Posts Tagged ‘Pestizide’

Heidis alte Forderung wird neu von Kantonschemikern unterstützt

17. November 2019

„Einige Spritzmittel sind für die Umwelt besonders gefährlich. Der Bund möchte deren Grenzwert senken. Experten sind für komplette Verbote.“ steht in der Sonntagszeitung von heute 17.11.19. Dasselbe hat Heidi schon vor 1 Jahr, 8 Monaten und 16 Tagen gefordert! Und noch mehr …

Zu den neuen Anforderungswerten für Oberflächengewässer (Gewässerschutzverordnung GSchV) gab’s das folgende Bild:

Heidi findet ihren Vorschlag vom 1.3.18 immer noch gut, nämlich:

Das Vorsorgeprinzip muss hochgehalten und das Ziel der GSchV respektiert werden. Weil Oberflächengewässer Menschen und Tieren als Trinkwasserquelle dienen, zur Bewässerung von Kulturpflanzen verwendet werden und sie das Grundwasser speisen, soll für alle Pestizide der allgemeine Anforderungswert von 0,1 µg/l gelten. Zusätzlich ist ein Summenwert von 0,5 µg/l einzuführen. Höchst schädliche Pestizide wie Chlorpyrifos und Cypermethrin sind aus dem Verkehr zu nehmen statt neue Anforderungswerte von 0,0044 bzw. 0,00044 µg/l festzuschreiben, denn – so meint Heidi – sie bewirken kaum etwas.

Unglaublich wie viel über Pestizide mit Steuergeldern geforscht wird. Basis der in der Vernehmlassung GSchV vorgeschlagenen Werte sind riesige Datensammlungen mit bis zu 70 Seiten Tabellen, Einschätzungen, Literaturhinweisen usw.

Heidi meint: Besser würde man dieses Geld in die Forschung für umweltschonenden Anbau investieren.

Mehr dazu:

Neue Pestizid-Anforderungswerte für Oberflächengewässer: Rechnen mit Heidi, Heidis Mist 1.3.18

Kantonschemiker fordern Verbot gefährlicher Pestizide, Sonntagszeitung 16.11.19

Von Guy Parmelin, Chlorothalonil und einer Tierbedarfshandlung

17. November 2019
Chlorothalonil: Blick ins Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Landwirtschaft

Chlorothalonil: Blick ins Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Landwirtschaft

Die Abbauprodukte von Chlorothalonil ist langlebig im Grundwasser, Trinkwasserfassungen mussten geschlossen werden, das Mittel wurde in der EU verboten, da Verdacht auf krebserregend und sogar erbgutverändernd. Uns SchweizerInnen hat Bundesrat Guy Parmelin ein Verbot per Oktober 2019 in Aussicht gestellt. Und was läuft? Die Beamten sind am Studium von neuen Akten der Chlorothalonil-verkaufswilligen Industrie. Ein Entscheid ist erst im 2020 zu erwarten! Orientieren Sie sich weiter beim Schweizer Fernsehen 10vor10 vom 15.11.19:

„Bundesrat Guy Parmelin versprach das Fungizid Chlorothalonil bis Oktober zu verbieten. Nun ist es November und es gibt noch immer kein Verbot. Die Wasserversorger schlagen Alarm.“

Verunreinigtes Trinkwasser Wird Chlorothalonil gar nicht verboten? SRF 10vor10 vom 15.11.19

Gefahrenkennzeichnung Chlorothalonil

  • H315 Verursacht Hautreizungen.
  • H317 Kann allergische Hautreaktionen verursachen.
  • H318 Verursacht schwere Augenschäden.
  • H332 Gesundheitsschädlich bei Einatmen.
  • H335 Kann die Atemwege reizen.
  • H351 Kann vermutlich Krebs erzeugen.
  • H410 Sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung.

Heidis Frage: Ist das Bundesamt für Landwirtschaft als Zulassungsstelle für Pflanzenschutzmittel unabhängig und vertrauenswürdig?

NaNas Witzecke

Kommt jemand in die Tierbedarfshandlung:

„Guten Tag, ich möchte gern einen Maulkorb.“

„Tut mir leid! Alle ausverkauft! Herr Parmelin war da. Aber kommen sie übermorgen wieder, dann erhalten wir die Occasionsmodelle aus den USA.“

Von Forschungsfreiheit und Forschungszwängen, Heidis Mist 12.11.19

Petition: Keine Zensur der Eawag durch den Bundesrat, Heidis Mist 14.11.19

Wissenschaftler dürfen nicht sagen, wie giftig unser Trinkwasser wirklich ist. Parmelin verpasst ETH-Forschern Maulkorb. Lea Hartmann, Blick 11.11.19

Petition: Keine Zensur der Eawag durch den Bundesrat

14. November 2019

Jetzt unterschreiben: Petition „Keine Zensur der Eawag durch den Bundesrat“

An: Bundesrat Guy Parmelin, Landwirtschaftsminister, Eidgenössisches Departement für Wirtschaft

Guy Parmelin muss die Veröffentlichung des Faktenblattes der EAWAG erlauben und seine Intervention beim ETH-Rat rückgängig machen. Wissenschaftliche Informationen dürfen nicht zensiert und bestimmte Informationen versteckt werden, nur weil der Bundesrat nicht zustimmt.

Warum ist das wichtig?

Beeinflusst die Landwirtschaft die Schweizer Wasserqualität? Ja, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln belastet die Oberflächengewässer und es müssen “negative Effekte auf Fortpflanzung, Entwicklung und Gesundheit von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen […] befürchtet werden”. Dieser Text ist als Ausschnitt des Faktenblattes als Screenshot vom Blick veröffentlicht worden.

Doch das von der EAWAG (dem Wasserforschungsinstitut der ETH) für das Parlament erstellte Faktenblatt darf nun doch nicht veröffentlicht werden. Warum?

Bundesrat Guy Parmelin verbietet den Forschern der EAWAG sich mit ihrem Faktenblatt zur Schweizer Pestizid-Verschmutzung zu äussern. Er will keine politische Einflussnahme durch die ETH, obwohl das vierseitige Papier ursprünglich fürs Parlament erstellt wurde.

Brisant ist die Intervention des Bundesrates und Landwirtschaftsministers auch in Anbetracht zweier hängiger Volksinitiativen die den Pestizideinsatz stark einschränken wollen. Beide Initiativen werden vom Nationalrat ohne Gegenvorschlag zur Ablehnung empfohlen.

In einem der Intervention folgenden internen Memo der EAWAG-Direktorin Janet Hering ist ersichtlich, dass Bundesrat Parmelin “explizit seine Haltung zum Ausdruck, dass Angestellte der Eidgenossenschaft (inklusive Angestellte im ETH-Bereich) vom Bundesrat getroffene Entscheide nicht öffentlich kritisieren sollen.”

Ist dieses Verbot von Guy Parmelin seinerseits aber eine nicht noch viel grössere politische Einflussnahme? Darf der Bundesrat Wissenschaftlern tatsächlich verbieten, zu wichtigen Fragen Stellung zu beziehen?

Natürlich nicht! Auf welcher Grundlage sollen die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger denn sonst Ihre Entscheidungen fällen, wenn nicht anhand von wissenschaftlichen Fakten?!

Wir wollen deshalb, dass Guy Parmelin seine Intervention rückgängig macht und das verbotene ETH-Faktenblatt dem Schweizer Stimmvolk zugänglich macht.

Nur wenn die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger sowie das Parlament umfassend informiert sind, können sie vernünftige Entscheide fällen. Die Zensur, insbesondere der wissenschaftlichen Forschung, gehört nicht zu einer demokratischen Gesellschaft.

Keine Zensur der Eawag durch den Bundesrat. Petition ACT Compax

Quellen:

Wissenschaftler dürfen nicht sagen, wie giftig unser Trinkwasser wirklich ist. Parmelin verpasst ETH-Forschern Maulkorb. Lea Hartmann, Blick 11.11.19

Intervention wegen Pestizid-Kritik – Parmelin soll ETH-Forschern Maulkorb verpasst haben. watson 11.11.19

Heidi hat über dieses leide Thema am 12.11.19 berichtet: Von Forschungsfreiheit und Forschungszwängen

Von Forschungsfreiheit und Forschungszwängen

12. November 2019

Wie immer auch das Treffen von Bundesrat Guy Parmelin mit Forschenden verlaufen sein mag, es ist wichtig, die Frage „wie unabhängig ist die Forschung“ immer wieder zu stellen.

Obwohl es uns so gut geht wie noch nie, sind die Gelder knapp, die Sparrunden allgegenwärtig, die Angst vor Entlassung da und dort genauso spürbar wie ein gewisser „Anpassungsdruck“. ForschungsleiterInnen verbringen viel Zeit mit dem Eintreiben von Projektgeldern und einzelne Professuren werden von Interessenvertretern bezahlt. Die Unabhängigkeit der Forschung wird zwar auf dem Papier auch bei Sponsoring garantiert, aber der allfällige Einfluss auf die Forschungsfragen darf nicht unterschätzt werden. Also gilt es, stets die Interessenverbindungen offenzulegen.

Forschungsfreiheit ist ein wertvolles Gut, das wir verteidigen müssen.

Strategische Ziele des Bundesrates für den ETH-Bereich für die Jahre 2017–2020

Ziel 7: Rolle in der Gesellschaft und nationale Aufgaben

Der ETH-Bereich pflegt den Dialog mit der Gesellschaft und erfüllt Aufgaben von nationalem Interesse.

Der Bundesrat erwartet, dass der ETH-Bereich:

  • den Dialog mit der Gesellschaft pflegt und wissenschaftliche Erkenntnisse einem breiten Publikum in verständlicher Art und Weise zugänglich macht

Chlorpyrifos, Glyphosat, Paraquat: Thailand will sie verbieten

10. November 2019

Thailand will die drei Pestizide Chlorpyrifos, Glyphosat und Paraquat verbieten. Das gefällt der Administration Trump nicht. Sie hebt den Drohfinger. Empörte thailändische Beamte sagen, dass sie US-Beamten klar hätten erklären müssen, dass Thailands Priorität die Gesundheit der thailändischen Verbraucher ist. „Unsere Aufgabe ist es, für die Gesundheit der Menschen zu sorgen“, sagte der Gesundheitsminister Anutin Charnvirakul gegenüber der Presse.

Paraquat ist in der Schweiz schon lange nicht mehr im Handel. Eine interessante Geschichte dazu auf Wikipedia: „In der Schweiz hatte Syngenta jahrelang behauptet, Paraquat wegen fehlender Nachfrage vom Markt genommen zu haben. Der Bundesrat widersprach dieser Darstellung im Jahr 2002. Die Nichtregierungsorganisation Erklärung von Bern veröffentlichte 2011 ein Interview mit Urs Niggli, der bei der Forschungsanstalt Wädenswil (heute Agroscope) für die Bewilligung zuständig war. Demnach hatte die Maag AG (heute Syngenta) in den 1980er Jahren versucht, Paraquat in der Schweiz wieder auf den Markt zu bringen. Die Forschungsanstalt Wädenswil lehnte das Gesuch aus toxikologischen und ökotoxikologischen Gründen ab. Nach dem Grossbrand von Schweizerhalle zog die Maag AG den Einspruch gegen diese Entscheidung zurück.“

Chlorpyrifos wurde vom Bundesamt für Landwirtschaft verboten, aber dagegen rekurierten mehrere Firmen. Gemäss Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichtes vom 21. August 2019 ist den Verfügungen des BLW betreffend Verkaufsverbot bzw. Anwendungsverbot z.B. von Pyrinex (W-5192) von Syngenta die aufschiebende Wirkung bis zum Schlussurteil zugestanden worden.

Glyphosat: Was wird die Zukunft bringen? Inzwischen wird noch viel schmutziges Wasser in Bächen fliessen.

Thailand wants to ban these three pesticides. The US government says no. The Guardian 10.11.19

Paraquat Zulassung, Wikipedia

Allgemeinverfügung betreffend die Streichung von Pflanzenschutzmittel mit den Wirkstoffen Chlorpyrifos und Chlorpyrifos-methyl aus der Liste der nicht bewilligungspflichtigen Pflanzenschutzmittel. Bundesamt für Landwirtschaft 1.7.19

Hersteller und Händler wehren sich gegen Verbot von Pflanzenschutzmittel, Bauernzeitung 19.7.19

Chlorothalonil: Leserbrief von Paladilhiopsis tschapecki

5. November 2019

Ich bin die Grundwasserschnecke Paladilhiopsis tschapecki. Zeichnung: Heidi.

Liebe Heidi

Für uns Grundwasserschnecken sind die Pestizide eine Pest. Und es sind nicht die einzigen Stoffe, welche uns schaden. Viele meiner Verwandten stehen auf der Roten Liste der bedrohten oder ausgestorbenen Arten. Die Gründe dafür sind vielfältig, aber viele Pestizide sind nicht nur für die Schädlinge, die ihr Menschen bekämpfen wollt, tödlich, sondern auch für uns.

Wieviele Trinkwasserquellen habt ihr schon geschlossen weil der Grenzwert für Chlorothalonil überschritten wurde? Und wir? Wir hocken hier im Grundwasser und niemand hilft uns, nicht einmal die Tierschutzorganisationen.

Dieses Pestizid ist ja nur ein Beispiel für all die Stoffe, welche ihr ins Grundwasser sickern lässt. Obwohl ihr uns in euren Gesetzen versprochen habt, uns zu schützen, passiert nichts. Absolut nichts Nennenswertes. Wir sind halt kein Streichelzoo!

Euer Risiko übers Trinkwasser ist heute nicht allzu hoch im Vergleich zu anderen Belastungswegen. Trotzdem schliesst ihr Trinkwasserfassungen. Eine nach der andern. Es wäre doch sinnvoller, wenn ihr per sofort die Anwendung solcher Pestizide verbieten würdet, zum Nutzen aller.

Es scheint mir, dass ihr Menschen langsam seid. Ihr habt immer noch nicht begriffen, was ihr mit euren chemischen Stoffen alles anrichtet. Wir Grundwasserschnecken denken da schneller, sehen den Schaden unmittelbar und machen uns Sorgen für die Zukunft, denn viele Stoffe bleiben lange im Grundwasser.

Nehmt doch unsere Warnung ernst! Euer Bundesrat will „im Herbst“ darüber entscheiden, ob Chlorothalonil verboten wird oder nicht. Was soll dieses Zaudern? Wir, die Grundwasserschnecken, trauen eurem Bundesrat nicht mehr; zu oft hat er uns schon im Stich gelassen. Doch die Hoffnung geben wir nicht auf. Es gibt ja noch euch: das Volk!

Schon lange wollten wir dir schreiben, aber wir verlieren viel Zeit mit dem Suchen von wenig belastetem Wasser. Endlich haben wir unseren Aktuar bestellt; er wird dir diesen Brief auch übermitteln. Bitte schicke ihn all deinen Bekannten weiter.

Freundliche Grüsse

Paladilhiopsis tschapecki
Sprecherin aller Grundwasserschneckenarten

Das Grundwasser lebt, Heidis Mist 22.2.13

Grundwasserqualität: Das Ziel nicht vergessen! Heidis Mist 13.1.19

Herbizide auf Alpweiden: Frage an Heidi von Heiri

17. September 2019
Blacken wurden mit Herbizid behandelt ... und schon weiden hier Rinder!

Blacken wurden mit Herbizid behandelt … und schon weiden hier Rinder!

Liebe Heidi

Heute (15.9.19) im Unterstafel der Glattalp gesehen. Fast alle Blackenblätter gelb, das Vieh weidet friedlich darin. Warum sind die Blacken gelblich? Jemand hat mir gesagt, dass das wegen Herbiziden ist! Darf dann das Vieh auf solchen Flächen geweidet werden?

Gruss
Heiri

Lieber Heiri

Nach dem Spritzen mit Herbiziden auf einer Rinderweide muss eine Wartefrist von zwei Wochen eingehalten werden. Wenn Kühe auf der Weide sind, die Milch geben, dann beträgt die Wartefrist drei Wochen. Du erwähnst das Spritzdatum zwar nicht, aber es sieht schon so aus, als ob hier erst kürzlich gespritzt worden sei.

Diese Wartefristen basieren auf einer Risikoabschätzung aus praktischer Sicht und entsprechen „durchschnittlichen“ Bedingungen. Wissenschaftlich lassen sie sich kaum begründen, jedenfalls habe ich keine entsprechende Publikation gefunden.

Offensichtlich wachsen hier Blacken fast in Reinkultur, also gibt es im Boden zu viele Nährstoffe. Eine Herbizidbehandlung ist in einem solchen Fall unsinnig, da die Blacken oder andere nährstoffliebende Pflanzen nach der Bekämpfung wieder aufkommen. Für die Flächenbehandlung müsste zudem eine Bewilligung des zuständigen Amts vorliegen.

Herzliche Grüsse
Heidi

Eine grosse Fläche mit Blacken zeigt an, dass hier Nährstoffe im Überschuss vorhanden sind.

Eine grosse Fläche mit Blacken zeigt an, dass hier Nährstoffe im Überschuss vorhanden sind.

Liebe Heidi

Danke für die Antwort. Glaubt denn wirklich jemand, dass in dieser Zeit keine Rückstände mehr in den Blättern sind?

Gruss
Heiri

Lieber Heiri

Die Zeit, die es z.B. für den Abbau der Hälfte von Glyphosat im Labor braucht, beträgt 49 Tage = DT50-Wert (Quelle: D, Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit). Der DT50-Wert für MCPA liegt bei 7 bis 14 Tagen; dieses selektive Herbizid wird auch für dieBlackenbekämpfung eingesetzt. Je nach Bedingungen ist die Abbauzeit extrem unterschiedlich. In höheren Lagen ist sie aufgrund der tieferen Temperaturen sicher wesentlich länger als im Mittelland. Wieviel Herbizid die Tiere, welche die behandelten Pflanzen fressen, im Körper wie schnell abbauen bzw. ausscheiden, das lässt sich nicht so einfach sagen. Man müsste das einmal untersuchen oder – besser: auf Alpen Unkräuter mechanisch bekämpfen und die Nutzung anpassen, so dass solche Blackenfluren gar nicht entstehen.

Vor etwa einem Monat fragte mich eine Leserin, ob man frisch gespritzte Blacken mähen und in Siloballen verpacken dürfe. Ich habe keine entsprechenden Abbaustudien gefunden, würde aber davon abraten. Gemäss Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Landwirtschaft ist eine Wartefrist für Grünfutter oder Konservierung von 3 Wochen vorgeschrieben.

Beste Grüsse
Heidi

Liste der bewilligten Herbizide gegen Wiesenblacken und Alpenblacken in Wiesen und Weiden des ÖLN-Betriebes

Heidis weitere 25 Artikel über Herbizide auf Alpen

17.9.19 HOME

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Sehr geehrter Herr Agrarminister Parmelin

10. September 2019

Sehr geehrter Herr Agrarminister Parmelin

Sie sagten in einem Gespräch mit Agrarmedien: „Jetzt wird mit dem Finger auf die Bauern gezeigt, obwohl sie sich ans Gesetz gehalten haben“. Wenn dem tatsächlich so wäre, dann müsste man das Gesetz SOFORT massiv verschärfen.

Wie kommen Sie überhaupt auf die Idee zu sagen, dass die Gesetze eingehalten werden, wo doch – gerade im Gewässerschutz – kaum kontrolliert wird? Woher nehmen Sie diese Sicherheit bzw. die Fakten?

Die Gesetzesartikel zum Schutze der Gewässer sind gar nicht so schlecht, wenn man sie vollziehen würde. Dort hapert es stark, denn vieles, das kontrolliert werden sollte, wird gar nicht kontrolliert. DAFÜR gibt es kein Geld, denn gelenkt werden unsere Steuergelder bevorzugt in für die Bauern günstigere Kanäle. Und vieles lässt sich kaum oder nur mit viel Geld kontrollieren, so etwa der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

Sie reden von Anti-Landwirtschafts-Hysterie. Ich lese viele Berichte über den Zustand der Gewässer in den unterschiedlichsten Medien und kann Ihnen bezeugen, dass diese die Fakten aufzeigen. Das hat nichts mit Hysterie zu tun! Diese Zahlen werden seit Jahren publiziert, sogar in Ihrem jährlichen Agrarbericht, nur plant die Landwirtschaftspolitik an den Umweltverschmutzungen vorbei. Jetzt ist die Botschaft beim Volk angekommen!

So darf ich denn in diesem Zusammenhang mein Mitgefühl mit den tatsächlich umweltschonend wirtschaftenden Bauern ausdrücken, denn diese sind auch von den Negativschlagzeilen betroffen. Die übrigen machen einfach das, was man sie machen lässt, vieles ohne Kontrolle, auch wenn diese von Gesetzes wegen vorgeschrieben wäre.

NaNa, meine Cartoonistin, hat zum Thema „Gesetze einhalten“ einen exemplarischen Artikel im Blick gefunden. Darin steht:

Zu viel Nitrat bei 40 Prozent der Grundwassermessungen

Im Berner Oberland, in Schwyz, im Prättigau oder im Toggenburg sieht es nicht besser aus: Überall missachten Bauern immer wieder den Gewässerschutz. Und dies, obwohl seit 1991 mit dem Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer geregelt wäre, wie und wann Bauern Mist und Gülle austragen dürfen. Und das Ergebnis ist beunruhigend: 80 Prozent des Trinkwassers wird aus Grundwasser gewonnen. Die Warnung im Bafu-Bericht: «Die Grundwasservorkommen weisen zunehmend Verunreinigungen auf, die mehrheitlich aus der Landwirtschaft stammen.» Konkret: Jede siebte Grundwassermessstelle wies mehr Nitrate aus als erlaubt. Im Mittelland sind es gar 40 Prozent der gemessenen Werte.

Kein Wunder, sagen Experten. Agrarwissenschaftlerin Marianne Bodenmann: «Seit Jahrzehnten forscht der Bund, wie ökologische Landwirtschaft betrieben werden kann – in der Praxis sind wir aber vielerorts nicht viel weitergekommen. Mir stinkt das!» Bodenmann war ehemalige Kommunikationschefin der Forschungsanstalt für Agrarökologie und Landbau in Reckenholz ZH – heute Teil von Agroscope. Sie weiss: «Das Problem sind in der Schweiz nicht die Gesetze. Diese sind gut. Das Problem ist vielmehr der Vollzug.» Kontrolliert werde in den wenigsten Kantonen, und häufig werden solche Aufgaben an die Gemeinden delegiert. «Diese haben aber kaum Kapazitäten dafür – oder möchten es sich gerade in ländlichen Regionen mit den Bauern nicht verscherzen», so Bodenmann. Quelle: Blick vom 26.8.19.

Wo bleibt der Integrierte Pflanzenschutz?

Zitat aus dem Aktionsplan, Seite 9: "... Erst als letzte Massnahme sollen chemische PSM zur Anwendung gelangen. Der Einsatz von chemischen PSM wird heute aber oftmals vorgezogen, da die Alternativen weniger wirtschaftlich, weniger effizient oder nicht vorhanden sind."

Zitat aus dem Aktionsplan, Seite 9: „… Erst als letzte Massnahme sollen chemische PSM zur Anwendung gelangen. Der Einsatz von chemischen PSM wird heute aber oftmals vorgezogen, da die Alternativen weniger wirtschaftlich, weniger effizient oder nicht vorhanden sind.“

Das Zitat aus dem Aktionsplan Pflanzenschutz habe ich im Oktober 2016 kopiert. Offenbar hat man beim Bundesamt für Landwirtschaft gemerkt, dass dieser Satz „ungünstig“ für die Bauern ist und hat ihn später unverfänglicher formuliert. Doch die Tatsache bleibt. Kontrollen sind fast inexistent und die Vorgaben der Integrierten Produktion werden oft nicht beachtet.

Indirekter Gegenvorschlag

Herr Agrarminister, Sie halten es für möglich, dass es doch noch zu einem indirekten Gegenvorschlag zu den Pestizidinitiativen kommen wird. Meine Frage: Haben die Bauern Angst? Sind Sie ob all der Umweltfakten verunsichert? Ich stelle fest, dass das „Volk“ nicht mehr alles glaubt, was aus Ihrer Küche kommt. Das hat mit Hysterie nichts zu tun, sondern basiert auf Tatsachen, die sich so einfach nicht wegwaschen lassen, auch nicht mit Palmöl-Seife.

Herr Agrarminister, Sie können bereits vermerken, dass ich einem indirekten Gegenvorschlag nicht zustimmen werde, sondern den beiden Pestizidinitiativen. Ich stufe mich nicht als hysterisch ein, sondern als klarsichtig.

Wie kommen Sie, Herr Agrarminister, auf die Idee zu sagen, dass die Bauern die Gesetze einhalten, wo doch der Gewässerschutz kaum kontrolliert wird?

Was werden Sie unternehmen, um die Qualität von Grund-, Trink- und Oberflächengewässern zu verbessern?

Und wie, Herr Agrarminister, erklären Sie der Schweizer Bevölkerung, dass der Metabolit Chlorothalonil R471811 in der EU als „relevant“ eingestuft wurde, in der Schweiz aber nicht? Das heisst er muss weder kontrolliert werden, noch gilt ein Grenzwert. Chlorothalonil R471811 darf bei uns, nicht aber in der EU, in beliebigen Konzentrationen im Trinkwasser vorkommen.

Herr Agrarminister, Sie sind auch für Forschung zuständig. Wieso ignorieren Sie wichtige Resultate? Weil Sie der Landwirtschaft näher stehen als dem Volk?

Auch wenn Sie den Beruf des Winzers an den Nagel gehängt haben, um Bundesrat zu werden, dürfen Sie in dieser neuen Position nicht Partikularinteressen der Landwirtschaft vertreten, sondern müssen jene des Volkes in Ihren Entscheiden berücksichtigen. Sie müssten die Zukunft im Auge haben, nicht kurzfristigen Profit. Das nützt auch den Bauern!

Freundliche Grüsse

Heidi

Hysterie bereitet Sorgen, LID vom 9.9.19

Pestizide: Alles unter Kontrolle

4. September 2019

NaNa: Where Have All the Flowers Gone ist ein Antikriegslied, 1955 von Pete Seeger geschrieben. Es wurde von Max Colpet unter dem Titel Sag mir wo die Blumen sind ins Deutsche übertragen. NaNas Version:

Sag mir wo die Pestizide sind, wo sind sie geblieben?
Sag mir wo die Pestizide sind, was ist geschehen?
Sag mir wo die Pestizide sind, Bauern spritzten sie geschwind!
Wer wird das BLW verstehen?
Wer wird das BLW verstehen?

30.8.19 Beobachter – Die Stunde der Schönschwätzer:

Andreas Bosshard, Vision Landwirtschaft, Zitate aus dem Beobachter-Artikel: „«In der Schweiz sind Pestizide verhältnismässig günstiger als anderswo. Die Hemmschwelle ist kleiner, lieber etwas zu viel als zu wenig Pestizide einzusetzen».

Es sei tatsächlich schwierig, den Pestizidverbrauch international zu vergleichen. Das hänge mit der miserablen Datenlage zusammen. «Sie ist in der Schweiz viel schlechter als in den meisten EU-Staaten, wir sind hier auf einem Drittweltniveau.»

So weiss niemand, wie viel Pestizide die Schweizer Bauern wirklich spritzen. Zwar melden knapp 300 Bauern ihre Verbrauchsdaten dem Bund freiwillig; er rechnet daraus den landesweiten Pestizidverbrauch für den Anbau von Weizen, Äpfeln oder Kartoffeln hoch. Doch mit dieser Methode können die Behörden nur ungefähr die Hälfte des Schweizer Pestizidabsatzes erklären. Rund 1000 Tonnen verkaufte Mittel verschwinden jedes Jahr auf den Feldern, ohne dass sie in der Statistik auftauchen. Das bestätigt die eidgenössische Forschungsanstalt Agroscope.

Die Daten sind zudem lückenhaft und zeigen möglicherweise einen viel zu tiefen Verbrauch. Zum Gemüse­anbau fehlen die Angaben ganz – dort werden besonders viele Pestizide eingesetzt.

Bei Weinreben basiert die ­landesweite Hochrechnung auf nur 15 Meldungen. Darunter ist kein einziger Winzer aus dem Wallis, obwohl dort Pestizide oft grossflächig per Helikopter versprüht werden. Das Bundesamt für Land­wirt­schaft will nun mehr Bauern dazu bringen, ihren Verbrauch zu melden, damit man repräsentative Aussagen für alle Kulturen machen kann.“

Wieso keine Aufzeichnungspflicht und Kontrolle?

Wer spritzt was wo? Ökologischer Leistungsnachweis: Fast alles muss dokumentiert und beziffert werden, nur der Pestizidverbrauch nicht??? Mit Ressourceneffizienzbeiträgen will man nun die sanfte Tour fahren. So gibt es für Teilverzicht auf Herbizide im Obst- und Rebbau 200 Franken pro Hektare und Jahr, für Vollverzicht 600 Franken. Bei einem Vollverzicht auf Fungizide erhalten die Bauern 200 bzw. 300 Franken pro Hektare und Jahr.

Jede Apotheke muss den Inhalt des Giftschranks und Abgaben streng unter Kontrolle halten. Die Bauern geniessen Freiheit.

Helikoptersprühflüge: Heidis 10 Artikel über Helikoptersprühflüge

Marlene Dietrich – Sag mir, wo die Blumen sind, youtube

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Pestizide: Franzosen wollen grossen Abstand zu Wohnzonen

1. September 2019
Video: Le parisien. Daniel Cueff, Bürgermeister von Langouët

Video: Le parisien. Daniel Cueff, Bürgermeister von Langouët. Rechts im Bild der französische Senator Joel Labbé, der auch den Malser Weg unterstützt.

Zum Schutze der Bevölkerung hat der Bürgermeister von Langouët in der Bretagne am 18.5.19 erlassen, dass Bauern beim Ausbringen von Pestiziden zu Wohn- und Nutzbauten einen Sicherheitsabstand von 150 m einhalten müssen. Das Gericht in Rennes hat zwar entschieden, dass er seine Kompetenzen überschritten habe, aber Daniel Cueff wird den Entscheid anfechten. 20 weitere Gemeinden sind seinem Beispiel gefolgt.

Seit 25 Jahren ist Cueff Bürgermeister des Dorfs. Er setzt konsequent auf Nachhaltigkeit: Auf grünen Strom, auf Öko-Wohnbau, die Schulkantine serviert ausschliesslich Bio-Essen und auf dem Gemeindeland ist der Einsatz von Pestiziden seit 1999 verboten, also 17 Jahre vor dem Pestizidverbot im öffentlichen Raum, das seit 1.1.17 für ganz Frankreich gilt. Seit Januar 2019 dürfen auch Private in Frankreich keine Pestizide mehr einsetzen.

Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass 96% der Franzosen den Schutzzonen-Erlass von Langouët befürworten. Die Umweltministerin Elisabeth Borne wird in den nächsten Tagen eine neue Verordnung zur Konsultation vorlegen. Diese wird verbieten, Pestizide nahe von Häusern auszubringen. Borne versichert, dass dieses Projekt von der Regierung getragen werde.

Und in der Schweiz?

Arrêté d’interdiction des pesticides, Le Maire de la Commune de LANGOUET, 18.5.19

Daniel Cueff auf Facebook

Pestizidbelastung: Französisches Dorf erlässt eigenmächtig Verbot, Deutschlandfunk, 29.8.19

Arrêté anti-pesticides : le maire de Langouët applaudi à sa sortie du tribunal, Le Parisien, 22.8.19

Pestizidfreier öffentlicher Raum – in der Schweiz noch ein Traum, Heidis Mist, 12.2.18

Französischer Senator unterstützt den „Malser Weg“, Heidis Mist,

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