Posts Tagged ‘Pestizide’

Des Schweizers weisse Weste: Export von giftigen Pestiziden

26. Januar 2020

NaNa/Heidi

Exportiertes verbotenes Pestizid kommt in Lebensmitteln zurück

Zum Beispiel: Das in der Schweiz verbotene Pestizid Profenofos wird von Syngenta im Wallis produziert, dann exportiert und kommt in Lebensmitteln in die Schweiz zurück.

Tobias Tscherrig schreibt im Infosperber vom 17.1.20: „Denn Lebensmittel, die unter Einsatz von Profenofos im Ausland produziert werden, dürfen in die Schweiz importiert werden. So verweist «Public Eye» auf eine Analyse des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) über Pestizidrückstände im Jahr 2017. Profenofos wurde in 41 Lebensmitteln nachgewiesen, vor allem in Gemüse sowie verschiedenen Früchten und Gewürzen aus Asien. Damit ist Profenofos das am häufigsten nachgewiesene verbotene Pestizid in Schweizer Nahrungsmitteln.“

Menschenrecht und Nachhaltigkeit hier …

Dass Profenofos in Brasilien das häufigste Pestizid ist, welches das Trinkwasser verschmutzt, ist unserem Bundesrat egal, obwohl die Schweiz sich verpflichtet hat, dem Zugang zu sauberem Wasser als Menschenrecht nachzuleben und ihn im Rahmen der UN-Nachhaltigkeitsziele zu fördern.

… Wachstum der Schweizer Exportwirtschaft dort!

Bundesrat Guy Parmelins Rede am Aussenwirtschaftsforum in Zürich:

„… Die Mercosur-Staaten sind mit 260 Millionen Einwohnern schon jetzt ein wichtiger Zielmarkt für die Schweizer Exportwirtschaft und weisen ein grosses Wachstumspotential auf. Bereits heute exportiert die Schweiz Güter im Wert von mehr als 3 Milliarden Franken pro Jahr in diese Länder…

… Der Bundesrat verfolgt daher eine klare Strategie, um ausländische Märkte zu öffnen und der heimischen Exportwirtschaft so möglichst gute Rahmenbedingungen zu bieten.“

Lesen Sie den vollständigen Artikel von Tobias Tscherrig im Infosperber:

Schweiz exportiert gefährliche Pestizide. Tobias Tscherrig, Infosperber 17.1.20

Ansprache von Bundesrat Guy Parmelin, Aussenwirtschaftsforum 2019, Zürich. Medienmitteilung vom 26.3.19

Zu giftig für die Schweiz – aber exportierbar allemal. Der Bund 15.3.19

26.1.20 HOME

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Gewässer: Leichenrede frei nach Kurt Marti

29. Dezember 2019
Es war einmal ein Bächlein ...

Es war einmal ein Bächlein …

NaNa:

Leichenrede frei nach Kurt Marti

Der Natur hat es ganz und gar nicht gefallen
dass dieser Bach durch Pestizide starb
erstens war er zu jung
zweitens seinen Betrachtern eine Freude
drittens Wohnraum für Tiere und Pflanzen
viertens Spielplatz für Kinder
fünftens einst erfüllt von klarem Wasser
Was soll jetzt ohne ihn werden?
Wo bleibt die Freude
der Lebensraum
der Spielplatz
das Trinkwasser?
Der Natur hat es ganz und gar nicht gefallen
dass einige von euch dachten das Vergiften habe ihr gefallen
Im Namen des Lebens: Wir protestieren gegen den Tod unseres Baches.

Bachsedimente

Biotests mit Organismen mit verschiedenen Ernährungs- und Lebensstrategien, nämlich Muschelkrebsen, Zuckmückenlarven und Fadenwürmern … «Wir waren überrascht zu sehen, dass an allen Standorten mehrere Sedimentproben für mindestens eine der getesteten Arten toxisch waren, wobei die Muschelkrebse am empfindlichsten reagierten», sagt Projektleiterin Carmen Casado-Martinez.

Quelle: Ökotoxikologische Wirkungen durch Pflanzenschutzmittel in Bachsedimenten, eawag News vom 12.12.19

Pyrethroide

Dabei hat sich gezeigt, dass durch die Pyrethroid- und Organophosphat-Insektizide ein höheres Risiko für Wirbellose ausgelöst wird als durch alle anderen gemessenen Pflanzenschutzmittel zusammen. Im Extremfall sind die Risiken bis 50fach erhöht, im Durchschnitt um den Faktor 2,5.

Quelle: Pyrethroide im Visier. eawag News vom 4.11.19

Pflanzenschutzmittel

«Bei vier von fünf Bächen würde selbst eine zehnfach extensivere Landwirtschaft im Einzugsgebiet wohl noch zu Überschreitungen der Qualitätskriterien führen», sagt Christian Stamm, «in diese Kategorie fallen rund 13’000 Kilometer Schweizer Bachläufe.»

Quelle: Zu viele Pflanzenschutzmittel in kleinen Bächen, myScience 2.4.19

Kurt Marti · Leichenreden

Man soll von Toten nichts Schlechtes sagen, heißt es. In seinen ‚Leichenreden‘ hinterfragt Kurt Marti diese Konvention und wehrt sich gegen die gängigen Abschiedsrituale, gegen die gut gemeinten Worte und tröstenden Phrasen. Er schreibt ehrlich und schonungslos über das Leben, das Sterben und den Tod, immer verbunden mit einem tiefen Verständnis für Angst, Verdrängung und Abwehr, die den Verlust eines Menschen begleiten. Martis lyrische Totenreden sind ein Klassiker der Schweizer Literatur. Seit ihrer Erstveröffentlichung haben sie nichts von ihrer Aktualität und Brillanz verloren. Selten wurde so offen über den Tod und die Trauer geschrieben.

Kurt Marti, Leichenreden. ISBN 978-3-312-00277-1, Nagel & Kimche

Der Tod und danach im Denken und Dichten von Kurt Marti, Josef Fux, Maturaarbeit Gymnasium St. Klemens Ebikon, September 2003

29.12.19 HOME

„Ich wünsche dir gute Gesundheit!“ Das verpflichtet!

23. Dezember 2019
Sprudelndes Wasser in einem Bündner Wildbach

Sprudelndes Wasser in einem Bündner Wildbach

Gesundheit ist auch politisch

In keiner Jahreszeit wünschen wir unseren Freunden, Bekannten und Kollegen häufiger gute Gesundheit als jetzt. Auch gute Vorsätze für das kommende Jahr sind häufig mit der Gesundheit verbunden: gesünder essen, mehr Bewegung usw. Doch das allein genügt nicht. Saubere Luft, unbelastetes Trinkwasser, schadstofffreie Nahrungsmittel müssen erkämpft werden, denn einfach von sich aus gibt es das nicht mehr, obwohl schon lange Forschungsresultate vorliegen, welche grossen Handlungsbedarf aufzeigen. Wir müssen die Politik aktiv auffordern (oder vielleicht eher zwingen), ihre Aufgaben zu unserem Schutze und für die Umwelt zu erfüllen.

Auf Antibiotika verzichten

Im Anschluss an den Artikel Antibiotika, kritische Antibiotika: Leserbrief von Max möchte Heidi einmal mehr auf die Forderung einer Fachkommission des Bundes von 2014 hinweisen: Antibiotika-resistente Keime sind die «grösste biologische Bedrohung für die Gesundheit der Bevölkerung». In der Schweizer Nahrungsmittelproduktion soll daher ganz auf Antibiotika verzichtet werden, siehe Krankheitsrisiko Antibiotika, SRF 23.11.14. Dies ist eine der bisher unerfüllten Forderungen. Sie ist schon fünf Jahre alt!

Luft, Boden und Wasser schützen

Die Trinkwasserqualität ist im Allgemeinen zwar noch gut, aber das Grundwasser v.a. im Mittelland arg verschmutzt, was den Trinkwasserversorgern grosse Probleme bereitet und den Medien viel Stoff liefert. So hat die Sonntagszeitung am 22.12.19 unter dem Titel Bevölkerung zahlt für Pestizidsünden gemeldet: „Weil die Abbauprodukte von Chlorothalonil das Wasser noch bis zu 20 Jahre belasten, müssen die Gemeinden Millionen in ihre Anlagen investieren.“ Obwohl das Gewässerschutzgesetz das Verursacherprinzip für die Bezahlung von Schäden vorgibt, bezahlen immer „die anderen“.

Schlechter als uns Menschen geht es den Lebewesen in den Gewässern. Der Schweizerische Fischereiverband (SFV) schreibt in der soeben erschienenen Dezember-Nummer seiner Zeitung: „Das Bundesgericht urteilte am 12. Februar 2018, dass das Verbandsbeschwerderecht nach dem Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz auch auf Pflanzenschutzmittel-Bewilligungen anwendbar ist. Das heisst: Auch der SFV kann sich am Bewilligungsverfahren beteiligen. Dies ist sowohl eine Ehre wie auch eine Verpflichtung. Der SFV wird dieses Instrument nutzen, im Interesse eines umfassenden Schutzes der Fische, ihrer Nahrungsgrundlagen und ihrer Lebensräume.“ Heidi meint: „Das kann interessant werden, lautet doch die Gefahrenkennzeichnung im Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Landwirtschaft bei vielen Pestiziden H410 Sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung.“

Auch die Luft und der Boden sind keineswegs sauber und werden laufend aus vielen Quellen verschmutzt, was unserer Gesundheit direkt oder indirekt über die Nahrung oder das Wasser schaden kann. Auch Luft und Boden benötigen mehr Aufmerksamkeit.

Unsere Forderungen sind wichtig

Wenn wir gute Gesundheit wünschen, dann genügt es nicht sich zurückzulehnen und auf Massnahmen zu warten. Wir müssen selber aktiv werden und von Ämtern und Politikern fordern, dass sie das Nötige veranlassen, um die Umwelt zu schützen oder Verschmutzungen zu sanieren, und zwar auf Kosten der Verschmutzer.

Danke!

Heidi dankt allen LeserInnen für die Treue. Viele haben sie im vergangenen Jahr unterstützt, ihr Informationen und Bilder geschickt oder sie auf Fehler aufmerksam gemacht, etwa gestern als sie schrieb, dass der prophylaktische Einsatz von Antibiotika im Biolandbau per 1.1.16 verboten worden sei. Wahrscheinlich sei das schon immer so gewesen, schrieb postwendend eine Kollegin. Fehler sind ärgerlich, denn Heidi bemüht sich, Fakten auf den Tisch zu legen. Zum Glück ist ein solcher Lapsus zuvor schon lange nicht mehr vorgekommen – oder nicht gemeldet worden?

Heidi wünscht Ihren Leser und Leserinnen alles Gute im 2020, Gesundheit, frohe Stunden und viel Tatendrang!

24.12.19 HOME

Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltige Anwendung von Pflanzenschutzmittel: zahm und wenig wirksam!

17. Dezember 2019
Besonders verwerflich ist der Herbizideinsatz auf Alpen, der gang und gäb ist. Allzu oft kennen die SpritzerInnen nicht einmal die Pflanzen. Hier wurde ein Gelber Enzian bekämpft, der in einigen Kantonen geschützt ist.

Besonders verwerflich ist der Herbizideinsatz auf Alpen, der gang und gäb ist. Allzu oft kennen die SpritzerInnen nicht einmal die Pflanzen. Hier wurde ein Gelber Enzian bekämpft, der in einigen Kantonen geschützt ist.

Kommentar von Vision Landwirtschaft zu den veröffentlichten Zahlen des Bundesamts für Landwirtschaft:

„Über 50 Massnahmen beinhaltet der Aktionsplan Pflanzenschutzmittel des Bundes. Vision Landwirtschaft hat diese scharf kritisiert, da sie praktisch wirkungslos seien. Die jetzt publizierten Pestizid-Verkaufszahlen bestätigen diesen Befund. Herbizide, Fungizide und Pestizide mit besonderem Risikopotenzial haben 2018, also im ersten Jahr, in dem der Aktionsplan richtig greifen sollte, sogar wieder zugelegt.

Lediglich Glyphosat hat 2018 weiter deutlich abgenommen. Das Herbizid wurde einfach durch andere Wirkstoffe ersetzt, die gesamte Verkaufsmenge an Herbiziden stieg sogar leicht an.“

Grafik Verkaufsmengen nach Verwendungszweck

Grafik Verkaufsmengen nach Kategorien

Kritik von Greenpeace in der Bauernzeitung

Chlorothalonil-Verbot: Was soll das bedeuten ….?

13. Dezember 2019
Folie von Ronald Kozel, Miriam Reinhardt BAFU, Sektion Hydrogeologie, SVGW-Fachtagung „Umgang mit nicht geregelten Fremdstoffen im Trinkwasser“ vom 9.3.12

Folie von Ronald Kozel, Miriam Reinhardt BAFU, Sektion Hydrogeologie, SVGW-Fachtagung „Umgang mit nicht geregelten Fremdstoffen im Trinkwasser“ vom 9.3.12

Die Schweiz hat Chlorothalonil per 1.1.2020 verboten. Ende gut, alles gut?

In der Medieninformation des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) vom 12.12.19 steht: „Zudem teilt das BLV die Einschätzung der EU-Kommission, dass Chlorothalonil als wahrscheinlich krebserregend eingestuft werden muss. Somit sind auch alle Grundwassermetaboliten als relevant anzusehen.“ Bisher haben BLW und BLV (Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen), nicht alle Metaboliten von Chlorothalonil als „relevant“ eingestuft, während die EU alle Metaboliten als relevant eingestuft hatte. Zum Beispiel R 471811 ist auch heute noch auf der Liste Relevanz von Pflanzenschutzmittel-Metaboliten im Grund- und Trinkwasser als „nicht relevant“ aufgeführt. Warum?

Chlorothalonil-Metabolit R 471811

Heidi hat bei der Eawag nachgeschlagen und folgenden Text gefunden: „Ins Visier der Forschenden geraten sind insbesondere Metaboliten von Chlorothalonil, einem Mittel, das gegen Pilzbefall im Getreide-, Gemüse-, Wein- und Zierpflanzenbau eingesetzt wird. Ein Chlorothalonil-Metabolit wurden in sämtlichen 31 Proben gefunden, teils in Konzentrationen bis zu 25mal über dem Anforderungswert für Pestizide im Grundwasser in der Gewässerschutzverordnung und für Trinkwasser im Lebensmittelrecht.“

Frage: Um welchen Metaboliten von Chlorothalonil handelt es sich? Die Antwort dazu findet man in der verlinkten Publikation von Karin Kiefer et al., Seite 16 unter Conclusions: „Chlorothalonil TPs were widely present in groundwater. Chlorothalonil TP R471811 was detected in all samples, even in aquifers with low anthropogenic impact. In 20 out of 31 samples, concentrations exceeded 100 ng/L. The human-toxicological risk needs to be assessed as well as the fate in drinking water treatment.“

New Relevant Pesticide Transformation Products in Groundwater Detected Using Target and Suspect Screening for Agricultural and Urban Micropollutants with LC-HRMS. Water Research, Volume 165, 15 November 2019, 114972

Nun stellt sich die Frage: Wo im Trinkwasser ist der Chlorothalonil-Metabolit R 471811 zu finden? Müssen weitere Trinkwasserfassungen geschlossen werden? Oder ist den VerfasserInnen der BLW-Medieninformation ein Fehler unterlaufen? Oder beharrt das BLW darauf, dass R 471811 für die Schweiz „nicht relevant“ ist?

Wasserversorger kritisierten 2012 die hohen Grenzwerte für „nicht geregelte Fremdstoffe“

Unter dem Titel „Grundwasser: Gefährden neue Grenzwerte das Vorsorgeprinzip?“ berichtete Heidi am 10.3.13 über die SVGW-Fachtagung „Umgang mit nicht geregelten Fremdstoffen im Trinkwasser“ vom 9.3.12. Roman Wiget von der Seeländischen Wasserversorgung forderte daher von den involvierten Bundesämtern eine klare Bekennung zum Vorsorgeprinzip und von den Kantonen eine konsequente Umsetzung der Gewässerschutzgesetzgebung, welche ab Konzentrationen über 100 ng/L geeignete und griffige Massnahmen gegen Pflanzenschutzmittel und andere Fremdstoffe verlangt. „Auch wenn einige Pestizide und Herbizide keine direkte Gesundheitsgefährdung darstellen, sie gehören definitiv nicht ins Trinkwasser“, so auch die Haltung des Branchenverbands der Schweizerischen Trinkwasserversorger, des SVGW.

Die Folien aller Beiträge finden Sie hier: SVGW-Fachtagung „Umgang mit nicht geregelten Fremdstoffen im Trinkwasser“.

Folie von Daniel Hartmann, Sybille Kilchmann BAFU, Sektion Grundwasserschutz. Umgang mit nicht geregelten Fremdstoffen im Trinkwasser SVGW Wasserfachtagung, Olten, 9. März 2012

Folie von Daniel Hartmann, Sybille Kilchmann BAFU, Sektion Grundwasserschutz. Umgang mit nicht geregelten Fremdstoffen im Trinkwasser SVGW Wasserfachtagung, Olten, 9. März 2012

Heidis alte Forderung wird neu von Kantonschemikern unterstützt

17. November 2019

„Einige Spritzmittel sind für die Umwelt besonders gefährlich. Der Bund möchte deren Grenzwert senken. Experten sind für komplette Verbote.“ steht in der Sonntagszeitung von heute 17.11.19. Dasselbe hat Heidi schon vor 1 Jahr, 8 Monaten und 16 Tagen gefordert! Und noch mehr …

Zu den neuen Anforderungswerten für Oberflächengewässer (Gewässerschutzverordnung GSchV) gab’s das folgende Bild:

Heidi findet ihren Vorschlag vom 1.3.18 immer noch gut, nämlich:

Das Vorsorgeprinzip muss hochgehalten und das Ziel der GSchV respektiert werden. Weil Oberflächengewässer Menschen und Tieren als Trinkwasserquelle dienen, zur Bewässerung von Kulturpflanzen verwendet werden und sie das Grundwasser speisen, soll für alle Pestizide der allgemeine Anforderungswert von 0,1 µg/l gelten. Zusätzlich ist ein Summenwert von 0,5 µg/l einzuführen. Höchst schädliche Pestizide wie Chlorpyrifos und Cypermethrin sind aus dem Verkehr zu nehmen statt neue Anforderungswerte von 0,0044 bzw. 0,00044 µg/l festzuschreiben, denn – so meint Heidi – sie bewirken kaum etwas.

Unglaublich wie viel über Pestizide mit Steuergeldern geforscht wird. Basis der in der Vernehmlassung GSchV vorgeschlagenen Werte sind riesige Datensammlungen mit bis zu 70 Seiten Tabellen, Einschätzungen, Literaturhinweisen usw.

Heidi meint: Besser würde man dieses Geld in die Forschung für umweltschonenden Anbau investieren.

Mehr dazu:

Neue Pestizid-Anforderungswerte für Oberflächengewässer: Rechnen mit Heidi, Heidis Mist 1.3.18

Kantonschemiker fordern Verbot gefährlicher Pestizide, Sonntagszeitung 16.11.19

Von Guy Parmelin, Chlorothalonil und einer Tierbedarfshandlung

17. November 2019
Chlorothalonil: Blick ins Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Landwirtschaft

Chlorothalonil: Blick ins Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Landwirtschaft

Die Abbauprodukte von Chlorothalonil ist langlebig im Grundwasser, Trinkwasserfassungen mussten geschlossen werden, das Mittel wurde in der EU verboten, da Verdacht auf krebserregend und sogar erbgutverändernd. Uns SchweizerInnen hat Bundesrat Guy Parmelin ein Verbot per Oktober 2019 in Aussicht gestellt. Und was läuft? Die Beamten sind am Studium von neuen Akten der Chlorothalonil-verkaufswilligen Industrie. Ein Entscheid ist erst im 2020 zu erwarten! Orientieren Sie sich weiter beim Schweizer Fernsehen 10vor10 vom 15.11.19:

„Bundesrat Guy Parmelin versprach das Fungizid Chlorothalonil bis Oktober zu verbieten. Nun ist es November und es gibt noch immer kein Verbot. Die Wasserversorger schlagen Alarm.“

Verunreinigtes Trinkwasser Wird Chlorothalonil gar nicht verboten? SRF 10vor10 vom 15.11.19

Gefahrenkennzeichnung Chlorothalonil

  • H315 Verursacht Hautreizungen.
  • H317 Kann allergische Hautreaktionen verursachen.
  • H318 Verursacht schwere Augenschäden.
  • H332 Gesundheitsschädlich bei Einatmen.
  • H335 Kann die Atemwege reizen.
  • H351 Kann vermutlich Krebs erzeugen.
  • H410 Sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung.

Heidis Frage: Ist das Bundesamt für Landwirtschaft als Zulassungsstelle für Pflanzenschutzmittel unabhängig und vertrauenswürdig?

NaNas Witzecke

Kommt jemand in die Tierbedarfshandlung:

„Guten Tag, ich möchte gern einen Maulkorb.“

„Tut mir leid! Alle ausverkauft! Herr Parmelin war da. Aber kommen sie übermorgen wieder, dann erhalten wir die Occasionsmodelle aus den USA.“

Von Forschungsfreiheit und Forschungszwängen, Heidis Mist 12.11.19

Petition: Keine Zensur der Eawag durch den Bundesrat, Heidis Mist 14.11.19

Wissenschaftler dürfen nicht sagen, wie giftig unser Trinkwasser wirklich ist. Parmelin verpasst ETH-Forschern Maulkorb. Lea Hartmann, Blick 11.11.19

Petition: Keine Zensur der Eawag durch den Bundesrat

14. November 2019

Jetzt unterschreiben: Petition „Keine Zensur der Eawag durch den Bundesrat“

An: Bundesrat Guy Parmelin, Landwirtschaftsminister, Eidgenössisches Departement für Wirtschaft

Guy Parmelin muss die Veröffentlichung des Faktenblattes der EAWAG erlauben und seine Intervention beim ETH-Rat rückgängig machen. Wissenschaftliche Informationen dürfen nicht zensiert und bestimmte Informationen versteckt werden, nur weil der Bundesrat nicht zustimmt.

Warum ist das wichtig?

Beeinflusst die Landwirtschaft die Schweizer Wasserqualität? Ja, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln belastet die Oberflächengewässer und es müssen “negative Effekte auf Fortpflanzung, Entwicklung und Gesundheit von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen […] befürchtet werden”. Dieser Text ist als Ausschnitt des Faktenblattes als Screenshot vom Blick veröffentlicht worden.

Doch das von der EAWAG (dem Wasserforschungsinstitut der ETH) für das Parlament erstellte Faktenblatt darf nun doch nicht veröffentlicht werden. Warum?

Bundesrat Guy Parmelin verbietet den Forschern der EAWAG sich mit ihrem Faktenblatt zur Schweizer Pestizid-Verschmutzung zu äussern. Er will keine politische Einflussnahme durch die ETH, obwohl das vierseitige Papier ursprünglich fürs Parlament erstellt wurde.

Brisant ist die Intervention des Bundesrates und Landwirtschaftsministers auch in Anbetracht zweier hängiger Volksinitiativen die den Pestizideinsatz stark einschränken wollen. Beide Initiativen werden vom Nationalrat ohne Gegenvorschlag zur Ablehnung empfohlen.

In einem der Intervention folgenden internen Memo der EAWAG-Direktorin Janet Hering ist ersichtlich, dass Bundesrat Parmelin “explizit seine Haltung zum Ausdruck, dass Angestellte der Eidgenossenschaft (inklusive Angestellte im ETH-Bereich) vom Bundesrat getroffene Entscheide nicht öffentlich kritisieren sollen.”

Ist dieses Verbot von Guy Parmelin seinerseits aber eine nicht noch viel grössere politische Einflussnahme? Darf der Bundesrat Wissenschaftlern tatsächlich verbieten, zu wichtigen Fragen Stellung zu beziehen?

Natürlich nicht! Auf welcher Grundlage sollen die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger denn sonst Ihre Entscheidungen fällen, wenn nicht anhand von wissenschaftlichen Fakten?!

Wir wollen deshalb, dass Guy Parmelin seine Intervention rückgängig macht und das verbotene ETH-Faktenblatt dem Schweizer Stimmvolk zugänglich macht.

Nur wenn die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger sowie das Parlament umfassend informiert sind, können sie vernünftige Entscheide fällen. Die Zensur, insbesondere der wissenschaftlichen Forschung, gehört nicht zu einer demokratischen Gesellschaft.

Keine Zensur der Eawag durch den Bundesrat. Petition ACT Compax

Quellen:

Wissenschaftler dürfen nicht sagen, wie giftig unser Trinkwasser wirklich ist. Parmelin verpasst ETH-Forschern Maulkorb. Lea Hartmann, Blick 11.11.19

Intervention wegen Pestizid-Kritik – Parmelin soll ETH-Forschern Maulkorb verpasst haben. watson 11.11.19

Heidi hat über dieses leide Thema am 12.11.19 berichtet: Von Forschungsfreiheit und Forschungszwängen

Von Forschungsfreiheit und Forschungszwängen

12. November 2019

Wie immer auch das Treffen von Bundesrat Guy Parmelin mit Forschenden verlaufen sein mag, es ist wichtig, die Frage „wie unabhängig ist die Forschung“ immer wieder zu stellen.

Obwohl es uns so gut geht wie noch nie, sind die Gelder knapp, die Sparrunden allgegenwärtig, die Angst vor Entlassung da und dort genauso spürbar wie ein gewisser „Anpassungsdruck“. ForschungsleiterInnen verbringen viel Zeit mit dem Eintreiben von Projektgeldern und einzelne Professuren werden von Interessenvertretern bezahlt. Die Unabhängigkeit der Forschung wird zwar auf dem Papier auch bei Sponsoring garantiert, aber der allfällige Einfluss auf die Forschungsfragen darf nicht unterschätzt werden. Also gilt es, stets die Interessenverbindungen offenzulegen.

Forschungsfreiheit ist ein wertvolles Gut, das wir verteidigen müssen.

Strategische Ziele des Bundesrates für den ETH-Bereich für die Jahre 2017–2020

Ziel 7: Rolle in der Gesellschaft und nationale Aufgaben

Der ETH-Bereich pflegt den Dialog mit der Gesellschaft und erfüllt Aufgaben von nationalem Interesse.

Der Bundesrat erwartet, dass der ETH-Bereich:

  • den Dialog mit der Gesellschaft pflegt und wissenschaftliche Erkenntnisse einem breiten Publikum in verständlicher Art und Weise zugänglich macht

Chlorpyrifos, Glyphosat, Paraquat: Thailand will sie verbieten

10. November 2019

Thailand will die drei Pestizide Chlorpyrifos, Glyphosat und Paraquat verbieten. Das gefällt der Administration Trump nicht. Sie hebt den Drohfinger. Empörte thailändische Beamte sagen, dass sie US-Beamten klar hätten erklären müssen, dass Thailands Priorität die Gesundheit der thailändischen Verbraucher ist. „Unsere Aufgabe ist es, für die Gesundheit der Menschen zu sorgen“, sagte der Gesundheitsminister Anutin Charnvirakul gegenüber der Presse.

Paraquat ist in der Schweiz schon lange nicht mehr im Handel. Eine interessante Geschichte dazu auf Wikipedia: „In der Schweiz hatte Syngenta jahrelang behauptet, Paraquat wegen fehlender Nachfrage vom Markt genommen zu haben. Der Bundesrat widersprach dieser Darstellung im Jahr 2002. Die Nichtregierungsorganisation Erklärung von Bern veröffentlichte 2011 ein Interview mit Urs Niggli, der bei der Forschungsanstalt Wädenswil (heute Agroscope) für die Bewilligung zuständig war. Demnach hatte die Maag AG (heute Syngenta) in den 1980er Jahren versucht, Paraquat in der Schweiz wieder auf den Markt zu bringen. Die Forschungsanstalt Wädenswil lehnte das Gesuch aus toxikologischen und ökotoxikologischen Gründen ab. Nach dem Grossbrand von Schweizerhalle zog die Maag AG den Einspruch gegen diese Entscheidung zurück.“

Chlorpyrifos wurde vom Bundesamt für Landwirtschaft verboten, aber dagegen rekurierten mehrere Firmen. Gemäss Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichtes vom 21. August 2019 ist den Verfügungen des BLW betreffend Verkaufsverbot bzw. Anwendungsverbot z.B. von Pyrinex (W-5192) von Syngenta die aufschiebende Wirkung bis zum Schlussurteil zugestanden worden.

Glyphosat: Was wird die Zukunft bringen? Inzwischen wird noch viel schmutziges Wasser in Bächen fliessen.

Thailand wants to ban these three pesticides. The US government says no. The Guardian 10.11.19

Paraquat Zulassung, Wikipedia

Allgemeinverfügung betreffend die Streichung von Pflanzenschutzmittel mit den Wirkstoffen Chlorpyrifos und Chlorpyrifos-methyl aus der Liste der nicht bewilligungspflichtigen Pflanzenschutzmittel. Bundesamt für Landwirtschaft 1.7.19

Hersteller und Händler wehren sich gegen Verbot von Pflanzenschutzmittel, Bauernzeitung 19.7.19


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