Wissenschaft zum Schweigen bringen: Wie Indonesien die Wildtierforschung zensiert

29. Januar 2023

Quelle: Silencing Science: How Indonesia Is Censoring Wildlife Research. Fred Pearce, Yale Environment 360, 24.1.23

Unter Präsident Joko Widodo hat Indonesien internationales Lob für seine Naturschutzpolitik geerntet. Doch jetzt geht die Regierung mit aller Härte gegen Wissenschaftler vor, die die offiziellen Behauptungen in Frage stellen, dass die bedrohten Orang-Utan- und Nashornpopulationen des Landes zunehmen.

Sind Indonesiens Orang-Utans und andere gefährdete Tierarten auf dem besten Weg, auszusterben, oder erholen sie sich unter der derzeitigen umweltbewussten Regierung des Landes? Das hängt davon ab, wen Sie fragen. Doch die wissenschaftliche Debatte, die das Geheimnis lüften könnte, wird durch die strenge Geheimhaltung von Forschungsergebnissen durch die Regierung vereitelt, da es eine Fülle widersprüchlicher Daten gibt. In Verbindung mit dem Verbot „negativer“ ausländischer Forscher sorgt diese Politik bei Naturschützern für Verwirrung und bei einigen indonesischen Wissenschaftlern für Angst um ihre Karriere.

Während das grosse Regenwaldland Brasilien unter seinem neuen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva die Zusammenarbeit im Umweltbereich und die Rechenschaftspflicht zu öffnen scheint, scheint Indonesien in die andere Richtung zu rutschen. Obwohl die Abholzung der Wälder unter dem derzeitigen Präsidenten Joko Widodo seit einem Jahrzehnt zurückgeht, bleibt das Schicksal der Orang-Utan-, Elefanten-, Nashorn- und Tigerpopulationen des Landes ungewiss.

Als Reaktion auf die Zensur plant eine Gruppe indonesischer und internationaler Umwelt- und Menschenrechts-NGOs, darunter lokale Ableger von Greenpeace und Amnesty International, im nächsten Monat eine Klage gegen das Umwelt- und Forstministerium des Landes und das Büro des Präsidenten einzureichen. Sie sagen, dass sie mit ihrer Klage versuchen werden, die zunehmende Untergrabung der für den Naturschutz notwendigen Wissenschaft zu beenden und wichtige Analysen über den Zustand der seltenen und charismatischen Wildtiere des Landes zu ermöglichen.

Das Vorgehen gegen Forscher ist Teil eines seit langem andauernden Angriffs auf ausländische Naturschützer und Wissenschaftler.

Lesen Sie den vollständigen Beitrag hier: Silencing Science: How Indonesia Is Censoring Wildlife Research. Fred Pearce, Yale Environment 360, 24.1.23

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Hoher Pestizideinsatz im Vinschgauer Apfelanbau

27. Januar 2023
Zur Erklärung: Mit Pestizidbehandlungen sind dabei nicht die Anzahl der Spritzeinsätze auf einer Plantage gemeint, sondern die Anwendungen einzelner Pestizidwirkstoffe. Ein:e Landwirt:in kann bei einem Spritzeinsatz mehrere Pestizidwirkstoffe gleichzeitig auf die Plantage ausbringen.

Zur Erklärung: Mit Pestizidbehandlungen sind dabei nicht die Anzahl der Spritzeinsätze auf einer Plantage gemeint, sondern die Anwendungen einzelner Pestizidwirkstoffe. Bei einem Spritzeinsatz können mehrere Pestizidwirkstoffe gleichzeitig auf die Plantage ausgebracht werden.

Quelle: Pestizide im Vinschgauer Apfelanbau. Umweltinstitut München e.V.

Welche Pestizide werden wann wo und in welcher Menge gespritzt? Obwohl LandwirtInnen in der EU über ihre Pestizideinsätze Buch führen müssen, werden diese Daten von Behörden bisher nicht zentral erfasst, geschweige denn ausgewertet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das Umweltinstitut München konnte nun die reale Spritzpraxis in einer intensiv bewirtschafteten Region auswerten und in einem Bericht veröffentlichen.

Grundlage dafür waren Spritzhefte Südtiroler Obstbäuerinnen und -bauern aus dem Jahr 2017. Damals kritisierte das Umweltinstitut mit der Aktion „Pestizidtirol“ den hohen Pestizideinsatz in Südtirols Apfelanbau – und wurde dafür vom Südtiroler Landesrat für Landwirtschaft und mehr als 1’300 Bäuerinnen und Bauern angezeigt und vor Gericht gezerrt. Der Vorwurf: üble Nachrede und Markenfälschung. Im Mai 2022 endete der Prozess mit einem Freispruch. Die Spritzhefte wurden im Pestizidprozess als Beweismittel sichergestellt.

Die untersuchten Vinschgauer Betriebe haben 2017 über sieben Monate hinweg für Umwelt und Gesundheit hochproblematische Pestizide in teils hoher Frequenz und Menge eingesetzt. Das sind die wichtigsten Ergebnisse der Auswertung. Von März bis September 2017 gab es im Vinschgau keinen einzigen Tag, an dem nicht gespritzt wurde.

Forderungen des Umweltinstituts

Für den Schutz der Artenvielfalt und der Gesundheit von uns Menschen fordert das Umweltinstitut deshalb ein Verbot chemisch-synthetischer Pestizide bis spätestens 2035  – nicht nur in Südtirol, sondern in der ganzen EU. Bereits bis zum Jahr 2030 soll der Pestizideinsatz um 80 Prozent reduziert werden. Das Umweltinstitut München engagiert sich darüber hinaus für eine konsequente Agrarwende hin zu 100 Prozent Ökolandbau – mit einer kleinbäuerlichen, regionalen Landwirtschaft. Ein „Weiter so“ der industriellen Landwirtschaft mit Monokulturen, Massentierhaltung und hohem Pestizideinsatz ist keine Option.

Ausserdem fordert das Umweltinstitut, dass landwirtschaftliche Betriebe ihre Pestizideinsätze offenlegen müssen. Nur so können Risiken für Umwelt und Gesundheit realistisch und wissenschaftlich beurteilt werden. Ausserdem sind Ziele zur Pestizidreduktion nur dann glaubwürdig und messbar, wenn der Status quo als Vergleichswert bekannt ist.

Sie möchten diese Forderung unterstützen? Dann nehmen Sie jetzt an der Online-Aktion teil, in der das Umweltinstitut genau das von Landwirtschaftsminister Cem Özdemir fordert.

Pestizide, die der menschlichen Gesundheit schaden.

Pestizide, die der menschlichen Gesundheit schaden.

Pestizide, die der Umwelt schaden.

Pestizide, die der Umwelt schaden.

Bei fast einem Viertel aller Pestizidbehandlungen kamen Wirkstoffe zum Einsatz, die als besonders schädlich für Nützlinge gelten. Mehrere der am häufigsten eingesetzten Pestizide gelten als „vermutlich fortpflanzungsschädigend“ wie zum Beispiel Penconazol, Fluazinam und Phosmet. Pestizidwirkstoffe wie Bupirimat und Captan gelten als „vermutlich krebserregend“. Auch Glyphosat ist unter den am häufigsten eingesetzten Pestizidwirkstoffen. Das Totalherbizid wurde von der Internationalen Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft.

Bei mehr als der Hälfte der untersuchten Einsätze wurden mehrere Mittel zusammen ausgebracht. Dabei kamen am selben Tag bis zu neun verschiedene Mittel auf eine Apfelplantage. Welche Wechselwirkungen sich für Mensch und Umwelt bei der Mischung verschiedener Pestizidwirkstoffe ergeben – der sogenannte Cocktaileffekt – ist jedoch noch nahezu unerforscht. Es gibt jedoch deutliche Hinweise darauf, dass durch die Kombination verschiedener Pestizide deren Wirkungen verändert oder verstärkt werden können. (Zur Erklärung: Ein „Mittel“ bezeichnet die verkaufte Formulierung und kann einen oder mehrere Pestizidwirkstoffe enthalten sowie Beistoffe.)

Fast 90 Prozent der Pestizidbehandlungen führten die Betriebe 2017 mit chemisch-synthetischen Substanzen durch. Dabei gibt es für viele der am häufigsten aufgeführten Einsatzgründe alternative, nachhaltigere Massnahmen. Über 90 Prozent der untersuchten Betriebe setzten beispielsweise Herbizide wie das umstrittene Glyphosat ein, um Beikräuter zu bekämpfen. Herbizide machten alleine fast zehn Prozent aller Anwendungen aus. Ihr Einsatz im Apfelanbau ist jedoch überflüssig, da erprobte und risikoarme mechanische Alternativen zur Regulierung von Beikräutern bestehen.

Hier können Sie die vollständige Kurzfassung des Berichts sowie den ausführlichen Bericht lesen: Pestizide im Vinschgauer Apfelanbau. Umweltinstitut München e.V.

Pestizidtirol-Plakat löst Diskussionen aus. Heidis Mist 25.8.17

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Schadstoffe, die man in der Luft nicht erwartet, welche aber die menschliche Gesundheit gefährden können

26. Januar 2023
Klicken Sie auf das Bild für höhere Auflösung! Abb. 1. Konzentration von anderen Stoffen als landwirtschaftlichen Pestiziden (links) in Passivsammlern (nur PUF) mit unterschiedlicher Landnutzung in einem Radius von 1000 m um den Sammler (Mitte) und kumulierte Werte für die Gefährdung des Menschen gemäss verschiedenen Datenbanken (rechts). Die Standorte 2 und 4 befanden sich in Nationalparks, Standort 1 in einem Stadtzentrum. Die Indexnummer des Standorts wurde in Übereinstimmung mit der früheren Veröffentlichung (Zaller et al., 2022) beibehalten, die Reihenfolge basiert jedoch auf dem Prozentsatz der Besiedlung.

Klicken Sie auf das Bild für höhere Auflösung! Abb. 1. Konzentration von anderen Stoffen als landwirtschaftlichen Pestiziden (links) in Passivsammlern (nur PUF) mit unterschiedlicher Landnutzung in einem Radius von 1000 m um den Sammler (Mitte) und kumulierte Werte für die Gefährdung des Menschen gemäss verschiedenen Datenbanken (rechts). Die Standorte 2 und 4 befanden sich in Nationalparks, Standort 1 in einem Stadtzentrum. Die Indexnummer des Standorts wurde in Übereinstimmung mit der früheren Veröffentlichung (Zaller et al., 2022)beibehalten, die Reihenfolge basiert jedoch auf dem Prozentsatz der Besiedlung.

Um den Einfluss von Landnutzung und meteorologischen Parametern auf Luftschadstoffe besser zu verstehen, haben Wissenschaftler der Universität für Bodenkultur (BOKU) und der Medizinischen Universität Wien zusammen mit TIEM Integrierte Umweltüberwachung (Deutschland) in 15 Regionen mit unterschiedlicher Landnutzung im Osten Österreichs Passivsammler eingesetzt. In einem früheren Artikel haben die ForscherInnen auf eine weit verbreitete Kontamination der Luft mit Pestiziden hingewiesen, die von der umgebenden Landnutzung und den meteorologischen Parametern abhängt. In einer neuen Studie berichten sie, dass neben landwirtschaftlichen Pestiziden acht weitere Stoffe häufig in der Luft nachgewiesen wurden:

  • Nitrapyrin, ein Nitrifikationshemmer, der zur Erhöhung der Stickstoffausnutzung von Düngemitteln verwendet wird und in Österreich seit 1993 verboten ist;
  • Biozide gegen Insekten (DEET und Transfluthrin), die hauptsächlich ausserhalb der Landwirtschaft verwendet werden;
  • Piperonylbutoxid (PBO), ein Synergist, der Pestizidformulierungen beigemischt wird;
  • und vier industriell verwendete polychlorierte Biphenyle (PCB), die seit langem weltweit verboten sind.

Die Konzentrationen der nachgewiesenen Stoffe standen in einem positiven Zusammenhang mit der Lufttemperatur, aber nur in geringem Masse mit der landwirtschaftlichen Nutzung in der Umgebung des Probenehmers. Im Stadtzentrum wurden die höchsten Konzentrationen von Bioziden, PCB und PBO, aber auch mittlere Konzentrationen von Nitrapyrin festgestellt.

Vier Standorte wiesen keine Luftverunreinigung mit diesen Stoffen auf, darunter zwei Nationalparks, in denen Grünland oder Wald vorherrschen, aber auch zwei Standorte mit gemischter Landnutzung. Die potenzielle Toxizität der nachgewiesenen Stoffe für die Menschen war auf der Grundlage global harmonisierter Gefahrenklassifizierungen hoch: Sieben Stoffe wiesen eine spezifische Organtoxizität auf, sechs waren kanzerogen und zwei waren akut toxisch; bei mehreren Stoffen waren die Informationen über die Gefahrenprofile jedoch unvollständig.

Ausserdem waren alle Stoffe akut und chronisch giftig für Wasserorganismen.

Potenzielle Gefahren für Menschen und Wasserlebewesen bestehen durch Ablagerungen aus der Luft.

Die Wissenschaftler empfehlen, Stoffe unterschiedlicher Herkunft in das Portfolio der Luftverschmutzungsüberwachung aufzunehmen, um die potenziellen Gefahren für Mensch und Umwelt umfassend zu bewerten.

Unexpected air pollutants with potential human health hazards: Nitrification inhibitors, biocides, and persistent organic substances. Zaller et al. 2023

Pesticides in ambient air, influenced by surrounding land use and weather, pose a potential threat to biodiversity and humans. Zaller et al. 2022

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Berlin: Gutes Essen für alle – statt Profite für wenige

22. Januar 2023
Demo in Berlin: Wir haben es satt!

Demo in Berlin: Wir haben es satt!

Während der Agrarmesse Grüne Woche kamen Landwirte aus ganz Deutschland zum Protest nach Berlin. Sie liessen riesige Schweine über die Strasse rollen und grosse Insekten schwebten in der Luft. Auf der Grünen Woche präsentieren bis zum 29.1.23 etwa 1’400 Aussteller aus Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie in den Berliner Messehallen ihre Produkte. Zudem fand die international grösste Agrarministerkonferenz statt, anlässlich welcher 64 Staaten eine gemeinsame Erklärung unterzeichneten, um den Welthunger stärker zu bekämpfen.

Gestern, also am 21.1.23, fand die traditionelle Demo „Wir haben es satt!“ statt mit dem Motto „Gutes Essen für alle – statt Profite für wenige“. Zahlreiche Organisationen unterstützen die Veranstaltung, darunter die Umweltverbände BUND und Nabu, Landwirtschaftsorganisationen wie AbL und Bioland, ausserdem Greenpeace, Misereor und Fridays for Future. Das Bündnis „Wir haben es satt“ schrieb: „Trotz eisiger Kälte waren wir mit 10’000 Menschen für die sozial gerechte Agrarwende auf der Strasse!“

Nachfolgend die Forderungen:

Zusammenstehen für eine bäuerliche und ökologischere Landwirtschaft, für Klima-, Tier- und Umweltschutz, für globale Gerechtigkeit und gesundes Essen für alle

Viel zu wenig Regen, trockene Böden und schlechte Ernten – die Klimakrise wird auch bei uns immer bedrohlicher. Die Wachstumslogik und politische Fehlentscheidungen sind verantwortlich für das Überhitzen des Planeten und das dramatische Artensterben. Viele Höfe müssen dichtmachen, während weiter grosse Tierfabriken genehmigt werden. Weltweit wächst der Hunger und auch hierzulande wissen viele Menschen nicht mehr, wie sie ihren Kühlschrank füllen sollen.

Wir kämpfen für die sozial-ökologische Transformation. Sie ist die Antwort auf die vielfältigen Krisen. Klar ist: Ohne Agrar- und Ernährungswende verfehlen wir krachend das 1,5-Grad-Ziel und damit globale Klimagerechtigkeit. Alle Menschen müssen sich gesunde Lebensmittel leisten können. Bauernhöfe, Bäckereien und das Lebensmittelhandwerk brauchen faire Preise.

Wir haben Konzerne satt, die mit dem Hunger in der Welt ihr Geschäft machen! Investmentfonds verdienen an der Spekulation mit steigenden Nahrungsmittelpreisen. Agrar-, Lebensmittel- und Düngerkonzerne wie Cargill, Unilever oder Yara vermelden in der Krise horrende Profite. Supermarktketten mit massiver Marktmacht drehen an den Preisschrauben. Konzerne wie Bayer wollen Agro-Gentechnik auf unsere Äcker und Teller bringen. Das alles haben wir satt!

Essen ist politisch – für eine gerechte Agrar- und Sozialpolitik!

Wir schätzen die Arbeit aller, die uns mit gesunden und hochwertigen Lebensmitteln versorgen. Gerade in Krisenzeiten sind wir solidarisch und kämpfen für eine gerechte Gesellschaft: mit vielen Bauernhöfen, die ländliche Räume lebendig halten. Mit einer flächengebundenen, artgerechten Haltung von weniger Tieren. Mit fairen, regionalen Versorgungsketten und mehr pflanzlicher Ernährung. Mit gesundem Essen, einer gerechten Verteilung des Wohlstands und einem guten Leben ohne Krieg und Ausgrenzung für alle Menschen weltweit.

Es gibt genug Nahrung, doch sie wird ungerecht verteilt oder verschwendet. Viel zu viel Essen landet als Futter im Trog, Agrosprit im Tank oder Abfall im Müll. Künftig muss gelten: Teller statt Trog und Tank – Lebensmittelverschwendung stoppen! So schützen wir das Klima und alle werden satt.

Für die sozial gerechte Agrar- und Ernährungswende gehen wir im Januar mit Tausenden – pandemiegerecht und entschlossen – auf die Strasse. Zu wenig, zu langsam – das ist die Bilanz von einem Jahr Ampel-Koalition. Agrarminister Özdemir muss den Umbau der Landwirtschaft beschleunigen und Finanzminister Lindner die notwendigen Mittel freigeben. BäuerInnen und Gesellschaft wollen den Umbau, aber Klima-, Tier- und Naturschutz müssen sich für die Höfe lohnen. Der russische Angriffskrieg darf nicht gegen eine nachhaltige Landwirtschaft ausgespielt werden. Dafür erhöhen wir zum Auftakt der weltgrössten Agrarmesse „Grüne Woche“ im Berliner Regierungsviertel den Druck. Wir haben die Krisenprofite satt – für eine globale Agrarwende und gutes Essen für alle!

Wir fordern die sozial-ökologische Transformation:

  • Höfesterben stoppen
    faire ErzeugerInnenpreise durchsetzen und Bauernhöfe beim klima- und artgerechten Umbau unterstützen!
  • Krisengewinne besteuern
    Übergewinnsteuer auch für Agrar- und Lebensmittelkonzerne und viel mehr Unterstützung für Menschen mit wenig Geld!
  • Klimakrise und Artensterben bekämpfen
    durch Mehrwertsteuersenkung mehr Pflanzliches auf die Teller bringen und pestizidfreie Lebensräume für Insekten sichern!
  • Bäuerliche Tierhaltung erhalten
    mit weniger Tieren, die dafür artgerecht gehalten werden!
  • Hunger beenden und Agro-Gentechnik stoppen
    Spekulationsverbot für Lebensmittel, gerechter Handel und gutes, gentechnikfreies Essen für alle!

Wir haben Agrarindustrie satt!

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Fräulein Rottenmeier gratuliert den Schweizer Bauern

21. Januar 2023
Copyright: Axel Schulz, Konstanz

Copyright: Axel Schulz, Konstanz

Der Pöstler schwenkt den Brief, den er in seiner Hand hält, hin und her. Heidi strahlt, denn sie vermutet, dass Klara endlich geschrieben hat. Sie hatte sich in letzter Zeit gefragt: „Ist Klara krank?“ Dankend nimmt Heidi den Brief entgegen und wünscht dem Pöstler einen schönen Tag. Der Alpöhi hat schon den Brieföffner bereitgelegt. Die Schrift auf dem Umschlag ist unverkennbar: Fräulein Rottenmeier! Rasch öffnet Heidi den Umschlag und liest dem Alpöhi vor:

„Liebe Heidi, lieber Öhi

Klara lässt sich für das lange Schweigen entschuldigen, sie muss viel lernen für die Prüfungen Anfang Februar.

Ein Geschäftsfreund von Herrn Sesemann hat uns das beiliegende Foto geschickt, worüber wir uns sehr freuen. Wir alle gratulieren euch, dass eure Bauern es in so kurzer Zeit geschafft haben, den Selbstversorgungsgrad von nur 50 Prozent zu verdoppeln. Und es tönt wunderbar: Die Schweizer Bauern stellen sicher, dass immer von allem genug da ist! Axel Schulz, der Fotograf der Werbung, freut sich auch, denn in diesem Falle wird er nicht mehr in seinem Lebensmittelladen in Konstanz Schlange stehen müssen, weil so viele SchweizerInnen dort einkaufen, auch der Stau wird kein Problem mehr sein.

Herr Sesemann hat sich nur gefragt, wie und wo denn die Trauben produziert werden. Ihn würde auch die Zucht von Froschschenkeln und die Gänselebermast interessieren, da diese Importe bei uns regelmässig kritisiert werden. Die Spargeln kommen bei uns jetzt aus Peru, wo Wassermangel herrscht; Sebastian möchte daher wissen, ob eure Bauern allenfalls welche nach Frankfurt exportierten. Sicher freut sich eure Wirtschaft über die Infrastrukturen, die gebaut werden konnten, etwa Gewächshäuser für Bananen, Ananas, Mangos, Kakao und Kaffee. Gerne würde Klara die Kokospalmenplantagen besichtigen, denn sie studiert im Nebenfach tropische Landwirtschaft.

Wie ihr seht, haben wir grosses Interesse an der Entwicklung der Schweizer Landwirtschaft. Deutschland exportieren z.B. Fleisch, aber wir müssen im Moment Erdbeeren aus Südspanien importieren und Palmöl sowieso aus verschiedenen Ländern, Bohnen kommen aus Afrika und Edamame tiefgefroren aus Japan in einem Restaurant in Zürich, das ein Geschäftsfreund von Herrn Sesemann kürzlich besucht hat. Natürlich machen sich unsere Bauern auch Sorgen darüber, dass sie die Schweiz als Abnehmerland offenbar verlieren.

Wenn wir das nächste Mal bei euch Ferien machen, dann möchten wir ein paar fortschrittliche Bauern besuchen. Der Geissenpeter kann sicher eine Exkursion für uns vorbereiten.

Morgen kommt die Grossmutter zu Besuch, also muss ich jetzt noch vieles organisieren. Ich wünsche euch schöne Wintertage, hoffentlich mit Schnee.

Freundliche Grüsse

Euer Fräulein Rottenmeier, Klara, Herr Sesemann und Sebastian

Selbstversorgungsgrad 100% ist möglich

Eric Meili, Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) schrieb im Zürcher Bauer No. 49 vom 9.12.22 unter dem Titel Die Selbstversorgung und der Biolandbau:

„Was ich in diesem Beitrag diskutieren will, ist die Möglichkeit der Schweiz, sich zu 100 Prozent selber zu ernähren. Was hat der Biolandbau dabei für eine Rolle? Es wird viele erstaunen, es ist möglich, aber wie? Basis der Betrachtung ist der Bericht des Bundesamtes für wirtschaftliche Landesversorge (BWL) aus dem Jahre 2020, so zu sagen der aktualisierte Plan Wahlen. Das ist eine Analyse einer optimierten Inlandproduktion im Falle einer schweren Mangellage. Die rechtliche Grundlage ist der Verfassungsartikel 102. 

In der Analyse werden bei den Erträ­gen generell 10 Prozent Sicherheitsmarge abgezogen. Bei fehlendem Dünger und Pflanzenschutz würden die heutigen Erträge im konventionellen Landbau deutlich mehr einbrechen als die 20 Prozent im Biolandbau.

Fazit: Der Biolandbau hätte in einer schweren Krise und Mangellage gute Karten. Auch im Biolandbau müssten in der Tierhaltung wesentliche Anpassungen (Mutterkuhhaltung, Schweine, Geflü­gel) vorgenommen werden. Der Biolandbau ist aber robuster oder modern gesagt resilienter als die konventionelle Landwirtschaft, falls die Vorleistungen auch tangiert wären. Um noch robuster zu werden, müssen wir in der Schweiz die kleinen Traktoren auf elektrisch umstellen und die grossen auf Wasserstoff.

Dafür braucht es aber Strom. Auch hier kann die Landwirtschaft auf den grossen Scheunendächern mit PV-­Anlagen eine Vorreiterrolle spielen. Krisen sind auch immer Chancen und öffnen uns die Augen. Frei nach Obama: Yes we can.“

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Die orientalische Vorspeise Hummus in Varianten

20. Januar 2023
Hummus Betty Bossi bei Coop: Kürbis/Curry, nature und rot gefärbtes/vermutlich Randen.

Hummus Betty Bossi bei Coop: Kürbis/Curry, nature und rot gefärbtes/vermutlich Randen. Der Grund für diesen Überschuss ist Heidi nicht bekannt. Copyright Walti

Hummus ist eine orientalische Spezialität, die aus pürierten Kichererbsen oder Ackerbohnen, Sesammus (Tahina), Olivenöl, Zitronensaft, Salz und Gewürzen wie Knoblauch und Kreuzkümmel hergestellt wird (Wikipedia). Eine Leserin schrieb Heidi: „Hummus kannte man auch in Mitteleuropa. Das Original wird aus weisser Bohne, SAUBOHNE, gemacht. Hervorragend und simpel und plastikfrei, wenn man weiss wie es hergestellt wird.“

Die Vielfalt der Gerichte aus Hülsenfrüchten ist riesig. Bohnen, Linsen, Kichererbsen usw. lassen sich zu allerlei Schmackhaftem verarbeiten. Sie sind gesund, liefern Eiweiss und sind eine Alternative zu Fleisch. Die Lebensmittelindustrie ist auf den veganen Trend aufgesprungen und bietet zahlreiche Fleischersatzprodukte an. Wieso eigentlich nicht selber machen? Wer einen Tiefgefrierer hat, kann eine ganze Packung Hülsenfrüchte kochen und einen Teil für rasche Malzeiten tiefgefrieren.

Im Internet gibt es unzählige Rezepte, nicht nur für Hummus, also verzichtet Heidi darauf, eigene anzufügen. Fantasie ist zudem gefragt.

Übrigens: Die Agrarpolitik hinkt der Entwicklung immer hinterher. Erst per Anfang 2023 gibt es Einzelkulturbeiträge für Bohnen, Erbsen, Lupinen, Wicken, Kichererbsen und Linsen sowie Mischungen, siehe Seite 29 des PDF.

Hummus-Rezepte

Linsen-Rezepte

Ackerbohnen-Rezepte

Kichererben-Rezepte

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Regional & verantwortungsvoll hergestellte Nahrungsmittel vom Produzenten nebenan …

15. Januar 2023
Farmy-Angebot gemäss Homepage: tiefgefrorene Mango-Würfel Alnatura

Farmy-Angebot gemäss Homepage: tiefgefrorene Mango-Würfel von Alnatura

Vielleicht hat ja Farmy vergessen, seine Homepage zu aktualisieren, aber da steht klipp und klar: „Farmy ist der Online-Markt für den transparenten Wocheneinkauf direkt vom Produzenten. Keine Zeit auf den Markt oder zum Bauern zu gehen? Kein Problem! Farmy bringt regional und verantwortungsvoll hergestellte Nahrungsmittel Vom Produzenten nebenan direkt zu dir nach Hause.“

Bio Mangowürfel von Alnatura

Farmy bietet AUCH z.B. an: Ungesüsste Bio-Mangowürfel, die sofort nach der Ernte verarbeitet und tiefgefroren werden – so bleibt der natürliche Geschmack weitgehend erhalten. Leicht portionierbar und ideal für Obstsalat und Co.

HINWEIS: Dieses Produkt wird als Tiefkühlprodukt mit Trockeneis versendet. Für diese Versandart wird ein Aufschlag von 5 CHF verrechnet.

Produzent: Alnatura
Produziert in: Deutschland
Herkunft: Burkina Faso
CHF 1.32 / 100g

Im Moment bei Farmy nicht verfügbar, jedoch bei Migros zum gleichen Preis erhältlich.

Die Deklaration ist verwirrend, der Produzent nicht „nebenan“. Burkino Faso ist etwa 5’500 km mit Auto und Fähre von Zürich entfernt. Offensichtlich muss die Tiefgefrierware energieverschleissend nach Deutschland, von dort in die Schweiz und dann mit Trockeneis zum Besteller transportiert werden.

Knospe Mangowürfel von Coop

Diese Umwelt-Bewertung (mittel) präsentiert Coop im online Shop.

Diese Umwelt-Bewertung (mittel) präsentiert Coop im online Shop.

Bio Mangowürfel gibt es auch bei Coop. Sie laufen unter dem Label Naturaplan und sind Knospe-zertifiziert. Der Preis ist leicht höher: 1.49/100g. Die Herkunft der Coop-Mangowürfel ist Indien, also 9’000 km (Fahrstrecke) entfernt. Über den Verarbeitungsort und den Transport schweigt sich Coop aus.

Auf der Riederalp gibt es Heidelbeeren aus Peru

Am 14.1.23 berichtete Marco Diener im Infosperber über nicht saisonale Früchte aus aller Welt. „Trauben aus Namibia, Heidelbeeren aus Chile, Limetten aus Kolumbien – das Angebot in unseren Supermärkten ist verstörend.“

Infosperber wollte wissen, warum die Detailhändler solche Produkte überhaupt verkaufen. Migros antwortete u.a. sie wolle «die Möglichkeit einer gesunden und ausgewogenen Ernährung bieten und die Kunden nicht bevormunden». Zitat aus der Antwort von Coop «Mit unserem Angebot richten wir uns nach den Bedürfnissen unserer Kundinnen und Kunden und bieten ihnen die Wahlfreiheit.» Aldi und Lidl argumentieren ähnlich. Immer schiebt man die Schuld uns KonsumentInnen in die Schuhe, Umweltkosten zählen nicht bei den angeblich „nachhaltigen“ Grossverteilern, wichtig sind Wachstum, Umsatz, Gewinn … Wenn ein Grossverteiler etwas einführt, dann ahmen die anderen das nach, auch wenn es noch so unsinnig ist.

Wie viele der heiklen Früchte verderben oder werden wegen Überschuss weggeworfen? Eine von vier Bewertungen für Bio Mango-Würfel von Coop lautet: «Geschmacklich oke, aber nicht mehr. Zuviele faule/überreife Würfel in der Packung. Schade.» Die süssen, saftigen Schnittflächen von Früchten sind ein gefundenes Fressen für allerlei Mikroorganismen!

Lesen Sie den ausführlichen Bericht im Infosperber: Auf der Riederalp gibt es Heidelbeeren aus Peru

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Schulbuch 1977: Denkt nach!

10. Januar 2023
Lehrmittel der interkantonalen Lehrmittelzentrale, 1977.

Lehrmittel der interkantonalen Lehrmittelzentrale, 1977.

Krokofant, Seite 126

Krokofant, Seite 126: Wie könnt ihr mithelfen?

Liebe Heidi

Ich bin am Ausmisten.

Ich zerreissen gerade ein paar Schulbücher.

Ganz zufällig stiess ich auf diese Seiten.

Es erstaunt, dass schon in den 1970er Jahren in Schulbüchern sehr klar von der Umweltverschmutzung gesprochen wurde. Ich hatte immer das Gefühl, ich sei Pionierin gewesen, weil ich um 1970 mit den Drittklässlern das Thema Umweltschutz behandelte.

Beste Grüsse

Anna

Heidi meint: „Ja, wir können mithelfen, wenn wir WOLLEN! Was planen Sie, liebe Leserin, lieber Leser?“

Interkantonales Sprach- und Sachbuch 2. Schuljahr, 1977

Interkantonales Sprach- und Sachbuch 2. Schuljahr, 1977

 

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Das ist eine Skipiste!

8. Januar 2023

Leserfoto: Liebe Heidi, das ist unsere Skipiste! Beste Grüsse Walter.

Leserfoto: Liebe Heidi, das ist unsere Skipiste! Beste Grüsse Walter.

Heidi macht Ferien. Daher gibt es im Moment keine tiefschürfenden Beiträge, obwohl sich der Pendenzenordner füllt.

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Wie billig dürfen Lebensmittel sein?

2. Januar 2023

Dreikönigskuchen wurde bereits am Silvester von Coop mit dem Kleber "Verwenden statt verschwenden 50%" angeboten.

Dreikönigskuchen wurde bereits am Silvester von Coop mit dem Kleber „Verwenden statt verschwenden 50%“ angeboten.

Die „richtige“ Menge Lebensmittel produzieren und anbieten ist wohl nicht ganz einfach. Aber wenn man sieht wie viele wertvolle Lebensmittel einfach zu Super-Aktionspreisen verscherbelt werden, dann muss man sich die Frage stellen: „Was läuft da schief?“ Auch beginnt das Weihnachtsgeschäft im Oktober, am Silvester 2022 bot COOP bereits Dreikönigskuchen zum halben Preis an. Wann ist der Dreikönigstag? Am 6. Januar! Schon bald wird der Osterhase kommen!

So wird versucht, möglichst viel den KonsumentInnen anzudrehen. Einige freuen sich darüber, leben geradezu von 50%-Nahrungsmitteln. Eigentlich müsste das System überdacht werden. Was sind uns die Lebensmittel wert? Welche Umweltkosten verursacht das Fleisch? Und welchen Anteil am Preis erhalten die ProduzentInnen?

Guetzli-Teig 50%. Wo bleibt die Freude am selber Herstellen?

Guetzli-Teig 50%. Wo bleibt die Freude am selber Herstellen?

Schweinsfilet und Truten-Schnitzel zum halben Preis bei Denner

Schweinsfilet und Truten-Schnitzel zum halben Preis bei Denner

Noch mehr Schweinsfilets zum halben Preis!!!!

Noch mehr Schweinsfilets zum halben Preis!!!!

Billigeier "aus der Region" Züri und Bärner?!

Billigeier „aus der Region“ Züri und Bärner?!

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