Posts Tagged ‘Pestizide’

Vorfreude auf Erdbeeren

27. Mai 2023
Eine Weile wird es noch dauern bis die Erdbeeren reif sind ...

Eine Weile wird es noch dauern bis die Erdbeeren reif sind …

Wer sich nicht durch die Grossverteiler verführen liess und auch im Winter Erdbeeren gegessen hat, welche mit Wasser aus Raubbau produziert wurden, freut sich jetzt auf die ersten Schweizer Erdbeeren oder die chemiefrei im eigenen Garten gezogenen. Erdbeeren gehören zu den am meisten mit Pestiziden behandelten Beeren, also auf Bio achten! Auch wenn die Grenzwerte der verschiedenen Pestizide eingehalten werden, die Wirkung der Cocktails ist unbekannt.

Nun werden Heidis Erdbeeren auf Holzwolle aus dem Toggenburg gebettet. Dies ist nicht nur die einzige Schweizer Holzwolle, sondern auch die beste, die erhältlich ist. Achten Sie beim Kauf darauf: Agrohobby Holzwolle von Lindner Suisse schützt vor Fäunis und Schmutz. Auch geeignet zum Unterlegen von Zucchetti, Melonen usw.

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27.5.23 HOME

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Maikäfer-Massenmord: Bitte sagen Sie es nicht weiter!

11. Mai 2023
Copyright: SRF Schweiz aktuell

Copyright: SRF Schweiz aktuell. Ein Klick auf das Bild führt zur Sendung vom 29.5.20

Glauben Sie, dass Maikäfer vom Aussterben bedroht sind? Oder sind Sie betroffen von den gefrässigen Engerlingen oder Käfern? Je nach Situation lieben oder hassen Menschen diese Blatthornkäfer. Betroffene Bauern und GärtnerInnen bekämpfen die Maikäfer, denn sie können grosse Schäden anrichten.

Plötzlich waren sie da, die Maikäfer! Der Alpöhi hatte sie zuerst an der Hainbuchenhecke entdeckt. Heidi schaute nach … und da waren sie massenhaft, auch auf dem Zwetschgenbaum, auf der Säuleneiche und den Korbweiden. Beim letzten Flug vor drei Jahren hatten die Maikäfer die andere Säuleneiche kahlgefressen. Erst dieses Jahr treibt sie im unteren Teil zaghaft neue Knospen, wird wahrscheinlich überleben.

Was tun? Heidi holte rasch eine Plastikfolie, füllte einen Kessel mit Wasser, das sie mit wenig Abwaschmittel versah, und machte sich mit einem Stecken in der Hand an die Arbeit. Es heisst zwar, dass das Sammeln von Maikäfer wenig nütze, doch Heidi war entschlossen, die zarten hellgrünen Blätter vor dem Frass zu schützen. Ein Schlag mit dem Stecken in die Hecke und schon purzelten sie von den Ästen, viele paarweise, denn sie waren mit der Fortpflanzung beschäftigt.

Da lagen sie nun, viele auf dem Rücken, als wären sie tot. Sobald Heidi sie in die Hand nahm, klammerten sie sich fest. Erstaunlich diese Kraft in ihren Beinen! Einzelne versuchten wegzufliegen, aber Heidi war meist schneller mit dem Einfangen. Eine Handvoll Käfer nach der andern landete im Kessel. „Ach diese wunderschönen Käfer“, dachte Heidi. Sie schüttelte das Wasser immer wieder, um sie so rasch wie möglich tot zu sehen, die armen Kreaturen.

Dieses Prozedere wiederholte Heidi bei jedem Baum, der im oberen Teil voller Maikäfer war. Inzwischen waren auf der Hecke erneut Käfer gelandet, also führte sie diese widerliche Arbeit mehrmals aus. Am Schluss war der grosse Kessel, den Heidi laufend mit den Ersäuften füllte, voll. Verschont blieben jene Maikäfer, die zuoberst auf der Säuleneiche gelandet waren, denn dorthin reichte auch der Teleskop-Schneider/Pflücker nicht. Zudem ist der Baumstamm so dick, dass er beim Rütteln nur wenig nachgibt, zu wenig, um die Käfer aus ihrer Astumklammerung zu lösen.

„Wo werden die Überlebenden die Eier ablegen?“ Heidis Frage kann wohl niemand beantworten.

Von Maikäfersuppe …

Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde das Maikäfersammeln weit herum praktiziert und stellte zusammen mit dem Einsammeln der Engerlinge beim Pflügen die wichtigste Praxis der Maikäferbekämpfung dar. In Frankreich und Teilen Deutschlands wurden sie geröstet und zu Maikäfersuppe verarbeitet.

Wenn Sie Engerlinge antreffen, vergewissern Sie sich, dass es Maikäfer-Engerlinge sind und nicht Rosenkäfer-Engerlinge, bevor sie zuschlagen, denn letztere sind nützlich.

Maikäfer-Bekämpfung

Der einheimische Maikäfer dringt wegen des Klimawandels in immer höhere Lagen vor. Dort ernährt er sich von den Wurzeln der Gräser. Sterben die Pflanzen, kommen die Hänge ins Rutschen und es drohen Ernteeinbussen für die Bergbauern. Christian Schweizer von Agroscope zeigt in einem Interview in Schweiz aktuell, wie man mit einem Pilz dagegen ankommt.

In Zeiten der Pestizid-Euphorie wurden zur Bekämpfung des Maikäfers etwa DDT, Lindan oder Hexachlorcyclohexa gegen Engerlinge, Drahtwürmer und andere «Bodenschädlinge» eingesetzt, ein lukratives Anwendungsfeld für die synthetischen Insektizide. Dabei wurde seit 1949 auch der während des Kriegs in den USA entwickelte Wirkstoff Chlordan verwendet.

Ein nie da gewesenes Ausmass erreichte die Pestizidanwendung in der Schweiz in den Jahren 1950/51, als verschiedene Gebiete zur Bekämpfung des Maikäfers grossflächig mit Insektiziden besprüht wurden. Diese Maikäferbekämpfung war Ausgangspunkt einer öffentlichen Debatte um die Verhältnismässigkeit solcher Aktionen und die Nebenwirkungen der chemischen Schädlingsbekämpfung für Mensch und Umwelt.

Maikäfer, Wikipedia

Rosenkäferlarve vs. Engerling. Umweltberatung Luzern

Engerlingsbekämpfung mit entomopathogenen Pilzen. Agroscope

Maikäferplage in Bündner Bergen. Schweiz aktuell 29.5.20

Nützliche Schädlinge – angewandte Entomologie, chemische Industrie und Landwirtschaftspolitik in der Schweiz 1874-1952. Lukas Straumann 2005

Von besonders schädlichen Pestiziden…

2. Mai 2023

Ein Brief aus Deutschland beginnt wie folgt:

„Viele Befragte des Radar Test Panel entscheiden sich häufiger für Bio – „Verbraucher sind besorgt über Pestizidrückstände auf Obst und Rosinen“. 95 Prozent der mehr als 27’000 vom Radar Test Panel befragten Verbraucher sind besorgt über giftige Rückstände auf Obst und Rosinen. Teilweise können auf einem Produkt Rückstände von bis zu fünfzehn verschiedenen Pestiziden gefunden werden. Die Untersuchung zeigt, dass die Verbraucher Massnahmen, auch von Supermärkten, für weniger Gift in ihren Lebensmitteln fordern.“

Weiter heisst es:

Foodwatch startet Kampagne zur Reduzierung von Pestiziden
Laut dem Lebensmittelwächter Foodwatch, der wiederholt auf Pestizidrückstände unter anderem auf Obst und Rosinen aufmerksam gemacht hat, müssen Supermärkte ihre Kaufkraft einsetzen, um den Einsatz von Pestiziden bereits während des Anbaus zu reduzieren. Sie starten deshalb eine neue, internationale Kampagne, die diese Woche mit Fragen zu den Zukunftsplänen von Supermärkten im Bereich der Pestizidpolitik startete.“

Brief an Cem Özdemir

Heidi hat bei Foodwatch nachgeschaut und ist auf den Aufruf zum Unterschreiben eines Briefs an Cem Özdemir, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, gestossen, der wie folgt beginnt:

„Hundertfünfzig Pestizide wurden alleine dieses Jahr in Deutschland zugelassen, einige davon ohne Risikoprüfung, teils hochgiftig – und das unter dem grünen Agrarminister Cem Özdemir. Damit tötet er nicht nur Bienen und Insekten, sondern gefährdet auch unsere Gesundheit und das Leben in Flüssen und Böden. Fordern Sie den Minister auf, die gefährlichen Produkte sofort vom Markt zu nehmen!“

Hier sind die Forderungen:

  • Alle Pestizide, die keine abgeschlossene Risikobewertung haben1, müssen sofort vom Markt genommen werden!2  
  • Der fortpflanzungsgefährdende Wirkstoff, Dimethomorph, muss umgehend verboten werden.
  • Das BMEL muss jetzt eine wirksame Ausstiegsstrategie für Pestizide entwickeln. Das Ziel sollte eine pestizidfreie Landwirtschaft bis 2035 sein.

1. Risikobewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit nach den in der Verordnung 1107/2009/EG festgelegten Kriterien.

2. Dazu gehören: Deltamethrin, Flufenacet, Fosthiazate, Chlorotoluron, Daminozide, MCPA, MCPB, Mecoprop-P, Mepanipyrim, Milbemectin, Phenmedipham, Pyraclostrobin, S-Metolachlor, Ziram.

Dimethomorph

Heidi hat im Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) nachgeschaut. Das Fungizid Forum von BASF enthält den Wirkstoff Dimethomorph, sieht im Vergleich zu anderen aber relativ harmlos aus, obwohl Augenschäden … Es gibt weitere 18 Fungizide, die nur diesen Wirkstoff enthalten. Die H-Gefahrenkennzeichnung, abgerufen am 2.5.23, lautet:

Fungizid Forum von BASF. Gefahrenkennzeichnung im Pflanzenschutzmittelverzeichnis des BLV, abgeruffen 2.5.23

Fungizid Forum von BASF. Gefahrenkennzeichnung im Pflanzenschutzmittelverzeichnis des BLV, abgeruffen am 2.5.23

Die European Chemicals Agency (ECHA) sieht das anders als die Schweiz. Dort steht unter den Gefahren „Toxic to Reproduction“. Wie kommt es, dass die Schweiz verharmlost?

Heidi hat dann das Fungizid Banjo Forte von Cemag Handels AG aufgerufen, das zusätzlich zu Dimethomorph den Wirkstoff Fluazinam enthält. Diese H-Gefahrenkennzeichnung ist:

Fungizid Banjo Forte von Cemag Handels AG: H-Gefahrenkennzeichnung gemäss Pflanzenschutzmittelverzeichnis BLV, abgerufen am 2.5.23

Fungizid Banjo Forte von Cemag Handels AG, H-Gefahrenkennzeichnung gemäss Pflanzenschutzmittelverzeichnis BLV, abgerufen am 2.5.23

Nun hat Heidi noch ein Pestizid nachgeschlagen, das nur den Wirkstoff Fluazinam enthält, nämlich Tisca von Bayer. Als Gefahrenkennzeichnung ist aufgeführt:

Fungizid Tisca von Bayer. Gefahrenkennzeichnung im Pflanzenschutzmittelverzeichnis des BLV, abgerufen am 2.5.23

Fungizid Tisca von Bayer. Gefahrenkennzeichnung im Pflanzenschutzmittelverzeichnis des BLV, abgerufen am 2.5.23

Epoque von Syngenta Agro AG ist ein weiteres Fungizid mit Fluazinam. Es enthält zusätzlich Metalaxyl-M. Heidi schaute nach … siehe da! Heidi ist immer wieder erstaunt, dass solche Giftstoffe im Handel sind. Stört das eigentlich niemanden, ausser Heidi?

Fungizid Epoque von Syngenta Agro AG. Gefahrenkennzeichnung gemäss Pflanzenschutzmittelverzeichnis des BLV, abgerufen am 2.5.23

Fungizid Epoque von Syngenta Agro AG. Gefahrenkennzeichnung gemäss Pflanzenschutzmittelverzeichnis des BLV, abgerufen am 2.5.23

Pestizide ohne Risikobewertung

Heidi hat die weiteren Wirkstoffe, die im Brief an Cem Özdemir aufgeführt sind und offenbar keine Risikobewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit durchlaufen haben, im Schweizer Pflanzenschutzmittelverzeichnis des BLV nachgeschlagen. Die Produkte sind teilweise Parallelimporte; dort sind die Gefahrenkennzeichnungen nicht aufgeführt, man muss die Originaletikette konsultieren. Das ist intransparent und eine Zumutung!

11 Produkte mit Deltamethrin sind registriert, 23 Flufenacet, 0 Fosthiazate, 20 Chlorotoluron, 3 Daminozide, 43 MCPA, 7 MCPB, 45 Mecoprop-P, 1 Mepanipyrim, 5 Milbemectin, 15 Phenmedipham, 15 Pyraclostrobin, 16 S-Metolachlor, 1 Ziram. Also zusammen mit den 19 Dimetamorph-Produkten total 224 Produkte, die beanstandet werden!

Es gibt Leute, die schauen Krimis, Heidi liest das spannende Pflanzenschutzmittelverzeichnis des BLV.

Gifresten op fruit en rozijnen: consument wil (en krijgt) actie voor minder pesticiden. Radar AVROTROS 28.4.23

Ungeprüfte Pestizide: Augen auf, Cem Özdemir!  Foodwatch, Ation am 16.12.22 gestartet

dimethomorph (ISO); 4-(3-(4-chlorophenyl)-3-(3,4-dimethoxyphenyl)acryloyl)morpholine. European Chemicals Agency ECHA

Wichtige Dauerthemen: Glyphosat und Pestizid-Reduktion

1. Mai 2023

Copyrigh: Shireen Dooling

Copyrigh: Shireen Dooling

Die Europäische Umweltbehörde rief am 26.4.23 dazu auf, dass mehr Massnahmen in der EU erforderlich seien, um die Auswirkungen chemischer Pestizide zu verringern. Trotz der Fortschritte in einigen EU-Mitgliedstaaten bei der Verringerung des Pestizideinsatzes stelle die Verschmutzung durch Pestizide nach wie vor ein erhebliches Risiko für die menschliche Gesundheit und die Umwelt dar. Um dies zu ändern, müsse noch viel mehr getan werden, um das EU-Ziel der Nullverschmutzung zu erreichen und den Einsatz und die Risiken chemischer und gefährlicher Pestizide bis 2030 um 50% zu reduzieren.

Trägt Glyphosat zum Absterben von Nervenzellen bei?

Herbizide sind Umweltschadstoffe, die aufgrund ihrer potenziellen Gefahren für die menschliche Gesundheit viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben. Glyphosat, der Wirkstoff in vielen kommerziellen Herbiziden, ist das weltweit am häufigsten eingesetzte Herbizid. Der jüngste Anstieg des Glyphosateinsatzes in Mais- und Sojakulturen korreliert mit dem Anstieg der Todesfälle durch Alzheimer und anderen Erkrankungen, die zum Absterben von Nervenzellen führen.

Joanna Winstone, Ramon Velazquez und ihre Kollegen am Translational Genomics Research Institute (TGen) untersuchten in einer Studie die Folgen der Glyphosat-Exposition auf das Gehirn von Mäusen. Die Studie zeigt zum ersten Mal, dass Glyphosat die Blut-Hirn-Schranke überwinden und in das Gehirn gelangen kann. Darüber hinaus wurde berichtet, dass die Exposition gegenüber Glyphosat die entzündungsfördernden Zytokine im Blutplasma erhöht, insbesondere den Tumornekrosefaktor (TNFα).

Insgesamt zeigen die Ergebnisse einen Zusammenhang zwischen der Glyphosat-Exposition und den klassischen Symptomen der Alzheimer-Krankheit, obwohl die Autoren betonen, dass noch viel mehr Arbeit erforderlich ist, bevor ein ursächlicher Zusammenhang hergestellt werden kann.

Der weit verbreitete Einsatz der Chemikalie und die beunruhigenden Korrelationen, die in der aktuellen Studie aufgezeigt wurden, zeigen die Notwendigkeit einer intensiveren Untersuchung. Zu den dringenden Fragen, die es zu beantworten gilt, gehören:

  • Wie wirkt sich eine längere, niedrig dosierte Exposition gegenüber Glyphosat auf das Gehirn aus?
  • Wirkt Glyphosat synergistisch mit anderen Chemikalien, die in gängigen Herbiziden enthalten sind?
  • Kann Glyphosat post mortem bei Patienten nachgewiesen werden, die an der Alzheimer-Krankheit gestorben sind?

Heidi meint: „Das Vorsorgeprinzip ist ein zentraler Punkt im Umwelt- und Menschenschutz – vorbeugen ist besser als heilen!“

More action needed in the EU to reduce the impacts of chemical pesticides. European Environment Agency 26.4.23

Horrifying: Commonly Used Agricultural Herbicide Can Cross the Blood-Brain Barrier. SciTechDaily 30.4.23

Glyphosate infiltrates the brain and increases pro-inflammatory cytokine TNFα: implications for neurodegenerative disorders. Joanna K. Winstone et al., Journal of Neuroinflammation

Pestizid-Manifest: Für ein gesundes, grünes und sicheres Holland

27. April 2023

Diese Organisationen unterstützen das holländische Manifest Pestizide.

Diese Organisationen unterstützen das holländische Pestizid-Manifest.

Natur & Umwelt, die Parkinson-Vereinigung (Teil der Parkinson-Allianz Niederlande), die FNV (Niederländischer Gewerkschaftsbund) und eine breite Koalition von Organisationen der Zivilgesellschaft fordern mit einem Manifest die holländische Regierung auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und dafür zu sorgen, dass sich die Natur erholt und eine gesunde Umwelt geschaffen wird, in der alle NiederländerInnen sicher leben, arbeiten und sich erholen können. Heidi hat dieses Manifest (mithilfe von DeepL) übersetzt.

In der heutigen grossindustriellen Landwirtschaft und im Gartenbau steht die Effizienz der Lebensmittelproduktion an erster Stelle. Möglichst hohe Erträge zu möglichst geringen Kosten. Die Kehrseite davon ist, dass grosse Mengen chemischer Pestizide zur Bekämpfung von Krankheiten und Schädlingen in den Kulturen eingesetzt werden. Die Folge ist, dass wir überall in unserer Umwelt giftige Stoffe finden, die dort nicht hingehören: auf Lebensmitteln, im Hausstaub, in Urin, Fäkalien und Haaren von Landwirten, im Boden, in Pflanzen im Garten und im Park und im (Trink-)Wasser. Kurzum: Menschen, Tiere und die Umwelt sind einer ganzen Reihe von Pestiziden ausgesetzt. Es wird immer deutlicher, dass all diese Stoffe in der Umwelt die Gesundheit und die biologische Vielfalt beeinträchtigen.

Und das ist sehr besorgniserregend, denn die Niederlande befinden sich in einer Biodiversitätskrise. Seit 1900 sind die einheimischen Pflanzen- und Tierpopulationen um bis zu 85% zurückgegangen. In landwirtschaftlichen Gebieten ist die biologische Vielfalt in den letzten 30 Jahren um bis zu 50% zurückgegangen. In der Hälfte unserer Gräben und Kanäle wird die zulässige Konzentration von Pestiziden überschritten. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf das Leben im Wasser. Wasserorganismen werden krank oder sterben. Die Ökosysteme werden dadurch geschwächt.

Aber auch die menschliche Gesundheit ist gefährdet. Landwirte, Gärtner und Arbeiter, die mit Pestiziden arbeiten, sind durch gesundheitliche Probleme gefährdet. Die Arbeitnehmer sind nur unzureichend vor der Exposition gegenüber schädlichen Pestiziden geschützt. Landwirte, die mit Pestiziden arbeiten, haben ein höheres Risiko, an der am schnellsten wachsenden Gehirnkrankheit Parkinson zu erkranken, als andere Menschen. Ausserdem mehren sich die Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen der Pestizidbelastung und verschiedenen Krebsarten, Lungenerkrankungen, Fortpflanzungsproblemen und Störungen des Immunsystems. Hinzu kommt, dass Pestizide häufig in Kombination verwendet werden. Diese Pestizid-Cocktails schaden der biologischen Vielfalt und der Gesundheit höchstwahrscheinlich mehr als einzelne Pestizide. Dies wird jedoch kaum erforscht, und diese Cocktails spielen bei der Zulassung von Pestiziden keine Rolle. Die derzeitigen Zulassungsvorschriften für Pestizide reichen nicht aus, um das Risiko von Gehirnerkrankungen wie der Parkinson-Krankheit angemessen zu bewerten. Chronische gesundheitliche Auswirkungen werden nicht berücksichtigt, weil sie sich oft erst später im Leben zeigen und die Forschung sich auf die kurze Frist konzentriert.

Kurzum: Die Besorgnis über die Auswirkungen und Risiken des Pestizideinsatzes in Landwirtschaft und Gartenbau ist gross. Es besteht Handlungsbedarf!

Natur & Umwelt, die Parkinson-Vereinigung (Teil der Parkinson-Allianz Niederlande), die FNV und eine breite Koalition von Organisationen der Zivilgesellschaft fordern die Regierung auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und dafür zu sorgen, dass sich die Natur erholt und eine gesunde Umwelt geschaffen wird, in der alle Niederländer sicher leben, arbeiten und sich erholen können. Wir fordern Politiker und Entscheidungsträger auf, die folgenden Punkte in ihren Plänen, Politiken und Entscheidungen zu berücksichtigen:

  1. Anwendung des Vorsorgeprinzips
    In den vergangenen Jahrzehnten haben sich wiederholt unvorhergesehene negative Auswirkungen des Einsatzes chemischer Pestizide gezeigt, wie z. B. das Insektensterben und das erhöhte Risiko der Parkinson-Krankheit. Wir fordern daher die Regierung auf, Pestizide zu verbieten, wenn Zweifel oder Unklarheit über ihre möglichen schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit oder das Ökosystem bestehen. Vorbeugen ist besser als heilen.
  2. Gewährleistung eines gesunden und sicheren Lebensumfelds
    Wir fordern die niederländische Regierung auf, auf eine Verschärfung der Vorschriften für die Zulassung von Pestiziden hinzuwirken, auch im europäischen Kontext. Stellen Sie zum Beispiel sicher, dass die Auswirkungen der Substanzen auf die Gehirnzellen gemessen werden und stellen Sie dafür zusätzliche Mittel bereit. Fordern Sie die Erforschung der Risiken der gebräuchlichsten Cocktails aus giftigen Chemikalien für die Gesundheit und das Ökosystem. In der Tat können verschiedene Stoffe aufgrund ihrer chemischen Wirkung gemeinsam eine stärkere Wirkung haben als jeder einzelne oder als die Summe der Wirkungen.
    Sorgen Sie dafür, dass zwischen landwirtschaftlichen Nutzflächen und Wohngebieten breite spritzfreie Zonen eingerichtet werden. Die Einrichtung solcher Zonen schützt die Menschen vor gesundheitlichen Schäden, aber auch diejenigen, die bereits an der Parkinson-Krankheit leiden. Kürzlich wurde nämlich nachgewiesen, dass sich der Krankheitsprozess bei fortgesetzter Exposition gegenüber Pestiziden beschleunigt.
  3. Für ein sicheres Arbeitsumfeld sorgen
    Die Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, die Risiken aller verwendeten Pestizide gemeinsam mit den Arbeitnehmern in einer Risikoinventarisierung und -bewertung (RI&E) zu erfassen. Ausserdem müssen sie einen Aktionsplan aufstellen, wie sie diese Risiken angehen. Die Arbeitsaufsichtsbehörde soll besser sicherstellen, dass diese RI&Es in Absprache mit den Arbeitnehmer erstellt werden. Wir fordern auch eine Intensivierung der Inspektionen zur Umsetzung der Massnahmen in den Aktionsplänen zum Schutz der Arbeitnehmer. Darüber hinaus fordern wir die Regierung auf, die Arbeitgeber zu verpflichten, auch die Arbeitnehmer zu erfassen, die Substanzen ausgesetzt sind, die im Verdacht stehen, krebserregende, erbgutverändernde und fortpflanzungsgefährdende Eigenschaften zu haben.
    Ziel all dieser Massnahmen ist es, die Exposition der Arbeitnehmer gegenüber Pestiziden zu verringern und sie so weit wie möglich zu schützen.
  4. Schutz der biologischen Vielfalt und der Wasserqualität
    Sicherstellung eines raschen Übergangs zu naturnahen und ökologischen Anbausystemen, bei denen der Einsatz chemischer Pestizide stark reduziert wird und Landwirtschaft und Natur sich gegenseitig verstärken. Ergreifen Sie Massnahmen, um das Abfliessen von Pestiziden und deren Auswaschung ins Wasser zu verhindern. Stoppen Sie den Einsatz von chemischen Pestiziden in Gebieten, in denen Trinkwasser gewonnen wird, um eine weitere Verschmutzung unseres Trinkwassers zu verhindern. Verbot des Einsatzes von Pestiziden in Naturschutzgebieten, einschliesslich der landwirtschaftlichen Flächen in diesen Gebieten.
    Stellen Sie sicher, dass keine Pestizide mit Substanzen zugelassen werden, die mit den üblichen Methoden im Wasser nicht messbar sind. Diese so genannten nicht prüfbaren Stoffe sind in geringen Konzentrationen sehr schädlich, werden aber in Überwachungsprogrammen erst dann gemessen, wenn sie weit über der Norm liegen. Modellstudien auf der Grundlage von Zahlen zum Pestizidverbrauch haben ergeben, dass 90% der Umweltschäden durch nicht messbare Stoffe verursacht werden. Dieser blinde Fleck bedeutet, dass wir einfach nicht wissen, wie schlecht unser Wasser ist.
  5. Beschleunigung des Übergangs zu einer naturnahen und ökologischen Landwirtschaft
    Die Regierung arbeitet daran, die Abhängigkeit von chemischen Pestiziden, insbesondere von den schädlichsten, zu verringern, aber das geht nicht schnell genug, so die Schlussfolgerung des Gesundheitsrates. Daher ist ein schnellerer Systemwechsel zu einer naturnahen und ökologischen Landwirtschaft erforderlich. Wissen und Lösungen aus dem ökologischen und naturnahen Landbau stärker nutzen und sich für mehr Forschung im Rahmen dieser Anbauprinzipien einsetzen. Investieren Sie in die naturnahe Ausbildung von Landwirten und Anbauberatern. Finanzielle Unterstützung für Landwirte, damit sie die Umstellung bewältigen und Vereinbarungen in der Kette für ein solides Einkommensmodell für naturverträgliche Landwirte treffen können.
    Darüber hinaus ist eine Politik erforderlich, die den gesamten Sektor bei der Umstellung unterstützt. Untersuchung des dänischen Modells, bei dem nach dem Verursacherprinzip eine Steuer auf Pestizide erhoben wird, die sich nach deren Toxizität richtet. Sicherstellung einer ordnungsgemässen digitalen Registrierung des Pestizideinsatzes auf Ebene der Kulturen. Förderung und Organisation eines professionellen Vergleichs des Pestizideinsatzes und der Umweltbelastung durch Pestizide; dies wird das Bewusstsein und die Handlungsperspektive der Landwirte und ihrer Berater schärfen.
  6. Unterstützen Sie das europäische Ziel, bis 2030 50% weniger Pestizide zu verwenden, und stimmen Sie gegen die Erneuerung von Glyphosat
    Wir fordern die Regierung auf, im Einklang mit der früheren Forderung von mehr als 700 Wissenschaftlern das europäische Ziel zu unterstützen und sich zu eigen zu machen, den Einsatz und die Risiken von Pestiziden bis 2030 um mindestens 50% zu reduzieren. Darüber hinaus sollte sie sich verpflichten, Pestizide, die ernsthafte Risiken für Mensch und Umwelt darstellen können – die europäische Liste der zu ersetzenden Stoffe – bis spätestens 2030 zu verbieten. Verhindern Sie, dass solche Pestizide in der Zwischenzeit zugelassen werden.
    Schliesslich fordern wir die Regierung auf, sich ein für alle Mal von dem gesellschaftlich höchst umstrittenen Wirkstoff Glyphosat zu verabschieden. Es ist hochgradig schädlich für Bienen, Wasserlebewesen und die Bodenflora. Laut WHO ist es wahrscheinlich krebserregend und es gibt ernsthafte Bedenken, dass Glyphosat das Risiko der Parkinson-Krankheit erhöht. Wir fordern die Regierung auf, zusammen mit anderen Ländern wie Deutschland gegen die europäische Verlängerung der Zulassung von Glyphosat bis Ende 2023 zu stimmen. Glyphosat ist das am weitesten verbreitete Herbizid zur Unkrautbekämpfung, aber es gibt gute Möglichkeiten, dies mit Technik und Maschinen zu tun.

„Dies ist meine Geschichte. In meiner Jugend habe ich sechs Wochen lang bei einem Lilienzüchter gearbeitet. Ich bezweifle ernsthaft, dass ich nur geringfügig mit Gift in Berührung gekommen bin. Ich glaube, sie war enorm. Bei heissem Wetter arbeiteten wir ohne Hemd (um braun zu werden). Und die Kühle hinter dem Sprühgerät war wunderbar. Im Nachhinein betrachtet habe ich also Pestizide eingeatmet und war ihnen durch Hautkontakt ausgesetzt. Ich weiss nicht, welche Pestizide verwendet wurden. Mit 29 Jahren wurde bei mir Parkinson diagnostiziert, und ich leide jetzt seit 19 Jahren an Parkinson. – F. Roos

„Ich hatte den Verdacht, dass mein Spannungsgefühl mit dem Pestizid gegen Pilze und Milben zu tun hatte, das am Freitag vor dem Wochenende in den Klimazellen versprüht wurde. Am Montag war alles fettig, auch die Haut und die Haare. Wir hatten keine Schutzmaske oder Handschuhe. Ich wurde immer kurzatmiger. Als ich 2017 plötzlich eine Gesichtslähmung bekam, war mein Mann schockiert.“ – Klimakammerarbeiterin N. Macrojon (47 Jahre)

Maatschappelijk Manifest Bestrijdingsmiddelen, april 2023, https://natuurenmilieu.nl/app/uploads/Manifest-Bestrijdingsmiddelen.pdfVoor een gezond, groen en veilig Nederland

Diesjährige Helikoptersprühflüge seit 18.3.23 – Heidi hat die neueste Pestizidliste studiert

12. April 2023

Gefahrenkennzeichnungen Fungizid Lumino, Pflanzenschutzmittelverzeichnis des BLV, abgerufen am 11.4.23

Gefahrenkennzeichnungen für das Fungizid Lumino, Pflanzenschutzmittelverzeichnis des BLV, abgerufen am 11.4.23

An vielen Orten in Europa ist das Ausbringen von Pestiziden mit dem Helikopter verboten, nicht so in der Schweiz. Air Glaciers schreibt auf der Homepage:

„Der Helikopter ist das Sprüh-Transportmittel und die Wahl des Pflanzenschutzmittels liegt in Ihrer Hand: PI, SPS, BIO oder gemischt. Im Jahr 2023, 80% der eingesetzten Produkte sind Produkte, die im ökologischen Landbau verwendet werden.

Für eine gesunde Ernte sind Pflanzenschutzmittel unerlässlich. Ohne vorbeugende Behandlungen zerstören Pilzkrankheiten, insbesondere der echte und falsche Mehltau, die Ernte und schwächen die Kulturen. Da viele Anpflanzungen sich vorwiegend in Steillagen befinden, kommt der Helikopter für die Behandlungen zum Einsatz.

Unsere Sprühflüge unterliegen strengen Kontrollen des Kantones und bedürfen einer jährlichen Genehmigung des BAFU und BAZL. Es sind nur wenige Pflanzenschutzmittel zum Sprühen aus der Luft zugelassen. Dabei handelt es sich ausschliesslich um Fungizide, wovon einige auch für Biokulturen zugelassen sind. Dank dem Einsatz des Helikopters in Steillagen kann die Menge von Pflanzenschutzmittel um bis zu 30% gesenkt werden.“

Weil „Faktenchecks“ so in Mode sind, möchte Heidi hier gerade einhaken:

  • Als das Bundesamt für Umwelt (BAFU) die Distanzen zu sensiblen Flächen wie Oberflächengewässer und Wohnzonen vor einigen Jahren auf 30 m halbierte und nur für „besonders schädliche“ einen grösseren von 60 m vorschrieb, hat sich Heidi intensiv mit den zugelassenen Pestiziden befasst. Dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) war damals eine Liste von 100 für die Luftapplikation zugelassene Pestiziden zum Entscheid für 30 m oder 60 m Abstand unterbreitet worden. Weil Heidi diese gerade Zahl suspekt vorkam, duchforstete sie das Pflanzenschutzmittelverzeichnis und fand noch viele weiteren für Luftapplikation zugelassene Pestizide. Es stimmt also nicht, dass „nur wenige Pflanzenschutzmittel“ zum Sprühen aus der Luft zugelassen sind.
  • Betreffend eingesetzter Pestizide widerspricht sich die Air Glaciers auch dieses Jahr. Im einleitenden Text heisst es, dass 80% der Mittel im ökologischen Landbau eingesetzt würden. Weiter unten liest Heidi, dass einige auch für Biokulturen zugelassen seien. Heute gilt eben fast alles als ökologisch, nachhaltig, klimaneutral, kinderfreundlich, menschenfreundlich usw. Das Tragische daran ist nur, dass viele das glauben.
  • Die Behauptung, dass der Pflanzenschutzmitteleinsatz um bis zu 30% gesenkt werden kann, das wagt Heidi anzuzweifeln, ohne jedoch den Beweis dazu liefern zu können.

Agroscope gibt jeweils Ende Dezember die neueste Liste der für Helikopter-Sprühflüge zugelassenen Pestizide heraus. Weil sie in Changins erstellt wird, ist sie auf französisch verfasst. Neun Pestizide sind für Aprikosenbäume zugelassen, 81 Pestizide für Reben. Was ist mit den übrigen, die für Luftapplikation zugelassen sind, aber nicht auf dieser Liste figurieren? Vor Jahren hat das BAFU Heidi erklärt, dass für all jene ein Abstand von 60 m gelten würde, was Heidi etwas erstaunte, denn darunter sind auch ziemlich harmlose.

Agroscope-Liste der für die Luftapplikation (Helikopter) zugelassenen Pestizide mit Detailinfos, PDF

Alphabetische Agroscope-Liste der für die Luftapplikation (Heliopter) zugelassenen Pestizide, PDF

Änderungen seit 2021

Im Vergleich zum Jahr 2021 gibt es für 2023 folgende Änderungen in der Agroscope-Liste Luftapplikation:

  • Gestrichene Fungizide: Valiant flash (60 m Abstand zu Gewässern), Carbofort, Profiler, Systhane Viti 240, Tiolene
  • Neu zugelassene Fungizide: Auralis, Cidely, Cupric flow, FytoSave, Lumino, Prox, Thiovit liquid und Tofa

Besondere Beachtung schenkt Heidi drei Pestiziden, die neu auf der Agroscope-Liste sind.

Das Fungizid Lumino wird gegen viele Pilzkrankheiten und in zahlreichen Kulturen eingesetzt: Beeren, Salat, Obst, Gemüse, Zuckerrüben, Kräuter, Kartoffeln, Raps, Bäume, Sträucher, Blumen, Rosen, Reben usw. Für Lumino wird lediglich ein Abstand von 60 m zu Oberflächengewässern gefordert, nicht aber einen solchen zu Wohnzonen. In Anbetracht der Einstufung als „gesundheitsschädigend“ mit fünf H-Punkten (EUH066, EUH401, H304, H319, H336, siehe Abbildung am Anfang dieses Beitrags) ist es für Heidi unerklärlich oder eher unverantwortlich, dass kein grösserer Abstand zu Wohnzonen gefordert wird.

Für Prox wird ein Abstand zu Wohnzonen und Oberflächengewässern von 60 m gefordert.

Gefahrenkennzeichnungen für das Fungizid Prox, Pflanzenschutzmittelverzeichnis des BLV, abgerufen am 11.4.23

Gefahrenkennzeichnungen für das Fungizid Prox, Pflanzenschutzmittelverzeichnis des BLV, abgerufen am 11.4.23

Und was ist mit Tofa? Sowohl zu Wohnzonen wie auch Oberflächengewässern wird nur ein „normaler“ Abstand von 30 m gefordert, obwohl die Gefahrenkennzeichnungen im Pflanzenschutzmittelverzeichnis des BLV u.a. „H362Kann Säuglinge über die Muttermilch schädigen“ enthält. Jede Mutter ist ja selber schuld wenn sie in der Nähe von Heli-Rebbergen wohnt oder sich zur Zeit der Sprühflüge dort aufhält. Und das Kind?:

Gefahrenkennzeichnung von Tofa gemäss Pflanzenschutzmittelverzeichnis des BLV, abgerufen am 11.4.23

Gefahrenkennzeichnung von Tofa gemäss Pflanzenschutzmittelverzeichnis des BLV, abgerufen am 11.4.23

Die Sprühflüge der Aprikosenbäume begannen gemäss Air Glaciers am 18.3.23. Je nach Wetterbedingungen (wurden) werden bis zum 15.4.23 drei bis sechs Behandlungen zu bestimmten und genau festgelegten Zeitpunkten stattfinden. Die Pflanzenschutzflüge der Reben beginnen normalerweise Mitte Mai. Da diese vom vegetativen Zustand der Kulturen und der Entwicklung der Natur abhängig sind, werden die verschiedenen Behandlungstage nach und nach veröffentlicht.

Allen Beteuerungen zum Trotz ist das Ausbringen von Pestiziden per Helikopter keine gute Idee, denn die Abdrift ist hoch, zu viel Gift landet dort, wo es nicht hingehört. Es wird viel geredet über die Reduktion der Pestizide, aber noch immer werden anfällige Rebensorten neu gepflanzt und Pestizide mit unzulänglichen Methoden ausgebracht. Auch Bio-Mittel gehören nicht breitflächig verteilt!

Heidi meint: „Die Helikoptersprühflüge müssten auch in der Schweiz endlich verboten werden.“

Spray : Reben- und Aprikosenpflege. Air Glaciers

Heidis weitere Artikel über Helikoptersprühflüge

Mehr als 700 WissenschaftlerInnen fordern eine ehrgeizige Pestizidpolitik für die europäische Landwirtschaft

7. April 2023

Der Agrarpolitik-Blog hat den offenen Brief von mehr als 700 WissenschaftlerInnen, die eine ambitionierte europäische Pestizidpolitik fordern, auf Deutsch veröffentlicht.

Was in der EU passiert, das betrifft auch die Schweiz. Gerade die Pestizidregulierungen werden von unseren Behörden mehr oder weniger übernommen, Verbote von Wirkstoffen oft mit einiger Verspätung. Daher ist dieser Aufruf von WissenschaftlerInnen, auch Schweizer, wichtig für uns. Heidi hat den offenen Brief aus der Wissenschaft von mehreren Seiten verlinkt erhalten, was die Bedeutung des folgenden Beitrags unterstreicht:

Der intensive Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft verursacht grosse Risiken für Mensch und Umwelt. Die EU hat sowohl in der «Farm to Fork“-Strategie als auch im Rahmen des globalen Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework ambitionierte Reduktionsziele fixiert, die in wenigen Jahren erreicht werden sollen. Diese Ziele geraten zunehmend unter politischen Druck. Mehr als 700 WissenschaftlerInnen forderten in einem offenen Brief die unverzügliche und definitive Verabschiedung einer ehrgeizigen Pestizidpolitik für die europäische Landwirtschaft. In einem in der Zeitschrift Nature Food veröffentlichten Artikel haben wir die Diskussion und Argumente zusammengefasst (Candel et al. 2023).

Lesen Sie bitte den vollständigen Artikel! Es ist wichtig, dass wir uns informieren, denn die Wissenschaft hat allenthalben Mühe, von der Politik gehört zu werden, da dort viele LobbyistInnen sitzen: Mehr als 700 WissenschaftlerInnen plädieren für eine ambitionierte europäische Pestizidpolitik. Jeroen Candel, Guy Pe’er & Robert Finger, Agrarpolitik-Blog 5.4.23

Candel, J., Pe’er, G., Finger, R. (2023). Science calls for ambitious European pesticide policies. Nature Food 31.3.23 https://www.nature.com/articles/s43016-023-00727-8

Scientists call for ambitious Sustainable Use of Pesticides Regulation. Candel, Jeroen, offener Brief, Stand vom 22.12.22

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Weltwassertag 2023: „Business as usual“ reicht nicht

22. März 2023

Wie sauber ist unser Wasser?

Wie sauber ist unser Wasser?

Deutsches Patent- und Markenamt zum Weltwassertag 2023:

Probleme bei der Wasserversorgung untergraben den Fortschritt bei praktisch allen wichtigen globalen Themen: Gesundheit, Hungerbekämpfung, Gleichstellung der Geschlechter, Arbeitsplätzen, Katastrophenbekämpfung oder Friedenstiftung.

Im Moment sind wir weit davon entfernt, das für 2030 gesteckte Ziel zu erreichen, heisst es auf worldwaterday.org: „Milliarden von Menschen und zahllose Schulen, Unternehmen, Gesundheitszentren, landwirtschaftliche Betriebe und Fabriken werden behindert, weil ihr Menschenrecht auf Wasser und Sanitärversorgung noch nicht erfüllt ist. Wir müssen den Wandel beschleunigen – über das „business as usual“ hinausgehen.“

Die Regierungen müssten im Durchschnitt viermal schneller arbeiten, um das Ziel rechtzeitig zu erreichen, heisst es weiter. „Aber dieses Problem können die Regierungen nicht allein lösen. Wasser geht jeden an, also muss jeder etwas unternehmen.“

Was meint die Forelle?

Unser Lebensraum, das Wasser, ist an vielen Orten verschmutzt mit Chemikalien – besonders Pestiziden – und überdüngt. Das zeigt z.B. eine der vielen Studien. Sie wurde am 13.3.23 im Spektrum veröffentlicht: Pestizide in Deutschland: Zu viel, zu verbreitet und gefährlicher als gedacht.In rund der Hälfte der Kleingewässer liegt die Konzentration an Pestiziden über den Höchstwerten, 30 Prozent der Lebewesen reagieren extrem empfindlich darauf. Eine Studie zeigt: Die Grundannahmen zur Sicherheit von Pflanzenschutzmitteln sind womöglich falsch.“

Liebe Heidi: „In der Schweiz ist es auch nicht besser. Und – was meinst du – wann wird substantiell gehandelt?“

Wie steht es mit dem Chlorothalonil im Grundwasser?

Es herrscht Funkstille bei den Schweizer Behörden. Man wartet auf den Entscheid des Bundesgerichts zur Syngenta-Klage. Nur einzelne Trinkwasserversorger arbeiten an Lösungen und einzelne PolitikerInnen fragen nach.

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Was ist auf Schalen von konventionellen Zitronen?

20. März 2023
Copyright: Annette F.

Copyright: Annette F.

Wer die Schalen von Zitronen für Gerichte oder Gebäcke verwenden will, muss zwingend Bio-Zitronen kaufen. Ob das Berühren der Schalen behandelter Zitronen harmlos ist oder nicht, das weiss wohl niemand so genau und beim Auspressen könnten Stoffe in den Saft gelangen. Jedenfalls sollte man konventionelle Zitronen ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.

Weil bei Coop im Laden konventionelle und biologisch angebaute Zitronen direkt nebeneinander liegen, wissen die KundInnen oft nicht sicher, ob sie behandelte oder nicht behandelte Zitronen kaufen. Klar konventionell sind diejenigen im Netzli, die Annette für Heidi fotografiert hat.

Auf der Etikette der behandelten Zitronen sind die Stoffe aufgeführt mit welchen die reifen Früchte behandelt wurden. Eigentlich wäre es interessant, von allen Früchten und Gemüsen zu wissen, womit sie behandelt worden waren. Das dürfte aber etwas kompliziert sein, da es nicht selten viele Stoffe sind. Auf der Etikette von Annettes Zitronen sind sie für die Schale aufgeführt:

  • E 904: das ist Schellack:
    Verwendung als Überzugsmittel von Süsswaren, Obst, Nüssen, Kaffeebohnen und Snacks. Bestandteil von Kaugummi. Zitrusfrüchte glänzen dadurch schöner, fühlen sich in der Hand angenehmer an und trocknen langsamer aus.
    Bewertung: Der Lausextrakt gilt aufgrund seiner langen Tradition als harmlos, einmal abgesehen von ein paar Allergien, auch wenn eine differenzierte toxikologische Bewertung noch aussteht.
  • E 914: Polyethylenwachsoxidate:
    Polyethylen (Kunststoff), das in geschmolzenem Zustand mit Luft oxidiert wurde. Polyethylenwachsoxidate lassen sich gut emulgieren und zeichnen sich durch grosse Härte aus. Verwendung als Überzugsmittel für Orangen, Melonen, Mangos, Papayas, Avocados und Ananas – gewöhnlich in Kombination mit Netzmitteln und Schimmelschutz.
    Bewertung: Eine Einschätzung ist mangels toxikologischer Daten nicht möglich.
  • Imazalil: Fungizid Diabolo
    In der Schweiz ist der Wirkstoff Imazalil z.B. als Saatbeizmittel für Kartoffeln zugelassen. Folgende H-Gefahrenkennzeichnungen sind für das Produkt Diabolo aufgeführt:
    • H318Verursacht schwere Augenschäden.
    • H411Giftig für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung.
  • Imazalil: Fungizid Diabolo Plus
    Interessant ist das Produkt Diabolo Plus. Es enthält Imazalil und Flutolanil. Das Mittel ist zugelassen für die Rhizoctonia-solani-Krankheit sowie Silberschorf. Während für das Fungizid mit dem Wirkstoff Flutolanil allein folgende Gefahrenkennzeichnungen aufgeführt sind H317Kann allergische Hautreaktionen verursachen und H411Giftig für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung, scheint die Kombination von Imazalil und Flutolanil schädlicher zu sein, denn die Gefahrenkennzeichnungen lauten (Cocktaileffekt?):
    • H318Verursacht schwere Augenschäden.
    • H351Kann vermutlich Krebs erzeugen.
    • H410Sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung.
  • Imazalil: Für Fische ist Imazalil giftig, die LC50 für Forellen liegt bei 2,5 mg/L. Die Halbwertszeit für den Abbau im Boden beträgt etwa ein halbes Jahr. Imazalil verbleibt im Boden und wird nicht ausgewaschen.

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Konventionelle und biologische Pestizide im Vergleich

13. März 2023

Quelle: Global 2000

Quelle: Global 2000

Heidi hat einen Hinweis auf folgenden Beitrag von Global 2000 erhalten: Konventionelle und biologische Pestizide im Vergleich, 23.2.23. Sie hatte schon am 7.12.22 über die wissenschaftliche Studie berichtet, die diesem Beitrag zugrunde liegt: Toxische Pestizide: So weit haben wir es gebracht! Weil das Thema so wichtig ist, zitiert Heidi im Folgenden aus dem Artikel von Global 2000:

„Die BefürworterInnen der industriellen Landwirtschaft behaupten, Bio-Bäuerinnen und -Bauern würden Gifte sprühen – und das nicht zu knapp. Ob Chemie oder Naturstoff spiele keine Rolle. Damit beschädigen sie den Ruf der Bio-Landwirtschaft. Zeit für einen Faktencheck!

Die negativen Auswirkungen des massenhaften Einsatzes von Pestiziden auf die biologische Vielfalt, das Klima und die Gesundheit nehmen stetig zu. Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, hat die EU-Kommission im Mai 2020 im Rahmen des European Green Deal die Farm to Fork-Strategie vorgestellt.

Damit soll der Übergang zu einem fairen, widerstandsfähigen und artenfreundlichen Landwirtschafts- und Lebensmittelsystem in Europa eingeleitet werden. Zu den wichtigsten Massnahmen gehören:

  • Schutz sensibler Gebiete vor negativen Pestizidwirkungen
  • Halbierung des Einsatzes und der Risiken von Pestiziden
  • Ausweitung der Bio-Landwirtschaft auf 25% der landwirtschaftlichen Nutzfläche bis 2030

Pestizide im Vergleich

BefürworterInnen der industriellen Landwirtschaft sind der Meinung, dass die biologische Landwirtschaft nicht das sei, was sie vorgibt zu sein. Dabei argumentieren sie vor allem mit zwei Behauptungen:

  • Bio-Bäuerinnen und -Bauern verwenden Pestizide, und zwar ähnlich häufig wie konventionelle.
  • Bio-konforme, natürliche Pestizid-Wirkstoffe sind ähnlich giftig wie synthetische.

Gemeinsam mit Prof. Dr. Johann Zaller von der BOKU (Universität für Bodenkultur Wien) haben wir im Auftrag von IFOAM Organics Europe, dem Europäischen Dachverband der Bio-Landwirtschaft, die Behauptungen einem Faktencheck unterzogen. Dabei wurde auch ein systematisch toxikologischer Vergleich durchgeführt.

Getestet wurden:

  • 256 Pestizide, die in der konventionellen Landwirtschaft zugelassen sind
  • 134 Pestizide, die auch in der biologischen Landwirtschaft erlaubt sind

Sind konventionelle und biologische Pestizide ähnlich giftig?

Um es gleich vorwegzunehmen: Die Antwort lautet: nein. Nimmt man die Gefahren-Klassifizierungen und gesundheitliche Richtwerte aus dem EU-Zulassungsverfahren als Massstab für die Bewertung der Giftigkeit von Pestiziden – dann sind die synthetischen deutlich gefährlicher als die natürlichen.

Stellt man die Pestizide anhand ihrer Gefahren-Klassifizierung gegenüber, so zeigen sich deutliche Unterschiede:

  • 55% der meist synthetischen Pestizid-Wirkstoffe, die in der konventionellen Landwirtschaft zugelassen sind, tragen zwischen 1 und 9 Gefahrenhinweise.
  • 3% der natürlichen Pestizid-Wirkstoffe, die auch in der biologischen Landwirtschaft erlaubt sind, tragen zwischen 1 und 5 Gefahrenhinweise.

Nach genauerer Untersuchung stellte sich heraus, dass sich in 16% der in der konventionellen Landwirtschaft verwendeten Pestizide Warnhinweise über mögliche Schäden für das ungeborene Kind, den Verdacht auf Karzinogenität oder akute tödliche Wirkungen finden, aber in keinem Pestizid mit Bio-Zulassung!

40% der synthetischen Pestizid-Wirkstoffe werden als sehr giftig für Wasserorganismen eingestuft, aber nur 1,5% der natürlichen Pestizid-Wirkstoffe.

Keine dieser Gefahren kann derzeit bei den natürlichen Pestizid-Wirkstoffen, die in der Bio-Landwirtschaft erlaubt sind, festgestellt werden.

Unterschiede zwischen den Pestiziden zeigen sich auch, wenn man die gesundheitsbezogenen Richtwerte als Massstab heranzieht: In 93% der meist synthetischen Pestizid-Wirkstoffe, die in der konventionellen Landwirtschaft zugelassen sind, aber nur in 7% der natürlichen Pestizid-Wirkstoffe, die auch in der biologischen Landwirtschaft erlaubt sind, wurde die Festlegung gesundheitsbezogener Richtwerte von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als relevant erachtet.

Die Gegenüberstellung zeigt, dass den biologischen Pestiziden ein deutlich geringeres Risikopotenzial für die menschliche Gesundheit und die Umwelt zugeschrieben wird, als den konventionellen.

Eine Erklärung für den erheblichen Unterschied in der Giftigkeit liegt in der Art und Herkunft der jeweiligen Pestizid-Wirkstoffe. Fast 90% der 256 konventionellen Pestizide bestehen aus synthetisch hergestellten Substanzen der Erdölchemie.

Im Gegensatz dazu sind alle 134 biologischen Pestizide natürliche oder natürlich gewonnene Stoffe (wie in der EU-Öko-Verordnung (EU) 2018/848 gefordert).

Nun wissen wir, dass „natürlich“ nicht automatisch „ungiftig“ bedeutet. Denken Sie zum Beispiel an die tödlichen Gifte einiger Pflanzen oder Schlangen. Schaut man sich aber die in der EU-Pestiziddatenbank gelisteten biologischen Pestizide an, stellt man schnell fest, dass deren überwiegende Mehrheit aus Substanzen besteht, die als ungiftig gelten können. So sind 75 nicht einmal „Stoffe“ im eigentlichen Sinne, sondern lebende Mikroorganismen (z.B.: Bakterien oder Pilze).

Dieser signifikante Unterschied im Gefahrenprofil der biologischen und konventionellen Pestiziden hängt mit einer grundlegend anderen Wirkungsweise zusammen:

Fast alle synthetischen Pestizid-Wirkstoffe entfalten ihre Wirkung durch Beeinflussung biochemischer Prozesse in den jeweiligen Zielorganismen (z.B.: Schädlinge). Sie wirken als sogenannte „Single-Site“-Inhibitoren von Enzymen oder Rezeptoren. Diese sind für den Zellstoffwechsel und für die Kommunikation innerhalb der Zelle und zwischen verschiedenen Zellen wesentlich. Das grosse Problem daran ist, dass unerwünschte Nebenwirkungen in Nicht-Zielorganismen (z.B.: bei Nützlinge) auftreten können.

Unter den biologischen Pestiziden findet sich solch ein Wirkungsmodus nur bei den Insektiziden „Azadirachtin“, „Pyrethrinen“ und „Spinosad“. Das Insektizid „Azadirachtin“ hemmt die hormonell induzierte Häutung von Insektenlarven. Die Insektizide „Pyrethrine“ als auch „Spinosad“ drosseln die Übertragung von Nervenimpulsen bei Insekten.

Die anderen biologischen Pestizide wirken auf andere Weise, indem sie beispielsweise Schädlinge vertreiben oder die Abwehrkräfte der Pflanze stärken. Das ist auch der Hauptgrund dafür, dass in der biologischen Landwirtschaft nur selten eine Resistenzentwicklung beobachtet wird.

So wirken die biologischen Pestizide

Natürliche Pestizid-Wirkstoffe, wie Essig oder Seife, wirken auf physikalisch-chemische Weise, indem sie die Zellmembran schädigen. Backnatron (Kaliumhydrogencarbonat) oder Löschkalk (Kalziumhydroxid) verändern den pH-Wert und trocknen den Zielorganismus aus. Pflanzenöle bilden eine physische Barriere zwischen der Pflanze und den Schadinsekten.

Einsatz von Pestiziden in der Bio-Landwirtschaft

Die unwahre Behauptung, biologische Pestizide seien vergleichbar giftig wie konventionelle, ist oft mit einer anderen Unterstellung verbunden: Die Häufigkeit ihrer Verwendung in der Bio-Landwirtschaft sei mit jener von synthetischen Pestiziden in der konventionellen Landwirtschaft vergleichbar.

Der einfachste Weg, den Wahrheitsgehalt dieser Behauptung zu überprüfen, wäre ein Vergleich der Daten zum Pestizideinsatz. Doch leider ist dies nicht möglich. Denn obwohl die EU-Pestizidverordnung von den landwirtschaftlichen Betrieben verlangt, ihre Pestizidanwendungen detailliert und täglich zu dokumentieren, haben sich eine Gruppe von EU-Mitgliedstaaten sowie bis vor kurzem auch Bauernverbände erfolgreich gegen die Verwendung dieser Anwendungsdaten für statistische Zwecke gewehrt.

Im Juni 2022 einigten sich die EU-Mitgliedstaaten darauf, ab 2028 jährlich Daten zum Pestizideinsatz zu erheben und zu veröffentlichen. Doch bis dahin stehen nur die Verkaufsdaten zur Verfügung. Und genau auf diese Daten berufen sich die KritikerInnen der Bio-Landwirtschaft, wenn sie ihr vorwerfen, einen vergleichbaren oder sogar höheren Pestizidverbrauch zu haben als die konventionelle Landwirtschaft.

Grundlage solcher Behauptungen ist eine irreführende Interpretation der Pestizidverkaufsdaten, die die EU-Mitgliedsstaaten jährlich veröffentlichen müssen. In unserem Faktencheck haben wir für Sie ein konkretes Beispiel aus Österreich. Damit kann die Behauptung, der Pestizideinsatz in der biologischen Landwirtschaft sei mit dem in der konventionellen Landwirtschaft vergleichbar, erfolgreich widerlegt werden.

Was können KonsumentInnen tun?

Dass die in der Bio-Landwirtschaft verwendeten natürlichen Pestizid-Wirkstoffe eine ähnliche Giftigkeit aufweisen, wie die in der konventionellen Landwirtschaft verwendeten synthetischen Pestizid-Wirkstoffe, bestätigen die Ergebnisse der Studie nicht.

Daher empfehlen wir beim Einkauf auf saisonale und regionale Produkte zu achten, denn diese sind in der Regel weniger mit Pestiziden belastet. Wirklich sicher sind aber nur Lebensmittel aus biologischer Landwirtschaft, da hier gar keine synthetischen Pestizide eingesetzt werden dürfen.“

Den ausführlichen Bericht von Global 2000 lesen Sie hier: Konventionelle und biologische Pestizide im Vergleich. 23.2.23

Faktencheck

Toxicological Comparison of Pesticide Active Substances Approved for Conventional vs. Organic Agriculture in Europe. Helmut Burtscher-Schaden et al. Toxics 2022, 10(12), 753; https://doi.org/10.3390/toxics10120753 2.12.22

Toxische Pestizide: So weit haben wir es gebracht! Heidis Mist 7.12.22

Pestizidreduktion in Apfelplantagen und Einfluss des Klimawandels. Heidis Mist 5.3.23

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