São Tomé und Príncipe: durch Plantagen bedrohte endemische Arten

São Tomé e Príncipe ist auf den Export von Produkten der Plantagenwirtschaft ausgerichtet, neu auch auf Bio und Fair Trade. Der grösste Teil der Nahrungsmittel muss importieren werden: Reis Getreide, Öl, Fleisch, Treibstoff usw. Das Land exportiert im Wert von 23 Millionen Dollar, während für 161 Millionen Dollar importiert werden muss.

Grosser Artenreichtum

Die geografische Isolation von Afrika hat zu einem hohen Grad an Endemismus geführt. Es gibt auf São Tomé e Príncipe 143 Vogelarten (27 kommen nur in São Tomé e Príncipe vor, sind endemisch), 15 Säugetiere, 14 Reptilien und 9 Amphibien. Von Juli bis Oktober besuchen Buckelwale (Megaptera novaeangliae) die Gewässer um Roça Belo Monte auf Principe, da sie von ihren sommerlichen Futterplätzen in den niedrigen Breiten zu den tropischeren Paarungs- und Kalbungsgebieten wandern. Auch Meeresschildkröten kommen seit vielen Millionen von Jahren an die Strände von São Tomé e Príncipe, und die Inseln haben das vielfältigste Angebot an Meeresschildkröten in Zentralafrika. Zwischen Oktober und April legen vier der fünf Schildkrötenarten ihre Eier an den Stränden von São Tomé e Príncipe ab, darunter die Grosse Lederschildkröte.

Gefährdetes Eden durch Palmölplantagen

Verschiedene Projekte zum Schutze der Artenvielfalt laufen, auch mit Beteiligung der EU. So gibt es einen internatinalen Aktonsplan zum Schutze von drei endemische Vogelarten, die vom Aussterben bedroht sind: Der Olivenzwergibis, der Newton-Würger und der Einfarbgimpel. Für das Treffen von Schutzmassnahmen werden die Hauptbedrohungen untersucht.

Für den Ibis ist bekannt, dass die Bejagung und die Zerstörung von Gebieten, die früher von der Art genutzt wurden, eine Rolle spielen. Es wird vermutet, dass die Hauptursache der Verlust von altem Tieflandwald und Sekundärwald ist, da die aufgegebenen landwirtschaftlichen Plantagen wieder in Betrieb genommen wurden, um die Cash-Crop-Industrie zu rehabilitieren. Ein wichtiges Beispiel dafür sind die Ölpalmenplantagen der zum Weltkonzern Socfin gehörenden Agripalma. Die Konzession ist auf sieben
Standorte verteilt, wurde aber nicht umfassend abgegrenzt.

Bis November 2013 wurden 1’200 ha gerodet, darunter auch die Monte Carmo-Konzession im südöstlichen Teil der Pufferzone des Obo-Naturparks, was zum Verlust von hochwertigem Waldhabitat führte, auf das der Zwergibis früher angewiesen war. Der Rest der Konzession umfasst weitere Gebiete in der Nähe von Emolve sowie Gebiete in der Nähe von Porto Alegre (500 ha) und Santo António.

Fragmentierung und Störung durch Strassenbau

Zusätzlich zum direkten Verlust von geeignetem Lebensraum durch die Abholzung für Ölpalmen gibt es zwei weitere Bereiche, in denen die Auswirkungen von Palmölkonzessionen bedenklich sind, nämlich Fragmentierung und Störung.

Die Strassenerschliessungen zur Verbesserung des Transports zwischen den Konzessionsgebieten werden potenzielle Vorkommensgebiete des São-Tomé-Newton-Würgers und des São-Tomé-Einfarbgimpels teilen. Die Verbindungsstrasse der nördlichen Konzession (Santelmo) und westlichen Konzession mit Monte Carmo, wird die verbleibenden Zwergibis-Populationen ausserhalb des Obô-Naturparks trennen. Von besonderer Bedeutung ist die nordöstliche Strasse, die eine im August 2013 aufgezeichnete Ibis-Population trennen wird.

Diese Entwicklungen werden die Verbreitung aller drei Arten und ihren Waldlebensraumes massiv fragmentieren.

Der zweite Bereich, der Anlass zur Sorge gibt, ist die Störung, die viel schwieriger zu quantifizieren und zu überwachen ist. Die Palmölkonzessionen werden die Störung dieser Populationen auf drei Arten erhöhen.

  1. Die Öffnung des Strassenzugangs wird zu einer erhöhten Zugänglichkeit für Waldnutzer, einschliesslich illegaler Abholzung und Jagd, in sensiblen Gebieten führen, die zuvor für diese Gruppen nicht zugänglich waren.
  2. Die Verbreitungsgebiete aller drei Arten werden näher bei menschlichen Aktivitäten liegen, was die Eignung dieser Lebensräume für die Arten verringern wird.
  3. Waldrodungen haben zum Verlust von Pufferhabitaten geführt, vor allem um den Obô-Nationalpark.

All dies führt zu einer verminderten Eignung dieser Gebiete für die bedrohnten Arten und zu einer Degradierung des Waldlebensraumes.

Druck auf Waldgebiete für Export-Produktion steigt

SATOCAO hat eine 3’500 ha grosse Konzession für den Kakaoanbau in São Tomé und mehrere Kooperativen wurden durch PAPAFPA gegründet für den Export von Kakao, Kaffee und Gewürzen. Die Produktion für Nischenmärkte wie Bio und Fair Trade steigt. Es ist schwierig, die Bedrohung durch diese Entwicklungen einzuschätzen, da es schwierig ist, Zugang zum lokalen Grundbuch zu erhalten.

Am 15.11.14 schloss die Regierung von São Tomé und Príncipe ein Abkommen mit dem brasilianischen Energieunternehmen TECHNIC über den Bau von drei Staudämmen am Yo Grande-Fluss. Das Flussgebiet des Yo Grande beherbergt einen grossen Teil der gut erhaltenen Tieflandwälder, welche die drei kritisch gefährdeten bedrohten Arten beherbergen, insbesondere den Zwergolivenibis, der entlang des Flusslaufs vorkommt. Der Bau des hydroelektrischen Damms hat das Potenzial, sich negativ auf diese gefährdeten Arten auszuwirken und bedroht die Integrität des weltweit bedeutenden Naturparks Obô.

BirdLife International – São Tomé e Príncipe

São Tomé e Príncipe International Species Action Plans for Critically Endangered birds on São Tomé 2014-2018

Anchoring a Green Recovery in São Tomé and Príncipe. BirdLife International Afrika

São Tomé / Príncipe: wildlife. African’s Eden

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Eine Antwort to “São Tomé und Príncipe: durch Plantagen bedrohte endemische Arten”

  1. Socfin: Verluste im Süden, Gewinne in der Schweiz | Heidis Mist Says:

    […] São Tomé und Príncipe: durch Plantagen bedrohte endemische Arten. Heidis Mist 15.1.21 […]

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