbrücke aus aufgenommen. Copyright Manuela R.

Mist-Container. Copyright Manuela R.

Mist-Container. Copyright Manuela R.

Hallo Heidi

Wir haben ein paar leichte Velotouren im Engadin gemacht. Für nächste Woche sind dann strengere vorgesehen …

Was meinst du zu diesem Container mit Mist unmittelbar am Ufer des Inns?

Die Bauern sind am Heuen bzw. am Siloballendrehen. Auch Misthaufen liegen herum, teilweise gedeckt. Ich habe keine fotografiert, aber wahrscheinlich wird dir jemand aus unserer Gruppe noch welche schicken …

Wir können dich selbst in den Ferien nicht vergessen!

Grüsse aus Zuoz

Manuela und unser Velo-Club

Heidis Antwort: „Der Container liegt im Gewässerschutzbereich Ao, siehe Gewässerschutzkarte Graubünden. Dieser dient dem Schutz der Wasserqualität des Inns. Solche Container sind nicht wasserdicht, bei Regen kann also verschmutztes Wasser austreten, selbst bei Pferdemist. Bereits wachsen auf der ganzen Länge der oberen Seite des Containers breitblättrige Kräuter als Folge der reichlichen Nährstoffzufuhr. Zwar ist in diesem Fall kaum eine grosse Gewässerverschmutzung zu erwarten, wahrscheinlich wird „nur“ der Pufferstreifen gedüngt, was gemäss der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung verboten ist. Keine Katastrophe, aber es zeigt, wie wenig die Bauern für den Schutz der Gewässer sensibilisert sind.

Und was geschieht bei einem Hochwasser?“

Nachtrag 1.8.16: Thomas schrieb Heidi das Folgende: „Ich habe auf der Gewässerschutzkarte im Feld Suche Ort, Objekte … Zuoz eingegeben. Auf einer Drop-down-Liste war Wasser Zuoz (Gefahrenprozess). Das habe ich gewählt und die nachfolgende Karte erhalten. Der Container liegt im Gefahrenprozess der Rüfe Ova d’Arpiglia.“

Zuoz Wasser (Gefahrenprozess): Der Mist-Container liegt im violetten Bereich! Gewässerschutzkarte GR.

Zuoz Wasser (Gefahrenprozess): Der Mist-Container liegt im violetten Bereich! Gewässerschutzkarte GR.

31.7.16 HOME

 

Weitere Verwässerung des Gewässerschutzes verhindern!

27. Juli 2016
Lurchi-Land - bald nur noch aus Künstlerhand?

Lurchi-Land – bald nur noch aus Künstlerhand?

Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) schickte im Mai einen Vorschlag zur Änderung der Gewässerschutzverordnung (GSchV) in die Vernehmlassung, welche bis 15.9.16 dauert, Inkrafttreten per 1.1.17.  Sie verschafft den Kantonen mehr Handlungsspielraum, siehe Motion 15.3001, Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Ständerates (UREK-S).

Unsinniger Vorschlag zur Änderung der GSchV

Die Gewässerschutzverordnung vom 28. Oktober 1998 wird unter anderem wie folgt geändert, Entwurf vom 23.5.16:

Art. 41a Abs. 5 Bst. d
5
Soweit keine überwiegenden Interessen entgegenstehen, kann auf die Festlegung des Gewässerraums verzichtet werden, wenn das Gewässer:
d. sehr klein ist.

Die Interpretation von „sehr klein“ gibt den Kantonen grossen Handlungsspielraum, denn das ist „sehr subjektiv“. Doris Leuthard sagte in der Nationalratsdebatte, Link zu Text und Video: „… Und der Kanton legt auch fest, was kleine Gewässer sind, für die er ebenfalls auf den Gewässerraum verzichten kann…“

Auszug aus dem erläuternden Bericht: „Der Verzicht der Ausscheidung des Gewässerraumes bei sehr kleinen Gewässern zu Gunsten der Landwirtschaft geht zu Lasten der Umwelt. Der Schutz dieser Gewässer ist zwar wie bisher über die Chemikalien-Risiko-Reduktions-Verordnung (ChemRRV) und die Direktzahlungsverordnung (DZV) geregelt. Aufgrund der neuen Messweise ab Uferlinie statt wie bisher ab Böschungsoberkante sind die Gewässer jedoch künftig schlechter geschützt.

Dieser „Bauernwunsch“ ist schon im Merkblatt Gewässerraum und Landwirtschaft enthalten, nun will man ihn auf Gesetzesebene verankern. Dagegen muss in der Vernehmlassung Einspruch erhoben werden. Und zwar energisch!

Starke Verschmutzung der kleinen Gewässer

Gerade die kleinen Gewässer sind oft besonders stark mit Nährstoffen und Pestiziden verschmutzt, siehe Grosse Defizite beim biologischen Zustand der Schweizer Fliessgewässer, BAFU 14.7.16. Die Wasserqualität der kleinen Gewässer wird nur in seltenen Ausnahmefällen untersucht, denn das käme zu teuer für die zuständigen Behörden, auch fehlen die Ressourcen. Wo nicht kontrolliert wird, da kann das Gesetz ruhig verwässert werden, denn niemand merkt, wenn es übertreten wird. Irgendwann wird man über die verlorene Biodiversität klagen und viel Geld für deren Rettung sprechen. Geld für wen? Für die Bauern natürlich!

Was ist ein „sehr kleines Gewässer“?

Besonders wenn es um die Landwirtschaft geht, werden die Gesetze so schwammig formuliert, dass vieles darin Platz hat. Heidis Umfrage zeigt, dass die Meinungen darüber, was ein „sehr kleines Gewässer“ ist, beträchtlich auseinander gehen.

Der Norddeutsche Fliessgewässerökolog Dr. Ludwig Tent schrieb Heidi: „Ein sehr kleines Fliessgewässer kann eigentlich nur der Oberlauf gleich unter dem Quellbereich sein. Also „Lurchi-Land“, das Schützenswerteste überhaupt! Es ist wirklich traurig, dass solch Wissen nicht nur vollkommen verloren scheint, sondern – ich glaube fast, inzwischen überall – im wahrsten Sinn des Wortes darauf geschissen wird.“ Lebendige Bäche und Flüsse, Osmerus‘ Blog.

Die Antworten zeigen, dass man auch merklich grössere Gewässer darunter einordnet, etwa mit Gerinnesohle bis gut 50 cm oder gar mehr. Im Merkblatt Gewässerraum und Landwirtschaft vom 20.5.14 ist unter Punkt 2.3 (An welchen Fliessgewässern kann auf die Festlegung des Gewässerraums verzichtet werden?) zu lesen: „sehr kleine Gewässer (z.B. nicht auf der Landeskarte 1:25‘000).“ Da liegt viel Spielraum drin!

Auswirkungen Schweizer Messmethode Pufferstreifen

Beim Verzicht auf die Ausscheidung eines Gewässerraums kann sich, je nach Form des Gewässers, die neue Methode zum Messen des Pufferstreifens „ab Uferlinie statt ab Böschungsoberkante“ stark negativ auf die Wasserqualität auswirken. Besonders an kleinen Gewässer wird der Pufferstreifen oft nicht eingehalten, nach dem Motto: Ist ja nichts! Doch, meint Heidi: „Lurchi-Land!“ Aber das sieht der Bauern vom Traktor aus nicht. Statt das Einhalten des gesetzlich vorgeschriebenen Pufferstreifens zu fordern, wird dieser noch verkleinert! Gesetze werden schleichend der schlechten landwirschaftlichen Praxis angepasst.

Das Parlament redet „Ökologie“ und erfüllt blindlings die Wünschen der Bauern. Ein grosser Widerspruch! Und wie verträgt sich der aktuelle Vorschlag zur Verwässerung der GSchV mit dem Aktionsplan Biodiversität? Mit dem Aktionsplan Pflanzenschutzmittel? Heidi meint: Nichts als leere Versprechen!

Vernehmlassungen UVEK

Der Acker rückt näher an den Bach, Heidis Mist 29.5.13

Mit dem Wasser macht man keine Kompromisse!, Heidis Mist 11.6.13

„Harmonisierte“ Pufferstreifen an Gewässern, Heidis Mist 25.5.14

27.7.16 HOME

 

 


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 93 Followern an

%d Bloggern gefällt das: